Geschichte

Friedrich I., Tondo von Schlüter

Friedrich I., Reliefbildnis des Gründers der Akademie von Andreas Schlüter

"academie ist ein wort, das eine versammlung von künstlern bedeutet, die an einem ihnen angewiesenen ort, zu gewissen zeiten zusammen kommen, um sich mit einander über ihre kunst freundschaftlich zu besprechen, sich ihre versuche, einsichten und erfahrungen mitteilen, einer von dem andern zu lernen, sich mit einander der vollkommenheit zu nähern suchen."

Dieses Idealbild einer Akademie der Künste - einer durch Künstler repräsentierten Gemeinschaft hat Daniel Chodowiecki 1783 entworfen. Eine überaus harmoniegläubige Vorstellung von Aufgaben und Bedeutung einer Akademie; und doch artikuliert sich darin bereits ein zentrales Thema vieler späterer programmatischer Diskussionen unter den Mitgliedern der Akademie: das Bemühen, sich der eigenen künstlerischen Grundlagen zu versichern und sich den daraus erwachsenden gesellschaftlichen Herausforderungen zu stellen. Von Beginn an hatte die Akademie nicht nur den Charakter einer Künstlergemeinschaft mit repräsentativen und beratenden Aufgaben, sondern war zugleich eine "hohe schule": Damit knüpfte sie an die in Rom und Paris gegründeten Akademien an, die sich von dem Gedanken leiten ließen, daß die Kunst wie Naturwissenschaften erlernbar sei. Im späten 19. Jahrhundert suchten die reine Kunst- und Musikausbildung in der Preußischen Akademie eigene Organisationsformen, die 1931 zur Ausgliederung aus dem Akademieverband führten; seit 1975 sind die beiden Einrichtungen in der Hochschule der Künste zusammengeschlossen. Das Ende der klassischen Akademie, die Ausbildung und repräsentative Funktionen vereinigt hatte, bedeutete zugleich die schrittweise Erweiterung der Akademie, die heute aus den Abteilungen Bildende Kunst, Baukunst, Musik, Literatur, Darstellende Kunst sowie Film- und Medienkunst besteht. Ihre Aufgabe, dem Staat und der Öffentlichkeit in grundsätzlichen Fragen der Kunst helfend und beratend zur Verfügung zu stehen, wurde durch den Gedanken weltweiten künstlerischen Austauschs ergänzt.

 

Südseite des Pariser Platzes um 1917

Die Liste ihrer Mitglieder und Ehrenmitglieder reicht von Andreas Schlüter, Daniel Chodowiecki, Jakob Asmus Carstens, Johann Wolfgang Goethe, Johann Gottfried Herder, Karl Friedrich Schinkel, Johann Gottfried Schadow, Felix Mendelssohn-Bartholdy und Carl Blechen über Max Liebermann, Ernst Barlach, Käthe Kollwitz, Paul Hindemith, Arnold Schönberg, Heinrich und Thomas Mann, Ricarda Huch, Gerhart Hauptmann, Alfred Döblin und Karl Hofer bis zu Arnold Zweig, Bertolt Brecht, Hans Scharoun, Heinrich Böll, Konrad Wolf, Peter Huchel, Max Bill und Wolfgang Hildesheimer.

Entwurf des Neubaus am Pariser Platz 4
von Günter Behnisch und Partnern mit Werner Durth



Zeitleiste

9. Mai 2009
Wiederwahl von Klaus Staeck zum Präsidenten und von Nele Hertling zur Vizepräsidentin der Akademie der Künste

7. Mai 2008
Einweihung einer Inschrift zur Erinnerung an die von 1933 - 1938 ausgeschlossenen und ausgetretenen Akademiemitglieder.

29. April 2006

Klaus Staeck wird zum Präsidenten der Akademie der Künste gewählt.

3. Februar 2006

Rücktritt des Präsidenten Adolf Muschg. Amtierender Präsident bis zur Neuwahl: Matthias Flügge

1. Januar 2006

Das Gesetz zur Errichtung der Akademie der Künste in der Trägerschaft der Bundesrepublik Deutschland tritt in Kraft.

21. Mai 2005

Eröffnung des Neubaus Pariser Platz 4

10. Mai 2003

Adolf Muschg wird zum Präsidenten der Akademie der Künste gewählt.

26. April 2002

Richtfest für den Neubau am Pariser Platz 4
Finanzielle Probleme des Bauauftragnehmers und Engpässe in der Berliner
Haushaltslage verzögern eine zügige Fertigstellung des Baus.

14. Mai 2000

Grundsteinlegung für den Neubau des Akademiegebäudes am Pariser Platz 4, Rede des Akademiepräsidenten György Konrád

Grundsteinlegung am 14.05.2000: Eberhard Diepgen, Werner Durth, Manfred Sabatke, György Konrád, Peter Strieder

Grundsteinlegung: Eberhard Diepgen, Werner Durth, Manfred Sabatke,
György Konrád, Peter Strieder. Foto: M. Mayer

2000

Erneute Wahl von György Konrád zum Präsidenten

1997

György Konrád wird zum Präsidenten der Akademie der Künste gewählt.

