Neue Mitglieder der Abteilung Baukunst der Akademie der Künste
Auf der Herbst-Mitgliederversammlung der Akademie der Künste (31.10./1.11.2003) hat die Abteilung Baukunst zwei neue Mitglieder hinzugewählt. Beide, Jean-Louis Cohen (Paris) und Annette Gigon (Zürich), haben inzwischen die Annahme der Wahl bestätigt.
Jean-Louis
Cohen, geboren 1949, lebt in Paris. Studium der Architektur, 1973
Architecte DPLG; 1979 verantwortlich für die Sparte Architektur
der Ausstellung "Paris-Moscou" im Centre Georges Pompidou;
1985 Promotion in Kunstgeschichte; 1988-1989 Zusammen mit Bruno
Fortier Konzept der ständigen Ausstellung "Paris, la ville
et ses projets" im Pavillon de l'Arsenal.
Seit 1992 Leitung zahlreicher Forschungsprojekte, insbesondere über
die Architektur des XX. Jh. in Frankreich, in Deutschland, Italien,
Russland und den USA und über die Modernisierung der Urbanität
in Paris. Professor an der Universität Paris-VII (Institut
français d'urbanisme) und am Institute of Fine Arts der New
York University. Bis November 2003 Direktor des Institut français
d'architecture. Leiter der Mission de préfiguration de la
cité de l'architecture et du patrimoine, Mitglied des Wissenschafts-beirats
des Museum of Modern Art (New York), des Centre canadien d'architecture
in Montréal und des Getty Grant Program in Los Angeles.
Annette
Gigon, geboren 1959 in Herisau, lebt in Zürich.
Studium der Architektur; 1984 Diplom an der ETH Zürich bei
Dolf Schnebli; 1984-1985 Mitarbeit im Architekturbüro Marbach
& Rüegg, Zürich; 1985-1988 Mitarbeit im Architekturbüro
Herzog & de Meuron, Basel; 1987-1989 eigenes Architekturbüro;
seit 1989 gemeinsames Büro mit Mike Guyer; 2001/2002 Gastdozentin
EPF Lausanne.
Erklärung des Präsidenten der Akademie der Künste
Für Walter Jens
Was
notwendige Arbeit an der nationalsozialistischen Vergangenheit bedeutet,
hat Walter Jens exemplarisch vorgeführt, als Angehöriger
einer Generation, der es - wie auch Walter Höllerer oder Peter
Wapnewski - beschieden war, unter Hitler jung zu sein. Was Schäbigkeit
bedeutet, führen im Jahre 2003 Leute vor, die einem Walter
Jens aus dieser Verstrickung sechzig Jahre später einen Stick
drehen wollen. Ist er damals, nichtsahnend, schuldig gewesen und
geworden? Nein, nach jeder strafrechtlichen Auslegung des Begriffs;
ja, nach seinem eigenen Verständnis, gerade durch die Bereitschaft
zur Ahnungslosigkeit. Gegen diese wenden sich seine Reden und Schriften;
dafür, wissen zu wollen, was man wissen kann und muß,
steht das ganze Werk seines Lebens. Muß es schon wieder gegen
Ahnungslose verteidigt werden?
Der Ehrenpräsident der Akademie der Künste hat ihre Ehrenerklärung
nicht nötig. Wohl aber hält die Akademie für nötig,
sich gegen Exzesse der Korrektheit zu verwahren, welche die Gesellschaft
unfrei machen, unfähig sogar zum Respekt vor ihrer eigenen
Leistung, an der ein Walter Jens so wesentlich beteiligt war: Gerechtigkeit
zu suchen, ohne sich in Selbstgerechtigkeit zu gefallen.
Der
Präsident der Akademie der Künste
Adolf Muschg
Die Kunst der Aneignung
Die
Kunst der Aneignung befragt in drei Dialogen zwischen Künstlern
und Wissenschaftlern aus Russland und Deutschland Film, Literatur
und Aktionskunst auf ihre jeweiligen Verfahren, eines Objekts, eines
Mediums und eines Betrachters habhaft zu werden. Diebstahl und Tausch,
Enteignung und Gabe, Ausbeutung und Annäherung markieren das
Spektrum der Möglichkeiten, ein fremdes und widerständiges
Außerhalb in der Kunst zu integrieren.
Eine Veranstaltungsreihe der Akademie der Künste und der
Humboldt-Universität zu Berlin
Ermöglicht durch die Gesellschaft der Freunde der Akademie
der Künste
Donnerstag, 18. Dezember 2003
I. Führerbilder im Film - revisited
18.30
Uhr, Studio
"Moloch"
Regie Alexander Sokurov
Spielfilm, Russland 1999
20.30
Uhr, Studio
Alexander Sokurov im Gespräch mit Gertrud Koch
Eintritt Euro 5,- / ermäßigt Euro 4,-
Die
Führerbilder Hitlers und Stalins wurden wesentlich durch Filmbilder
geformt. Wie kann der zeitgenössische Film Bilder für
diese Bilder finden?
Alexander Sokurov, der wichtigste Vertreter des gegenwärtigen
russischen Autorenkinos, hat sich in mehreren Filmen mit der Figur
Adolf Hitler auseinandergesetzt. Am nachdrücklichsten in "Moloch"
(1999) einer in Cannes ausgezeichneten Verfilmung eines Tages und
einer Nacht im Leben von Hitler und Eva Braun im Frühjahr 1942.
Mit diesem Film hat er die Diskussion um Strategien und Faszinationspotentiale
einer totalitären Ästhetik nachhaltig beeinflusst.
Gertrud Koch, Filmwissenschaftlerin an der Freien Universität
Berlin, wird im Gespräch mit Alexander Sokurov die ästhetische
Repräsentation des Traumatischen, Tabuisierten und Undarstellbaren
thematisieren.
Nächste Veranstaltungen:
Mittwoch, 14. Januar 2004, 20.00 Uhr
II.
Angreifen, Verwunden, Präparieren: Aktionen zwischen
Mensch und Tier
Oleg Kulik im Gespräch mit Peter Weibel
Mittwoch, 11. Februar 2004, 20.00 Uhr
III.
Ausbeutungsräume - Rückzugsräume: Literatur und
Provinz
Vladimir Sorokin im Gespräch mit Ingo Schulze
winter music 4
Veranstaltungsreihe
mit dem Kammerensemble Neue Musik Berlin
12.
und 13. Dezember 2003
Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, 10557 Berlin-Tiergarten,
Studio und Halle 2
Bereits
zum vierten Mal findet die Veranstaltungsreihe winter music statt.
In diesem Jahr gestaltet das Kammerensemble Neue Musik Berlin (KNM)
gemeinsam mit den renommierten Danish Chamber Players vier Konzerte,
in denen frühe Werke von Luciano Berio und Earle Brown in Kontext
zum aktuellen Komponieren gesetzt werden.
Konstruktivismus mit Spontanität in der Musik zu verbinden, das war Browns Leidenschaft und ist gleichzeitig das Motto der diesjährigen winter music. Dieser bewegliche und Überformung erlaubende Ansatz ist auch bei Berio zu finden, der sowohl mit einer Auswahl seiner Sequenzen als auch mit dem Werk Différences von 1958 vertreten ist, in dem Berio zum ersten Mal akustische Instrumente mit vorproduzierten Klängen vom Band kombiniert.
Pierluigi Billones radikales Werk "ME.A.AN" verlässt im zweiten Konzert die abgesicherte Spur eines stabilen Zustandes aus vertrautem und deutlichem Rhythmus und schöpft seine formalen Aspekte direkt aus der Klanglichkeit.
Aktuell
dazu präsentiert die winter music 4 Uraufführungen und
Berliner Erstaufführungen der Stipendiaten der Akademie der
Künste Emanuele Casale, Hannes Galette Seidl und Vadim Karassikov.
Ebenfalls unter dem Stichwort aktuelles Komponieren wurden die Danish
Chamber Players eingeladen, ein Programm mit neuen Werken von skandinavischen
Komponisten zu gestalten. Die deutsche Erstaufführung von Magnus
Lindbergs Engine als gemeinsame Interpretation des KNM Berlin und
der Danish Chamber Players führt diese Idee im Abschlusskonzert
fort.
KNM
Berlin, Dunckerstrasse 84, 10437 Berlin
www.kammerensemble.de,
Tel (030) 44359773, Fax (030) 44359777
Erich Mendelsohn. Dynamik und Funktion
Ausstellung
29. Februar bis 2. Mai 2004
In
Kooperation mit der Kunstbibliothek (Staatliche Museen zu Berlin)
und dem Institut für Auslandsbeziehungen (ifa), Stuttgart
Eröffnung: Sonnabend, 28. Februar, 18.00 Uhr
Öffnungszeiten:
montags 14.00-20.00 Uhr, dienstags bis sonntags 11.00-20.00 Uhr
Eintritt € 5,- /ermäßigt € 3,-
An jedem ersten Sonntag im Monat ist der Eintritt frei.
Das
Institut für Auslandsbeziehungen (ifa), Stuttgart, präsentierte
2000 in der Tübinger Kunsthalle erstmals die Ausstellung "Erich
Mendelsohn. Dynamik und Funktion", für die Architekturstudierende
an der Universität Stuttgart 22 Architekturmodelle erarbeitet
haben. Sie bildet nun den Kern der Retrospektive zum Leben und Werk
von Erich Mendelsohn (1887-1953) in der Akademie der Künste
aus Anlass des 50. Todestages des Architekten. Für die Präsentation
in Berlin wird die Ausstellung um einige inhaltliche Schwerpunkte
erweitert: So bildet eine Sektion zur Biographie von Erich und Luise
Mendelsohn den Auftakt. Gezeigt werden Exponate aus dem Mendelsohnschen
Familienbesitz und unpubliziertes Material - vor allem Fotografien
und Dokumente - aus dem Getty Center, Los Angeles. Dieses aufschlussreiche
biographische Material, das den Lebensweg von Luise und Erich Mendelsohn
von Ostpreußen über Berlin nach England und Palästina
in die USA nachzeichnet, wird - ergänzt um Briefe von Luise
und Erich Mendelsohn - zeitgleich in einem Lesebuch beim Hantje
Cantz Verlag, Ostfildern, publiziert.
Den Mittelpunkt einer weiteren Ausstellungssektion bilden zahlreiche
Originalskizzen des Architekten aus dem Besitz des Erich-Mendelsohn-Archivs
der Kunstbibliothek Berlin. Außerdem werden Mendelsohns Innovationen
bei Architekturphotographie und -theorie thematisiert. Den Abschluss
bildet der Blick in Gegenwart und Zukunft seiner Bauten mit einer
Darstellung der Restaurierungsproblematik an den Beispielen Einsteinturm
Potsdam und Hutfabrik Luckenwalde. Hierfür wurden in Stuttgart
zwei neue Modelle erarbeitet.
Kuratorin der Ausstellung ist die Architekturhistorikerin Dr. Regina
Stephan aus Darmstadt. Sie wird bei der Eröffnung auch den
für die Ausstellung in Berlin am Fachgebiet Geschichte und
Theorie der Architektur der TU Darmstadt zusammen mit Studierenden
erarbeiteten "Architekturführer: Erich Mendelsohns Bauten
- heute" präsentieren.
Anlässlich
der Ausstellungseröffnung findet in der Akademie der Künste
am Sonntag, dem 29. Februar, ein von der Wüstenrot Stiftung
Ludwigsburg getragenes Symposium zum Thema der Ausstellung statt.
Weitere Informationen
baukunst@adk.de, Tel. 030-39076-134
Schmähgesänge im Alleingang
Erinnerung
an Wolfgang Neuss (1923-1989)
Sonntag,
30. November, 11.30 Uhr
Akademie
der Künste, Hanseatenweg 10, Berlin-Tiergarten, Foyer
In
den sechziger Jahren galt er als Westdeutschlands Kabarett-Nummer
1. Wolfgang Neuss, der Berliner aus Breslau, war als Filmstar populär,
bevor er mit seinen satirischen Solo-Programmen von sich reden machte.
Anfang der Siebziger zog er sich von der Kabarettbühne zurück,
ließ aber als sprücheklopfender "Underground-Guru"
immer wieder von sich hören.
Volker
Kühn, Neuss-Freund und Herausgeber seiner Gesammelten Werke,
erinnert an den Kabarettisten, der am 3. Dezember 80 Jahre alt geworden
wäre, und zeigt Videos seiner Auftritte. Robert Gallinowski
und Robert Viktor Minich lesen Texte des unvergessenen Satirikers.
Begrüßung
: Wolfgang Trautwein
Einführung: Volker Kühn
Lesung: Robert Gallinowski, Robert Viktor Minich
CD
Vorstellung: Schmähgesänge im Alleingang, Wolfgang Neuss
im Kabarett-Solo; Immer, wenn ich "drüben" sage...
Wolfgang Neuss und das "Jüngste Gerücht" in
Ostberlin, 1965
Film:
"Ich lache Tränen, heule Heiterkeit"
Eintritt:
5 € / ermäßigt 4 €. Kasse: Tel. (030) 390 76-155/156;
Fax 390 76-175; kasse@adk.de
Buchhandlung:
Tel. (030) 39 10 42 22, bookshop@adk.de
NEUSS
DEUTSCHLAND
"Ich
war doch mal'n berühmter Mann", sagte er von sich. Und
weiter: "Ich war sogar berüchtigt." In den sechziger
Jahren war der "Mann mit der Pauke", wie er genannt wurde,
Deutschlands schärfster und zugleich populärster Ein-Mann-Kabarettist.
Das Berliner Allround-Talent mit dem wachen Blick und dem flinken
Schandmaul war bekannt von Film, Funk, Fernsehen, Bühne, Schallplatte
und Trottoir, und er war alles in einer Person: Autor, Regisseur,
Produzent und Interpret. Mehr als 50 Filme hat er gedreht, er spielte
Shakespeare und Musicals, stand in Boulevard-Komödien auf der
Bühne und im "Viet Nam Diskurs" von Peter Weiss.
Er dachte Willy Brandts Ostpolitik vor, er ersann Slogans wie "Pack
den Willy in den Tank", trommelte für die SPD, warb für
die außerparlamentarische Opposition und flog prompt aus der
Partei. Er verriet Fernseh-Mörder, zog gegen einen Anzeigen-Boykott
der Berliner Zeitungsverleger vor Gericht, er machte die Studenten-Rebellion
der Sechziger zu seiner Sache. Er gründete eine Satire-Zeitschrift,
die sich "Neuss Deutschland" nannte und alles andere als
ein harmloses Humor-Blättchen zum Ablachen war. Das "Organ
des Zentralkomiker-Teams der Satirischen Einheitspartei Deutschlands"
trug Charlie Chaplin im Wappen und forderte lauthals den kategorisch-kabarettistischen
Imperativ: "Komiker aller Länder, vereinigt Euch!"
Seine scharfzüngigen Pointen waren gefürchtet. Mit drei
Solo-Programmen, "Das jüngste Gerücht" (1963),
"Neuss Testament" (1965) und "Asyl im Domizil"
(1967) hat er Kabarett-Geschichte gemacht. Als er einsehen mußte,
daß sich die Welt von der Kleinkunstbühne aus nicht verändern
läßt, zog er die Konsequenz und trat ab. Das war Anfang
der siebziger Jahre. Seit dieser Zeit lebte er in seiner Charlottenburger
Wohnung den Protest, den er früher zum Vergnügen seines
Publikums herausgeschrieen hatte, schrieb "Leitartikel-Gedichte",
sonderte vor Freunden im Schneidersitz und aus dem Stand satirische
Sprüche ab, wollte "kein Beispiel, sondern Vorspiel"
sein und rauchte den Strick, "an dem ich hängen könnte".
Im Mai 1989, ein halbes Jahr vor dem Fall der deutsch-deutschen
Mauer, ist er gestorben.
