Künstlerinnen | Künstler

Peter AdolphsenPeter Adolphsen
Stipendiat der Sektion Literatur 2006

Vorgeschlagen von Inger Christensen

1972 in Aarhus, Dänemark, geboren
1991-1992 Nordische Theaterschule, Aarhus
1993-1995 Autorenschule, Kopenhagen
1996-1997 Universidad Islámica Averroes, Córdoba, Spanien
1997-1998 Literaturgeschichte, Odense Universität

Preise und Stipendien
1996 Frøken Suhrs Schriftstellerpreis
1997-2002 Arbeits- und Reisestipendien der Staatlichen Kunststiftung
2003-2005 Dreijähriges Stipendium der Staatlichen Kunststiftung
2005 Arbeitsstipendium des Dänischen Literaturrats

1993 Ausstellung „Soap-bubbles“ in Istedgade

Publikationen
1996 „Små historier“ (Kleine Geschichten), Kopenhagen, Samlerens forlag
2000 „Små historier 2“, Kopenhagen, Samlerens forlag
2003 „Brummstein“, Kopenhagen, Samlerens forlag
2005 „Brummstein“, Erzählung (dt.), Nagel & Kimche, Zürich
2006 (voraussichtlich Aug./Sep.) „Machine“, Kopenhagen, Samlerens forlag „Brummstein” wurde in sechs Sprachen übersetzt.

Bezaubernd laut
Und sonderbar: Peter Adolphsens Erzählung „Brummstein“

Diese Erzählung verwandelt alles in eine Miniatur und ist doch selbst eine. Immerhin werden darin die Erdgeschichte (speläologisch), das katastrophale 20. Jahrhundert (aus deutscher Perspektive) und die moderne Kunst (unter besonderer Berücksichtigung von Duchamps Ready-Made) abgehandelt – all das auf gerade einmal neunzig Seiten und vermittels eines sehr winzigen und sehr sonderbaren Stückchens Gestein. Seit den Tagen und Texten von Jorge Luis Borges und Julio Cortázar hat man nichts Ähnliches gelesen. Vom Urheber dieser Erzählung, dem 1972 geborenen dänischen Schriftsteller Peter Adolphsen, hört man, er habe in seiner dänischen Heimat ansonsten zwei noch schmalere Bände mit Geschichten veröffentlicht. (...)

Lapidar könnte man – dem Wortsinn nach doppelt zutreffend – die Erzählweise Adolphsens nennen. In der souveränen Chuzpe, mit der dieser junge dänische Schriftsteller sein Material kondensiert, ja zusammenpreßt wie Sedimentschichten, im Andeuten wissenschaftlicher Theorien, aber auch in der Amalgamierung von Lakonie und Ironie läßt er sich durchaus dem etwa gleichaltrigen Daniel Kehlmann vergleichen (und ein ähnlicher Erfolg wäre Adolphsens hinreißendem Büchlein zu gönnen).

Thomas Fechner-Smarsly

Frankfurter Rundschau online 2006

Erdmusik
Ein esoterisch inspirierter Versicherungskaufmann entdeckt 1907 in einem Schweizer Höhlensystem einen brummenden Stein. Peter Adolphsen zufolge, dem Autor von „Brummstein“, ist der Ton die Resonanz aller Erdbeben, die sich vor Jahrmillionen in dieser Weltgegend ereignet haben. Davon aber weiß der Hobbyforscher nichts, der nur ein Stückchen von dem Stein abschlägt und zur späteren Untersuchung mitnimmt. Auf eigentümliche Weise vibriert dieser Brocken – zur Untersuchung aber kommt es nicht, da der Mann vor der Zeit stirbt, wie die meisten der nachmaligen Besitzer des Fundes. Dessen Weg durch die Zeiten nun erzählt Adolphsen, und die Geschichte dieses Brockens kondensierter Historie ist zugleich die des langen deutschen Jahrhunderts – meisterlich verdichtet auf nur 90 Seiten. Lebensgeschichten treten hervor, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, in wenigen Sätzen konturiert und zum Atmen gebracht. Die überspannte Künstlerin, der eigenbrötlerische Fahrkartenverkäufer, ein jeder führt ein Dasein aus eigenem Recht. Und doch, vor dem unendlichen Alter des Steins ist es nichts als ein Wimpernschlag; und vorbei. Auch prosaisch gestimmte Leser wird dieses Buch in zarter Melancholie zurücklassen.

Holger Wild
Tagesspiegel, 19.10.2005

Junge Akademie der Künste