Roger-Loewig-Archiv

Im Dezember 2000 übernahm das Archiv Bildende Kunst der Akademie der Künste von der Roger-Loewig-Gesellschaft den Nachlass des Berliner Zeichners, Malers, Dichters und Schriftstellers Roger Loewig.

Am 5. September 1930 im schlesischen Striegau (Strzegom) als Sohn eines Offiziers geboren, erlebte Loewig den Krieg in Oels und in Jarotschin im besetzten Polen. 1944/45 floh er über Dresden und Leipzig nach Obercunewalde in der Lausitz, wo er als Land- und Forstarbeiter tätig war, bis er 1951 eine Ausbildung als Lehrer für Deutsch, Russisch und Geschichte aufnahm. Von 1953 bis 1963 arbeitete er an verschiedenen Schulen in Berlin-Köpenick. Neben seiner Lehrtätigkeit schuf Loewig Gemälde, Zeichnungen, Gedichte und Kurzgeschichten. Die erste Ausstellung fand 1963 in einem Pfarrhaus in Berlin-Treptow statt. Roger Loewig zeigte Arbeiten zur Berliner Mauer und wurde in der Folge wegen "staatsgefährdender Hetze und Propaganda in schwerwiegendem Falle" verhaftet. Bemühungen der Bundesregierung verhalfen ihm nach einem Jahr Untersuchungshaft zu einer Bewährungsstrafe. Von 1965 bis 1971 arbeitete Roger Loewig als freischaffender Künstler in Berlin und Belzig. In dieser Zeit entstand ein großer Teil seines Gesamtwerkes. Die Auseinandersetzung mit dem Holocaust, die deutsche Teilung, die eigene Entwurzelung, die im Gefängnis erfahrene Bedrohung und die Landschaft des Fläming wurden zum Inhalt seiner Zeichnungen, Lithographien und Gedichte. Im öffentlichen Leben der DDR war Loewig ein Außenseiter; er erfuhr Unterstützung durch die Erfurter Ateliergemeinschaft um Rudolf Franke. In Bonn gründete sich 1966 eine "Gesellschaft der Freunde Roger Loewigs", deren Mitglieder Lithographien verkauften und Ausstellungen seiner Werke im westlichen In- und Ausland organisierten. Roger Loewig geriet zunehmend in politische Isolation, er trat im Mai 1971 aus dem Verband Bildender Künstler der DDR aus. In der Folge wurde seinem 1967 gestellten Ausreiseantrag stattgegeben. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin Creszentia Troike übersiedelte Roger Loewig im Januar 1972 nach Berlin (West). Dort bezog er eine Atelierwohnung auf dem Dach eines Hochhauses im Märkischen Viertel. Roger Loewig wurde durch zahlreiche Ausstellungen, Lesungen und Veröffentlichungen bekannt. Einzelausstellungen veranstalteten u.a. die Galerie Brusberg in Hannover, die Baukunst-Galerie in Köln, die Galerie Pels-Leusden in Berlin (West), die Hamburger Kunsthalle, die Ostdeutsche Galerie Regensburg und die Berlinische Galerie im Martin-Gropius-Bau. 1986 übereignete Roger Loewig einen bedeutenden Teil seines Werkes dem Warschauer Nationalmuseum; 1992 zeigte er als erster deutscher Künstler Arbeiten im Staatlichen Museum Auschwitz.
Roger Loewig starb am 4. November 1997 in Berlin. Unmittelbar vor seinem Tod wurde er für sein Lebenswerk mit dem Verdienstkreuz Erster Klasse der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

Der Nachlass Roger Loewigs wurde durch die Roger Loewig Gesellschaft in Zusammenarbeit mit der Stiftung Archiv der Akademie der Künste erschlossen. Das Roger-Loewig-Archiv enthält zum Teil noch unveröffentlichte Manuskripte, Entwürfe und Abschriften der Gedichte, Erzählungen, Prosastücke, Erläuterungstexte, Aufsätze und Reden, darüber hinaus Skizzen und Aufzeichnungen sowie illustrierte Briefe des Künstlers. Einen bedeutenden Teil des schriftlichen Nachlasses bildet die überaus umfangreiche und nahezu vollständige Korrespondenz von Roger Loewig und Creszentia Troike. Das Leben und die Wirkung Roger Loewigs in beiden Teilen Deutschlands ist in mehreren tausend Briefen überliefert; dazu kommen Materialien zur Organisation von Veranstaltungen und Veröffentlichungen, Faltblätter, Einladungskarten, Prospekte, Kataloge und Presseausschnitte. Amtliche Unterlagen dokumentieren das politische Schicksal des Künstlers. Neben dem Nachlass Roger Loewigs enthält das Archiv Sammlungen der Lebensgefährtin Creszentia Troike und der befreundeten Kunsthistoriker Helmut Börsch-Supan und Irena Jakimowicz zu Leben und Werk des Künstlers.
Um die Jahreswende 2000/01 waren Manuskripte, Briefe und Dokumente aus dem Roger-Loewig-Archiv sowie Veröffentlichungen literarischer Werke Roger Loewigs in einer kleinen Akademie-Ausstellung in der Archivabteilung Bildende Kunst zu sehen. Das Museum Nicolaihaus der Stiftung Stadtmuseum Berlin zeigte Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafiken von Roger Loewig.