Das
Archiv der Akademie der Künste erinnert an den unvergessenen
Satiriker und Kabarettisten, der am 3. Dezember 80 Jahre alt geworden
wäre, mit einer Matinee am 30. November sowie mit einer
in Zusammenarbeit mit Edel-Records herausgebrachten Doppel-CD.
Titel: "Neuss Deutschland". CD 1 ("Schmähgesänge
im Alleingang") enthält seine frühen Pauken-Nummern,
Kabarett-Sketche und Monologe aus den Sechzigern sowie die gesammelten
Spruchbänder des Promi-Aussteigers aus den achtziger
Jahren. CD 2 ("Immer, wenn ich 'drüben' sage...")
dokumentiert den legendären Auftritt von Neuss und seinem "Jüngsten
Gerücht", der im Januar 1965 in Ostberlin stattfand.
©Volker Kühn, 2003 www.vauka-berlin.de
Manifest für europäische Kulturpolitik
entworfen
11.
Generalversammlung des European Forum fort the Arts and Heritage
fand in Berlin statt
Mit dem Entwurf eines Manifests für europäische Kulturpolitik
schloss am Sonntag die 11. EFAH - Generalversammlung in Berlin.
EFAH (European Forum for the Arts and Heritage) vertritt 70 europäische
Netzwerke und Organisationen auf dem Gebiet der Kunst und des kulturellen
Erbes.
Rund 150 Kulturexperten diskutierten während ihrer viertägigen Konferenz in der Akademie der Künste und im Max-Liebermann-Haus die Perspektiven einer europäischen Kulturpolitik mit Blick auf die Erweiterung der Europäischen Union und hinsichtlich einer sehr vielfältigen, in Wandel und Bewegung befindlichen europäischen Kultur-Landschaft.
Festgestellt wurde, dass auf diesem Gebiet - abgesehen vom noch bestehenden Programm KULTUR 2000 und regionalen Förderprogrammen - noch immer keine relevanten Strategien und Initiativen von Seiten der nationalen Politiken existieren. Dennoch werden es gerade die gemeinsame Kultur in ihrer enormen regionalen Vielfalt und die gemeinsamen Werte sein, welche ein europäisches Selbstbewusstsein formen.
Umso mehr wird die Notwendigkeit einer Kulturpolitik in Europa unterstrichen.
Geradezu als Voraussetzung für eine europäische Kultur wird gesehen, Europa nicht als Festung, sondern Migration und interkulturellen Austausch als Chance und Themen für die Politik zu begreifen.
Bereits heute sieht Artikel 151 des Amsterdamer Vertrages die Berücksichtigung der Belange der Kultur in allen Bereichen der europäischen Politik vor. EFAH fordert die ernsthafte Umsetzung dieses Artikels und in diesem Sinne, die Kultur als Pfeiler der Zivilgesellschaft und der europäische Einigung zu begreifen.
Das Manifest wird die Erwartungen der Kulturakteure formulieren und im Vorfeld der Europawahlen in die Öffentlichkeit tragen, wie auch EFAH die Vorstellungen und Programme der politischen Parteien für Kultur in Europa einfordern wird.
Pressekontakt: Michael Freundt (für telefonische Nachfragen:
0170-9035442)
Im Auftrag des Gemeinsamen Europasekretariats der deutschen Kultur-NGOs
(Das Sekretariat ist EFAH-Mitglied und Gastgeber der Generalversammlung)
Rechtschreibung ohne Kopf
Die
Präsidenten der folgenden Institutionen:
Akademie der Künste, Berlin
Akademie der Wissenschaften in Göttingen
Akademie der Wissenschaften und der Literatur zu Mainz
Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften
Bayerische Akademie der Schönen Künste
Bayerische Akademie der Wissenschaften
Sächsische Akademie der Künste
Sächsische Akademie der Wissenschaften
haben an die Kultusminister aller deutschen Bundesländer, an die Kulturministerkonferenz der Länder in der Bundesrepublik Deutschland, die Bundesministerin für Bildung und Forschung der Bundesrepublik Deutschland, an die Bundesministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur der Republik Österreich und an den Bundespräsidenten der Schweizerischen Eidgenossenschaft am 12. November 2003 den folgenden gemeinsamen Brief geschrieben:
Die von den staatlichen Instanzen der deutschsprachigen Länder am 1. Dezember 1995 beschlossene und am 1. August 1998 in Kraft gesetzte Rechtschreibreform hat schwerwiegende Eingriffe in die deutsche Schriftsprache und nicht nur in diese vollzogen. Denn gesprochene und geschriebene Sprache stehen in einer so engen Wechselwirkung miteinander, daß ein Eingriff in die letztere, vor allem, wenn er Wortbildungsprozesse betrifft, Auswirkungen auf das gesamte Sprachempfinden hat.
Die
Tatsache, daß die administrative Vollmacht der mit der Reform
verbundenen Verordnungen sich auf Schulen, Behörden und andere
Institutionen des staatlichen Lebens beschränkt, ändert
nichts daran, daß sie, über Staats- und Ländergrenzen
hinweg, die ganze Sprachgemeinschaft betreffen. Obschon es außerhalb
von Schulen und Behörden dem einzelnen freisteht, zu schreiben,
wie er will, und auch jeder Verlag und jede Redaktion die Freiheit
eigener Regelsysteme in Anspruch nehmen kann, erzeugt einerseits
die orthographische Normierung des Schreibens und Druckens durch
automatische PC-Programme, andererseits die Durchsetzung der neuen
Schreibweisen durch die künftigen Schulabgänger einen
Gleichschaltungsdruck, der die Verantwortung der staatlichen Entscheidungsträger
für die gesamte Schriftsprache - und nicht nur innerhalb des
staatlichen Machtbereichs - deutlich macht.
Daß die Vorbereitung der Reform unter Ausschluß der
deutschen Literatur - von Schriftstellern, Journalisten, Verlegern
- vonstatten ging und die schreibend und lesend Betroffenen auf
die Tragweite der sprachlichen Eingriffe erst aufmerksam wurden,
als die Mechanismen zwischenstaatlicher Vereinbarungen längst
in Gang gesetzt waren, macht einmal mehr deutlich, wie wichtig es
ist, daß sich die politisch Verantwortlichen vor dem endgültigen
In-Kraft-Treten der neuen Schreibweisen mit berufenen Vertretern
aus Wissenschaft und Literatur über eine Reform der Reform
verständigen, im Interesse der Sprache und frei von jenem Prestigedenken,
das ein als verbesserungsbedürftig Erkanntes nur deshalb festhält,
weil es einmal mit erheblichem Aufwand auf den Weg gebracht wurde.
Die Rechtschreibverordnungen des Jahres 1995 haben die deutsche Schriftsprache auf einen Prüfstand gestellt. Als ein am grünen Tisch eingeschränkter Fachkreise projektiertes Vorhaben konnte sie nichts anderes als ein Experiment sein, auf das die Probe öffentlichen Gebrauchs zu machen war; sich zu diesem Experimentcharakter zu bekennen bedeutet nicht, das Experiment für überflüssig zu erklären. Es wird sinnvoll gewesen sein, wenn seine Ergebnisse im Licht einer fünfjährigen Praxis vorurteilsfrei ins Auge gefaßt werden. Die daraus erwachsenden Folgerungen werden den Vorteil haben, bei Jüngeren und Älteren das Sprach- und Schreibbewußtsein geschärft zu haben, wenn man sich zur Revision jener Vorschriften entschließt, die sich als überflüssig oder schädlich herausgestellt haben.
Zur Entlastung derer, die für das Design der Reform verantwortlich waren und selbst vielfach erst anhand der neuen Wörterbücher der Tragweite und der Widersprüchlichkeit ihrer Verfügungen innewurden, läßt sich geltend machen, daß diese vielleicht nur in einem so umfassenden Großversuch auf Sinn und Nutzen geprüft werden konnten. Dabei hat sich ergeben, daß die für den Schulunterricht erhofften Vereinfachungen weitgehend ausgeblieben sind. Alte Regeln, die oft nur deshalb kompliziert schienen, weil die Duden-Redaktionen sich jahrzehntelang dazu verleiten ließen, aus Maßgaben und Richtlinien eine Fülle als bindend ausgegebener Einzelfallentscheidungen abzuleiten, statt in Zweifelsfällen dem Sprachgefühl des Schreibenden den Spielraum eigener Entscheidung freizugeben, - alte Regeln haben sich vielfach als einfacher erwiesen denn die scheinbaren Vereinfachungen, die an ihre Stelle traten. Rechtschreibung nicht induktiv aus der erprobten Übereinkunft von Schreibenden und Lesenden erwachsen zu lassen, sondern deduktiv, von oben herab, zu konstruieren - mit diesem Grundfehler war die Reform von Anfang an behaftet; ihn zu revidieren sollten die staatlich Verantwortlichen denselben Mut und dieselbe Souveränität aufbringen, wie sie sie an Erlaß und Durchsetzung der Reform gewandt haben.
Für diese Revision gibt es zwei Wege. Den einen hat der als Kompromißvorschlag angelegte Entwurf der Rechtschreibkommission der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung beschritten. "Unser Vorschlag", erklärt er einleitend, "geht angesichts der Lage von der Neuregelung aus und übernimmt von ihr nicht nur, was sinnvoll, sondern auch, was ohne nennenswerten Schaden hinnehmbar ist". Dazu zählt diese Vorlage insonderheit die Abschaffung des ß nach Kurzvokalbuchstaben. Sie benennt als nicht hinnehmbar jenen Teil der Reform, der mit der Auflösung eigenständiger Wortverbindungen (Univerbierungen) durch ein - im einzelnen inkonsequent gehandhabtes - Gebot der Auseinanderschreibung einen sprachlichen Eingriff vollzogen hat, der sich achtlos über Sinn- wie über Betonungs-unterschiede hinwegsetzt und in der Praxis mehr und mehr dazu führt, daß auch jene Wortverbindungen, die die Reform unangetastet ließ, in Frage gestellt werden, bis hin zur willkürlichen Abtrennung bloßer Vorsilben. Schon stößt man in relevanten Drucksachen auf Schreibweisen wie "Flächen deckend" statt dem reformdudengerechten "flächendeckend" und "vor gelagert" statt "vorgelagert"; wer schreibend zwischen einem frisch gebackenen Brötchen und einem frischgebackenen Ehepaar nicht mehr unterscheiden kann und darf, der wird bald dahin kommen, sich über alle Zusammenschreibungen hinwegzusetzen (hinweg zu setzen!). Am Ende stünde eine Anglisierung der deutschen Schriftsprache, die deren von langer Hand gewachsener Eigenart umfassend Gewalt antäte. Aber auch die Antiquarisierung, die sich als eine andere Tendenz der Reform herausstellte, mit Großschreibung bei adverbialen Bildungen ("zu Grunde", "im Allgemeinen"), Apostrophen bei Namensadjektiven ("Goethe'sches Gedicht") oder der zuletzt im Barock zulässigen Abtrennung einzelner Vokale ("A-bend", "E-sel"), bedeutet ein gewaltsames Zurück-schrauben sinnvoller und eingebürgerter schriftsprachlicher Entwicklungen.
Die Übernahme des Vorschlags der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung durch die staatlichen Instanzen wäre gegenüber der derzeitigen Situation ein bedeutender Fortschritt; sie wäre eine wichtige Maßnahme auf dem Weg zur Wiederherstellung einer einheitlichen deutschen Rechtschreibung. Doch verdienen ernsteste Beachtung auch jene Argumente, die die Rückkehr zu der im Duden von 1991 kodifizierten Orthographie für den einfacheren und sach-, nämlich sprachgemäßeren Weg halten. Er wäre kostensparend (nach Reform-Duden: Kosten sparend), insofern die entsprechenden Druckvorlagen und Schreibprogramme nicht neu gefertigt werden müßten; sie sind alle abrufbereit. Bei einer großzügig bemessenen Übergangsphase wären Verlage, die schon nach den neuen Regeln verfahren, kaum benachteiligt; in den Schulen würde, nun mit anderer Prioritätssetzung, die bisher ja immer noch geltende Koexistenz der beiden Systeme noch für einige Zeit aufrechterhalten, was, richtig angeleitet, Komplikationen beheben und eine Schärfung des orthographischen Bewußtseins befördern würde.
Eine solche ebenso sprachgerechte wie praktikable Lösung bedürfte von seiten der staatlichen Instanzen jenes Freimuts im Umgang mit der eigenen Entscheidung, wie ihn der langjährige bayerische Kultusminister Zehetmair erst nach seinem Ausscheiden aus dem Amt aufgebracht hat. Aber dieser Freimut würde sich lohnen, und nicht nur als die kostengünstigere Variante. Er würde die Folgerung aus der durch einen Großversuch erhärteten Tatsache ziehen, daß es verfehlt ist, Fragen der Sprachkultur übers Knie staatlicher Verfügungen zu brechen. Was Wilhelm v. Humboldt im absolutistischen Preußen "die Grenzen der Wirksamkeit des Staates" nannte, wäre aus freier staatlicher Einsicht auf einem wichtigen Feld bekräftigt.
Mit freundlichen Grüßen
(gez.)
Prof. Dr. Adolf Muschg, Präsident der Akademie der Künste,
Berlin
(gez.) Prof. Dr. Herbert W. Roesky, Präsident der Akademie
der Wissenschaften in
Göttingen
(gez.) Prof. Dr. Clemes Zintzen, Präsident der Akademie der
Wissenschaften und der
Literatur zu Mainz
(gez.) Prof. Dr. Dieter Simon, Präsident der Berlin-Brandenburgischen
Akademie der
Wissenschaften
(gez.) Prof. Dr. Wieland Schmied, Präsident der Bayerischen
Akademie der Schönen
Künste
(gez.) Prof. Dr. Heinrich Nöth, Präsident der Bayerischen
Akademie der
Wissenschaften
(gez.) Prof. Dr. Gotthard Lerchner, Präsident der Sächsischen
Akademie der Wissenschaften
(gez.) Prof. Dr. Ingo Zimmermann, Präsident der Sächsischen
Akademie der Künste
17.Woche des Hörspiels
9.11. - 14.11.2003
"Woche des Hörspiels" - die Welt hört mit!
Alle
sprechen vom Hörspiel-Boom - die Akademie der Künste reagiert
darauf.
Sie bietet in Zusammenarbeit mit den Hörspielredaktionen von
ARD und DeutschlandRadio ein umfangreiches Programm für Kinder,
Hörspielfans und Profis im Rahmen der 17. Woche des Hörspiels.
Neben den täglichen Hörerlebnissen gibt es genügend
Raum, auch Formen und Inhalte der aktuellen Produktionen zu diskutieren
und weiterzuentwickeln.
Damit
nicht nur die Besucher vor Ort etwas davon haben, wird das Festival
medial erweitert. Das Internet bietet hier die entsprechende Voraussetzung.
In Kooperation mit der ARD werden zum erstenmal auch die Hörspielfans
in anderen Teilen Deutschlands direkt am Festival teilnehmen und
über ein Voting System den Internet Publikumspreis für
das beste Hörspiel bestimmen können (2000 €).
Der Hörspielpreis der Akademie der Künste wird nach wie
vor durch eine überregionale, über ein Losverfahren ermittelte
Publikumsjury vor Ort vergeben (14.11. ca. 22.00 Uhr).
Der letzte Tag des Festivals (14.11. 18.00 Uhr) ist der freien Szene vorbehalten. Dann gibt es wieder 3 Stunden non stopp unabhängig produzierte Stücke zu hören, ohne Form- und Längenvorgabe, subjektiv zusammengestellt aus Einsendungen zum PLOPP! Award von Felix Kubin. Das anwesende Publikum vergibt den vom Hörverlag, München gestifteten PLOPP! Award, dotiert mit 1.500 €.
Infos www.hoerspielwoche.de / Fotos unter Presse zum Herunterladen; Fotos während des Festivals unter www.gezett.de
Hörbeispiele auf CD und Video CD über die "Woche des Hörspiels" bitte anfordern.
