Historisches Archiv

Die Bestände umfassen die Archive der Preußischen Akademie der Künste (1696-1945), der Akademie der Künste der DDR (1950-1993), der West-Berliner Akademie der Künste (1954-1993) sowie das Archiv der seit 1993 vereinigten Akademie der Künste. Das gesamte überlieferte Schriftgut dokumentiert nicht nur die Geschichte dieser bedeutenden Institution sondern auch mehr als 300 Jahre deutsche Kunst- und Kulturgeschichte. Neben der Korrespondenz mit anderen Einrichtungen befinden sich in den Beständen viele Autographen und Dokumente der über 2200 Mitglieder der Akademie, von denen sich u.a. Daniel Nikolaus Chodowiecki, Johann Gottfried Schadow, Max Liebermann, Heinrich Mann, Arnold Zweig, Hans Scharoun, Günter Grass, Heiner Müller und Walter Jens in leitender Funktion befanden. Zugehörige Sammlungen umfassen Presseartikel, Programme und Fotografien zur Akademie, ihren Mitgliedern, Ausstellungen und anderen Veranstaltungen.
Die Preußische Akademie der Künste, die drittälteste europäische Kunstakademie, war seit ihrer Gründung 1696 zugleich Mitglieder-Sozietät und Ausbildungseinrichtung für Bildende Kunst und Architektur, ab 1833 auch für die Musik. Die Dichtkunst erhielt 1926 eine eigene Sektion. Darüber hinaus erfüllte der Senat der Akademie durch seine Gutachtertätigkeit die Aufgabe einer Kunstbehörde in Preußen.
Das Unterrichtssystem umfasste verschiedene Lehranstalten, die später wieder aus der Akademie ausgegliedert wurden, wie 1869 die Musikhochschule und 1875 die Hochschule für die bildenden Künste. Besonders begabte Künstler erhielten seit 1875/1882 in den Meisterateliers und Meisterschulen eine individuelle Qualifizierung. Wettbewerbe und Preise, insbesondere der Große Staatspreis, förderten jüngere Künstler und ermöglichten Auslandsaufenthalte, vor allem in Rom. Seit 1786 boten die regelmäßigen Akademie-Ausstellungen einen Überblick über die Gegenwartskunst. Im 20. Jahrhundert fanden zudem Konzerte, thematische Ausstellungen, Lesungen und Vorträge statt. 
Mitglieder und Mäzene stifteten Fonds, aus denen viele Künstler Unterstützungen erhielten.
Auch das wechselvolle Schicksal der Kunstsammlung ist dokumentiert.

Die Akademie der Künste der DDR galt als die höchste Institution auf dem Gebiet der Kunst. Als Nachfolgeeinrichtung der Preußischen Akademie im Jahr 1950 gegründet,  war sie dem Ministerrat direkt unterstellt und hatte eine zentrale Funktion für die DDR. Vor allem die Akten des Präsidiums und der Direktion liefern Aufschlüsse über das gesellschaftliche Erscheinungsbild der Künstlersozietät, über staatliche Funktionsmechanismen im Bereich der Kunst und die Verflechtungen mit dem Partei- und Regierungsapparat, über Beziehungen zu Künstlerverbänden und kulturellen Einrichtungen. Die Unterlagen aus den vier Sektionen Bildende Kunst, Musik, Literatur und Darstellende Kunst sowie den anderen Bereichen der Akademie dokumentieren den Verlauf kulturhistorischer und Kunst-Debatten, die Mitglieder-Wahlen, die Ausbildung der Meisterschüler, die Vergabe von Preisen, die vielfältige Ausstellungs-, Veranstaltungs- und Publikationstätigkeit (einschließlich Redaktion der Zeitschrift Sinn und Form), den Aufbau der Nachlass-Archive und die Erwerbungen für die Kunstsammlung.

Der wesentliche Anspruch der vom Land Berlin getragenen Akademie der Künste (West) bestand darin, Freiheit und Anspruch der Kunst gegenüber Staat und Gesellschaft zu vertreten und die Öffentlichkeit mit den künstlerischen Tendenzen der Zeit bekannt zu machen. Mit ihren Veranstaltungen und Ausstellungen hat die Akademie das Berliner Kulturleben der Nachkriegszeit geprägt. Die Akten dokumentieren außerdem die Mitwirkung in Kulturgremien, die Vergabe des Kunstpreises des Landes Berlin sowie anderer Preise und Stipendien. Die Akten des Präsidialbereichs und der sechs künstlerischen Abteilungen Bildende Kunst, Baukunst, Musik, Literatur, Darstellende Kunst und Film- und Medienkunst (1984 gegründet) belegen künstlerische und zeitgeschichtliche Debatten, Mitglieder-Wahlen, Beziehungen zu kulturellen Institutionen und Verbänden, Veranstaltungs-, Ausstellungs- und Publikationstätigkeit sowie den Aufbau der Nachlass-Archive.

Das Archiv der heutigen Akademie der Künste bewahrt die ab 1993 überlieferten Unterlagen der nach der Vereinigung der beiden Berliner Akademien (Ost und West) hervorgegangenen Akademie der Künste, die im Jahr 2006 aus der Trägerschaft der Länder Berlin und Brandenburg in die des Bundes überging. Als internationale Gemeinschaft von Künstlern hat sie die Aufgabe, die Künste zu fördern, das kulturelle Erbe zu pflegen und die Bundesrepublik Deutschland in Angelegenheiten der Kunst und Kultur zu beraten. Die Überlieferung umfasst Schriftgut über die Kommunikation mit ihren mehr als 350 Mitgliedern, die Arbeit in den Gremien (Sektionen, Plenum und Senat) sowie die Programmaktivitäten einschließlich Preisverleihungen (u.a. Kunstpreis Berlin, Käthe-Kollwitz-Preis, Heinrich-Mann-Preis) und Förderung des künstlerischen Nachwuchses sowie die Arbeit ihres außerordentlich umfangreichen Archivs mit über 1000 personenbezogenen Einzelbeständen.

(Stand 20.10.10)