29. März 2009
27. Akademie-Gespräch Gerechtigkeit für Mumia Abu-Jamal
11:00
Pariser Platz
Plenarsaal
Der afroamerikanische Journalist und Schriftsteller Mumia Abu-Jamal sitzt seit 27 Jahren wegen angeblichen Polizistenmordes in der Todeszelle. Obwohl die Beweismittel dürftig und Manipulationen aus rassistischen und politischen Gründen naheliegend sind, schwebt Mumia Abu-Jamal immer noch in Todesgefahr. Sein Verteidigerteam, geleitet von seinem Hauptanwalt Robert R. Bryan aus San Francisco, strebt ein neues und faires Verfahren an. Trotz der Wahl von Barack Obama schätzen die Anwälte die Chancen dafür nicht günstig ein. (Mumia is in greater danger than at any time since his 1981 arrest.) Die Entscheidung soll in den nächsten Wochen fallen. Deshalb wenden sich die Akademie der Künste und das P.E.N.-Zentrum Deutschland mit diesem dringenden Appell an die Öffentlichkeit. Mumia Abu-Jamal wurde 2007 für seine publizistischen Tätigkeiten in der Haft (fünf Bücher, regelmäßige Radiosendungen und Zeitungskolumnen) vom American P.E.N.-Center zum Mitglied ernannt. Er ist Ehrenbürger von Paris und wird von einer weltweiten Solidaritätsbewegung unterstützt.
Gerhart Rudolf Baum Rechtsanwalt, Bundesminister a. D. · Robert R. Bryan Hauptanwalt von Mumia Abu-Jamal, San Francisco · Danielle Mitterrand (Paris) · Klaus Staeck Präsident der Akademie der Künste · Günter Wallraff Schriftsteller · Johano Strasser Schriftsteller, Präsident des P.E.N.-Zentrums
In Zusammenarbeit mit dem P.E.N.-Zentrum Deutschland
Amnesty International wird über die Todesstrafe informieren.
Akademie der Künste und P.E.N.-Zentrum Deutschland richteten am 29. März 2009 einen Appell an die Öffentlichkeit:
Gerechtigkeit für Mumia Abu-Jamal
Der Journalist und Schriftsteller Mumia Abu-Jamal, Mitglied des American P.E.N.-Center, Ehrenbürger von Paris, sitzt seit 27 Jahren wegen angeblichen Polizistenmordes in der Todeszelle. Nach dem, was sein Anwalt sagt, sind die Beweismittel dürftig und Manipulationen aus rassistischen und politischen Gründen naheliegend. Mumia Abu-Jamal schwebt noch in akuter Todesgefahr. Sein Verteidigerteam, unterstützt von einer weltweiten Solidaritätsbewegung, strebt ein neues und faires Verfahren an. Die Entscheidung soll in den nächsten Wochen fallen. Die Akademie der Künste und das P.E.N.-Zentrum Deutschland richten den dringenden Appell an die Öffentlichkeit:
Gerechtigkeit für Abu-Jamal in einem fairen Verfahren!
Das Menschenrecht auf eine Verhandlung ohne rassistische Manipulation und Vorverurteilung darf ihm nicht verwehrt werden. Mumia Abu-Jamal muss die Chance für einen neuen Prozess erhalten. Zugleich geht von der Akademie der Künste in Berlin, in unmittelbarer Nachbarschaft der Botschaft der Vereinigten Staaten, der Appell an die Weltöffentlichkeit, die Todesstrafe zu ächten.
Berlin, am 29. März 2009
Unterzeichner des Appells:
Gerhart Rudolf Baum • Volker Braun • Jutta Brückner • Nicole Bryan • Robert R. Bryan • Brigitte Burmeister • Daniela Dahn • Ebbo Demant • Andreas Dresen • Mario Früh • Hans W. Geißendörfer • Günter Grass • Erhard Grosskopf • Gert Heidenreich • Werner Hofmann • Sabine Kebir • Wolfgang Kohlhaase • Rolf Kreibich • Volker Kühn • Fitzgerald Kusz • Jochen Laabs • Günter Lamprecht • Erich Loest • Luca Lombardi • Ulrich Matthes • Jörn Merkert • Danielle Mitterrand • Frédéric Mitterrand • Heiner Moldenschardt • Franz Müntefering • Adolf Muschg • Oskar Negt • Hans Neuenfels • Siegfried Neuenhausen • Christian Nürnberger • Johannes Odenthal • Helmut Oehring • Klaus Pierwoß • Hans Helmut Prinzler • Horst-Eberhard Richter • Henning Rischbieter • Werner Schaub • Asta Scheib • Friedrich Schorlemmer • Ingo Schulze • Katrin Seybold • Franziska Sperr • Klaus Staeck • Gerhard Steidl • Johano Strasser • Donata Valentien • Michael Verhoeven • Günter Wallraff • Hubert Witt • Christa Wolf • Walter Zimmermann • sowie weitere Unterzeichner
Justice for Mumia Abu-Jamal
Journalist and writer Mumia Abu-Jamal, member of the American PEN Center and honorary citizen of Paris, has spent the last 27 years on death row for the murder of a policeman. According to his lawyer, the evidence is scanty and may have been manipulated for racial or political reasons. Mumia Abu-Jamal is still in acute danger of being executed. His defense team, supported by a worldwide solidarity movement, seeks a new and fair trial. A decision is expected in the coming weeks. The Academy of Arts and the German PEN center address the public with the following urgent appeal:
Justice and a fair trial for Mumia Abu-Jamal!