Pressekontakt
Angelika Ludwig, Tel: 030-883 96 23, infoscout@snafu.de
Adolf Muschg:
Treppenrede in der Langen Nacht der Akademie, 1.11.2003
Eine
Treppenrede für die lange Nacht der Akademie: diese Rede stand
mir bevor, glauben Sie mir. Ich habe kurze Nächte deswegen
gehabt, und in den schweißtreibenden Träumen, die mich
immer wieder geweckt haben, erschien diese Treppe in jeder Form:
als Treppe zum Schafott, als Spanische Treppe in Rom, die dem Augustinermönch
Martin Luther sauer geworden ist, als er auf Knien hinaufrutschen
mußte, während die römische Geistlichkeit an ihm
vorbeihüpfte und dabei mehrere Stufen auf einmal übersprang.
Wer, wie ich als Kind, mit Seehundsfellen einem fahrenden Skilift
entlang in die Höhe gestapft ist, weiß, wie ihm dabei
zumute gewesen sein muß: danach kann einer nur noch Reformator
werden.
Diese von einem Walter Jens, einem György Konrád so
hoch besetzte Treppe, liebe Freunde und Gäste dieser Akademie,
wurde zur Obsession: wo sollte ich eine Rede hernehmen, die zu ihr
paßt! Die Verhältnisse werden am Pariser Platz, wenn
wir - wenn wir denn endlich dahin umziehen, keineswegs stufenlos
glücklicher werden. Betreten Sie die Baustelle, so sehen Sie,
daß unser kommendes Glashaus - einstweilen: die dunkle Lücke
im Kunstgebiß des Pariser Platzes - eigentlich um eine Treppe,
eine einladende Treppe herum gebaut ist. Ihr edler Schwung muß
unseren Architekten Behnisch und Durth so teuer gewesen sein, daß
sie dieser Treppe wegen auf profane Aufzüge am liebsten ganz
verzichtet hätten. Auf dieser Treppe kann man nur noch steigen,
auf- , nein: empor steigen, Excelsior, flüstert die Treppe,
Sursum corda, hoch das Herz, unbekümmert darum, daß es
einem nur in die Hose fallen kann, wenn man diese Treppe nicht nur
steigen, sondern sie auch noch, ihrer würdig, mit einer Rede
krönen soll. Sie ist der Aufstieg als solcher, ein Bühnenbild
von Gordon Craig, man müßte ein Macbeth, wenigstens ein
Model sein, um sich auf ihr adäquat zu bewegen. Dies ist dein
Gradus ad parnassum, souffliert sie einem Treppenredner, bevor er
auch nur den Mund öffnen kann, jetzt benimm dich danach. In
Strawinskys Ballett "Apollon musagète" führt
der Gott in Weiß seine neun Musen, drei mehr, als unsere Akademie
Abteilungen hat, zum Olymp empor, nur: dann fällt dann der
Vorhang, hinter dem die Göttergesellschaft verschwinden darf,
zur rechten Zeit, und diesen Vorhang haben unsere Architekten leider
nicht vorgesehen. Ihr Glashaus ist auf Transparenz angelegt, es
erspart dem Flaneur hinter dem Brandenburger Tor den einzigartigen
Anblick arbeitender Götter nicht, und noch weniger entgeht
ihm, wenn sie nicht arbeiten.
Sie verstehen jetzt, warum, was Treppenreden betrifft, meine Angstträume
noch gnädig waren gegen gewisse Anfechtungen durch Größenwahn.
Da wurde die Treppe zur Jakobsleiter, "die rührte mit
der Spitze an den Himmel, und siehe, die Engel Gottes stiegen daran
auf und nieder. Und der Herr stand oben darauf und sprach: Ich bin
der Herr, Abrahams, deines Vaters, Gott und Isaaks Gott; das Land,
darauf du liegst, will ich dir und deinem Samen geben." Ihm
gab`s der Herr im Schlaf, da hat einer, wenn er erwacht, leicht
reden: "wie heilig ist diese Stätte! Hier ist nichts anderes
als Gottes Haus, und hier ist die Pforte des Himmels." Da ist
die Erinnerung ernüchternd, daß ein Akademiepräsident
noch so hoch hinauswollen will: erstens muß nach drei Jahren
wieder herunter, und zweitens muß ihm jeden Tag einfallen,
daß sein Haus nicht zum Gottesdienst bestimmt ist, sondern
zur Aufklärung. Auch wenn die Arbeit jedes Mitglieds, wie sich
versteht, die alleinseligmachende ist: wenigstens ein Präsident
muß viele Götter neben dem eigenen haben und auch noch
ihr Quartiermacher sein, denn eine Haus, in dem es nicht viele Wohnungen
gibt, ist keine Akademie. Als Kaiser Justinian im Jahre 543 - ich
erinnere mich nicht mehr ganz sicher - die Akademie Platons in Athen
schließen ließ, dachten die Akademiker nicht daran,
sich unter den einen und einzigen Gott zu beugen, der ihnen zugemutet
wurde, auch wenn der eine oder andere von ihnen ein Christ gewesen
sein mag - kein Zufall, daß das Datum dieser Akademieschließung
zugleich dasjenige der Eröffnung des ersten Benediktinerklosters
in Monte Cassino war - . Lieber sind die Akademiker mit Sack und
Pack zum alten Erbfeind aller Griechen ausgewandert, dem Perserkönig
Chosroes, weil er, und nicht der Kaiser in Konstantinopel, ihnen
die unentbehrliche Diskursfreiheit zu bieten hatte. Die Spuren schrecken,
vestigia terrent, die im Glashaus am Pariser Platz dankenswerterweise
ebenfalls konserviert sind: die Spur der Treppe, auf welcher ein
Führer nach Einbruch der Dämmerung durch seine Ministergärten
herübergeschlichen kam, um sich am Schreibtisch Liebermanns
an Speers Plänen für die neue judenfreie Welthauptstadt
Germania zu weiden. Diese Treppenschrift an der Wand ist ein Mahnmal
besonderer Art: daran nämlich, daß die Akademie notfalls
immer noch bereit sein muß, von einem Tag auf den andern mit
Sack und Pack auszuwandern, und daß es in ihrem eigensten
Interesse ist, und nicht nur in diesem, daß dieser Notfall
nicht eintritt. Soviel, in lapidarer, hoffentlich nie mehr nötiger
Kurzschrift zu ihrem "Beratungsauftrag des Staates", der
in der Satzung steht, und, gottlob, auch in dem Bundesgesetz, das
sie nächstens bekommt: ein Versicherungsvertrag auf Gegenseitigkeit
zwischen Akademie und Republik. Übrigens, zu Monte Cassino:
nur noch Eingeweihte kennen es als Wiege monastischer Kultur, aber
fast jeder erinnert sich noch daran, daß es der Name für
eines der großen Schlachthäuser im Zweiten Weltkrieg
war. Man kann also wissen, wo jene Treppenspur in der Wand am Pariser
Platz hingeführt hat. Das heißt für eine Akademie,
daß die Akademie schon auf ihrer Treppe vielen Göttern
dienen muß, und keinem.
Für eine andere Treppenerinnerung genügt einem Künstler
schon die persönliche Erfahrung: zur Höhe der Kunst ist
keinem Mitglied dieser Akademie eine Treppe gebaut worden, er hat
den Weg dahin selber, mit eigenen Füßen, machen müssen,
von Schritt zu Schritt, und auch: von Fall zu Fall. Alles, was uns
an der Kunst heilig sein mag, ist ohne kräftigen Fluch nicht
zu haben, der Gegenstand der Verehrung ist immer auch einer der
Verzweiflung, großartig mag ich ja für mich selbst sein;
für andere bleibe ich besser diskret.
Treppenreden in einer Akademie aber sind indiskret von Haus aus,
meine Damen und Herren, und auf der Treppe, wo Sie mich stehen sehen,
führt kein Weg an der Ironie vorbei. Da ich Ironie aber für
etwas Konstruktives, ja Liebevolles halte, ist es immerhin ein Glück,
daß die Treppe mitspielt. Sieht man sie näher an, so
ist sie selbst eine ironische Konstruktion. Das gilt sogar für
die wunderbare Freitreppe am Pariser Platz. Die souveräne Ironie
der Berliner Baupolitik hat es so gefügt, daß diese Treppe
geradewegs - über eine stolze offene Galerie - nirgendshin
führt. Das heißt: sie führt an die Wand des Adlon
Palais, das inzwischen jene Rückseite des Gebäudes besetzt,
die einmal das Archiv der Akademie einnehmen sollte. Es wäre
zu schön, vielleicht auch zu schauderhaft gewesen, wenn das
gute Gedächtnis unseres Hauses direkt zur Gedenkstätte
für die ermordeten Juden hinübergeblickt hätte: dieses
Vis-à-vis hätte gänzlich der Ironie entbehrt, und
so konnte es die wirtschaftliche Klugheit so nicht stehen lassen.
Sie verkaufte den hintern Teil des Grundstücks ans Adlon für
ein paar Silberlinge, hob dafür unter dem Vorderhaus für
teures Geld eine vier Stockwerke tiefe Grube aus und bestimmte es
zur neuen Heimat unseres Archivs: nun wird sie dort das Berliner
Grundwasser hinter der Wand rauschen hören und nur beten können,
daß es nicht hereindringe. Eine echte Herausforderung, das
nenne ich öffentliche Gelder gut anlegen. Denn plastischer,
glaube ich, könnte man das Keynesche Prinzip der Wertschöpfung
nicht demonstrieren: grab ein Loch, wirf ein paar Millionen Euro
hinein, schütte es zu und laß das Geld wieder ausbuddeln:
es mag ruhig futsch sein, du wirst Produktivität erzeugt, du
wirst Wert geschöpft haben.
Sie sehen: die Dialektik von Treppe und Wand ist vielfältig,
und an jeder Stelle geladen mit höherer Ironie. Eine sogenannte
"weiße Wanne" sorgt auch am Pariser Platz für
ein verschwiegenes Korrektiv gegen überirdische Treppenreden.
Der Neubau mag durchsichtig sein, wie er will, sein Schwergewicht
verbirgt er unter der Erde, wie Pilze ihr Rhizom, und wer das weiß,
wird den gläsernen Überbau nie mehr bloß für
ein überdimensioniertes Treppenhaus halten. Auch daß
die schöne Treppe eigentlich nirgendhin, oder schlicht wieder
herunter führt, ist ein treffendes Bild, diesmal nicht für
das nötige Engagement der Akademie, sondern ihre nicht weniger
nötige Autonomie: denn weil das Gegenteil wahrer Sätze
immer genau so wahr ist, muß die Akademie auch ein Selbstzweck
bleiben, und zwar nicht schamhaft und nur ein bißchen, sondern
mit Haut und Haar. Nur was sich selbst genügt, genügt
einem anderen Imperativ der Aufklärung: daß das Menschliche
niemals nur als Mittel, sondern allein als Ziel seiner selbst dem
Menschen recht dienen kann, denn nur so ist sie seinesgleichen.
Mit einem Wort: wir freuen uns auf den Umzug; aber noch sind wir
hier und bleiben es nicht ungern. Denn auch die Treppen des alten
Hauses bieten Stoff für Treppenreden und Treppenwitz, und wenn
dabei die nötige Ironie mitläuft, so hat der Architekt
Werner Düttmann, wie ich ihn kenne, freiwillig, sogar mutwillig
dafür gesorgt. Er hat in dieses Haus so manche verschwiegene
Hintertreppe eingebaut, die ebenso dazu dienen kann, unwillkommene
Begegnungen zu vermeiden wie willkommene herbeizuführen; die
die älteren Herren - in der Akademie sind es nur ganz wenige
- auch erlaubt, eine lange Sitzung diskret zu verlassen. Bemerken
Sie bitte auch: Sie haben dieses Haus vom Haupteingang her nicht
betreten können, ohne ein paar Stufen hinunterzusteigen, der
Ausstellungstrakt mit seiner Waschbetonfassade liegt leicht versenkt,
auf dem Niveau einer unscheinbaren, aber fühlbaren Heimlichkeit,
die sich im Inneren fortsetzt. Dieses Haus ist ein bißchen
höhlenhaft, es versteht Besucher zu empfangen und auf sie zu
warten, es hat Geduld und das Eingelaufene eines gut getragenen
Schuhs. Seine menschenfreundliche Gelassenheit ist diejenige eines
Fuchsbaus, in dem man immer noch etwas entdecken und irgendwohin
entrinnen kann, der Lücken und Nischen für das Unerwartete
zu bieten hat, etwa die kleine Ausstellung "Sehen und Denken".
Sie versteckt sich teilweise unter der Treppe, wie der fromme Büßer
Alexis, der im eigenen Haus unerkannt dafür sorgt, daß
ein Segen darauf liegt. Dabei genießt er in aller Heiligkeit
sein Inkognito, wenn er Braut und Eltern die Treppe hinauf- und
hinabgehen und den vermeintlich verlorenen Sohn und Bräutigam
beklagen hört. Um diese Treppe weht auch noch etwas vom Geist
des Diogenes, der mir unter allen möglichen Heiligen der Akademie
der liebste wäre. Wenn er sich auf dem Marktplatz den Schwanz
rieb, wünschte er sich nur, er könnte sich den Hunger
im Bauch auf gleiche Art stillen, er liebte die Dinge, wie sie sind,
und starb daran, daß er einen Polypen als Rohkost verschlang.
Der hätte hier keine Treppenrede gehalten, sondern wäre
draußen auf Düttmanns Stufen hocken geblieben, und wenn
ihm die Obrigkeit - damals hieß sie Alexander der Große
- anbot, er habe einen Wunsch frei, hätte er auch bei Regenwetter
geantwortet: Geh mir aus der Sonne.
Diogenes gehörte keiner Akademie an, aber er möge jede
davor bewahren, daß ihre Treppenreden zu steif werden. Aber
Sie verstehen, in Diogenes Namen, dem ein sogenanntes Faß
- es war wohl eher ein großer Tonkrug - als Aufenthalt genügte,
warum ich der technisch wohl fälligen Totalüberholung
dieses Hauses mit leisem Grauen entgegensehe. Ein bißchen
Dürftigkeit steht einem so schönen Hause gut, an den Erinnerungen,
die an den Spuren des Gebrauchs haften, finde ich nichts zu entrümpeln,
darin nisten freundliche Geister, auf die der gute Geist der Akademie
angewiesen bleibt. Für mich ist es immer noch der Geist einer
utopischen Avantgarde, die ich in den späten Fünfziger
Jahren aus dem Boden des Hansaviertels geschossen sah, gebaute Solitäre
mit großen Namen dran, von Mies van der Rohe bis zu meinem
Landsmann Otto Senn, der meine Frau, als sie noch ein Kind war,
im japanischen Garten ihrer Großmutter an der Hand geführt
hat. Als ich die IBA 1957, glaube ich, als Student besuchte, stand
noch nicht einmal diese Akademie: darum bleibt sie für mich
immer noch ein Ort von morgen, und ich bin dankbar, daß auch
das Haus am Pariserplatz für viele Dogmatiker der Postmoderne
eine Moderne von gestern ist. Von der Transparenz auf gestern bekommt
eine Akademie, gerade eine Akademie, niemals genug.
Vom Geist der Akademie und der Zukunft, die ich für ihn sehe,
hätten Sie heute wohl gern Genaueres gehört, etwas wie
eine programmatische Rechenschaft. Statt dessen habe ich diese Treppenrede
nur dafür verwendet, von Treppen zu reden. Nun, da haben Sie
mein Programm: wer über eine Treppe nicht reden kann, rede
auch über keine Akademie, da kann er sagen, was er will. Wer
aber einer Treppe, oder einem Kohlkopf, oder einem Gedicht, geben
kann, was ihm gehört, der hat damit auch über die Akademie
geredet, wo nicht über ihre Zukunft, so doch hoffentlich über
ihre rechte Gegenwart.
