Christian-Theunert-Archiv

Das Archiv des Berliner Bildhauers und Grafikers Christian Theunert konnte durch eine großzügige Schenkung der Familie Theunert, 1996 in den Bestand des Archivs Bildende Kunst übernommen werden.

Der 1899 in Neuwied am Rhein geborene Künstler studierte ab 1922 an der Akademie für bildende Kunst in München und wechselte 1924 an die Berliner Hochschule für Bildende Kunst. Hier beendete er 1930 sein Studium als Meisterschüler von Professor Edwin Scharff.
Sein Lebensweg war durch schwere Krankheit - aus Verletzungen des Ersten Weltkrieges herrührend - und durch verschiedene Arbeits- und Ausstellungsverbote geprägt. 1934 wurde seine erste Ausstellung von der Polizei geschlossen und alle präsentierten Arbeiten wurden beschlagnahmt und vernichtet. Der Künstler entging nur knapp der Verhaftung und musste sich bis zum Kriegsende außerhalb Berlins verbergen.
Hoffnungsvoll übernahm er 1947 eine Dozentenstelle an der "Lehrerbildungsstätte für Kunsterzieher an Höheren Schulen" in Potsdam. Beschuldigt, "westliche Ideen zu verbreiten", wurde er jedoch 1949 fristlos aus dem Schuldienst entlassen und flüchtete abermals unter Zurücklassung aller Werke nach Westberlin. Hier schloss er sich der "Neuen Gruppe" an und nahm an zahlreichen Ausstellungen in Berlin - u.a. in der Galerie Gerd Rosen - und in der Bundesrepublik teil.
Dem Berliner Künstler und Galeristen Ben Wargin verdankte Christian Theunert seine große Atelierausstellung 1967 in Berlin-Dahlem, seiner Eigeninitiative die Ausstellung im Münchner Kunst-Stadl 1981 und schließlich organisierte Eberhard Roters 1985 eine umfangreiche Theunert-Retrospektive in der Berlinischen Galerie. Trotz dieser Anerkennungen blieb ihm ein Lehramt und somit der "beruflich-gesellschaftliche Anschluß" (Roters) verwehrt.
1981 verstarb der Bildhauer in Berlin. Er hinterließ neben seinem umfangreichen bildkünstlerischen Werk zahlreiche Manuskripte für Hörspiele, Theaterstücke, Romane, Gedichte und Lieder, wie "Der Tod des Sokrates" (1940/1945), "Morphium" (1950/1952), "Wenn der Tauber ruft" (1955/1965), "Atomzeitlieder auf meiner Trompete" (1971) und "Dreizehn Lieder eines alten Mannes" (1979). Sie befinden sich gemeinsam mit seinen Tagebüchern, Notizen, Gesprächsaufzeichnungen und der Korrespondenz v.a. mit der Schriftstellerin Ingeborg Drewitz im Archiv. Ergänzt wird dieses interessante Quellenmaterial durch persönliche Unterlagen, Fotos und Ausstellungskataloge.

Das Archiv der Akademie der Künste trägt mit der Bewahrung des schriftlichen Nachlasses von Christian Theunert dazu bei, den Wunsch von Ingeborg Drewitz zu erfüllen: "Was das Jahrhundert einem wie ihm angetan hat, dürfen wir nicht vergessen. Er zählt nicht zu den großen auf dem Kunstmarkt. Wir sollten ihn entdecken."