Johanna Diehl, <i>Das imaginäre Studio XIV</i> (Hermann Scherchens rotierender Nullstrahler, Studio für Elektroakustische Musik, Akademie der Künste, Berlin), gelatin silver print, 2017, 61 × 49 cm

Klanginstallationen

Frühstücksraum

Do 18–23 Uhr, Fr 18–23:30 Uhr, Sa 10–23 Uhr, So 10–20 Uhr

Bernhard Leitner
KOPFRÄUME2017 (1987–2017)  
2-Kanal-Klangkomposition für den Kopf

Beim Sehen wandern Lichtwellen durch den Augapfel und regen auf der Rückseite des Auges Millionen von Zäpfchen und Stäbchen zur ersten Stufe der Verarbeitung dieser Sinneswahrnehmung an. Das Sehen ist so zum Gehirn gerichtet. Während das optische Auge nicht um 180 Grad gedreht werden kann, gibt es in der Aug-Akustik den nach innen gerichteten Blick. In den KOPFRÄUMEN betrachten die nach innen gedacht gerichteten Augen die plastisch-räumlichen Ton-Bewegungen und Ton-Gestalten, sie grenzen Innenräume ein und verbinden, wie die Augen im Außenraum, das Sehen mit dem Hören von Raum. Der Kopf ist dabei als Klangraum gedacht, als ein kugelartiges Gebilde, wie ein offenes Gefäß als Aufführungsraum. Er wird zum Ort, wo durch dreidimensionale Bewegungen von Ton-Linien, von Klang-Masse oder aleatorisch gesetzten Klang-Punkten Raum geformt wird. Die Klänge wandern, entfernen und nähern sich, durchdringen sich wehend, steigen vertikal auf, oszillieren um das imaginäre Zentrum. Akustisch-geometrische Zeit-Räume im Kopf. So exakt Linien, Formen und Bewegungen wahrgenommen werden, so gibt es keinen lesbaren, exakt fassbaren Maßstab. KOPFRÄUME verstehen sich als bildnerisch-plastische Arbeiten. Sie sind nur über Kopfhörer erfahrbar.

Bernhard Leitner