Unsere Gegenwart aber lautet, in zwei Worten: lange Nacht. Da spielt
diese Treppe mit, ironisch, wie anders, denn sie ist ja eigentlich
nur ein Übergang; und der Treppenredner hätte nichts dagegen,
er wäre sogar ein wenig stolz darauf, wenn man in drei Jahren
sagte: er sei ein rechter Übergangspräsident gewesen.
Aber Treppen haben es in sich, bei schönen und guten Treppen
verweilt man - Schillers Charakteristik des Epischen - "mit
Liebe bei jedem Schritte" und hält auch einmal inne. Bei
seinem Freund und Antipoden Goethe - natürlich, auch der will
am Ende zitiert sein - gibt es ein wunderbares Wort für das
eine wie das andere, das Verweilen im Übergang, und den Übergang
beim Verweilen, ein Wort, welche das Ur- und Stichwort meiner Rede
gewesen sein müßte, nur habe ich, vielleicht ganz passend,
die Stelle, wo es steht, nicht mehr gefunden. Das Wort lautet: STUFENGLÜCK.
Da mir für keine Konkordanz und nicht einmal Grimms Wörterbuch
weiterhelfen wollten, habe ich natürlich das Internet gefragt.
"Meinen Sie: Stufen Glück?" fragte die Suchmaschine
zurück und offerierte zwei getrennte Wörter, gewissermaßen
nach dem Vorbild der so genannten (in zwei Wörtern: so genannten)
Rechtschreibreform. Nein, das meinte ich ganz und gar nicht. Aber
in der Hoffnung, daß auch eine blinde Sau manchmal eine Eichel
findet, gab ich den Suchbefehl trotzdem und wurde schon durch die
erste Antwort - in Zahlen: 1-10 von ungefähr 30 000, Suchdauer
0,10 Sekunden - belohnt. "Stufen Glück" also, die
Quelle ist eine Sendung des Kanals Phoenix vom letzten Jahr, und
jetzt, bitte, hören und staunen Sie :
"Bis in den vierten Stock ihrer Altbauwohnung mitten in Kreuzberg
sind es 86 Treppenstufen. Die geht sie jeden Tag, die 93jährige
Elli Heinrichs. "Das hält fit", lächelt sie
verschmitzt. Nur die Briketts für ihren Kohlenofen läßt
sie sich inzwischen in die Küche bringen. Das kann sie sich
leisten, denn sie verdient zu ihrer kleinen Rente noch etwas hinzu.
Als Garderobenfrau bei der Akademie der Künste."
Sie sehen: das Suchwort braucht nicht zu stimmen. Dennoch führen
alle Wege in die Akademie, auch die 86 Treppenstufen Frau Elli Heinrichs
in Kreuzberg. Jetzt muß ich nur noch wissen, ob es sie wirklich
gibt, damit ich sie begrüßen und ihr für Ihren ultimativen
Beitrag zu meiner Treppenrede danken kann. Ich bitte Sie jetzt also,
mich zu entschuldigen, und wünsche Ihnen viel STUFENGLÜCK
in dieser - so viel kann ich versprechen - kurzweiligen langen Nacht.
Walter Benjamin Archiv kommt nach Berlin
Die Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur gründet in Berlin das Walter Benjamin Archiv, das - als Einrichtung der Hamburger Stiftung - Teil der Stiftung Archiv der Akademie der Künste werden und dort im Herbst 2004 in der Luisenstraße 60 eigene Räume beziehen wird. Einen entsprechenden Kooperations- und Archiv-Vertrag haben die Hamburger Stiftung und die Akademie der Künste, Berlin, geschlossen.
Der Nachlaß von Walter Benjamin lagerte bisher in den Räumen des Theodor W. Adorno Archivs in Frankfurt am Main und wird im Laufe des Jahres 2004 nach Berlin überführt. Das Theodor W. Adorno Archiv verbleibt unter der Leitung von Christoph Gödde und Henri Lonitz in Frankfurt am Main, wird aber nach Archivierung und Mikroverfilmung auch im Walter Benjamin Archiv in der Akademie der Künste zugänglich sein. In Frankfurt wird das Theodor W. Adorno Archiv die von der Stadt Frankfurt am Main und der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität angebotenen Räume in der Georg-Voigt-Straße 12 nicht beziehen, sondern im Laufe des Jahres 2004 ein geeignetes anderes Domizil in Frankfurt am Main finden.
Für die Akademie der Künste stellt der Zugang des Walter Benjamin Archivs eine nachhaltige Bereicherung der von ihr betreuten Bestände, insbesondere zu ihren Sammel-schwerpunkten Berlin und der Künstler-Emigration während des Nationalsozialismus, dar. Kommissarischer Leiter des Walter Benjamin Archivs wird der Leiter des Bertolt-Brecht-Archivs der Stiftung Archiv der Akademie der Künste, Dr. Erdmut Wizisla. In einer ersten Arbeitsphase soll der bislang nur z.T. verzeichnete Bestand nach den Regularien der Stiftung Archiv der Akademie der Künste als ganzer archiviert werden und ist danach der interessierten Öffentlichkeit uneingeschränkt zugänglich.
Das Walter Benjamin Archiv vereint drei Nachlaßteile des von den Nationalsozialisten vertriebenen Schriftstellers und Kritikers: zum einen die Manuskripte, die Benjamin 1940 bei seiner Flucht aus Paris mit sich geführt hatte und die nach seinem Selbstmord am 26.9.1940 in Port Bou aufgrund testamentarischer Verfügung an Theodor W. Adorno gegangen waren, zum andern die von Georges Bataille in der Pariser Bibliothèque Nationale versteckten Aufzeichnungen zu den "Passagen" und schließlich Manuskripte und Briefe, die nach Benjamins Flucht von der Gestapo in seiner Pariser Wohnung beschlagnahmt und nach Berlin gebracht, nach Kriegsende von der Roten Armee von Berlin nach Moskau verlagert und 1957 an die DDR gegeben wurden. Dieser Teil gelangte 1972 an die Akademie der Künste der DDR; aus eigentumsrechtlichen Gründen hatte ihn die Stiftung Archiv der Akademie der Künste 1996 der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur übergeben. Bis heute verschollen sind Dokumente, die Benjamin 1933 in Berlin zurückgelassen hatte.
| Prof.
Dr. Jan Philipp Reemtsma Vorsitzender des Vorstands der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur |
Dr.
Wolfgang Trautwein, Direktor der Stiftung Archiv derAkademie der Künste, Berlin |
Konrad-Wolf-Preis 2003 wird an Abbas Kiarostami verliehen
Preisträger des Jahres 2003
ist der international erfolgreiche iranische Regisseur Abbas Kiarostami.
Er wurde 1940 in Teheran
geboren. Abbas Kiarostami studierte an der Kunsthochschule in Teheran,
illustrierte Kinderbücher und arbeitete als Grafiker für
Werbefilme. Erste Kurzfilme entstanden am "Institut für
die intellektuelle Entwicklung von Kindern und Jugendlichen".
Internationale Anerkennung erhielt er für die Spielfilm-Trilogie
um ein Dorf im Iran Wo ist das Haus meines Freundes 1987, Und das Leben geht weiter 1991, Quer durch den Olivenhain
1994. Weitere erfolgreiche Filme waren bisher Der Geschmack der
Kirsche 1997 und Ten 2002
Die Entscheidung traf eine Jury der Abteilung Film- und Medienkunst in der Akademie der Künste, der die Mitglieder Hans Helmut Prinzler, Jan Schütte und Barbara Klemm angehörten.
Konrad Wolf (1925-1982) war Filmregisseur
und langjähriger Präsident der Akademie der Künste
(Akademie der Künste der DDR).
Mit dem Konrad-Wolf-Preis werden herausragende künstlerische
Leistungen und ein Lebenswerk anerkannt. Preisträger waren
u.a. Margarethe von Trotta, Ken Loach, Christoph Marthaler, Volker
Schlöndorff, Michael Haneke, Agnès Varda.
Im vorigen Jahr erhielt der Schweizer Schauspiel- und Opernregisseur
Jossi Wieler den Preis.
Das Preisgeld beträgt 5.000 EUR.
Preisverleihung:
Montag, 17. November 2003, 19.00 Uhr
Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, Berlin-Tiergarten
Laudator: Jan Schütte
Aufführung: "5" Kurzfilme von Abbas Kiarostami, 2003,
75 Min, DVCAM
Eintritt frei
Schauspieler: Gisela May
am Sonnabend, 18. Oktober 2003
15.00 Uhr "Die Tage der Commune" von Bertolt Brecht
mit Gisela May, Angelica Domröse, Wolfgang Langhoff, Ekkehard
Schall, Hilmar Thate, u. a. DFF 1966, 110'
17.00 Uhr "Die sieben Todsünden der Kleinbürger" mit Gisela May von Bertolt Brecht und Kurt Weill, Musikalische Leitung Herbert Kegel, Konzerthaus Berlin, DFF 1988, 90'
19.00 Uhr Gisela May: Every Song
tells a Story
Swaan Produkties, Amsterdam 1998, 62'
20.00 Uhr Gisela May:
"Meisterkurs ohne Schüler für das Publikum"
Für Gisela May gehören große künstlerische Erfolge als singende Schauspielerin in weit über 140 Städten der Welt - von Sydney über Moskau bis New York - ebenso zu ihrer Biografie wie ihre 30-jährige Arbeit am Berliner Ensemble, wo sie viele Rollen spielte, darunter die Madame Cabet in Brechts "Die Tage der Commune" und Frau Kopecka in "Schweyk im Zweiten Weltkrieg". Wolfgang Langhoff holte sie 1951 ans Deutsche Theater - Hanns Eisler entdeckte ihre sängerische Qualität. Bei ihrer überaus lebendigen, präzisen und die künstlerische Phantasie inspirierenden Arbeit mit jungen Künstlern ist zu erleben und nachzuvollziehen, welche Prägung sie damals erfuhr und im Verlauf ihres reichen Darsteller-Lebens qualifizierte. In ihren Erinnerungen "Es wechseln die Zeiten" gibt sie unverstellt Auskunft über sich selbst - beeindruckend sind ihre unverwüstliche Kraft und die Leidenschaft, mit der sie sich ihrer Kunst widmet. Zwei Aufzeichnungen, "Die Tage der Commune" und "Die sieben Todsünden der Kleinbürger", bringen eine Wiederbegegnung neben Gisela May u. a. mit Wolf Kaiser (dessen Todestag sich am 21. Oktober zum zehnten Male jährt), Angelica Domröse, Ekkehard Schall und Hilmar Thate.
Der Abend gehört Gisela May. Sie singt, spielt und liest - ein "Meisterkurs ohne Schüler - aber mit Publikum".
"Das müssen Sie weitermachen" - Hanns Eisler
Junge Akademie
Vor-Ort-Seminar Schwedt
Öffentliche Präsentation
der Ergebnisse:
Sonntag, 5. Oktober, 10.30 Uhr
Tagungs- und Veranstaltungshaus in Schwedt, Berliner Straße
46-48
Zum 9. Mal lädt die
Abteilung Baukunst der Akademie der Künste im Rahmen des Programms
JUNGE AKADEMIE angehende Architekten und Stadtplaner aus Universitäten
und Hochschulen Deutschlands ein, um in einer Stadt oder Gemeinde
im Land Brandenburg einen zehntägigen Architektur-Workshop
durchzuführen.
Vor-Ort-Seminare sind keine akademischen Übungen im Studierzimmer,
sondern finden vor Ort - also gemeinsam mit dem Bürgermeister,
der Stadtverwaltung, dem Sanierungsträger und mit den Bürgern
- statt.
In diesem Jahr hat sich die Abteilung Baukunst für die Stadt
Schwedt/Oder entschieden. Geleitet wird das Seminar von den Mitgliedern
der Akademie der Künste, Michael Bräuer und Detlef Karg.
Es nehmen Studierende der BTU Cottbus (mit Gästen aus Charlotteville/USA),
der HS Wismar und der TU Darmstadt teil.
Gleichzeitig beschäftigt sich das Seminar thematisch mit den
aktuellen Fragen und Problemen des Stadtumbaus. Nach Seminaren in
Wittenberge 2001 und der Stadt Brandenburg 2002 (die Ergebnisse
sind veröffentlicht und über die Buchhandlung in der Akademie
zu beziehen) - liegen in Schwedt schon konkrete Ergebnisse des Rückbaus
von Teilen der Großplattensiedlungen der siebziger und achtziger
Jahre vor. Nun konzentrieren sich Fragen der Stadtgestaltung auf
die Schwedter Innenstadt. In vier ausgesuchten Bereichen erarbeiten
die Studierenden Vorschläge, wie städtischer Raum trotz
zurückgehender städtischer Funktionen (Verwaltung, Bildung,
Handel, etc.) als lebendiger Organismus erhalten bleiben kann.
Die Ergebnisse werden von den Studierenden am Sonntag, dem 5.10.,
um 10.30 Uhr im neuen Tagungs- und Veranstaltungshaus (Berliner
Straße) öffentlich und in Anwesenheit des Bürgermeisters
und der Stadtverwaltung präsentiert.
In Berlin werden die Ergebnisse im Rahmen der "Langen Nacht"
zur Herbstmitgliederversammlung der Akademie der Künste am
Sonnabend, dem 1. November, am Hanseatenweg 10 vorgestellt.
Weitere Vor-Ort-Seminare in
brandenburgischen Städten und Gemeinden fanden bisher in Eisenhüttenstadt
(1993), Putlitz in der Prignitz (1994) Werder an der Havel (1995),
Erkner bei Berlin (1997), Berlin-Buch (1998), Prenzlau in der Uckermark
(1999), an der deutsch-polnischen Grenze in Küstrin/Kostrzyn
(2000), statt.
Matthias Beltz-Archiv geht an die Akademie der Künste
Die Stiftung Archiv der Akademie
der Künste hat den künstlerischen Nachlass des Autors
und Kabarettisten Matthias Beltz (1945-2002) von dessen Witwe, der
Autorin Christiane Meyer-Thoss, als Schenkung erhalten. Es handelt
sich um einen qualitativ und quantitativ herausragenden Bestand
zur Kabarettgeschichte, der vorgeordnet in 20 Umzugskartons verpackt
übergeben wurde.
Zur Biographie
Matthias Beltz gehört zu den bedeutendsten politischen Kabarettisten
der Nachkriegsgeschichte. Einem breiten Publikum ist er durch seine
Soloprogramme "Gnade für niemand - Freispruch für
alle" (1989), "Füße im Feuer" (1991),
"Henker gesucht" (1993), "Die paar Tage noch"
(1994), "Mehr Geld, weniger Ärger" (1997), "Notschlachten"
(1997), "Eigenes Konto - Wenn alles sich rechnet und niemand
bezahlt" (2000) - die größtenteils als Buch veröffentlicht
waren - und durch zahlreiche Hörfunk- und Fernsehsendungen
bekannt geworden (so u. a. 1991/1992 die ARD-Satire-Serie "Nachschlag",
die Hörfunk- und Fernsehreihe "Freispruch für alle"
1993-1996 oder die zuletzt begonnene Reihe "Beltz Open"
in der Nachfolge von Hanns Dieter Hüschs "Gesellschaftsabend"
des SR).
Geboren im Kriegswinter 1945 in Wohnfeld/Oberhessen,
verbrachte Matthias Beltz seine Jugend in Gießen, das er -
damals bereits politisch aktiv - 1964 verließ, um zunächst
in Marburg, dann in Frankfurt am Main Jura zu studieren, wo er von
1966 bis zu seinem frühen Tod im März 2002 lebte. Seine
politische Arbeit dokumentiert sich von Anfang an in zahlreichen
Artikeln und Diskussionsbeiträgen in der neu entstehenden Presse
der Studenten- und Protestbewegung. Stand seine Tätigkeit bei
der Rechtshilfe des AStA der Universität Frankfurt am Main
und der "Republikanischen Hilfe" beim SDS noch in einem
unmittelbaren Zusammenhang mit seinem Jurastudium, so beendete er
schließlich seine Tätigkeit als Gerichtsreferendar vorzeitig,
um in konsequenter Umsetzung des Konzepts der linksradikalen Gruppe
"Revolutionärer Kampf" als Metallarbeiter von 1971
bis 1977 bei Opel in Rüsselsheim zu arbeiten.
