7.10.2015

Kriegstagebuch von Konrad Wolf erstmals vollständig publiziert
Buchpremiere u.a. mit Wolfgang Kohlhaase und Angel Wagenstein in der Akademie der Künste am 15. Oktober

Die Akademie der Künste und die Friedrich-Wolf-Gesellschaft publizieren erstmals die Kriegstagebücher von Konrad Wolf in vollem Umfang. Ergänzt wird die Edition durch Briefe Konrad Wolfs an seine Eltern, seinen Bruder Markus, seine Halbschwester Lena sowie, ebenfalls als Erstpublikation, an seine langjährige Vertraute Cäcilia Woskressenskaja. Zudem enthält die Ausgabe einen Erinnerungsbericht Wolfs an die letzten Kriegstage, der ihm als Grundlage für seinen Film Ich war neunzehn diente. Eine neue HD-Abtastung des Films ist der Edition als DVD beigefügt. Die Publikation, die anlässlich des 90. Geburtstags von Konrad Wolf entstand, wird in einer Veranstaltung am 15. Oktober in der Akademie der Künste vorgestellt.

Konrad Wolf (1925 -1982) gilt als einer der wichtigsten deutschen Filmregisseure. Mit Filmen wie Sterne (1959), Der geteilte Himmel (1963/64), Ich war neunzehn (1967) und Solo Sunny (1978/79) wurde er auch international bekannt. Als langjähriger Akademie-Präsident hatte er sich bereits 1972 entschlossen, die Materialien seines künstlerischen und kulturpolitischen Wirkens der Akademie der Künste der DDR zu übergeben. Im Laufe der Jahre erwuchs daraus eines der bedeutendsten und umfassendsten Personalarchive zur deutschen Filmgeschichte.

Konrad Wolf, am 20. Oktober 1925 als Sohn des bekannten kommunistischen Schriftstellers und Arztes Friedrich Wolf im württembergischen Hechingen geboren, emigrierte im Jahre 1933 gemeinsam mit seinen Eltern und seinem Bruder Markus Wolf zunächst nach Frankreich und im Jahr darauf in die UdSSR. Für dieses Land, in dem er seine Sozialisation als Kind und Jugendlicher erlebte, zog er im Januar 1943 gegen Nazi-Deutschland in den Zweiten Weltkrieg. Auf Seiten der Roten Armee nahm er bis 1945 am Vormarsch vom Kaukasus über die Ukraine, Warschau, Lublin und die Oderfront bis nach Berlin teil. In dieser Zeit führte er ein Tagebuch, in dem er seine Erlebnisse und Beobachtungen in russischer Sprache festhielt. Dieses einmalige Dokument, ins Deutsche übertragen von Jürgen Schlenker, spiegelt vor dem Hintergrund des Krieges das Erwachsenwerden des 17-jährigen Rotarmisten Konrad Wolf wider, der sich im Kampf gegen seine früheren Landsleute mit den existenziellen Fragen von Identität und Selbstfindung auseinandersetzen musste.

Zur Buchpremiere von Konrad Wolf. Kriegstagebücher und Briefe 1942 – 1945 (Edition „Die Möwe“) liest der Schauspieler Leonard Scheicher am 15. Oktober Auszüge aus den Tagebüchern. Anschließend spricht Herausgeber Paul Werner Wagner mit Konrad Wolfs langjährigen Drehbuchautoren Wolfgang Kohlhaase und Angel Wagenstein sowie dem ehemaligen Offizier der Roten Armee und späteren Medizinprofessor Moritz Mebel.

Veranstaltungsdaten
Donnerstag 15.Oktober 2015, 20 Uhr
Akademie der Künste, Pariser Platz 4, Plenarsaal
Eintritt € 5/3, ticket@adk.de, Tel. 030 20057-1000
Pressekarten unter presse@adk.de, Tel. 030 200 57-1514

Für Rückfragen Dr. Torsten Musial/Nicky Rittmeyer, Filmarchiv, Tel. 030 200 57-32 58/-32 31