ON MY WAY – Geschichten aus Europa

3. November – 20. Dezember 2020
Metall-Labor im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen, Zörbiger Str. 21c, 06749 Bitterfeld-Wolfen

Das Thema Reisen und seine Beziehung zu den Künsten steht im Zentrum einer Ausstellung von Kindern aus europäischen und deutschen Städten mit Künstlerinnen und Künstlern der Akademie der Künste. Kinder erzählen von ihren Reiseerfahrungen in Texten, Bildern, Filmen, Musik- und Theaterstücken und setzen sich im Archiv der Akademie mit erzwungenen Reisen auseinander. Neben Berichten aus weit entfernten Orten stellt die Ausstellung solche aus der unmittelbaren Umgebung, sogar aus den eigenen Zimmern, vor.

Die Komponistin Annesley Black unternahm mit Schülerinnen und Schülern aus Bitterfeld eine musikalische Exkursion in Booten auf einem See nahe ihrer Schule. Nach Anna Seghers‘ 1938 im Pariser Exil entstandenen Hörspiel Ein ganz langweiliges Zimmer entwickelten Kinder mit der Audiokünstlerin Elena Zieser und der Exilforscherin Gesine Bey ein Hörspiel, das von Alltagsgegenständen und Dingen handelt, die von woanders zu ihnen kommen. Auf Saaremaa (Estland) und in Wolgast schlugen Jugendliche gemeinsam mit den Architekt*innen Irina Raud, Theresa Schütz und Michael Bräuer Lösungen für nachhaltigen Tourismus vor. Kinder aus Köthen und Berlin ließen sich von Daniel Chodowieckis Zeichnungen seiner Reise von Berlin nach Danzig (1773) und von Carl Blechens Amalfi-Skizzenbuch (1829) zu neuen Bildern inspirieren. Der Ultimative Übersetzungsapparat von Kindern aus Bitterfeld-Wolfen, Madrid, Berlin, Oslo u. a. Städten übersetzt als Plädoyer für Europas Sprachenvielfalt Worte aus dem Deutschen in europäische und außereuropäische Sprachen und zurück, bringt sie zum Klingen, und lädt die Ausstellungsbesucher zu überraschenden Interaktionen ein.
Gemeinsam mit Akademie-Präsidentin Jeanine Meerapfel und dem Leiter des Walter Benjamin Archivs Erdmut Wizisla folgen Berliner Schülerinnen Walter Benjamins Fluchtwegen vor seinem Suizid 1940 und reisen im kommenden Jahr ins spanische Portbou. Für 2021 ist auch eine Reise von Mädchen und Jungen aus Bitterfeld-Wolfen nach Venedig geplant. Das in der Lagune produzierte Muranoglas werden sie dann als bleibende Mosaike an öffentlichen Plätzen von Bitterfeld-Wolfen auslegen. Der Idee des Mosaiks folgt auch das durch die Pandemie notwendig gewordene neue Gestaltungskonzept der Ausstellung, das die unterschiedlichen Arbeiten auf einem großen Spielfeld zusammenfügt. Die für das ursprüngliche Konzept gekauften und noch verpackten Rettungszelte übergeben Schülerinnen und Schüler anlässlich der Ausstellungseröffnung dem Flüchtlingscamp Pikpa auf Lesbos.

Eine Zusammenarbeit mit dem europaweiten Jugendwettbewerb #OEKOROPA des Goethe-Instituts über Möglichkeiten für klimaneutrales Reisen führt von Bitterfeld in die Welt und lädt junge Menschen zum grenzüberschreitenden Austausch in Europa ein. In Kooperation mit AsKI Arbeitskreis selbständiger Kulturinstitute e.V., Goethe-Institut, Chemiepark Bitterfeld-Wolfen und Landkreis Anhalt-Bitterfeld.

Arbeitskreis selbständiger Kultur-Institute e.V.

Landkreis Anhalt-Bitterfeld 

 

Weitere Informationen

Winter Music – Tragödie

11. + 12. Dezember, 20 Uhr
Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, 10557 Berlin

Konzerte

Die zweite Ausgabe der Festival-Reihe Winter Music stellt ein Thema in den Mittelpunkt: die Tragödie. Wesentliches Element dieser bis in die Antike zurückreichenden Kunstform ist ein unlösbarer Konflikt, der die Hauptfigur unausweichlich scheitern lässt. Die Tragik des Menschen in der Tragödie besteht in seiner Selbstüberschätzung, dem ihm vorherbestimmten Schicksal durch sein Handeln – wissentlich oder unwissentlich – entgegen wirken zu wollen.

In dem von Annesley Black und Samir Odeh-Tamimi kuratierten Programm aus Werken von Mitgliedern der Akademie der Künste, inszeniert und gespielt vom Zafraan Ensemble, zeigt sich dieses Thema (in-)direkt und vielgestaltig: als Schicksal einzelner Klangereignisse, als Unvermeidlichkeit des Verschwindens eines Klanges in Stille, als archäologische Erforschung, als Bezug auf politische oder soziale Geschehen oder als Ausdruck einer seelischen Krise oder eines leidenschaftlichen Wutausbruchs. Die antike Tragödie ist zeitlos und gegenwärtig, und es bleibt die Frage: Wie handelt der Mensch, wenn er keinen Ausweg mehr sieht?

Weitere Informationen folgen.