Seinen Einstand als Kabarettist gab Beltz mit einer spontanen Willy-Brandt-Parodie
während einer Protestveranstaltung gegen den Franco-Faschismus
1975. Im Sommer 1976 war er Mitbegründer des der Spontiszene
zuzurechnenden "Karl Napp's Chaos Theater" im Sommer 1976,
das zunächst noch stärker mit Formen des politischen (Straßen-)Theaters
experimentierte ("Ei, was strahlt denn hier", 1977; "Das
grüne Vögelchen", 1977; "68er Nachlese",
1978; "Das Polizeifest", 1979; "Szenen aus der Scene",
1979; "5 vor 12, kurz vor HAI NUHN", 1980 - "Deutscher
Kleinkunstpreis 1980", Unterhaus Mainz). In den Programmen
des "Vorläufigen Frankfurter Fronttheaters" vollzog
Beltz die endgültige Wende zum politischen Kabarett - zusammen
mit Hendrike von Sydow und Dieter Thomas - ("Freak und Frieden",
1982; "Chicago", 1983; "Leute 85", 1985; "Versammlung",
1987 - Kabarettpreis: Salzburger Stier 1984).
Auch in anderen Gruppierungen entwickelte
Beltz Kabarettprogramme: so vor allem mit Heinrich Pachl ("Propheten",
1986; "Das Geheimnis der Aktentasche", 1988, und der Heiner
Müller-Parodie "Schufte", 1990), mit Anne Bärenz
und Frank Wolff (u. a. "Liberté, Egalité, Variété",
1989) und mit Achim Konejung, Heinrich Pachl, Arnulf Rating und
Horst Schroth den "Reichspolterabend", drei Programmfolgen
in bundesweiten Tourneen 1990, 1992, 1994. In den Jahren 1996 bis
1998 war er Gastgeber der "Montagabendgesellschaft", einer
Kabarett-Show mit Gästen im Theater am Turm (TAT) im Bockenheimer
Depot in Frankfurt am Main. Im Oktober 1988 war er Gründer,
(gemeinsam mit Johnny Klinke und Margareta Dillinger) und künstlerischer
Direktor des Variétés "Tigerpalast" in Frankfurt/Main;
seine Conferéncen lebten von dem Zusammenspiel von Sprachartistik
und der Körperbeherrschung der Artisten.
1991 erhielt er den 1. Deutschen Kabarettpreis der Stadt Nürnberg,
1993 erhielt er den "Adolf-Grimme-Preis" in Gold und den
"Deutschen Kleinkunstpreis", postum 2003 den Ehrenpreis
des "Bayerischen Kabarettpreises".
Neben seiner publizistischen Tätigkeit,
die Beltz nie vernachlässigt hat und die ihren Niederschlag
in regelmäßigen Buchveröffentlichungen gefunden
hat, in denen seine reich facettierte Intellektualität aufblitzt
("Schwarze Politik - Pamphlete gegen die öffentlichen
Harmoniestifter", 1987; "Links vom Main", 1989; "Die
deutsche Opposition. Bibliothek der Deutschen Werte", 1989;
"Schlammbeißers Weltgefühl. Von der Aufdringlichkeit
der Gegenwart", 1995; "Gute Nacht, Europa, wo immer du
auch bist", 1998; daneben zahlreiche Beiträge in Anthologien),
hat er sich in den letzten Jahren auch als Autor dem Theater zugewandt
("Ich bin nichts. Ich hab nichts. Aber ich lach mich tot",
Uraufführung: Staatstheater Mainz, 1997; "Die Frankfurter
Verlobung", Uraufführung postum: Schauspiel Frankfurt,
2003).
Zu seinen letzten Berliner Auftritten gehörte die Teilnahme
an der "Langen Nacht des Kabaretts", die aus Anlaß
des 100. Geburtstags des deutschen Kabaretts am 18. Januar 2001
in der Berliner Akademie der Künste stattfand.
Zum Nachlass
Der Nachlass dokumentiert in umfassender Weise Werk und Arbeitsweise
von Matthias Beltz, seine künstlerische und politische Biographie.
Im einzelnen liegen vor: zur politischen Arbeit in der Spontibewegung
(einschließlich der Betriebsarbeit bei der Adam Opel AG in
Rüsselsheim 1971-1977) Diskussionspapiere, Zeitschriftenartikel,
aber auch Flugblätter und Zeitschriftenmaterial. Plakate und
Fotos, Programmankündigungen, PR-Materialien, Abläufe,
Textentwürfe, Manuskripte mit Materialsammlungen sowie zahllose
Rezensionen spiegeln vollständig die Karriere von Beltz von
den Anfängen des "Karl Napp's Chaos Theater" bis
zu den letzten Soloprogrammen und seinen Conférencen im "Tigerpalast".
Ebenso vollständig sind seine Auftritte und Sendungen in Hörfunk
und Fernsehen durch Manuskripte und Materialsammlungen dokumentiert.
Daneben existieren Sammlungen von - zum Teil noch unveröffentlichten
- kürzeren Bühnen- und Songtexten und Manuskripte einzelner
Vorträge aus den letzten Lebensjahren.
Umfangreiche Sammlungen von Zeitungsartikeln zu spezifischen Themenkomplexen aus Politik, Literatur und Gesellschaft von 1966 - 2002, die die Interessen von Beltz und seine Arbeitsweise charakterisieren, ergänzen diesen Teil des Nachlasses.
Zu allen Publikationen von Beltz in Büchern, Zeitschriften und Anthologien sind Manuskripte und Belegexemplare im Nachlass enthalten. Das gleiche gilt für die LPs/CDs, die Beltz zusammen mit Ralf Buron produzierte sowie seine (Mit-) Autorschaft bei mehreren Filmen. Zu den Buchveröffentlichungen finden sich teilweise auch Korrespondenz und Rezensionen.
Biographische Dokumente, Preise und Auszeichnungen vervollständigen den Nachlass. Zu einem späteren Zeitpunkt sollen dem Archiv der Akademie handschriftliche Arbeits- und Notizbücher übergeben werden.
Werkausgabe in Vorbereitung
Parallel zur Archivierung des umfangreichen Bestands laufen die
Vorbereitungen zu einer Werkausgabe, herausgegeben von Volker Kühn,
die im Herbst 2004 im Verlag Zweitausendeins erscheinen wird. Die
Auswahl der Texte gilt der intellektuellen Persönlichkeit,
dem analytischen Kopf und politischen Kabarettisten Matthias Beltz.
Matthias-Beltz-Raum im Frankfurter Literaturhaus
Im sich neu konzipierenden Frankfurter Literaturhaus in der wiederaufgebauten
Alten Stadtbibliothek (ehemals "Portikus") ist ein Matthias
Beltz-Raum geplant: Eine öffentlich zugängliche, ständige
Sammlung aller wichtigen Werke des Frankfurter Kabarettisten - audiovisuell
und in Buchform - und die Dokumentation seiner Arbeitsweise unterstreichen
seine künstlerische Präsenz.
Was zerstört ist, bleibt zerstört - Die Akademie der Künste sieht im geplanten Programmschema des
Kulturradios im RBB die Gefahr der Verflachung und Marginalisierung
von Kultur im Hörfunk
"Warum verachten Sie den Hörer?"
fragte Ivan Nagel, Mitglied der Akademie der Künste, kürzlich
die Leitung des Rundfunks Berlin-Brandenburg.
Mit dem Argument, die Zahl der Interessenten an einem intellektuell
anspruchsvollen Kulturradio sei kaum messbar, versucht die Leitung
des RBB, den Einwänden von Radiohörern, Redakteuren und
freien Journalisten zu begegnen, die vor dem endgültigen Verschwinden
eines ernstzunehmenden Kulturprogramms im öffentlich-rechtlichen
Rundfunk der Region warnen. Eine entscheidende Frage wird nicht
gestellt: Gibt es einen berechtigten Anspruch jener Hörer,
die das Radioprogramm als Kulturfaktor und intellektuelles Angebot
ansehen, gegenüber der zweifellos größeren Gruppe
der "Nebenbeihörer", die mit dutzenden Programmen
privater und öffentlich-rechtlicher Anbieter ausreichend versorgt
werden?
Der RBB hat die Absicht, in seinem neuen Sendeschema ein "Tagesbegleitprogramm"
mit zeitlich minimierten und weit verstreuten Wortbeiträgen
an die Stelle von Sendungen treten zu lassen, die sich bisher intensiv
und anspruchsvoll mit Themen der Kunst und Kulturpolitik beschäftigt
haben. Es wird suggeriert, Hörer bevorzugten zwischen 6 und
18 Uhr jegliche Musik, journalistische Information und Literatur
in kürzestmöglichen Portionen.
Journalisten, die öffentlich auf diesen Abbau von Sendeplätzen
und eine damit verbundene Einschränkung des Angebotes für
jene Klientel der Radiohörer hinweisen, der das Medium Hörfunk
bisher auch geistige Herausforderung war, wird eigennützige
Lobbyarbeit unterstellt.
Traditionelle Sendungen wie "Galerie des Theaters" "Musikmagazin", "Noten zur Literatur" sowie das tägliche "Journal" werden ersatzlos gestrichen. Damit begibt sich das neue Kulturradio der Chance, mit seriösen Theater- und Musikkritiken, theaterpolitischer Analyse, sachkundigen Gesprächen mit Schriftstellern und konzentrierter Reflektion des Kulturgeschehens an festen, wiederauffindbaren Sendeplätzen genauer zu fragen und Hintergründe zu beleuchten.
Geplant ist ein Kulturradio, das "veränderten Hörgewohnheiten Rechnung trägt". Zu fragen bleibt, ob mit einem ausschließlichen Blick auf die "Quote" im öffentlich-rechtlichen Rundfunk die Erwartungen einer dieses Medium aktiv nutzenden Hörerschaft soweit ignoriert werden, bis diese weder messbar noch überhaupt interessiert am Radiohören ist.
Die Erfahrung in der deutschen Rundfunklandschaft
hat gezeigt: Traditionell gewachsene Programmstrukturen, die zu
Gunsten eines "Formatradios" einmal zerstört worden
sind, bleiben zerstört.
Die Akademie der Künste fordert die Leitung des RBB und den
Rundfunkrat auf, die Bedenken von Journalisten, die für ein
anspruchsvolles Programm arbeiten wollen, wie von Hörern, die
ein solches Kulturradio brauchen, ernst zu nehmen und die Bedürfnisse
eines Publikums zu respektieren, das sich aktiv mit dem hauptstädtischen
und brandenburgischen Kulturleben auseinandersetzt.
Einladung zur Ausstellungseröffnung
Sehen und Denken 20
Dorothee von Windheim
not made by hand
Arbeiten und Archivalien
Eröffnung: Freitag, 19. September
2003, 19 Uhr
Begrüßung: Michael Schoenholtz, Abteilung Bildende Kunst
Einführung: Peter Geimer, Max-Planck-Institut, Berlin
Dorothee von Windheim ist anwesend.
Ausstellung im Eingangsfoyer
20. September bis 8. Februar 2004
Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, 10557 Berlin-Tiergarten
Öffnungszeiten: täglich 11-20 Uhr und zu den Abendveranstaltungen.
Eintritt frei.
Dorothee von Windheim,
1945 geboren in Volmerdingsen/Krs. Minden (Westfalen); 1965-71 Studium
an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg; 1971-75
in Florenz; 1977-80 in Paris; seit 1989 Professur an der Kunsthochschule
Kassel; lebt seit 1981 in Köln und ist seit 2000 Mitglied der
Akademie der Künste
"Es gibt die unterschiedlichsten
Arten von Weltsicht. Die meinige bildet sich allem voran bei der
Anschauung der Realität. Mein künstlerischer Blick bleibt
an der Oberfläche haften, tastet sich am Gegenüber entlang.
Versucht die Hülle zu erfassen, die für dasjenige steht,
was sie umschließt, was sie in sich birgt. Es ist diese umgebende
Haut, die durch Einflüsse und Einwirkungen gezeichnet wird.
Zum Informationsträger wird sie für den, der es versteht,
die Chiffren zu entziffern."
(Dorothee von Windheim)
Zur Ausstellung erscheint ein von der Künstlerin selbst gestaltetes Leporello (€ 2,60). Zudem bietet ein jeweils unmittelbar
sich auf die Ausstellung beziehendes Videoporträt anregende
Hinweise in persönlichen Statements der Künstlerin (in
Koproduktion mit dem Studio für Elektroakustische Musik der
Akademie der Künste).
Soiréen, Gesprächsrunden
in und zu dieser Ausstellung finden statt:
Montag, 3. November, 19 Uhr mit Hermann Pfütze und N.N.
von der Deutschen Gesellschaft für Ästhetik, Matthias
Bleyl von der Kunsthochschule Weißensee und der Künstlerin
Mittwoch, 10. Dezember, 19 Uhr mit Gunter Gebauer, Gert Mattenklott
und Christoph Wulf vom Interdisziplinären Zentrum für
Historische Anthropologie der Freien Universität Berlin und
der Künstlerin
Vorschau
Sehen und Denken 21 und 22
Ulrich Erben und Urs Jaeggi
und Denken
20 Dorothee von Windheim
15. September 2003
Ausstellung der Stiftung Archiv der
Akademie der Künste in der Casa di Goethe, Rom
| SCHADOW IN ROM Zeichnungen von Johann Gottfried Schadow aus den Jahren 1785-1787 |
Fluchtartig hat Johann Gottfried
Schadow (1764-1850) gemeinsam mit seiner späteren Frau im Jahr
1785 Berlin verlassen und ist über Wien, Venedig, Florenz nach
Rom gereist. Hier lebte und arbeitete er zwei Jahre und reifte zu
einem Bildhauer von europäischem Rang. Wo er sich auch aufhielt,
"ein Zeichenbuch hatte er stets bei sich", erinnerte sich
der Künstler nach Jahrzehnten, ebenso "suchte er in Rom
gleich der Biene aus vielen Blüten Honig zu saugen". Insbesondere
in öffentlich zugänglichen Sammlungen hat Schadow nach
Gemälden und antiken Skulpturen unermüdlich gezeichnet,
daneben den römischen Alltag beobachtet und seine Familie skizziert.
Die Skizzenhefte erwarb die Königliche Akademie der Künste,
dessen langjähriger Direktor Schadow gewesen ist, aus dem Nachlaß.
Als eigener Komplex mit allen Facetten zum Aufenthalt in Rom werden
jetzt die Zeichnungen zum ersten Mal vorgestellt. Sie zeigen den
Weg auf, den der Künstler mit Fleiß und Ehrgeiz einschlug,
um nach seiner Rückkehr die aufgetragenen repräsentativen
Bildhaueraufgaben lösen zu können, zuerst die Quadriga
auf dem Brandenburger Tor.
Obwohl Goethe zu derselben Zeit in räumlicher Nähe in
Rom wohnte, haben sich die beiden Künstler dort nicht getroffen,
jedoch gab es in späteren Jahren Kontakte, Reibungen, Besuche
in Weimar, gemeinsame Arbeitsvorhaben und schließlich entstand
1822/23 das Goethe-Porträt von Schadow. Darum befaßt
sich ein kleiner Ausstellungsteil mit diesem sehr speziellen Kapitel
der Beziehung zwischen zwei selbstbewußten Vertretern von
unterschiedlicher Kunstauffassung.
