Katharina Sieverding, Deutschland wird deutscher XLI-92, 1992, Fünffarben-Offsetdruck, 351 x 252 cm, Plakatierung in Berlin vom 30. April bis 12. Mai 1993. © Katharina Sieverding, VG Bild-Kunst, Bonn 2017 © Foto: studio111a

Käthe-Kollwitz-Preis 2017 Katharina Sieverding

Preisverleihung und Ausstellungseröffnung

Katharina Sieverding erhält den diesjährigen Käthe-Kollwitz-Preis der Akademie der Künste. Mit der Auszeichnung ehrt die Akademie eine deutsche Künstlerin, die seit den 1960er Jahren das Zeitalter der großformatigen Fotokunst einleitete. Ihr Grundthema seit ihrer Zeit als Beuys-Schülerin ist die „Identität als Individualität und Dividualität und als kollektives Individuum“. Film und Fotografie standen von Anfang an im Hauptfokus ihres Schaffens: Close-Ups und En-Face Porträts, Color-Großfotos, monumentale raumbezogene Multi-Channel-Projektionen oder Fotoserien von mehrfach übereinander geschichteten, re-fotografierten weiblichen und männlichen Ektachrome-Porträts. Sie vereint in ihrem Œuvre Aspekte des Archivierens und des kulturellen Gedächtnisses, Selbstreflexion, das Politische, die Provokation, das Analytische sowie den Einfluss der Massenmedien und neuester Technologien auf das Individuum. Ihr kreativer Umgang mit dem Politischen, nicht zitieren, benutzen, sondern „politisch schaffen“ zeichnet sie als Käthe-Kollwitz-Preisträgerin 2017 besonders aus.

Der Käthe-Kollwitz-Preis wird seit 1992 von der Kreissparkasse Köln, Trägerin des Käthe Kollwitz Museum Köln, mitfinanziert. Anlässlich der Preisverleihung zeigt die Akademie eine Ausstellung mit ausgewählten Arbeiten von Katharina Sieverding, die seit den späten 1960er Jahren entstanden sind.

Katharina Sieverding, in Prag geboren, lebt und arbeitet in Düsseldorf. Sie studierte zunächst an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg und arbeitete parallel als Assistentin von Fritz Kortner am Deutschen Schauspielhaus. Nach ihrem Wechsel an die Düsseldorfer Kunstakademie besuchte sie die Bühnenbildklasse von Teo Otto von 1964 bis 1967, wechselte dann bis 1971 zu Joseph Beuys und beendete ihr Studium 1974 in der Filmklasse von Ole John. Sieverding wurde einer feministischen Kunstszene zugeordnet, erweiterte den Differenzfeminismus jedoch stetig durch den ihr wichtigen „Transgenderaspekt“. Sie nahm eine deutliche Sonderstellung ein und betonte eine „mediale Konstruktion der künstlerischen Imago“. Von 1992-2010 engagierte sie sich an der Universität der Künste Berlin für den von ihr gegründeten Studiengang Visual Culture Studies. Ihre internationalen Ausstellungsbeteiligungen umfassen u.a. die Biennale in Paris (1965, 1973), die Kasseler documenta 5, 6, 7 (1972, 1977, 1982), die Biennale in Venedig (1976, 1980, 1995, 1997, 1999), die Biennale in Sydney (1982), die Shanghai Biennale (2002) und Busan Biennale, Südkorea (2016). 2006 war sie bei „40jahrevideokunst.de“ in der Kunsthalle Bremen vertreten. Noch bis 16. Juli 2017 ist in der Bundeskunsthalle Bonn die Ausstellung „Katharina Sieverding. Kunst und Kapital. Werke von 1967 bis 2017“ zu sehen. 2004 erhielt sie den Goslarer Kaiserring.

Dienstag, 11.7.

19 Uhr

Hanseatenweg

Mit Jeanine Meerapfel, Alexander Wüerst, Jochen Gerz, Hans-Jürgen Hafner und Katharina Sieverding

In deutscher Sprache

Eintritt frei