Klaus Staeck:
Mein Verhältnis zur Postkarte. Ein kleines Bekenntnis

Den Postkarten galt schon immer meine besondere Aufmerksamkeit und Liebe. Und das nicht nur wegen der Möglichkeit einer massenhaften Verbreitung. Lange vor den Plakaten habe ich jede Chance genutzt, Postkarten zu drucken und unter die Leute zu bringen. Gelegentlich wurde ich von Freunden und Kollegen als Postkartenonkel verspottet, was wohl heißen sollte: Alles, was ich sonst auf künstlerischem Gebiet mache, brauche man nicht so ernst zu nehmen.
Bald fand ich jedoch heraus, dass ich meine Leidenschaft mit gar nicht wenigen Kollegen teile. So begann 1968 meine intensive Zusammenarbeit mit Joseph Beuys über eine Postkarte. Damals war ich der – wie sichspäter herausstellte, irrigen – Ansicht, all die vielen Touristen und Kartengrußschreiber hätten die Nase voll von den üblichen Ansichtskarten mit den langweiligen Städteansichten und lechzten geradezu nach einer künstlerischen Bearbeitung und Umsetzung der Motive.
Mit einer Kassel-Serie machten wir im documenta-Jahr den hoffnungsvollen Anfang. Als auf dem documenta-Gelände ein Verkaufsverbot erlassen wurde, war der Misserfolg vorprogrammiert. Es folgten ein weiterer Versuch mit einer Köln-Serie und einige Heidelberg-Motive, bis endlich deutlich wurde, dass die Verkaufsstände mit großem Publikum sich weigerten, diese anderen Karten mit anzubieten. Sie waren den einen angeblich zu „schön“, den anderen wieder zu politisch. So blieb auf lange Sicht nur der Direktvertrieb. Zwar ein mühsamer Weg, dafür aber in keiner Weise anfällig für Störungen durch Fremdeinflüsse. Seit den sechziger Jahren wurden Millionen von Künstlerpostkarten gedruckt, verschickt und gesammelt. Die Edition Staeck leistet bis heute dazu ihren Beitrag. In der Sammlung Staeck haben sich die per Post gesandten Entwürfe der Künstler und Korrespondenzen zu den Postkarten-Editionen erhalten.

Klaus Staeck
Ruf doch mal an, 1977
Postkarte der Edition Staeck
Offsetdruck, 14,8 x 10,5 cm
© Edition Staeck, Heidelberg / VG Bild-Kunst, Bonn 2013

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