Zur Ausstellung haben sich vier Mitglieder des Arbeitskreises selbständiger
Kulturinstitute (AsKI) zusammengefunden. Erarbeitet von der Kunstsammlung
in der Stiftung Archiv der Akademie der Künste, deren Eigentum
die Zeichnungen sind, wird sie in folgenden Häusern gezeigt:
| 24.9. - 23.11.2003 | Rom, Casa di Goethe |
| 7.12.2003 - 9.2.2004 | Frankfurt am Main,
Freies Deutsches Hochstift Frankfurter Goethe-Museum |
| 22.2. - 18.4.2004 | Hamburg, Jenisch
Haus, Außenstelle des Altonaer Museums (nicht AsKI-Mitglied) |
| 1.5. - 26.6.2004 | Stendal, Winckelmann-Museum |
Zur Ausstellung erscheint in der
Reihe "Akademie-Fenster" ein deutsch/italienischer Katalog
von 154 Seiten mit 75 Abbildungen.
Neue Bestandsübersicht der Akademiearchive
Die Stiftung Archiv der Akademie
der Künste, Berlin, hat soeben ein neues Verzeichnis ihrer
Bestände herausgegeben, das sich in die Kapitel Baukunst, Bildende
Kunst, Kunstsammlung, Darstellende Kunst, Film- und Medienkunst,
Literatur, Musik, Historisches Archiv und Bibliothek gliedert. Die
Stiftung, die u. a. die Archive von Brecht, Heinrich Mann, Grass
und Kertész, Kollwitz, Heartfield, Grosz, Artur Schnabel,
Eisler, Zender, Scharoun, Taut, Kortner, Konrad Wolf und Tabori
betreut, gilt als das bedeutendste interdisziplinäre Archiv
zur Kunst seit 1900 im deutschen Sprachraum und umfaßt über
800 Einzelarchive mit 6000 laufenden Regalmetern Archivgut, 38.000
großformatige Blätter (Theatergrafik und Architekturpläne),
die Kunstsammlung mit 60.000 Objekten, 40.000 Plakate und die Bibliothek
mit 523.000 Bänden. Die Bestände sind der Forschung und
interessierten Öffentlichkeit zugänglich.
Die Publikation "Die Bestände der Stiftung Archiv der
Akademie der Künste, Berlin" ist in der Akademie sowie
über den Buchhandel erhältlich.
Bestellung
ISBN 3-88331-069-7.
Preis € 14,90.
Tanzcompagnie Rubato,
Berlin
ZUKUNFT_ERINNERN
Baumann_Bohner_Solo mit Videofragment
Freitag, 3. Oktober 2003, 20 Uhr,
Studio
Inszenierung: Jutta Hell
Choreografie: Jutta Hell / Dieter Baumann
Tanz: Dieter Baumann
Videomaterial: Cosima Santoro
Musik: Lutz Glandien
Licht: Andreas Greiner
Eine Produktion der Tanzcompagnie Rubato im Auftrag der Akademie der Künste, Berlin, gefördert durch die Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur und die Kulturstiftung des Bundes
Zur Eröffnung der Ausstellung
"Krokodil im Schwanensee - Tanz in Deutschland seit 1945"
zeigt die Akademie der Künste am 3. Oktober 2003 die Uraufführung
ZUKUNFT_ERINNERN der Tanzcompagnie Rubato. Ausgehend von einem bisher
unveröffentlichten Videofragment der Filmemacherin Cosima Santoro,
das Gerhard Bohner 1991 bei einer letzten Probe zu einem Stück
(noch) ohne Titel zeigt, arbeiten Jutta Hell und Dieter Baumann
an konkreten wie konzeptuellen Bewegungsbegriffen. Das Stück
ist Hommage, Recherche und Zirkelschluss in einem. Dieter Baumann
begibt sich in seinem "Solo mit Videofragment " auf die
Suche nach heutigen und zukünftigen Ansätzen im Tanz.
Dabei entsteht die Frage, wie sich Abstraktion und Emotion im Tanz,
im Unterschied zu früheren Epochen, entwickelt und verändert
haben. Die Videofragmente werden auf der Bühne zum Dialogpartner
und Erinnerungshintergrund.
Gerhard Bohner (1936-92) zählt zu den wichtigsten Choreografen
der deutschen Nachkriegszeit. Neben seinen Engagements an der Deutschen
Oper Berlin (1961-71), am Staatstheater Darmstadt (1972-75) und
Theater Bremen (1981-84) arbeitete er seit 1964 eng mit der Akademie
der Künste in Berlin zusammen. Stilbildend waren vor allem
seine radikal-spröden Soloabende, die exakte Erforschung des
menschlichen Bewegungsapparats sowie sein Kampf für die Autonomie
des Tanzes. Die Hinterfragung von Traditionen sowie seine Faszination
für die Versuchsanordnungen der frühen Tanzmoderne und
ihren utopischen Gewissheiten führten ihn u.a. zur Neufassung
von Tänzen Oskar Schlemmers und der Bauhausbühne. 1991
wurde sein letztes Stück, das Tanzduo SOS, in Zusammenarbeit
mit Jutta Hell und Dieter Baumann im Hebbel-Theater, Berlin, uraufgeführt.
Die Berliner Tanzcompagnie Rubato wurde 1985 von Jutta Hell und
Dieter Baumann gegründet und zählt heute zu den bekanntesten
freien Gruppen Deutschlands. Zahlreiche Tourneen und Projekte in
Europa, Amerika und Asien belegen dies auf eindrucksvolle Weise.
Der Stil ihrer bisher 31 Stücke zeichnet sich vor allem durch
analytische Arbeit an der Bewegung und hohes Formbewusstsein aus
- wobei ihre Offenheit für unterschiedliche Einflüsse
und Kulturen Teil ihres Erfolgs wurde.
Das Ausgangsmaterial zu ZUKUNFT_ERINNERN ist als ca. 30-minütiger
Film vor und nach den Vorstellungen im Foyer der Akademie zu sehen.
Kartenvorbestellung: 39076-155 / Eintritt
€ 13,-/erm. € 7,50
Weitere Vorstellungen: 4. und 5. Oktober, jeweils 20 Uhr
O.E. Hasse-Preis 2003 wird an Judith Strößenreuter vergeben
Die O.E. Hasse-Stiftung vergibt den
O.E. Hasse-Preis 2003 (dotiert mit 5.000 Euro) an die Schauspielerin
Judith Strößenreuter.
Der O.E. Hasse-Preis, der auch die Form von Stipendien haben kann, wird seit 1981 von der O.E. Hasse-Stiftung vergeben, die von der Berliner Akademie der Künste betreut wird. Sie erfüllt das Vermächtnis des Bühnen- und Filmschauspielers O.E. Hasse (1903-1978), der eine Geldsumme für Preise zur Förderung des Schauspieler-nachwuchses bestimmt hatte, die von der O.E. Hasse-Stiftung jungen Darstellern des Sprech- und Musiktheaters zuerkannt werden. Das Auswahlgremium besteht aus dem Vorstand und dem Beraterkreis der Stiftung. Für den O.E. Hasse-Preis 2003 sind das Werner Düggelin (Zürich/Basel) als erster und Max Wiener (Zürich) als zweiter Vorsitzender sowie Klaus Völker (Berlin) und Jossi Wieler (Berlin) als Vorstandsmitglieder. Den Beraterkreis bilden Dietrich Fischer-Dieskau (Berlin), Michael Heltau (Wien), Peter Zadek (S. Filippo/Lucca) und René Kollo.
Die bisherigen Träger des O.E. Hasse-Preises waren: Maria Hartmann und Beat Knoll 1981, Thomas Schulze und Christoph Waltz 1982, Irene Clarin, Sona McDonald, Nina Jensen (Stipendium) und Christin Eliza Marquitan (Stipendium) 1983, Corinna Kirchhoff, Hans Piesbergen und Helmut Zhuber 1984, Ulrich Tukur 1985, Anne Bennent und Jochen Horst 1986, Susanne Lothar und Graciela Araya 1987, Robert Eder und Michael Weber 1988, Sara Capretti und Cornelius Obonya 1989. Seit 1990 wurde der Preis als zwei Jahre zusammenfassende Auszeichnung jeweils im darauf folgenden Jahr verliehen. Preisträger waren seitdem Regina Fritsch und Ulrich Matthes 1990/91, Katharina von Bock, Johannes von Duisburg, Tatjana Orlob (Stipendium), Sebastian Bluth (Stipendium), Pascal-André Lalo (Stipendium) und Jorge Morro (Stipendium)1992/93, Friederike Meinel, Christian Baumgärtel und Michael Rotschopf 1994/95, Christiane Libor, Thomas Schmauser und Nikolaus Selimov 1996/97, August Diehl, Bettina Stucky und Oliver Mallison 1998/99.
Die O.E. Hasse-Stiftung hat beschlossen, ab 2003 - dem Jahr von O.E. Hasses 100. Geburtstag - den Preis in jährlichem Wechsel in Form von Stipendien an Angehörige der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" und der Münchner Otto-Falckenberg-Schule zu vergeben, um den Gesichtspunkt nachdrücklicher Unterstützung und Ermutigung der Ausgezeichneten deutlicher als bisher zur Geltung kommen zu lassen.
Judith Strößenreuter, 22 Jahre alt und in Plauen im Vogtland geboren, ist die erste Trägerin des neu strukturierten O.E. Hasse-Preises. Seit 2000 studiert sie Schauspiel an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" Berlin. Sie wird 2004 ihr Studium abschließen. Ihre wichtigsten Rollen bei den Szenenstudien in den ersten Semestern waren die Julia in "Romeo und Julia" und die Viola in "Was ihr wollt"; sie erarbeitete die Marwood in Lessings "Miss Sara Sampson"; die Käthe Vockerat in Hauptmanns "Einsame Menschen" und die Sophie Barger in Brechts "Baal".
In der in Kooperation mit dem Deutschen Theater entstandenen Studioinszenierung von Wedekinds "Frühlings Erwachen", bei der Ulrich Matthes Regie führte und die seit Januar 2003 auf dem Spielplan der Kammerspiele des Deutschen Theaters steht, spielt Judith mit ins Auge stechender Intensität die treue Freundin der Wendla, die Thea, ein nur auf den ersten Blick zartes Mauerblümchen, die sanft durchblicken lässt, dass sie es faustdick hinter den Ohren hat. Dann spielte sie in der künstlerisch nicht gerade brillanten Aufführung des späten Schnitzler-Stücks "Komödie der Verführung" im Deutschen Theater (Regie Stefan Kimmig) mit einprägsamer Verve die Rolle der Elisabeth. Peter Zadek besetzte sie zunächst nur mit einer kleinen Rolle in seiner Inszenierung von Brechts Kriegschronik "Mutter Courage und ihre Kinder", aber als die Darstellerin der stummen Kattrin, Judith Engel, sich zu oft wegen Fernsehterminen durch die Schauspielelevin vertreten ließ, entschied sich der Regisseur, Judith Strößenreuter mit der Rolle definitiv zu besetzen, hingerissen von ihrer empfindsam wachen, die Schrecknisse des Krieges in eindringlichen Gesten und Gebärden verkörpernden Ausdrucksenergie.
Judith Strößenreuter erhält
den O.E. Hasse-Preis 2003 am Sonntag, dem 14. September 2003 im
Studio der Akademie der Künste. Max Wiener, der Erbe O.E. Hasses,
wird den Preis übergeben. Die Laudatio hält Klaus Völker,
Direktor der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch"
und der Abteilung Darstellende Kunst der Akademie der Künste.
Anschließend wird der Film "Eiszeit" gezeigt, den
der WDR 1975 nach der Uraufführungsinszenierung des Tankred
Dorst-Stücks 1973 im Schauspielhaus Bochum (Regie Peter Zadek)
gedreht hat. O.E. Hasse spielt Knut Hamsun. In weiteren Rollen sind
Ulrich Wildgruber, Elisabeth Stepanek, Hannelore Hoger, Heinz Bennent
und Helmut Qualtinger zu sehen. Im Studio-Foyer zeigt die Stiftung
Archiv der Akademie der Künste die Ausstellung "Fetzen
aus meinem Leben" zum 100. Geburtstag O.E. Hasses.
Jochen Gerz,
Klaus Staeck
Arbeit an der Gegenwart
Plakate, Objekte, Installationen, Videoarbeiten, Fotografien
Museum Junge Kunst Frankfurt/Oder,
Rathaushalle
Eröffnung: Sonntag, 14.September 2003, 11,00 Uhr
Es sprechen: Prof. Dr. Rieger-Jähner
(Direktorin der Städtischen Museen JUNGE KUNST und VIADRINA)
und Matthias Flügge, Vizepräsident der Akademie der Künste
Musik: Frankfurter Kammer-Trio des Brandenburgischen Staatsorchesters
Frankfurt/Oder
Die Künstler sind anwesend.
Ausstellung: vom 14. 9. - 9.11.2003,
dienstags bis sonntags sowie am 3. Oktober 11 - 17 Uhr
In Zusammenarbeit mit dem Museum Junge Kunst, Frankfurt /Oder
Die Mitglieder der Akademie der Künste Jochen Gerz (geb. 1940), Paris, und Klaus Staeck, (geb.1938), Heidelberg, stellen erstmals ihre Arbeiten in einer gemeinsamen Ausstellung aus.
"Sind Kunst und Politik zwei
Bereiche, die sich diametral gegenüberstehen oder sogar ausschließen?
Die Ausstellung mit Werken von Klaus Staeck und Jochen Gerz stellt
diese Frage facettenreich. Doch obwohl die Arbeiten beider Künstler
den Dialog mit existentiellen und damit auch aktuellen Fragestellungen
zur Grundlage haben und diesen geradezu herausfordern, vermischen
sich die Bereiche Kunst und Politik nicht und behalten immer ihre
Autonomie. Dennoch kann man sowohl Staeck als auch Gerz als Ruhestörer
bezeichnen, mischen sie sich doch in brisante Alltagsfragen ein,
die uns alle existentiell betreffen. So sind es drei Komplexe, die
im Mittelpunkt ihres Schaffens stehen: unsere geschichtliche Vergangenheit,
unsere politische Gegenwart und die Form unserer zukünftigen
Umwelt.
Klaus Staeck schuf in den letzten 30 Jahren Postkarten und Aufkleber
sowie Flugblätter aber auch Bücher und Dokumentationen,
vor allem aber Plakate und Objekte, die in unmittelbarem Zusammenhang
miteinander stehen. Mit pointiert sarkastischem Humor und im Zusammenklang
von Wort und Schrift entstanden so immer wieder Darstellungen, die
auf die Gefahr von alltäglich hingenommenen Sachverhalten verweisen.
Dabei legt sich Staeck vor allem "mit den Starken" an,
"den Konzernen, Parteien, Organisationen, Verbänden, Vereinigungen,
mächtigen Einzelpersonen". Dass seine Kunst der spöttisch
kritischen Zurechtweisungen durchaus auf Resonanz bei den Angegriffenen
stoßen, darauf weisen die über 140 Prozesse hin, die
der Künstler alle gewann, was die Demokratiefähigkeit
unseres Staates immer wieder erneut bestätigt.
Jochen Gerz dagegen entwickelt seine Arbeiten aus dem Schreiben
heraus, in den öffentlichen Raum hinein. Dieser wird für
ihn im ursprünglichen Wortsinne bis in den Medienalltag hinein
erweitert. Es werden aber nicht allein Gattungsgrenzen vom Künstler
verschoben. Auch der ursprüngliche Sach- und Situationszusammenhang,
aus dem heraus Kunstwerke der Vergangenheit verstanden wurden, werden
durch die Kunst von Gerz konterkariert, so dass Irritationen vorprogrammiert
sind. Aber es sind auch Gewalt, Unachtsamkeit und Routine sowie
deren erschreckende Folgen, die der Künstler zu thematisieren
versteht. Letztlich gelingt es Gerz immer wieder von Neuem mit sparsamsten
ästhetischen Mitteln die passive Konsumentenrolle des Betrachters
aufzubrechen und ihn zum Mitgestalten der Aktionen, Videoarbeiten
und Foto/ Texte zu aktivieren."
