11.7.2021, 09 Uhr

Nicht allein zur Kunstübung, sondern zum Kunstverstand gestiftet

Die Gründung der Berliner Kunstakademie 1696

Die Akademie der Mahl-, Bild- und Baukunst wurde am 11. Juli 1696 von Kurfürst Friedrich III., dem späteren König Friedrich I. in Preußen, eröffnet. Nach den Akademien in Paris und Rom war die Berliner Gründung die dritte Einrichtung dieser Art in Europa überhaupt und die erste staatliche Kunstakademie im deutschsprachigen Raum.

Im Zuge des Ausbaus Berlins zur Residenzstadt betraute Friedrich III. seinen Staatsminister Eberhard von Danckelmann mit der Einrichtung der Akademie nach französischem Vorbild. Es galt dem Anspruch gerecht zu werden, eine hohe Kunstschule zu schaffen, die „nicht allein zur Kunstübung, sondern zum Kunstverstand gestiftet“ sei. „Man solle in ihr nicht ein Handwerk, sondern die Geheimnisse der Künste studieren.“

Die Akademie sollte sich drei Aufgaben widmen: Als Mitgliedersozietät vereinte sie die besten Künstler unter einem Dach, die sich in regelmäßigen akademischen Unterredungen über die Kunst der Malerei und Bildhauerei austauschten und kollegial die eigene künstlerische Vervollkommnung betrieben. Als Ausbildungseinrichtung unterrichtete sie den künstlerischen Nachwuchs. Die Mitglieder erteilten Unterricht in der Vorbereitungsklasse und in den weiterführenden Fächern wie Zeichnen nach Vorbildern, Architektur, Perspektive, Geometrie und Anatomie. Als Künstlerkollegium beriet sie den König in Fragen der Kunst, etwa bei der Ausgestaltung des Berliner Stadtschlosses.

1696 umfasst die Akademie fünf Mitglieder, darunter der erste Direktor, der Berner Maler Joseph Werner (1637–1710), der niederländische Barockmaler Augustin Terwesten (1649–1711) und der Bildhauer und Architekt Andreas Schlüter (um 1660–1714), der bedeutendste Künstler Berlins seiner Zeit. Dem Gründungsakt am 11. Juli, dem 39. Geburtstag des Kurfürsten, war ein zweijähriger Probebetrieb vorangegangen. So lag bereits 1696 ein Entwurf für das Gründungsstatut vor, der sich heute als Abschrift aus der Mitte des 18. Jahrhunderts  im Historischen Archiv der Akademie der Künste befindet und eines der ältesten Dokumente zur Akademiegeschichte darstellt.

Als Sitz wurde der Akademie der neue Marstall in der Dorotheenstadt zugewiesen. Um dort Platz zu schaffen, erhielt der Südflügel, zur Straße Unter den Linden gelegen, nach den Plänen des Architekten und Baumeisters Johann Arnold Nering ein oberes Stockwerk. Sechs Säle waren als Unterrichtsräume, Versammlungsstätte und Ausstellungsfläche für die Akademie bestimmt. Da ein Akademiefonds die finanzielle Grundausstattung sicherte, konnte sich die Akademie nachhaltig etablieren und wurde Element des künstlerischen Aufschwungs des Berliner Kunst- und Geisteslebens um 1700. 

Die heutige Akademie der Künste kann auf eine wechselvolle 325-jährige Geschichte zurückblicken. Damals wie heute stand und steht die gemeinsame Aufgabe im Fokus, die Künste zu fördern.

Ulrike Möhlenbeck