Jean François Edouard de Bièfve

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Historienmaler

Am 4. Dezember 1809 in Brüssel geboren, gestorben am 7. Februar 1882.
Von 1843 bis 1882 Mitglied der Preußischen Akademie der Künste, Berlin, Sektion für die Bildenden Künste.

Biographie

Bièfve, Jean Francois Edouard de, ein um die Blüthe belgischer Malerei unserer Zeit sehr verdienter Geschichtsmaler, wurde am 4. December 1809 zu Brüssel geboren, erhielt den ersten Unterricht in der Kunst auf der Akademie der schönen Künste seiner Vaterstadt und war dann von 1828-1830 Schüler des Historienmalers Paelinck (?) in dessen klassischer Richtung er auch einige historische Bilder brachte, wie 'Eucharis und Telemach' (1828) und einige andere kirchliche Bilder in einer Kapelle zu Brüssel. 1831 ging er nach Paris widmete sich mit großem Eifer und ausgezeichnetem Erfolge der Malerei und beschickte von dort aus die belgischen Ausstellungen mit Werken seiner Hand. War auch noch seine ""Geißelung Christi"" (1835) in derselben Richtung gemalt, so zeigte doch schon sein 1836 zu Brüssel ausgestelltes Gemälde 'Graf Ugolino und seine Söhne im Hungerthurm zu Pisa', nach Dante, - zwar schauerlich im Gegenstand, aber bedeutend wirkend durch Wahrheit und Ausdruck und der Farbe, sowie durch die Korrectheit der Zeichnung - daß er sich mit Erfolg dem Studium van Dycks gewidmet und den großen Bahnbrechern der neueren belgischen Schule, Wappers, Gallait, de Kayser angereiht (?) habe. Ebenso bedeutend war das folgende Werk 'Die letzten Augenblicke der Anna Boleyn'. 1841 endlich lieferte er an die Ausstellung in Gent sein Hauptwerk, die für das belgische Nationalmuseum bestimmte: 'Unterzeichnung des Compromisses der Edlen von Burgund am 16. Febr. 1566 (16. II. 1566) gegen die Einführung der Inquisition', ein Gemälde von bedeutendem Kunstwert, das mit Gallaits 'Abdankung Carl V.' in den beiden folgenden Jahren eine Rundreise durch ganz Deutschland machte und die größten Triumpfe feierte. Eine Original=Wiederholung in kleinerem Maßstabe besitzt die Berliner National=Gallerie. Und doch war der Eindruck, den jene Gemälde machten, weniger in dem geistigen Gehalte der Bilder gelegen; vielmehr bewunderte man an ihnen die Lebendigkeit der Composition, die feierliche Haltung der Handlung, die Charakteristik der Gestalten, die prächtige Malerei der Stoffe, jedoch vor Allem das glänzende, leuchtende Kolorit und die bedeutende Meisterschaft der Technik. In besonderer Anerkennung dieser Kunstleistung sandte ihm der Provinzialrath von Brabant die große goldene Medaille für Kunst und der Rath seiner Vaterstadt dedicirte ihm einen reichen goldenen Pokal mit der Widmung: 'La ville de Bruxelles à Edouard de Bièfve 13. September 1841'. In demselben Jahre kehrte der Künstler auch in sein Vaterland zurück, wo er seinen Aufenthalt in Brüssel nahm und in erfreulicher Wirksamkeit tätig blieb, obwohl nicht immer mit denselben Erfolgen wie bisher. Das zunächst dem Compromiß folgende größere Gemälde war der Damenfrieden (paix des dames) so genannt, weil derselbe ohne Zuziehung männlicher Diplomaten von zwei Fürstinnen, Margaretha, der Schwester Karl V. und Louise von Savoyen, der Mutter Franz I., am 5. August 1529 in einem Privathause zu Cambrai geschlossen wurde und den 2. Krieg Karl V. und Franz I. beendigte. Hierauf malte de Bièfve für König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen Karl I. von England, der in Gegenwart seines Hofes dem Rubens für seine Vermittelung des Friedens zwischen Spanien und England (1630) eine goldene Kette mit seinem Bildnisse verleiht, - ein figurenreiches äußerst wirkungsvolles Gemälde, auf dem die Hauptpersonen portraitähnlich dargestellt sind, - welches in der Folge im königlichen Schlosse zu Berlin Ausstellung fand. Es folgte 1852 sein auch in Berlin ausgestelltes und später in die Galerie Raczinski in Berlin übergegangenes 'Herzog Alba bei der Enthauptung Egmonts (...)' von zwar schwacher Composition, aber von glänzendster Technik und im folgenden Jahre (1853) die für den Sitzungssaal des Senats in Brüssel gemalte - ziemlich geistlose 'Allegorie auf die Bildung des belgischen Königstums' sowie die Bilder: 'Gräfin Egmont nach der Verhaftung ihres Gemals' und 'Gräfin Egmont nach der Hinrichtung ihres Gatten' (1860). Ein späteres, wiederum allseitig bewundertes Bild ist 'Der Kriegsrat des Herzogs von Parma über die Belagerung von Antwerpen' das 1862 vollendet wurde. Alle diese Werke erwarben dem Künstler eine hervorrangende Stellung in der Kunstgeschichte und die Bewunderung seiner Zeitgenossen. Schon frühzeitig erhielt er verschiedene Medaillen für Kunst sowie den 'Belgischen Leopold', den bayerischen St. Michael und den preußischen Roten Adler Orden 3. Klasse. Die Akademie der Künst in Berlin wählte ihn bereits 1843 zu ihrem ordentlichen Mitgliede; außerdem gehörte er den Akademien zu Dresden, München, Wien sowie den hervorragensten Kunstinstituten und Künstlergenossenschaften Belgiens und Frankreichs als Ehrenmitglied an. De Bièfve starb am 7. Februar 1882 zu Brüssel.
(Auszug aus der Matrikel der Akademie der Künste)