Bildende Kunst – Mitglieder

Johann Friedrich Reiffenstein

Kunstschriftsteller

Am 22. November 1719 in Ragnit/Litauen geboren,
gestorben am 6. Oktober 1793.
Von 1790 bis 1793 Ehrenmitglied der Preußischen Akademie der Künste, Berlin.

Biographie

Johan Friedrich Reifenstein geb. am 22. November 1719 zu Ragnitz in Preußisch Lithauen, gestorben 6. Oktober 1793, eines Apothekers Sohn, kam in die Löbenichtsche Armenschule u. ging aus derselben 1735 auf die Universität zu Königsberg wo er die Rechte studirte sich aber zugleich auf dei schönen Wissenschaften legte u. in Malen u. Ätzen übte. Er ging 1744 als Hofmeister nach Berlin, ward im folgenden Jahre Pagen=Hofmeister in Cassel, verließ aber seinen Posten wegen der damaligen Kriegsunruhen u. begleitete von 1760-62 den Grafen Lynar auf einer Reise nach Frankreich, die Schweitz u. Italien. Seine Liebe zu den schönen Künsten ward in Rom durch seine Freundschaft mit Winkelman noch inniger u. er faßte den Entschluß sich dort häuslich niederzulassen. Da er mehrere Sprachen redete, so wandten sich fast alle Freunde von Stande an ihn, um sich von ihm, als einem Kenner der Kunst, in Rom u. den umliegenden Gegenden herum führen zu lassen. Seine ökonomische Lage in Rom war anfangs nicht die günstigste, besserte sich aber, als er nicht nur von der Petersburgischen Maler Akademie eine Pension erhielt, sondern auch bei der Anwesenheit Kaiser Joseph II. in Rom viele Bekanntschaften in Wien machte. Die vielen Bekanntschaften, welche er nach u. nach mit vornehmen Personen machte, waren Ursach, daß man ihm eine Menge Comissionen den Ankauf von Kunstsachen betreffend, auftrug, welche ihm bedeutenden Gewinn verschafften. Der Herzog von Gotha, dessen besondere Gnade er besaß, ernante ihn zum Hofrath u. gab ihm eine Pension. Eben die Ehre widerfuhr ihm von der Kaiserin Catharina II. welche ihn überdem noch die Aufsicht über ein, für die in Rom studirende russische Jugend errichtetes Institut gab. Die Kaiserin wünschte die Logen (!) Raphaels im Vatican in genauen Copien von gleicher Größe zu besitzen, u. ertheilte ihm den Auftrag, sie unter seiner Aufsicht von den besten Künstlern in Rom fertigen zu lassen, wofür sie ihm fünfhundert Zechinen aussetzte, die er bis an seinen Tod erhielt. Mit wahrer väterlicher Liebe nahm er junge deutsche Künstler auf, welche sich an ihn wandten. Zu seinem Vergnügen beschäftigte er sich mit Oel-Pastel u. (...) modellierte in Thon u. Wachs (...). Im Jahre 1788 war er mit einer Abhandlung über diesen Gegenstand beschäftigt. Zu seinen Schriften gehört eine Uebersetzung der archenholzischen Memoiren der Königin Christine, wozu er selbst die Vignetten u. Münzen zeichnete; außerdem hat er mehrere kleine Aufsätze u. Abhandlungen über die Malerei in Wachs=Pastell etc. geschrieben, von denen mehrere im Journal étranger, ferr 1757 abgedruckt sind. Was in Göthes Schrift Winkelman u. sein Jahrhundert über ihn gesagt worden ist, verdient nachgelesen zu werden. Er unterlag einer langwierigen Krankheit woran er auch in Rom starb.
(Auszug aus der Matrikel der Akademie der Künste)