20.10.2017, 17 Uhr

70 Jahre Komische Oper – Inszenierungen von Walter Felsenstein im Kino Babylon

Walter Felsenstein während des Musiktheaterseminars des Verbandes der Theaterschaffenden der DDR in der Komischen Oper, Berlin 1973

Walter Felsenstein schrieb mit seinen Inszenierungen Operngeschichte. Sein Werk und sein Wirken sind durch seinen schriftlichen Nachlass dokumentiert, der im Archiv der Akademie der Künste, Berlin aufbewahrt wird. Einen visuellen Eindruck einiger seiner Arbeiten vermittelt eine DVD-Edition, von der sechs Produktionen ab Dezember 2017 im Kino Babylon zu sehen sein werden.

Als 1947 Walter Felsenstein die Komische Oper gründete, lagen mehr als zwei Jahrzehnte Theatererfahrung als Schauspieler, vor allem jedoch als Regisseur hinter ihm. Doch bevor im Dezember Johann Strauß‘ Fledermaus Premiere feierte und sich Felsenstein mit dieser Inszenierung als Intendant dem Publikum vorstellte, galt es, Mitarbeiter zu engagieren, ein sich noch im Bau befindendes Haus fertigzustellen und ein Stück einzustudieren. Obgleich die Sowjetische Militäradministration in Deutschland das Projekt weitreichend unterstützte, stand Felsenstein vor einem höchst anspruchsvollem Vorhaben, das er selbst als „kühnstes Projekt seit Kriegsende“ bezeichnete. In einem Artikel, der 1957 in der Münchner Zeitschrift Das Schönste erschien, erinnerte sich Felsenstein an das Jahr der Gründung: „damals hatte ich einen Plan entwickelt […] weder ein drittes Opernhaus noch ein ebenso überflüssiges zweites Operettentheater sollte in Berlin entstehen, sondern ein neues w a h r h a f t e s Musiktheater“.
Mit der Komischen Oper konnte er diese Vorstellung umsetzen und auf ein breites Repertoire anwenden. Seine Idee der Oper baute auf Erfahrungen auf, die er bereits während der 1930er Jahre formuliert hatte und war beeinflusst von Jürgen Fehling, Adolphe Appia, Konstantin Stanislawski, Max Reinhardt, Hans Gregor etc. So wurde das intensive Studium der Partitur Grundlage der szenischen Umsetzung, Originalfassungen wurden wieder hergestellt, das Zusammenspiel des Ensembles (und nicht etwa die individuelle Einzelleistung) war von größter Bedeutung und der singend-handelnde Mensch stand im Mittelpunkt. Musizieren und Singen auf der Bühne sollte eine überzeugende, wahrhafte und unentbehrliche Äußerung sein, deren Anlass es zu entdecken und nachvollziehbar zu machen galt.

Viele Zeugnisse dieser unermüdlichen Arbeit sind im Walter-Felsenstein-Archiv überliefert, das zu Beginn der 1970er Jahre eingerichtet wurde. Der Archivbestand umfasst unter anderem Regie- und Klavierauszüge, Textbücher, Probennotate, Regiechroniken, Drehbücher, Programmhefte, Besetzungszettel, Plakate, Rezensionen, Szenenfotos, Bühnenbild- und Kostümentwürfe, Tonbandaufnahmen, Videos, handschriftliche Manuskripte und Ausarbeitungen von Reden und Aufsätzen sowie umfangreiche Korrespondenzen und biographische Unterlangen.

Einen wunderbaren Einblick in einige ausgewählte Arbeiten Walter Felsensteins kann man von Dezember 2017 bis Februar 2018 auf großer Leinwand gewinnen. Während dieses Zeitraums stehen sechs aufwändig restaurierte Filme – aus der 2008 auf Initiative der Erbengemeinschaft bei Arthaus Musik erschienenen DVD-Edition – im Kino Babylon in Berlin auf dem Programm. Karten sind über www.babylonberlin.de (Tel. 030–24 25 969) erhältlich. Die Produktionen des Deutschen Fernsehfunks Ritter Blaubart (1973), Das schlaue Füchslein (1965), Othello (1969) und Hoffmanns Erzählungen (1970) sowie Fidelio, der einzige in den 1950er Jahren produzierte Opernfilm. Begleitend beleuchten Dokumentarfilme aus verschiedenen Jahrzehnten das Leben und Wirken des legendären Regisseurs.

Ansprechpartnerin: Dr. Julia Glänzel

Trailer der Arthaus Edition

Festivalprogramm

    Ausschnitte aus Opernfilmen von Walter Felsenstein