Helene Weigel versendet Hilfspakete an notleidende Künstler in Nachkriegsdeutschland


Akademie der Künste, Heinrich-Mann-Archiv. Mit freundlicher Genehmigung des S. Fischer Verlages, F.a.M., des Suhrkamp Verlages, F.a.M. und der Bertolt-Brecht-Erben, Berlin.

Unmittelbar nach Kriegsende beginnt Helene Weigel damit, nach Wegen zu suchen, auf denen Hilfsgüter sicher nach Deutschland und Österreich transportiert werden können und nimmt wohl in diesem Zusammenhang am 10. Mai Kontakt zu Billy Wilder auf, der das Amt des Kulturoffiziers der amerikanischen Armee innehatte. Brecht bittet in einem an dessen Amtsnachfolger Edward F. Hogan adressierten Brief vom 14.Oktober 1945 um die Weiterleitung von fünf Hilfspaketen, die er „eigenmächtig“, wohl aber nicht ohne Zutun Weigels, an Hogans Adresse geschickt hat. Zu den Adressaten dieser ersten „Liebesgaben“ gehörten Margarete Steffins Schwester Herta Hanisch, der frühere Kritiker des Berliner Börsen-Couriers Herbert Ihering, der Intendant der Deutschen Staatsoper in Berlin Ernst Legal, der Schauspieler Karl Etlinger sowie der Verleger Peter Suhrkamp.

Helene Weigel muß bewußt gewesen sein, daß ihre Hilfe im Alleingang nur ein Tropfen auf dem heißen Stein war. Sie engagiert sich deswegen in einem Komitee, das Hilfsgüter zur Unterstützung von Wiener Schauspielern sammelte. Die Arbeit des Komitees wurde jedoch durch gruppeninterne Spannungen behindert, und Helene Weigels weitere Arbeit in diesem Komitee ist nicht belegt. Das im Bertolt-Brecht-Archiv überlieferte Material deutet ebenfalls auf eine vom Komitee unabhängige Arbeit Weigels hin, die sich im folgenden hilfesuchend an Heinrich Mann wendet, um eine „kleine selbständige CARE-Paket-Aktion“ auf den Weg zu bringen. Nach telefonischer Anfrage bringt sie ihm einen mit Brechts Hilfe entworfenen Brief. Dieser richtete sich an in Hollywood ansässige Künstler mit der Bitte um Unterstützung für notleidende Freunde und Kollegen in Deutschland. Heinrich Mann zeigte sich sofort bereit, die Aktion zu unterstützen und unterschrieb innerhalb eines Tages zwischen 200 und 250 Exemplaren des Briefes. Weigels Plan war erfolgreich, und so packte und verschickte sie „einige Monate lang wöchentlich 30-40 Pakete“.

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(Stand 13.08.2009)