AGORA ARTES

AGORA ARTES

Programm-Nacht 22. Mai 2015

Werkpräsentationen 23.Mai – 7. Juni 2015

 

Die Programm-Nacht am 22. Mai war das zentrale Ereignis von „AGORA ARTES – Wechselspiel aller Künste“, das Einblicke gewährte in künstlerische Positionen und spartenübergreifend Präsentationen von Werken internationaler Talente aus 10 Ländern: Brasilien, Deutschland, Griechenland, Israel, Japan, Mexiko, Schweden, Südkorea, Tschechien, Türkei. Es wurden künstlerische Arbeiten gezeigt, die sich mit besonderen Qualitäten, Dialog-Strukturen der Akademie-Architektur, der Idee von Akademie heute und AGORA ARTES transdisziplinär auseinandersetzten. Sie boten somit frische Ansätze und Beispiele für integrativ gleichberechtigten Austausch von Vielfalt (Kunst + Kultur), grenzüberschreitende Kooperation und künstlerische Forschung. – Zusätzlich zu den Exponaten wurden einige Werke zeitbasierter Darbietungen der Programm-Nacht als Videodokumente einige Tage später in Ausschnitten zitiert und waren auch als Hörstation noch bis zum 7. Juni in Halle 3 nachzuerleben. Die Selbstpräsentation der Stipendiaten stand im Vordergrund. Die Gesamtvorstellung des Stipendiaten-Jahrgangs 2014 wurde vom Team der Jungen Akademie eingerichtet.

 

 

AGORA ARTES begann bereits im Eingangs-Foyer im Bereich der großen Treppe und des Buchengartens, setzte sich fort in Halle 3 und zeigte Ergebnisse des internationalen Berlin-Arbeitsaufenthalts-Stipendiums der Akademie der Künste. AGORA ARTES versteht sich als Forum vielfältiger Präsentation individueller sowie kunstübergreifend entwickelter Werkschöpfungen als Bildfolge (Malerei, Fotografie), Installation, Lesung, Hörwerk, Performance, Film, Gespräch oder auch als künstlerische Versuchsanordnung, die die Besucher einlädt, überraschend angenehme Wahrnehmungen im Selbstexperiment zu erkunden (ASMR yourself).

 

AGORA ARTES 2015 war gekennzeichnet durch räumliche Distanzen überbrückende, das Innen und Außen spiegelnde oder dialogisch reflektierende Installationen, kontrastierende oder überraschend harmonierende künstlerische Nachbarschaften. Gleichfalls durch transdisziplinär entwickelte Werkschöpfungen einzelner Stipendiaten, die ihr Ansinnen verschiedener künstlerischer Formen erprobten, oder mehrerer Stipendiaten, die sich zusammengetan hatten zu gemeinsamen Projekten zwischen Künsten, Ländern und Kulturen. So begegneten einander nicht nur Menschen, sondern auch Architektur und Film, Bücher deutscher und israelischer Autoren und deren Übersetzungen, Fotografie und Literatur nebst einem Hörspiel, Musik und Performance als türkisch-brasilianische Koproduktion, stumme Bild- und bewegende Bühnensprache aus griechischer Sicht, anspielungsreiche Ortserkundungen eines tschechischen Bildhauers, attraktive Raumveränderungen eines deutschen Architekten und musikalisch hörbar gemachte Vielstimmigkeit aller Stipendiaten als Chor – der symphonische Auftakt zu AGORA ARTES (grüne Stirnwand/ Eingangsfoyer).

 