1. Oktober 1993

Inkrafttreten des Gesetzes zum Staatsvertrag über eine von den Ländern Berlin und Brandenburg getragene Akademie der Künste; Vereinigung der beiden Akademie-Archive zur Stiftung Archiv der Akademie der Künste

Februar 1992

mehrheitliches Votum der West-Akademie für einen Zusammenschluß trotz deutlicher Gegenpositionen 1993/94

Dezember 1991

Verringerung der Mitglieder der Ost-Akademie in geheimer Wahl von 105 auf 69; Verständigung der beiden Akademien über eine Vereinigung

1990

Wahl von Heiner Müller zum Präsidenten der Ost-Akademie

1989

Wahl von Walter Jens zum Präsidenten der West-Akademie ab 1990

1984

Gründung der Abteilung Film- und Medienkunst in der West-Akademie

1960

Neubau für die West-Akademie im Hansaviertel, gestiftet von Henry H. Reichhold; Etablierung als kultureller Veranstaltungsort von internationalem Rang.
Architekt: Werner Düttmann (1921-1983), Gartenarchtitekt: Walter Rossow (1910-1992)

1954

Gründung der Akademie der Künste in Berlin (West); Berufung Hans Scharouns zum ersten Präsidenten; Gründung der Abteilungen Darstellende Kunst und Baukunst

1950

Gründung der Deutschen Akademie der Künste in Berlin (Ost); Heinrich Mann, der zum ersten Präsidenten berufen wird, stirbt noch in den USA; Arnold Zweig wird Präsident; Ort der Wiederbegegnung für viele aus dem Exil zurückgekehrte Künstler; Gründung der Abteilung Darstellende Kunst

Nussbaum: Der tolle Platz

Felix Nussbaum: Der tolle Platz, 1931, © VG Bild-Kunst, Bonn, 2008

1937

Vertreibung der Akademie aus ihrem Stammhaus am Pariser Platz 4; Einzug von Albert Speer, "Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt" und seinem Stab

ab 1933

rigorose Gleichschaltungspolitik; 40 Künstler, unter ihnen Ernst Barlach, Ricarda Huch, Käthe Kollwitz, Max Liebermann, Heinrich Mann, Thomas Mann und Arnold Schönberg, werden zum Austritt genötigt oder ausgeschlossen

1931

Reform-Statut; endgültige institutionelle Trennung der Akademie und der Hochschulen für Kunst- und Musikausbildung

Sitzung der Sektion für Dichtkunst: Alfred Döblin, Thomas Mann, Riccarda Huch, Bernhard Kellermann, Herrmann Stehr und Alfred Mombert (v.l.n.r.), Berlin 1929

1926

Gründung der Sektion für Dichtkunst

ab 1920

unter der Präsidentschaft Max Liebermanns versammelt die Akademie als kulturelles Forum der Weimarer Republik die künstlerische Intelligenz Deutschlands

1907

Umzug der Akademie zum Pariser Platz 4 in Berlin-Mitte

1833

Gründung der Sektion für Musik durch das Engagement Carl Friedrich Zelters

1786

nach Jahren der Stagnation unter Friedrich Wilhelm I. und Friedrich II. erneuter Aufschwung unter Friedrich Wilhelm II.; im Zeitalter der Aufklärung wird die Akademie Instrument der Modernisierung Preußens; durch ihre Ausstellungen - die ersten öffentlichen Kunstausstellungen in Preußen überhaupt - Etablierung zu einem öffentlichen Forum für Kunst- und Kulturdiskussionen

Laokoon mit seinen Söhnen, Abgußsammlung antiker Plastik Berlin

1699

Statut für die Akademie als höhere Lehranstalt, Mitgliedersozietät und Sachverständigenkommission zur Beratung des Hofes in Fragen der Kunst

1696

Gründung der "Academie der Mahler-, Bildhauer- und Architectur-Kunst" nach den Vorbildern von Rom und Paris durch Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg, den späteren preußischen König Friedrich I.; Beginn des Unterrichts im Gebäude des Marstalls Unter den Linden


Ausstellung

Max Frisch in seiner Wohnung im Lochergut, Zürich 1967
© Barnabas Bosshart / Fotostiftung Schweiz

100 Jahre Max Frisch - Eine Ausstellung

14. Januar - 11. März

Akademie der Künste, Hanseatenweg

"Was dabei herauskommt, aus unserer Berlin-Station, meine ich, ist ungewiss; vorläufig geniesse ich die Ungewissheit", schreibt Max Frisch im März 1973 an Jörg Steiner, kurz nach dem Einzug in die Sarrazinstraße in Friedenau. In den folgenden Jahren entstand das bisher unveröffentlichte "Berliner Journal", das nun erstmals in Auszügen im Rahmen der Ausstellung "100 Jahre Max Frisch" zu sehen ist.