(Aus einem Text von Prof. Dr. Brigitte Rieger-Jähner)
Ausstellung
und Buchpräsentation Joachim John
Pressegespräch am 10. September, 11.30 Uhr, in der "galerie
parterre"
Joachim John, Mitglied der Akademie der Künste seit 1986, hat im Sommer 2000 sein schriftliches Archiv der Stiftung Archiv der Akademie der Künste übereignet und seither jährlich ergänzt. Seine Zeichnungen und Druckgraphiken gelangten seit seiner Meisterschülerzeit an der Ost-Akademie als Belege und Erwerbungen in die Kunstsammlung der Akademie. Im letzten Jahr schenkte er zusätzlich 150 Landschaftsradierungen.
Die Stiftung Archiv der Akademie
der Künste dankt Joachim John mit einer Ausstellung und dem
soeben im Transit Buchverlag Berlin erschienenen Band "Nach
vorne fliehen. Briefe und Radierungen 1989 bis 2001".
Die im Buch vorgestellte Auswahl der Briefe zeigt Joachim Johns
schriftstellerische Begabung und vermittelt seine Sicht auf die
unruhigen neunziger Jahre. In diesem herausragenden Zeitzeugnis
reflektiert John die gesellschaftlichen Veränderungen während
und nach der Wende in Mecklenburg-Vorpommern und in der Akademie
in Berlin ebenso wie seine künstlerischen Maximen. Die Ausstellung
in der galerie parterre zeigt Zeichnungen, Druckgrafiken und Malbriefe
Johns aus den Beständen der Kunstsammlung bzw. des John-Archivs.
Die Ausstellungseröffnung am
11. September 2003 um 20 Uhr in der galerie parterre, 10405 Berlin-Prenzlauer
Berg, Danziger Straße 101, wird mit der Buchpremiere verbunden.
Es liest Wolfgang Unterzaucher; zu Ausstellung und Buch spricht
der Vizepräsident der Akademie der Künste, Matthias Flügge.
Zur Pressebesichtigung der Ausstellung und einer Vorstellung des Buchs in Anwesenheit des Künstlers sind Sie herzlich eingeladen:
Mittwoch, 10. September 2003,
11.30 Uhr
galerie parterre, Berlin-Prenzlauer Berg, Danziger Straße
101
Abbildungen erhalten Sie über
den TRANSIT Buchverlag, Gneisenaustraße 2,
10961 Berlin, Tel: (030) 69401811, Fax: (030) 69401812.
Ausstellung vom 12. September bis
12. Oktober 2003 in der galerie parterre, Öffnungszeiten mittwochs
bis sonntags 14 - 20 Uhr.
Ansprechpartner: Kathleen Krenzlin, Tel. 42 40 12 67.
Ausschreibung zur 17. Woche des Hörspiels, 9.-14. November 2003
PLOPP!-Hörkunst
im Wettbewerb Jetzt durchstarten! Die Deadline für die Teilnahme am PLOPP! Award rückt näher: Bis zum 19. September 2003 müssen die Hörstücke auf CD an die Akademie der Künste verschickt sein. Es gilt der Poststempel.
Und nicht vergessen: Bei PLOPP! kann jeder Störfaktor zur Kunst werden. Ob Rauschen, Knacken, Ploppen: Große Konzepte und Perfektion zählen hier nicht. PLOPP! ist offen für alle Formen und Genres. Der Preisträger wird durch das Publikum bestimmt und vom Hörverlag München mit 1.500 Euro beglückt.
Teilnahmebedingungen
a) Am Wettbewerb teilnehmen können Hörkunst-Produktionen,
die
- nicht im Auftrag einer Sendeanstalt produziert und gesendet
- nicht kommerziell verwertet
- und nicht bereits im vergangenen Jahr für PLOPP! eingereicht
wurden.
b) Die Produktionen dürfen nicht länger als maximal 30
Minuten sein.
c) Die Stücke bitte vorzugsweise als CD einreichen.
d) Informationen: Silke Baer, 030/39076-162, baer@adk.de
Einsendeschluss der Hörspiel-Produktionen:
19. September 2003
an die Akademie der Künste, Abt. Film- und Medienkunst, PLOPP!
- Wettbewerb,
Hanseatenweg 10, 10557 Berlin
Pressekontakt Woche des Hörspiels: Angelika Ludwig, Tel. 030-883 96 23,
infoscout@snafu.de
"man hat einfach immer noch zu enge
vorstellungen von musik"
| (hespos) |
5. und 6. September 2003, jeweils
20.00 und 23.00 Uhr
Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, Berlin-Tiergarten
m-cluster ist eine neue Veranstaltungsreihe des Studios für Elektroakustische Musik der Akademie der Künste. Am 5. und 6. September findet die Eröffnungs-veranstaltung der Reihe statt. An jedem Tag gibt es ein Abendkonzert um 20.00 Uhr und ein Nachtkonzert um 23.00 Uhr im Studio der Akademie der Künste am Hanseatenweg in Berlin-Tiergarten.
m-cluster präsentiert electronic arts von Künstlern aus verschiedenen Bereichen. Die Dichte des Materials und die Vielfalt der Formen haben als gemeinsames Konzept die Verwendung Elektroakustischer Musik. Sprache, Film, Video, Tanz, Inszenierungen und Elektroakustische Musik brechen mit dem Selbst-Verständlichen und bringen das Un-Erhörte zur Geltung.
Die Eröffnungsveranstaltung der Reihe m-cluster bietet dieses Jahr unter anderem die 16-kanalige Vertonung des Eisenstein-Films STREIK von und mit Pierre Jodlowski im Auftrag der Cinémathèque de Toulouse (Freitag, 5. September, 23.00 Uhr) sowie eine Inszenierung der Diskussion im Barock zum Verhältnis von Mensch und Maschine von Georg Katzer mit Live-Elektronik, Stimme, Kontrabass, Bassklarinette und Videoprojektion (Freitag, 5. September, 20.00 Uhr).
Am Samstag findet um 20.00 Uhr ein italienischer Abend statt mit Werken von Emanuele Casale, Walter Prati und Michelangelo Lupone. Die Gruppe ARS LUDI führt in Kooperation mit dem Centro Ricerche Musicali aus Rom die Performance FEEDBACK von Michelangelo Lupone auf, bei dem erstmals in Berlin die neu entwickelten Feed Drums verwendet werden. Das Nachtkonzert am Samstag um 23.00 Uhr präsentiert das Duo INTERZONE PERCEPTIBLE mit Sven Herrmann (Akkordeon/Elektronik) und Matthias Hettmer (E-Bass) sowie DAS MARTYRIUM DER METALLE von und mit Michael Wertmüller (Perkussion, Oversized Harp, E-Vibraphon), Manuel Liebeskind (Elektronik) und Olaf Rupp (E-Gitarre).
Kontakt:
Studio für Elektroakustische Musik der Akademie der Künste
Gerd Rische, Tel. (030) 285 39 850 E-mail: estudio@adk.de
Freitag, 22. August 2003
20.00 Uhr, Studio (Eintritt frei)
Hanseatenweg 10, Berlin-Tiergarten
Der Präsident der Akademie der Künste
Adolf Muschg hat die Einladung der Schweizerischen Botschaft gerne
angenommen, die politische Konzeption Karls des Großen im
heutigen Kontext zu diskutieren. In seinem Vortrag "Karl der
Große - Kleineuropa?" interessieren ihn Europas historische
und gegenwärtige Erfahrungen mit dem / den Anderen. In dem
anschließenden Gespräch stellen Adolf Muschg und Horst
Fuhrmann die Ideen und Strategien Karls des Großen gegenwärtigen
Entwicklungen gegenüber: den Gefahren von Spaltung und Handlungsunfähigkeit,
den Chancen für eine Versöhnung Europas mit sich selbst
und für die Öffnung gegenüber anderen Kulturen.
Vortrag und Gespräch in der Akademie der Künste bilden
den Abschluss des Symposions "Karl der Große und Europa",
das die Schweizerische Botschaft, die Stiftung Pro Kloster St. Johann
und das Deutsche Historische Museum gemeinsam mit der Akademie der
Künste im Rahmen der Ausstellung "Idee Europa - Entwürfe
zum ‚ewigen Frieden'" durchführen. Der Anlass des Symposions
ist ein Geschenk, das die Schweiz der Bundesrepublik Deutschland
anlässlich der Ausstellung "Idee Europa" übergeben
hat: der Abguss einer Skulptur Karls des Großen aus der Kirche
des Klosters St. Johann in Müstair.
Horst Fuhrmann
Geboren 1926 in Kreuzburg/Oberschlesien. Nach Kriegsdienst und Gefangenschaft
Studium der Geschichte, Klassischen Philologie und Rechtsgeschichte.
1952 Dissertation über mittelalterliche Patriarchate. 1954-1957
Mitarbeiter am Institut der Monumenta Germaniae Historica in München
und am Deutschen Historischen Institut in Rom. 1962-1971 Ordinarius
für Geschichte der Universität Tübingen, 1971-1994
der Universität Regensburg und Präsident der Monumenta
Germaniae Historica in München sowie 1992-1997 Präsident
der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Seit 1985 Mitglied
der Sachverständigenkommission für die Konzeption des
Deutschen Historischen Museums. 1981 Preis Cultore di Roma; 1986
Orden Pour le mérite; 1988 Großes Bundesverdienstkreuz
mit Stern; 1989 Oberschlesischer Kulturpreis; 1990 Bayerischer Verdienstorden;
1998 Bayerischer Maximiliansorden; 2003 Kulturpreis Schlesien. Zahlreiche
Veröffentlichungen zur Geschichte des Mittelalters und zum
Papsttum.
Adolf Muschg
Geboren am 13. Mai 1934 in Zürich. Studium der Germanistik,
Anglistik und Psychologie in Zürich und Cambridge/England,
1959 bei Emil Staiger in Zürich promoviert zum Dr. phil. 1962-69
Lehrtätigkeit an Universitäten in Tokyo (ICU), Göttingen,
Ithaca N.Y. (Cornell University) und Genf. Nach 1970 Professor für
deutsche Sprache und Literatur an der ETH Zürich. 1997 Gründungsleiter
des Collegium Helveticum (interdisziplinäres Graduiertenkolleg)
in der Semper-Sternwarte Zürich. 1999 emeritiert. Seit 2003
Präsident der Akademie der Künste Berlin. Politische Tätigkeit
in Eidgenössischen Kommissionen, 1975 Kandidat der Zürcher
SP für den Ständerat, Tätigkeit an Rundfunk und Fernsehen
(Baden-Badener Disput SWF 1999-93), Poetik-Dozenturen, Writer in
Residence L.A. 1985. Mitgliedschaft in den Akademien von Berlin,
Darmstadt, Mainz und Hamburg. Literarische und essayistische Publikationen
(Auswahl): 1965: "Im Sommer des Hasen" (Roman) 1972 "Liebesgeschichten"
(Erzählungen), 1974 "Albissers Grund" (Roman), 1977:
Gottfried Keller (Monographie), 1981: "Literatur als Therapie",
Frankf. Poetik-Vorlesung,1993: "Der Rote Ritter: Eine Geschichte
von Parzival"(Roman), 2002 "Sutters Glück",
Roman. Preise (u.a.): Hermann Hesse-Preis 1974, Zürcher Literatur-Preis
1984, Ricarda Huch-Preis 1993, Georg Büchner-Preis 1994, Int.
Vilenica-Literaturpreis 1995, Premio Antico Fattore 1995, Grimmelshausen-Preis
2001.
Berlin (dpa/bb) - Das Land Berlin setzt den ins Stocken geratenen Neubau der Akademie der Künste am Brandenburger Tor in eigener Regie fort. Vom bisherigen Generalunternehmer habe sich das Land fristlos getrennt, sagte Bausenator Peter Strieder (SPD) am Montag in Berlin. Der privat finanzierte Bau am Pariser Platz solle nach mehrwöchiger Zwangspause im Sommer 2004 fertig werden.
Mit Kosten von 47 Millionen Euro werde das vom Architekten Günter Behnisch entworfene Gebäude mit großflächiger Glasfassade rund 10 Millionen teurer als bisher veranschlagt, sagte Strieder. Offiziell eröffnet werden soll der Neubau der Künstlergesellschaft an ihrem historischen Standort zwischen Hotel Adlon und der geplanten US- Botschaft zur Mitgliederversammlung im Herbst 2004.
Von den erwarteten Mehrkosten seien bereits 6,5 Millionen Euro bewilligt worden, sagte Strieder. Kultursenator Thomas Flierl (PDS) erklärte, mit der Entscheidung gebe es nun Planungssicherheit für die Akademie, dessen Erstausstattung und laufende Kosten inklusive Leasingraten für das Gebäude vom Bund nach Bezugsfertigkeit getragen werden sollen.
Der Generalunternehmer Pegel & Sohn habe in rund 100 Nachträgen zusätzlich mehr als 20 Millionen Euro als weitere Baukosten in Rechnung gestellt, sagte Strieder. Davon seien 6,5 Millionen Euro anerkannt worden. Berlin habe Ende April eine Liquiditätshilfe von 5 Millionen Euro zur Fortsetzung der Arbeiten bezahlt, obwohl der Bau noch nicht entsprechend fortgeschritten war.
Weitere Mehrkosten in Höhe von 14 Millionen Euro seien nach Ansicht der Senatsverwaltung unbegründet, betonte Strieder. Notfalls müsse vor Gericht gestritten werden. Pegel & Sohn hatten wegen Differenzen über die Baukosten den Vertrag am 22. Juli gekündigt und sich von der Baustelle zurückgezogen.
Strieder wies Vorwürfe wegen mangelhafter Aufsicht der Bauarbeiten durch das Land zurück. Berlin sei zwar an der Bauträgergesellschaft Lindo GmbH + Co KG beteiligt, habe aber rechtlich keinen Einfluss auf die Geschäftsführung. Die Bauverwaltung sei nur für die Abnahme der tatsächlich erfolgten Arbeiten zuständig. Allerdings habe sich dieses Steuer sparende Modell der Privatfinanzierung, das von seinem Vor- Vorgänger im Amt beschlossen wurde, nicht bewährt. "Zu viele Köche verderben den Brei", sagte Strieder. An der Lindo KG ist auch die Allgemeine Leasinggesellschaft beteiligt, die über ein Mietkauf- Modell das Projekt vorfinanziert.
Strieder zeigte sich zuversichtlich, dass trotz Warnungen vor Schimmelbefall, im Keller des Neubaus das wertvolle Akademie-Archiv untergebracht werden könne. Es sei technisch möglich, in den Räumen eine Feuchtigkeit von 50 Prozent bei einer Temperatur von 18 Grad Celsius zu halten, sagte der Senator.
Nach dem neuen Modell soll eine Projektgesellschaft unter direkter Aufsicht der Bauverwaltung die Arbeiten am Pariser Platz fortsetzten. Die Verträge mit den Subunternehmern sollen beibehalten werden.
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Streit um Akademie-Neubau - Generalunternehmer gekündigt - Gebäude wird erst Mitte 2004 fertig - Kosten steigen um neun Millionen Euro --Von Holger Lunau--
Berlin (ddp-bln). Im Streit um den Neubau der Akademie der Künste am Pariser Platz in Berlin-Mitte zieht der Senat die Notbremse. Die Lindo Leasing-Gesellschaft habe in Absprache mit dem Senat dem Generalunternehmer Pegel & Sohn fristlos gekündigt, sagte am Montag Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD). Die Senatsbauverwaltung werde die Bauleitung übernehmen. Ziel sei es, das Akademie-Gebäude nunmehr Mitte 2004 zu übergeben, ein halbes Jahr später als zuletzt geplant. Zugleich teilte der Senator mit, dass der Bau mit wahrscheinlich 47 Millionen Euro um 9 Millionen Euro teurer wird, als ursprünglich vorgesehen.