Die Vorjahrsstipendiaten zeigten ihre zwischen Mai 2014 und 2015 entstandenen Arbeiten auf höchst vielfältige Weise. In den Darbietungen begegneten einander diverse Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungsweisen junger Künstler aus aller Welt. Sie kamen zusammen und erzeugten eine andere Wirklichkeit – Raum und Gelegenheit für unkonventionelle Lösungen. „Vielfalt! – über Grenzen hinweg“, so das Motto der Jungen Akademie, war Ausgangspunkt für einzelne Arbeiten und Produktionen frei zusammenfindender Teams. Unverwechselbare Talente trafen sich jenseits der Grenzen von persönlicher Eigenart, künstlerischer Intention, Disziplin, Sektionszugehörigkeit oder Herkunftsland. Sie wurden hörbar in Rafael Nassifs (Brasilien) „the artists meeting“, die Klang-Installation einer Vokal-Symphonie, komponiert aus den Stimmen aller internationalen und transdisziplinär sich austauschenden Stipendiaten 2014, sie war der akustische Auftakt im Eingangsfoyer. Sichtbar wurden diese Qualitäten alsindividuelle Erprobung einer einzelnen künstlerischen Autorschaft in verschiedenen ästhetischen Sprachen wie bei Stella Christodoulopoulou (Griechenland) – in ihrer Bühneninszenierung „civil“ oder in der fotografischen Bildersammlung „in-between“. Qualitative Vielfalt zeigte sich aber auch in kunstübergreifend entwickelten, gemeinsamen Werkschöpfungen mehrerer Stipendiaten aus verschiedenen Bereichen wie Film, Literatur und Design, so in Ron Segals (Israel) und Tatsuya Kawaharas (Japan) „Migrating Books“ oder im Zusammengehen von Tanz und Musik in der beeindruckenden, befremdlich-archaischen Performance „Dust Devil“ von und mit Özlem Alkis (Türkei – Mitwirkung Rafael Nassif) sowie beim Video „Dogpark“ von Özlem Alkiş und Neele Hülcker (Deutschland), eine Koproduktion zwischen Film, Tanz und Musik. Andererseits korrespondierten einige zeit- und raumübergreifend narrative, das Innen und das Außen reflektierende oder Licht und Schall leitende Installationen, die eher auf verborgene Qualitäten und entlegenere Kontexte anspielten. Sie ließen sich entweder werkimmanent, situativ oder auch durch den Ort, den Gebäudekomplex der Akademie der Künste am Hanseatenweg und das weitere Umfeld, begründen. In diesem Kontext sind die benachbarten und doch so unterschiedlichen Installationen „-facade“ von Klaus Kleine (Deutschland), „A Girl that once moved“ von Dominik Lang (Tschechien) und „Atelier 3“ von Dirk Peisl (Deutschland) zu erwähnen. Vergleicht man die Arbeiten „Migrating Books“ und „-facade“, überraschten zudem verwandt erscheinende und doch autonome Kunstauffassungen –, einerseits in der Nachfolge von Minimal Art, andererseits unter dem Eindruck einer unvollendeten Architektur des 8. Jahrhunderts. Die von der Jungen Akademie ebenso geförderte künstlerische Forschung betrieb ein ungewöhnliches Projekt, eine Art Versuchsanordnung zwischen Kunst und Therapie. Die Besucher konnten sich bei einer eigens dafür geschaffenen Agentur „ASMR yourself“ anmelden, um bei der Künstlerin Neele Hülcker seltsam angenehme Sinnesschauer zu erfahren und eine vor allem akustisch ausgelöste Grenzerfahrung im Selbstexperiment auf der Kippe von Spiel und Ernst zu wagen. Zwei Gesprächsrunden der Stipendiaten mit der Kunstkritikerin Nicola Kuhn vom Tagesspiegel und zwei Lesungen/Gespräche von und mit Valeria Luiselli sowie Andrzej Tichý rundeten die „AGORA ARTES“-Programm-Nacht ab, die mit über 300 überwiegend jungen Besuchern ein voller Erfolg waren (die Werkpräsentationen hatten bis zum Ende des Monats der Stipendiaten am 7. Juni insgesamt 1108 Besucher).

 

Im Berliner Feuilleton hieß es: „Der Austausch zwischen den Disziplinen, die Verwebungen auf menschlicher und künstlerischer Ebene stehen im Mittelpunkt. Die Akademie als Agora, als Festplatz der Künste. Und der Widersprüche (…) Das Mit- und Gegeneinander der Künste ist anregend und produktiv (…) Die alte Idee der Akademie, sie scheint bei den Jungen noch zu funktionieren.“ (Birgit Rieger, Programmnacht an der Akademie der Künste. Keine Zeit für Streit-Arbeit. Junge Maler, Schriftsteller, Komponisten treffen sich in der Akademie der Künste am Hanseatenweg. Der Tagesspiegel, 31.6.2015)

 

 

Christian Schneegass, Leiter Junge Akademie