15.1.2015, 15 Uhr

Akademie der Künste vergibt den Kunstpreis Berlin Jubiläumsstiftung 1848/1948
Großer Kunstpreis Berlin 2015 an Sherko Fatah

Preisverleihung am 18. März durch den Regierenden Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, und Akademie-Präsident Klaus Staeck

Sherko Fatah © Jens Oellermann

Der Autor Sherko Fatah erhält den Großen Kunstpreis Berlin 2015. Die Akademie der Künste vergibt den mit 15.000 Euro dotierten Preis jährlich und im Turnus ihrer Sektionen im Auftrag des Landes Berlin. Zudem werden sechs Kunstpreise Berlin in Höhe von jeweils 5.000 Euro verliehen.

Mit Sherko Fatah ehrt die Jury, bestehend aus Kathrin Röggla, Marcel Beyer und Lothar Müller, einen Autor, dessen Literatur eine politische und existenzielle Dringlichkeit innewohnt, wie sie selten zu erleben ist. Sherko Fatah wurde 1964 in Ost-Berlin als Sohn eines irakischen Kurden und einer Deutschen geboren. 1975 zog er mit seiner Familie über Wien in den Westen Berlins, wo er Philosophie und Kunstgeschichte studierte. Er hielt sich immer wieder für längere Zeit im Irak auf. Im Spannungsfeld zwischen arabischer und westlicher Welt bewegen sich fast alle seine Romane, wie u. a. Im Grenzland (2001), Onkelchen (2004), Das dunkle Schiff (2008), Ein weißes Land (2011) und im Herbst 2014 Der letzte Ort über die Entführung eines Deutschen und seines Übersetzers durch islamistische Terrorgruppen im Irak.
„Wie der Krieg sich fortpflanzt, auch inmitten unserer befriedeten Gesellschaft, ist eine undeutliche Geschichte, die mit keinem einfach gefassten Plot zu erzählen ist. Sherko Fatah schafft es, eine Erforschung der Gewalt in ihren unterschiedlichen Äußerungsformen zu betreiben, ohne sich zu ihrem Komplizen zu machen“, heißt es in der Begründung der Jury.

Den Kunstpreis Berlin in der Sparte Bildende Kunst erhält die aus Belgrad stammende Medienkünstlerin Marta Popivoda, die sich in ihrem Werk mit gesellschaftlichen Umbrüchen in den Konstruktionen staatlicher Choreografien befasst. In der Baukunst geht der Preis an den Architekten Achim Menges. Er hat ein Architekturbüro in Frankfurt und ist Professor an der Universität Stuttgart, wo er das Institute for Computational Design (ICD) gründete. Mit seinen experimentellen Pavillons verbindet er innovative Materialentwicklungen und neue Fertigungstechniken mit künstlerischer Kreativität. Die Jury der Sektion Musik hat den Preis geteilt und sich für die Komponisten Marena Whitcher aus der Schweiz mit ihren zwischen Jazz und Pop stehenden Arbeiten und Rafael Nassif aus Brasilien mit seiner Raum umfassenden  Klangkunst entschieden. In der Literatur geht der Preis an den aus Bonn stammenden Schriftsteller, Dramatiker und Übersetzter Thomas Melle, der in seinem Roman 3000 Euro das Leben von zwei Menschen schildert, die an den Rand der Gesellschaft geraten sind. In der Darstellenden Kunst erhält den Kunstpreis das in Berlin angesiedelte Tanzkollektiv laborgras, das von den Tänzern Renate Graziadei und Arthur Stäldi gegründet wurde und sich durch die kontinuierliche Zusammenarbeit mit Vertretern anderer Künste ebenso auszeichnet wie durch die Auseinandersetzung mit Tanztraditionen, speziell dem amerikanischen postmodernen Tanz. In der Film- und Medienkunst wird der aus Novosibirsk stammende Andrey Zvyagintsev insbesondere für seinen jüngsten Spielfilm Leviathan geehrt, ein vielschichtiges, realitätsgenaues Werk von zugleich mythischer Dimension.

Der Kunstpreis Berlin Jubiläumsstiftung 1848/1948 wurde 1948 in Erinnerung an die März-Revolution von 1848 von dem Berliner Senat gestiftet. Seit 1971 wird er von der Akademie der Künste im Auftrag des Landes verliehen. Preisträger des Großen Kunstpreises der letzten Jahre waren Mathias Spahlinger (2014), Florian Beigel (2013) und Cristina Iglesias (2012). Die Preisverleihung findet am Mittwoch, dem 18. März, um 20 Uhr, im Akademie-Gebäude am Pariser Platz statt.

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