Helene Weigel versendet Hilfspakete an notleidende Künstler in Nachkriegsdeutschland


Empfänger der Pakete von Helene Weigel
Akademie der Künste, Bertolt-Brecht-Archiv

Der Dialog zwischen Monjau und Weigel ist herzlich, verläuft aber schleppend. Vor allem die Weigel schreibt nicht regelmäßig und so bleibt Monjau mitunter fünf lange Monate ohne Nachricht. „Es ist deprimierend, ins Blaue zu arbeiten und die vielen Anfragen [...] nicht beantworten zu können“, beklagt sie sich in einem Brief vom 28.11.1947. Wiederholt erbittet sie Informationen bezüglich aufgegebener Paketsendungen, um deren Eingang überprüfen zu können, „aber eine Kontrolle kann ich nicht führen, wenn ich nicht die nötigen Unterlagen habe.“ Mehrere Listen und Teil-Listen zeugen von der Bemühung, den Überblick über die aufgegebenen und empfangenen Pakete zu behalten, denn immer wieder kam es vor, daß Pakete verlorengingen beziehungsweise verzögert, beschädigt oder gar beraubt ihren Bestimmungsort erreichten. Die Zwischenschaltung verschiedener Personen erschwerte die Arbeit Monjaus zusätzlich. Da es auf die Empfänger der Pakete verwirrend wirke, wenn fortwährend andere Personen sich erkundigten, ob eine Hilfssendung eingetroffen sei, bittet sie darum, Listen ausschließlich an sie zu senden und nur mit ihr über die Aktion zu korrespondieren. Gewissenhaft protokolliert sie die Ausgaben, die im Zusammenhang mit der Aktion anfielen und sammelt Quittungen. Sie ist es auch, die in Düsseldorf und Berlin Zusammenkünfte der Adressaten organisiert, bei denen sie „ausführlich über die Entstehung, Entwicklung und heutigen Stand der privaten Hilfsaktion Brecht-Florian“ informiert. Sechs einem Brief beigelegte Fotografien zeugen von einem dieser Treffen in Berlin und zeigen Monjau über Listen und Unterlagen gebeugt im Kreise der Paketempfänger. Auf einem dieser Fotos ist Günther Weisenborn auszumachen, der mehrere Hilfspakete erhielt. In der von ihm und Herbert Sandberg herausgegebenen Zeitschrift Ulenspiegel kam es im ersten Märzheft des Jahres 1948 auf Veranlassung von Mieke Monjau in Form eines kurzen Dankartikels zu einer öffentlichen Würdigung des Engagements von Helene Weigel und Robert Florian.

Dorothee Aders

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(Stand 17.08.09)