Helene Weigel versendet Hilfspakete an notleidende Künstler in Nachkriegsdeutschland

Der Regieassistent und Autor Heinz Kuckhahn, 1947 hochverschuldet und körperlich geschwächt, gesteht in einem Brief an Brecht, noch auf der Ausgabestelle mit dem Verzehr des Paketinhaltes begonnen zu haben: „Ich nahm gleich eine Tafel Schokolade heraus und fraß sie fast ganz auf; für den Rest des Tages war mir schlecht.“ Dennoch, der Tag war „seit vielen Jahren der schönste Tag, weil ich wußte, daß ich nicht ganz verlassen bin.“ Kuckhahns Brief verweist hier auf die psychische Dimension des Leids, die sich im Gefühl „allerletzte[r] und schaurige[r] Einsamkeit“ manifestiert und die in vielen der Briefe zum Ausdruck kommt. Diese spiegeln auch die Anstrengungen wider, sich in einem Leben, das durch die Zäsur des Krieges aus den Angeln gehoben wurde, neu zu orientieren. Beim Versuch, im Berliner Stadtteil Neukölln eine Sprechbühne zu etablieren, stemmt sich Kuckhahn mit aller Kraft gegen reaktionäre Bürokraten und Richter. Letztlich gelingt es ihm aber nicht, die Räumung des Theaters abzuwenden – es bleiben ihm Schulden in Höhe von 80.000 Mark und die Einsicht in die Intriganz der eigenen Genossen. Der „deutsche Kasernengeist“ stellt sich für Kuckhahn als Konstante dar: „Wer sagt, es habe sich darin gar nicht viel geändert, der hat recht.“ Die Erfahrung Anna Seghers’, „daß der Schwung [...] viel leichter schwankt, wenn man allein ist und auf sich selbst angewiesen“ teilen viele der Briefschreiber. Der Empfang eines CARE-Paketes bedeutet daher auch mehr als den Erhalt von Lebensmitteln.
Nicht die Tatsache, daß ein Paket angekommen [ist],“ bemerkt in diesem Zusammenhang der ehemalige Theatermeister des Rheinischen Städtebundtheaters in Neuss, Eugen Eggerath, der 1933 als Mitglied der kommunistischen Partei verhaftet wurde und neun Monate in Gefängnis und Konzentrationslager zubringen mußte „das große Solidaritätsgefühl – über Ozeane hinweg – zündete die innere Freudigkeit und machte die ganze Umwelt schöner“.

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(Stand 17.08.09)