Helene Weigel versendet Hilfspakete an notleidende Künstler in Nachkriegsdeutschland

Co-Initiator der groß angelegten von Hollywood ausgehenden CARE-Paket-Aktion war der Schauspieler Robert Florian. Auf ihn ist auch der Umstand zurückzuführen, daß sich die Unterstützung neben Berlin und Wien schwerpunktmäßig auf Düsseldorf konzentrierte. Auf die dringende Notwendigkeit, Menschen im Raum Düsseldorf zu unterstützen, wies ihn seine Freundin Mieke Monjau hin. In einem Brief an diese berichtet Florian Anfang Dezember 1946 über den Abgang der ersten 37 CARE-Pakete: „die ersten Pakete haben als Absender Helene Weigel-Brechts Namen – die restlichen meinen Namen“.

Ein neuralgischer Punkt war die Finanzierung der Aktion. Die Versuche, Geld aufzutreiben, gestalten sich schwierig, oft laufen die Bitten ins Leere. Im Juni 1947 muß Helene Weigel in einem Brief an Mieke Monjau ernüchternd bilanzieren, daß „auf 140 Briefe […] nicht mehr als vier Antworten und nur sehr wenig Geld eingegangen“ sind. Um die nötigen Mittel für die Hilfssendungen aufzubringen, bittet Mieke Monjau die bildenden Künstler, die durch die Aktion unterstützt wurden, einige Werke zur Verfügung zu stellen, um diese als Dank an die Spender in den USA senden zu können. Nachweislich wurden diese Bildersendungen von Hanna Fonk, Georg Kinzer, Herbert Sandberg und dem Mitbegründer der Neuen Berliner Secession, Georg Tappert, unterstützt.

Aber auch Helene Weigel versuchte beharrlich, Geld für die Aktion zu sammeln. Im Februar 1947 bittet sie Heinrich Schnitzler, Brechts Tantiemen für die Lukullus-Inszenierung an der Berkeley-University in Form von auf CARE ausgestellte Checks zu bezahlen. Sie versucht, Schnitzler für die Aktion anzuwerben und durch ihn eine „Schnorrfiliale in San Franzisko“ zu etablieren. Im gleichen Monat erinnert sie Gottfried Reinhardt an einen versprochenen Check: „das Geld wird knapp.“ In beiden Fällen setzt Weigel auf das Schneeballprinzip und bemüht sich, sowohl über Schnitzler als auch über Reinhardt weitere Unterstützer für die Aktion zu interessieren. So hofft sie, über Reinhardt bei Metro Goldwin Meyer beschäftigte Schriftsteller und Künstler dafür gewinnen zu können, bedürftige Kollegen in Deutschland zu unterstützen.

Dorothee Aders

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(Stand 13.08.09)