Johanna Diehl, <i>Das imaginäre Studio XIV</i> (Hermann Scherchens rotierender Nullstrahler, Studio für Elektroakustische Musik, Akademie der Künste, Berlin), gelatin silver print, 2017, 61 × 49 cm

Ausstellung

Halle 1

Do, 18–22:30 Uhr, Fr 16–22 Uhr, Sa 11–22 Uhr, So 11:30–20 Uhr

Vitrinenpräsentation des Musikarchivs mit Materialien aus dem Hermann-Scherchen-Archiv

Das 1954 in der italienischen Schweiz, Kanton Tessin, unter dem Protektorat der UNESCO von Scherchen gegründete Elektroakustische Experimentalstudio Gravesano (1954–1966) war mit seinem interdisziplinär angelegten Ansatz und als Privatinitiative einzigartig in seiner Konzeption. Das Studio war einer der wichtigsten Treffpunkte für Avantgardisten und Pioniere der elektroakustischen Musik aus aller Welt wie Luciano Berio, Luigi Dallapiccola, Luc Ferrari, Luigi Nono, Henri Pousseur, Josef Anton Riedl, Oskar Sala, Pierre Schaeffer, Vladimir Ussachevsky und Edgar Varèse. Theoretiker und Wissenschaftler wie Theodor W. Adorno, Abraham A. Moles, Fritz Winckel und Werner Meyer-Eppler reflektierten in den Gravesaner Blättern (1955–1966) neben Bestandsaufnahmen zum Verhältnis von Musik und Technik Fragen der Informationstheorie, Medienwissenschaft und Soziologie. Iannis Xenakis skizzierte hier seine Grundlagen der Stochastischen Musik und Klangforscher wie Max Mathews, Jean-Claude Risset und James Tenney stellten erste Pionierarbeiten der Computermusik vor. Ohne Gravesano können die visionären Ideen der von Scherchen geförderten Komponisten wie Nono und Xenakis nur unzureichend verstanden werden. Gravesano markiert den Anfang einer neuen Epoche des Musikschaffens unter dem Leitsatz einer neuen Einheit von Technischem und Ästhetischem. Die Aktivitäten rund um das Experimentalstudio Gravesano sind umfassend im Musikarchiv der Akademie der Künste (Hermann-Scherchen-Nachlass) dokumentiert. Im Rahmen von KONTAKTE '17 werden zwei Vitrinen mit Materialien aus dem Scherchen-Archiv präsentiert.

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