08.12.2009  15:04

Dieter Borsche

"Der Mann, zu dem man Vertrauen haben kann"

Dieter Borsche und Ruth Leuwerik, Königliche Hoheit, 1953<br/>

Dieter Borsche und Ruth Leuwerik, Königliche Hoheit, 1953

Dieter Borsche gehörte zu den beliebtesten Filmschauspielern der Nachkriegszeit und war das Idol einer ganzen Frauengeneration. Sein 100. Geburtstag am 25. Oktober 2009 war Anlass, um im Archivfenster in der Akademie der Künste am Pariser Platz 4 ausgewählte Dokumente aus seinem Archiv zu zeigen, welches die Akademie der Künste seit 2001 bewahrt. Fotos und Zeitungskritiken, Briefe und persönliche Notizen von Dieter Borsche dokumentieren seinen Lebensweg und seine wichtigsten Rollen.

Ob als katholischer Kaplan in Nachtwache (1949), als Offizier in Es kommt ein Tag (1950) oder als Arzt in Dr. Holl (1951), Dieter Borsche prägte mit seinen Rollen das männliche und charakterliche Wunschbild einer ganzen Epoche: aufrecht, integer und vertrauenerweckend. Zunächst gemeinsam mit Maria Schell, später dann mit Ruth Leuwerik bildete Dieter Borsche das Traumpaar des deutschen Nachkriegsfilms. Gemeinsam standen sie u. a. in Vater braucht eine Frau (1952), Muß man sich gleich scheiden lassen? (1953) und der Thomas-Mann-Verfilmung Königliche Hoheit (1953) vor der Kamera. Dieter Borsches geradlinige Männlichkeit und diskreter Charme passte hervorragend zu Ruth Leuweriks gepflegtem Darstellungsstil selbstbewusster, emanzipierter Frauen.

Gelegentlich spielte Dieter Borsche erfolgreich gegen sein bisheriges Rollenklischee an. So in der Rolle eines arbeitslosen Musikers, der in Frauenkleidern einen Job in einer Frauenkapelle ergattert, in Fanfaren der Liebe (1951), einem turbulenten Schwank mit viel Musik. Nach derselben Vorlage entstand 1959 Billy Wilders komödiantisches Feuerwerk Manche mögens heiss.

Während in den sechziger Jahren Dieter Borsches eigentliche Theaterkarriere begann, verabschiedete er sich von seinem bisherigen Leinwand-Image. Meist verkörperte er nun zwielichtige Gestalten in Fernsehkrimis nach Edgar Wallace oder Francis Durbridge. Erwin Piscator holte mit Beginn seiner Intendanz in Berlin Dieter Borsche an die Freie Volksbühne. Mit seinen Rollen in Die Grotte von Jean Anouilh (1962), als Papst in Der Stellvertreter von Rolf Hochhuth (UA 1962), als Oppenheimer in Heinar Kipphardts In der Sache J. Robert Oppenheimer (UA 1964) und als Chefankläger in Die Ermittlung von Peter Weiss (Ring-UA 1965) spielte sich Dieter Borsche in die erste Liga der deutschen Theaterschauspieler.

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