18.10.2018

Akademie der Künste erwirbt Archive von Katharina und Michael Rutschky

Katharina Rutschky (1941-2010) und Michael Rutschky (1943-2018) gehörten zu den profiliertesten Essayisten ihrer Generation. Nun hat das Literaturarchiv der Akademie der Künste ihre Nachlässe erworben. Die Bestände enthalten jeweils Werkentwürfe und Materialien zu den publizistischen und essayistischen Arbeiten, Karteien, Tagebücher und Notizkalender, Fotografien und bildkünstlerische Arbeiten. Der Gesamtumfang beider Archive beläuft sich auf dreizehn laufende Meter.

Katharina Rutschky studierte in Göttingen und an der FU Berlin Germanistik und Geschichtswissenschaft, Soziologie und Erziehungswissenschaften. Mit einer vieldiskutierten Quellensammlung prägte sie 1977 den Begriff „Schwarze Pädagogik". Intensiv beschäftigte sie sich mit Geschlechtersoziologie und feministischer Politik, ebenso mit den Debatten um Kindesmissbrauch. Ihr Beitrag Erregte Aufklärung. Kindesmissbrauch: Fakten & Fiktionen, 1992 publiziert, sorgte für eine öffentliche Kontroverse.

Michael Rutschky studierte von 1963 bis 1971 Soziologie, Literaturwissenschaft und Philosophie u.a. bei Theodor W. Adorno und Jürgen Habermas in Frankfurt am Main. 1978 wurde er mit einer Arbeit zur psychoanalytischen Interpretation von Literatur an der FU Berlin provomiert. Er arbeitete für den Merkur, für die Zeitschriften Transatlantik und Der Alltag, schrieb in Berlin als freier Autor für Presse, Radio und Fernsehen, befasste sich mit Fotografie und Stadtsoziologie. Mit dem autobiographischen Versuch Erfahrungshunger (1980; wieder aufgelegt bei Kiepenheuer & Witsch, 2017) leistete er Pionierarbeit zur Beschreibung der 1970er Jahre. Im Merkbuch (Suhrkamp, 2012) verarbeitete er die Terminkalender- und Dienstreise-Notizen seines Vaters zu einer Chronik der Nachkriegszeit.

Die Akademie der Künste zeichnete Michael Rutschky, 1997, und Katharina Rutschky, 1999, mit dem Heinrich-Mann-Preis für Essayistik aus. Ihre Nachlässe sind auf vielfältige Weise mit den Beständen des Akademie-Archivs verbunden, so u.a. in der Korrespondenz mit Harald Hartung, Martin Wiebel und Hanns Zischler. Die Archive sind bereits teilerschlossen und im Rahmen der geltenden Regularien zugänglich. Eine Bestandsbeschreibung ist über die Archivdatenbank einsehbar Für Rückfragen steht der Leiter des Literaturarchivs, Prof. Dr. Marcel Lepper, zur Verfügung. Erreichbar unter der E-Mail-Adresse lepper@adk.de oder telefonisch unter 030 200 57-32 00.

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