Mumia Abu-Jamal is entitled to the basic human right of a fair hearing without racist manipulation or advance condemnation. He must be granted a new trial. At the same time the Academy of Arts, only a stone's throw away from the Embassy of the United States of America in Berlin, calls on world opinion to demand a ban on the death penalty.
Justice pour Mumia Abu-Jamal
Le journaliste et écrivain Mumia Abu-Jamal, membre du PEN américain et citoyen d'honneur de Paris, languit en prison depuis 27 ans, condamné à mort pour le meurtre d'un policier. D’après son avocat, les élements de preuve sont pauvres et d'ailleurs auraient pu être manipulés pour des raisons racistes ou politiques. Mumia Abu-Jamal reste en danger imminent de mort. Ses avocats, soutenus par une vague internationale de solidarité, espèrent obtenir un nouveau procès. Une décision à ce sujet sera prise dans les prochaines semaines. L'Académie des Arts et la section allemande du PEN lancent un appel urgent au public:
Justice et un procès équitable pour Mumia Abu-Jamal
Le droit fondamental d'Abu-Jamal à un procès sans manipulation raciste et sans condamnation antérieure doit être assuré. On doit lui accorder un nouveau procès. Par la même occasion, l'Académie des Arts, voisine de l'Ambassade des Etats-Unis à Berlin, en appelle à l'opinion publique de réclamer l'abolition de la peine de mort.
Essays von Mumia Abu Jamal erschienen auch in deutscher Übersetzung unter dem Titel "... aus der Todeszelle".
Durch die Texte dieses Buches erfuhr die Öffentlichkeit in den USA und in der Bundesrepublik Deutschland 1995 erstmals aus dem Inneren der Todestrakte. Das Buch veränderte die öffentliche Meinung in den USA, die bis dahin ganz überwiegend für die Todesstrafe eingestellt war. Seither entfacht der Name Mumia Abu-Jamal in den USA und international heftige Diskussionen und mobilisiert Tausende gegen die Todesstrafe und für die Wiederaufnahme des Verfahrens.
Das Buch erschien im Atlantik-Verlag, der seit 2007 nicht mehr existiert, die Bücher sind aber weiterhin lieferbar.
Nähere Informationen zu den lieferbaren Titeln:
http://www.freedom-now.de/news/artikel492.html
Aus dem Vorwort von Mumia Abu-Jamal:
Erzählt mir nichts vom Schattenreich des Todes. Ich lebe dort. Im Landkreis Huntingdon im mittleren Süden Pennsylvanias steht ein hundert Jahre altes Gefängnis. Seine düsteren gotischen Türme verheißen nichts Gutes, zu ihren Füßen meint man den Hauch des finstren Mittelalters zu verspüren. Wie ich verbringen ungefähr 78 andere Gefangene täglich 22 Stunden in zwei mal drei Meter großen Zellen. Die verbleibenden zwei Stunden dürfen wir unter der Kontrolle der Wachtürme draußen verbringen, in einem Käfig aus Maschendraht.
Willkommen in den Todeszellen von Pennsylvania.
Ich kann es immer noch nicht fassen. Vor ein paar Jahren hat der Oberste Gerichtshof von Pennsylvania das Todesurteil gegen mich mit den Stimmen von vier Richtern bestätigt (drei nahmen an der Sitzung nicht teil). Als schwarzer Journalist, der in jungen Jahren ein Black Panther war, habe ich mich intensiv mit der langen Geschichte der legalen Lynchjustiz an Afrikanern in Amerika beschäftigt. Ich erinnere mich an eine Titelseite der Black Panther-Zeitung mit dem Zitat: 'Kein schwarzer Mann hat Rechte, die ein weißer Mann respektieren müßte'. Es wird Richter Roger Taney zugeschrieben, dem damaligen Vorsitzenden des Obersten US-Bundesgerichts, und es soll in dem berühmt-berüchtigten Dred-Scott-Prozeß gefallen sein, in dessen Verlauf das Gericht befand, daß weder Afrikanern noch ihren 'freien' Abkömmlingen verfassungsmäßige Rechte zustünden. Kaum zu glauben, aber wahr.
Vielleicht bin ich naiv, vielleicht auch einfach nur dumm - aber ich habe trotz allem fest daran geglaubt, daß man sich in meinem Fall an das Gesetz halten und das Urteil revidieren würde. Wirklich!

