STIPENDIATEN / STIPENDIATINNEN 2007

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Inga Ābele, Lettland
Stipendiatin der Sektion Literatur 2007

Mitglied: Katja Lange-Müller




1972 geboren in Riga

Dramatikerin, Prosaautorin, Lyrikerin, Hörspiel- und Filmdrehbücher

1990 Absolvierung der Mittelschule, Tätigkeit als Verkäuferin
1997-2001 Studium der Fernseh- und Theaterdramaturgie an der Lettischen Kulturakademie

Lebt als freie Schriftstellerin in Riga


Bibliographie
Sniega laika piezīmes (Schneezeitnotizen). [17 Erzählungen]
Riga: Atēna, 2004
Jasmīns (Jasmin). Primitives Drama in drei Teilen
Riga: Atēna, 2003
Dzelzszāle (Stechgras). Drama in zwei Teilen
Riga: Karogs Nr. 12/2001 und: Atēna, 2003
TumŠie brieŽi (Die dunklen Hirsche). Komödie in einem Akt (KairiŠs-Fassung)
Riga: Teātra vēstnesis Nr. 4/2001 und: Atēna, 2003
Uguns nemodina (Feuer weckt nicht). Roman
Riga: Atēna, 2001
Nakts pragmatiķe (Die Nachtpragmatikerin). Gedichte
Riga: Atēna, 2000
TumŠie brieŽi (Die dunklen Hirsche). Drama in einem Akt (Urfassung)
Riga: Karogs Nr. 1/1999 und: Atēna, 2003
Akas māja (Das Brunnenhaus). Erzählungen
Riga: Atēna, 1999)

Preise
Jahrespreis für Literatur 2003 (Drama)
Jahrespreis für Literatur 2004 (Prosa)

Drehbücher und Szenarien
Sibīrija  (Sibirien). [Tagebuchaufzeichnungen]
Mitarbeit am Drehbuch zu pa ceļam aizejot... (fortgehn unterwegs..., dt. Titel: Verhextes Land), Regie: Viesturs KairiŠs, 2001
Szenario für Rīga tērpjas (Riga kleidet sich) im Rahmen der Rigaer 800-Jahr-Feier, 2001
Drehbuch zu Akas māja (Das Brunnenhaus), Regie: K. Kandere, 2000

Deutschsprachige Übersetzungen
Der Jasmin
Stechgras, Stück
Die dunklen Hirsche, Stück
Feuer weckt nicht (Auszüge)
Die Jahre der Liebe (Erzählung)
diverse Gedichte


der in den unendlichen Käfig gesperrte Vogel
sang nur ein einziges Lied
es war sein Lied
es war seine einzige Melodie
dem Dunkel entrissen

als er es widerhallen hörte
vom Meer von den Wiesen vom Fluß und Atem und Sonne
als er es nahen sah wie einen hellen Strahl aus dem Dunkel

verstummte der Vogel durchströmt
von melodischer Stille durchströmt
von hundertfachem Schreien Flüstern Wispern Weinen Flattern und Lachen durchbohrt
geschlagen an ein schwereloses Kreuz

an dem es einerlei ist ob man singt oder schweigt
besser man singt

Deutsch von Matthias Knoll


„[...] Als Entdeckung ließe sich die lettische Autorin Inga Abele, Jahrgang 1972, feiern, wäre ihr Debüt "Die dunklen Hirsche" nicht in der sehr viel kürzeren Urfassung schon im Januar am Staatsschauspiel Stuttgart aufgeführt worden. Das verquere Familienstück seziert soziale Befindlichkeiten so genau, daß es die Gegenwart des postkommunistischen Lettland womöglich auf die aktuelle Metapher bringt. [...] Emotionale Verschlingungen fast wie bei Tschechow, Bizarrerien fast wie beim Gombrowicz, Hysterien fast wie bei Strindberg: Inga Abele reflektiert in den individuellen Schicksalen auch einen gesellschaftlichen Umbruch, in dem überkommene Männerrohheiten und aufgebrauchte Frauenduldsamkeit nicht mehr tragen [...]”
Andreas Rossmann
(Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17. Juni 2002)

„[...] Abele ist eine genaue Beobachterin, es gelingen ihr Charakterisierungen von großem Reiz [...] Abele kann witzig und böse sein, trifft den Jargon der Zeit ebenso wie einen mitunter ins Lyrische tendierenden Tonfall.”
Ulrich Bumann
(General-Anzeiger Bonn, 17. Juni 2002)


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