Käthe-Kollwitz-Preis

Der Käthe-Kollwitz-Preis, eine Ehrung für bildende Künstlerinnen und Künstler, wurde 1960 von der Deutschen Akademie der Künste (DDR) mit dem Ziel gestiftet, ein Einzelwerk oder ein Gesamtœuvre auszuzeichnen. Seit der ersten Preisverleihung richtet sich diese Auszeichnung sowohl an Künstlerinnen und Künstler, die sich in der kunstinteressierten Öffentlichkeit national und international einen Namen gemacht haben, als auch an jene, die fernab der Kunstszene und des Kunstmarkts in der Zurückgezogenheit arbeiten und wirken. Andere und anderes zu verstehen und anzunehmen, darin liegt auch die Kraft in der Kunst von Käthe Kollwitz.

Die Vergabe des Käthe-Kollwitz-Preises erfolgt jährlich und wird stets durch eine neu zu benennende Jury aus Mitgliedern der Sektion Bildende Kunst entschieden. Der Preis ist mit 12.000 € dotiert. Anlässlich der Ehrung richtet die Akademie der Künste der Preisträgerin oder dem Preisträger eine Ausstellung aus und publiziert einen kleinen Katalog. Seit 1992 wird der Käthe-Kollwitz-Preis von der Kreissparkasse Köln als Trägerin des Käthe Kollwitz Museum Köln mitfinanziert.

„Ich bin einverstanden damit, dass meine Kunst Zwecke hat. Ich will wirken in dieser Zeit, in der die Menschen so ratlos und hilfsbedürftig sind.“

Käthe Kollwitz, Die Tagebücher, November 1922

Zur Geschichte des Käthe-Kollwitz-Preises

Am 24. Januar 1919 wurde Käthe Kollwitz (1867–1945) als Mitglied in die Preußische Akademie der Künste berufen. Erst das Ende der wilhelminischen Kunstpolitik mit der Ablösung der Monarchie durch die Weimarer Republik kann als Voraussetzung für ihre Zuwahl und später auch der von Renée Sintenis (1931) verstanden werden. Die Mitgliedschaft von Frauen, überwiegend aus Adelskreisen, war zwar bereits seit 1784 möglich, aber äußerst selten. Neben Kollwitz wurden 1919 auch Ernst Barlach, Lovis Corinth, Georg Kolbe und Wilhelm Lehmbruck als Mitglieder in die Akademie gewählt.

Kollwitzʼ Arbeiten konzentrierten sich 1919 „auf Graphik und auf Zeichnung. In den letzten Jahren versuchte ich mich in der Plastik", so schrieb die Künstlerin in ihrem an die Akademie gerichteten Lebenslauf. Ihr schonungslos kritischer und zugleich emotional berührender Umgang mit den vorherrschenden Lebensumständen der Armen in der Gesellschaft, der auf persönlichen Erfahrungen basierte, führte zur Entwicklung eines eigenständigen, zwischen Expressionismus und Realismus oszillierenden Œuvres von internationaler Tragweite. 1933 zwangen die Nationalsozialisten neben Heinrich Mann auch Käthe Kollwitz zum Austritt aus der Akademie, womit sie gleichzeitig ihres Amtes als Leiterin der Meisterklasse für Grafik enthoben wurde: Sie hatte den „Dringenden Appell" zum Aufbau einer einheitlichen Arbeiterfront gegen den Nationalsozialismus mitunterzeichnet. Als ihre Exponate 1936 aus der Berliner Kunstausstellung entfernt wurden, kam dies einem Ausstellungsverbot gleich.

Preisträgerinnen und Preisträger

1960 Karl Erich Müller
1961 Arno Mohr
1962 Sella Hasse
1964 Herbert Tucholski
1965 Fritz Duda
1966 Fritz Dähn
1967 Otto Nagel
1968 Willi Sitte
1969 Theo Balden
1970 Gerhard Kettner
1971 Curt Querner
1972 Herbert Sandberg
1973 René Graetz
1974 Wieland Förster
1975 Werner Stötzer
1976 Harald Metzkes
1977 Horst Zickelbein
1978 Dieter Goltzsche
1979 Wilfried Fitzenreiter
1980 Werner Tübke
1981 Elisabeth Shaw
1982 Hans Vent
1983 Sabine Grzimek
1984 Manfred Böttcher
1985 Joachim John
1986 Gerhard Großmann
1987 Max Uhlig
1988 Christa Sammler
1989 Claus Weidensdorfer
1990 Konrad Knebel
1991 Manfred Butzmann
1992 Lothar Böhme
1993 Martin Assig
1994 Karla Woisnitza
1995 Micha Ullman
1996 Martin Kippenberger
1997 Astrid Klein
1998 Miriam Cahn
1999 Mark Lammert
2000 Svetlana Kopystiansky
2001 Jürgen Schön
2002 Renate Anger
2003 Horst Münch
2004 Peter Weibel
2005 Lutz Dammbeck
2006 Thomas Eller
2007 Hede Bühl
2008 Gustav Kluge
2009 Ulrike Grossarth
2010 Mona Hatoum
2011 Janet Cardiff & George Bures Miller
2012 Douglas Gordon
2013 Eran Schaerf
2014 Corinne Wasmuht
2015 Bernard Frize
2016 Edmund Kuppel
2017 Katharina Sieverding
2018 Adrian Piper