Strieder räumte erhebliche Probleme bei dem Projekt ein, das als Mietkaufmodell noch zu Zeiten der großen Koalition beschlossen worden war. Insbesondere Qualitätsüberprüfungen seitens Dritter sowie daraus resultierende Nachforderungen in Millionenhöhe durch den Generalunternehmer bewertete der Senator kritisch. Im Streit um mehr Geld hatte Pegel & Sohn Ende Juli die Baustelle verlassen. Dabei habe das Parlament für "anerkannte Mehrkosten" bereits 6,5 Millionen Euro zusätzlich bewilligt, sagte Strieder. Doch der Generalauftragnehmer habe immer mehr gefordert, zuletzt im April 5 Millionen Euro.
Die Fortsetzung der Arbeiten sei reibungslos möglich, da die Leasinggesellschaft dies in den Verträgen mit Pegel & Sohn geregelt habe, betonte der Senator. Die Bausteuerung werde von der Bauverwaltung einem Projektbüro übertragen.
Kultursenator Thomas Flierl (PDS) zeigte sich erleichtert über die gefundene Lösung. Nunmehr gebe es Planungssicherheit für die Akademie. Vor dem Hintergrund der geplanten Übernahme der Betriebskosten der Akademie durch die Bundesregierung sei dies dingend notwendig.
Ein Akademie-Sprecher sagte, wenn die Gebäudeübergabe Mitte nächsten Jahres erfolge, könne im Herbst der Neubau eröffnet werden. Das Archiv müsse bis dahin "ja nicht in allen Einzelheiten mit umziehen".
Das Grundstück für den Akademie-Neubau
war im Herbst 1999
frei gemacht worden. Die Grundsteinlegung erfolgte am 15. Mai 2000.
(Quellen: Alle auf Pressekonferenz)
ddp/lun/jor
Bei Archivrecherchen zur Geschichte des
Akademiegebäudes am Pariser Platz 4 und ihrer teilweisen Nutzung
durch die Grenztruppen der NVA bis Anfang 1990 sind Einzelheiten
zu einem bisher öffentlich kaum bekannten Tötungsdelikt
entdeckt
worden. Demnach wurde am 2. Oktober 1971 der Westberliner Dieter
Beilig im sogenannten "Führungspunkt der NVA-Grenztruppen"
am Brandenburger Tor aus nächster Nähe erschossen. Die
von den Grenztruppen besetzten Räume befanden sich in einem
für Mitarbeiter der Akademie damals nicht zugänglichen
Gebäudeteil der historischen Ausstellungsräume, die nun
in den Neubau der Akademie integriert werden.
Der damals in Kreuzberg lebende Dieter Beilig hatte von der Westseite
kommend die Mauer am Platz vor dem Brandenburger Tor bestiegen.
Er habe (Protokollnotiz für den Staatssicherheitsminister Mielke)
die Losung gerufen: "Unser Volk muß sich einig sein,
Einigkeit Deutschlands, beide Nationen vereint, Deutschland kann
nur frei sein, wenn es einig ist." Nach dem Sprung von der
Mauer und dem Versuch, in Richtung Otto-Grotewohl-Straße (jetzt:
Wilhelmstraße) zu fliehen, sei er von zwei Posten der Grenztruppen
verhaftet und in den "Führungspunkt der NVA-Grenze"
verbracht worden, wo man ihn, angeblich beim Versuch einer Flucht
aus dem Fenster, mit einem Schuss aus einer Maschinen-pistole getötet
hat.
Nach einer Auskunft der Staatsanwaltschaft Berlin, die in diesen
Tagen der Akademie übermittelt wurde, ist es nicht zu einer
Anklage wegen der Tötung Dieter Beiligs gekommen. Bei den Ermittlungen
stellte sich heraus, dass der Todesschütze Anfang der 90er
Jahre verstorben war.
Die Akten der Bundesbehörde für die Staatssicherheitsunterlagen
geben detaillierte Auskunft über Anweisungen des MfS zur Fälschung
von Akten der Gerichtsmedizin. Nachträglich auf die Waffe aufgebrachte
Fingerabdrücke des Erschossenen sollten eine angebliche Notwehrsituation
für die Grenzsoldaten beweisen.
Dieter Beilig (geb. 1941 in Berlin) hatte bereits 1962 Demonstrationen
an der Berliner Mauer organisiert; Stasi-Unterlagen geben an, er
habe 1963 die Peter-Fechter-Memorial-Bewegung gegründet und
sei aktives Mitglied der "Vereinigung der Opfer des Stalinismus"
gewesen. Beilig wurde 1964 laut Presseberichten als "Demonstrant
in den Osten entführt", durch das Ostberliner Stadtgericht
wegen "staatsfeindlicher Hetze und Terror" zu 12 Jahren
Zuchthaus verurteilt und nach Umwandlung der Strafe in eine vierjährige
Bewährungsfrist 1966 wieder in den Westteil Berlins entlassen.
Die "Arbeitsgemeinschaft 13. August" hatte bisher für
den vermuteten Tod von Dieter Beilig, der "nach Grenzfestnahme
auf der Flucht aus der Dienststelle erschossen worden sein soll",
das irrtümliche Datum 2. Dezember 1971 angegeben. In der von
der Westberliner Polizei geführten Statistik taucht der Name
von Dieter Beilig nicht auf, da sein Tod nicht offiziell festgestellt
wurde. Offensichtlich wurden die sterblichen Überreste des
Toten den Angehörigen nicht zur Beisetzung übergeben.
Im Neubau der Akademie der Künste am Pariser Platz 4 (Fertigstellung
voraussichtlich 2004) wird in den historischen Ausstellungshallen
an die wechselvolle Geschichte des 1907 der Königlich-preußischen
Akademie übergebenen Hauses erinnert. Mit dem erzwungenen Ausschluss
von Heinrich Mann und Käthe Kollwitz sowie der Verfolgung und
Vertreibung zahlreicher Mitglieder wurde 1933 die Gleichschaltung
der Institution betrieben, die das Haus 1937 an die von Albert Speer
geführte Generalbaudirektion abgeben musste. Nach dem Krieg
lag das ruinierte Gebäude im Grenzgebiet, ein von der Akademie
isolierter Teil der Ausstellungs- und Ateliersäle wurde von
den Grenztruppen genutzt, und noch 1985 sollten die Reste des Hauses
wegen der Grenznähe abgerissen werden.
In Verantwortung für die ganze Geschichte ihres Gebäudes
stellt sich die Akademie auch den historisch dunkelsten Jahren,
die das Haus am Pariser Platz 4 erleben musste. In den erhaltenen
Ausstellungshallen werden Spuren aus allen Epochen und wechselnden
Nutzungen des Hauses der Nachwelt sichtbar bleiben. Zum Schicksal
von Dieter Beilig zeigt 3sat am 11. August um 19.20 Uhr in der Sendung
"Kulturzeit" einen Beitrag von Donat Schober. Der Filmautor
arbeitet für den RBB an einer Dokumentation zur Geschichte
des Akademiegebäudes und zur Entstehung des Neubaus.
Auf Anfrage des "Berliner Kuriers",
der die Information von der amtierenden Pressesprecherin des Bausenators
erhalten hatte, bestätigt die Akademie der Künste:
Am 31. 7. 2003 hat ein Mitarbeiter der Akademie der Künste
in der Archiv-Magazinebene -4 des Rohbaus am Pariser Platz einen
massiven Befall der Wände mit Schimmelpilzen entdeckt. Daraufhin
hat die Akademie sofort vertraulich den Kultursenator und den Bausenator
informiert und sofortige Schutzmaßnahmen und unabhängige
Begutachtung verlangt.
In diesem Zusammenhang ist der Akademie gestern nachmittag ein Schreiben des Generalunternehmers Pegel & Sohn vom 4. 8. 2003 an die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung in Kopie zugegangen. Darin heißt es: "Weiterhin machen wir - wie schon in der Vergangenheit - darauf aufmerksam, dass die Untergeschosse nicht für Archive geeignet sind. Die Steuerung der MSR sowie die Menge der Luftumwälzung sind für ein hochwertiges Archiv nicht geeignet." Dieses war der Akademie bislang verschwiegen worden.
Die Planung eines Archivneubaus am Hanseatenweg war bereits vor 1989 abgeschlossen; sie wurde in die Planungen für das Gebäude Pariser Platz überführt, weil die adäquate Unterbringung der Archivbestände ein wesentlicher Teil des Gesamtkonzepts der Akademieplanungen war. Nach dem Verkauf des hinteren Grundstückteils an der Behrenstraße, auf dem das Archiv errichtet werden sollte, waren Magazintiefgeschosse erforderlich geworden. Die entsprechenden Anforderungen für die Aufbewahrung von Kunstwerken und Archivalien in hochwertigen Magazinen hatte die Akademie in aller Klarheit den zuständigen Senatsverwaltungen und den Architekten mitgeteilt und wiederholt auf ihrer Einhaltung bestanden.
Die Akademie sieht nunmehr den Sinn
ihres Neubaus in Frage gestellt und fordert die Verantwortlichen
der Senatsverwaltungen für Kultur und für Stadtentwicklung
zu einer unverzüglichen Stellungnahme auf.
Am 3. Oktober 2003 eröffnet die Akademie der Künste die erste umfassende Darstellung der Tanzentwicklung in beiden deutschen Staaten in einer Ausstellung mit Begleitprogramm.
Weitere Informationen unter: www.adk.de/tanz
Baustopp am Pariser Platz 4
Erklärung des Präsidenten der Akademie der Künste,
Adolf Muschg
Mit Bestürzung und großer
Enttäuschung haben wir den Baustopp des Akademie-Neubaus am
Pariser Platz zur Kenntnis genommen. "Hier entsteht die peinlichste
Bau-Ruine Berlins", titelte die Presse.
Hoffentlich nicht. Unsere Akademie soll, in Würdigung ihres
Stellenwerts, in die Zuständigkeit des Bundes übergehen;
für die entsprechende Erklärung der Staatsministerin Frau
Dr. Christina Weiß sind wir dankbar. Der Haushalt Berlins
soll um diesen Posten entlastet werden: angesichts der Finanzlage
des Landes mag das geboten sein. Trotzdem bleibt die Akademie Teil
des kulturellen Lebens dieser Stadt und leistet ihren Beitrag dazu.
Berlin ist für sie mehr als ein "Standort". Sie betrachtet
ihre Verbindung mit der Stadt als Verpflichtung auf Gegenseitigkeit.
Dazu gehört der Neubau am Pariser Platz. Seine Vollendung bleibt
Sache des Landes Berlin.
Das Gebäude sollte - laut Vertrag mit dem Generalunternehmer
- im Februar 2002 bezugsbereit sein. Die Übergabe verzögerte
sich immer wieder aus Gründen, für welche die Akademie,
die niemals Bauherr war, keine Verantwortung übernehmen kann.
Diese ging in der Unschärfe der Zuständigkeiten immer
mehr verloren, und heute scheint niemand mehr für das Ganze
verantwortlich zu sein: keine der am Vertrag beteiligten Senatsverwaltungen
Stadtentwicklung und Finanzen, nicht der für die Akademie zuständige
Kultursenator, nicht das in der Ausschreibung berücksichtigte
Generalunternehmen Pegel & Sohn, aber auch nicht die dazwischengeschaltete
Leasing-Gesellschaft Lindo mit Sitz in München, die vom Senat
als "reine Hülle", von Pegel & Sohn aber als der
eigentliche - staatliche? - Bauherr betrachtet wird. Der Bau wurde
zum Streitfall, der die Juristen aller Seiten mit "Nachtrags-management"
bzw. "Nachtragsabwehrmanagement" anhaltend beschäftigt,
während die Arbeit auf der Baustelle immer wieder liegen blieb.
Am 22. Juli dieses Jahres hat sie der Generalunternehmer ganz eingestellt,
weil die nötige Bürgschaft für entstandene Mehrkosten
durch die Lindo KG - seine eigene Tochter? - nicht mehr gegeben
sei, was in der Senatsverwaltung bestritten wird. Wer steht jetzt
hinter der Lindo KG, die außerdem ihre Solvenz beteuert? Nebel,
so weit man sieht. Wer sieht durch?
Wir vermögen also die Gründe für diesen Baustopp
nicht zu würdigen. Wir stellen nur fest, dass damit der versprochene
Übergabetermin - zum Jahresende 2003 - wieder in unbestimmte
Ferne gerückt ist. Von Planungssicherheit, z.B. bei der Vorbereitung
der Eröffnungsveranstaltungen, kann keine Rede mehr sein. Damit
steht für uns aber auch das Vertrauen in den politischen Ernst
zur Debatte, mit dem die Verantwortlichen den Beitrag der Akademie
zur Kultur der Hauptstadt behandeln.
Wir können unter diesen Umständen keinen Umzug vorbereiten.
Unser Partner in der Sache des Neubaus ist kein Generalunternehmer
und keine Kommanditgesellschaft, auch kein Verwaltungsgremium, das
bald wieder im Halbdunkel verschwindet, sondern allein der verantwortliche
Senat des Landes Berlin. Wir sind uns bewusst, dass das Akademiegebäude
neben dem Brandenburger Tor nicht nur städtebaulich, sondern
auch in seiner historischen Symbolik einen hohen Stellenwert besitzt
und werden uns alle Mühe geben, seiner in unserer Arbeit bewusst
zu sein und ihn dem Publikum bewusst zu machen.
Darum ist uns der Neu-Altbau am Pariser Platz als Manövriermasse
für das halb verdeckte lokalpolitische Interessengeschäft
zu gut. Wir erwarten vom zuständigen Senator für Stadtentwicklung
ein klares Zeichen, dass die Akademie am Pariser Platz willkommen
ist und dass er zu den von ihm eingegangenen Verpflichtungen steht.
Wir warten auf eine verbindliche Terminangabe, wann die Akademie
dort einziehen kann.
Das künstlerische Archiv des Nobelpreisträgers
und Mitglieds der Akademie der Künste, Imre Kertész,
das er der Stiftung Archiv der Akademie der Künste Ende 2001
als Depositum übergeben hat, und das vollständig verzeichnet
ist, ist nunmehr der Forschung zugänglich. Es enthält
u. a. die in ungarischer Sprache geschriebenen Manuskripte von Kertész
bekanntesten literarischen Arbeiten: "Roman eines Schicksallosen"
(erschienen 1975 unter dem Titel Sorstalanság, 1990 erstmals
auf deutsch als "Mensch ohne Schicksal", 1996 unter dem
Titel: "Roman eines Schicksallosen"), "Der Spurensucher"
(1977/1999), "Fiasko" (1988/1999) "Kaddisch für
ein nichtgeborenes Kind" (1990/1992), "Galeerentagebuch"(1992/1993),
"Ich, ein anderer" (1997/1998).
Zu den ca. 3500 Blatt Werkmanuskripten kommen 500 Blatt Korrespondenz
und 1350 Blatt Notizen; diese beiden Komplexe bleiben gesperrt.
Neben seiner herausragenden literarischen Qualität kommt dem Kertész-Archiv in der Stiftung Archiv der Akademie der Künste auch deshalb besondere Bedeutung zu, weil hier die umfangreichsten Bestände zur Künstleremigration während des Nationalsozialismus und zum Jüdischen Kulturbund in Deutschland überhaupt betreut werden und die Auseinandersetzung mit dem Holocaust ein zentrales Thema der Akademie der Künste ist und bleibt.
Festival: 10. August bis 14. September + 25. Oktober 2003
Ausstellung: 10. August bis 14. September (Di bis So 11.00-20.00
Uhr)
Eröffnung: Sonntag, 10. August,
11.00 Uhr, vor der Akademie der Künste, 11.30 Uhr, Hallen 1
und 2
Pressekonferenz: Freitag, 8. August, 11.00 Uhr, Clubraum
Das Festival - mit Ausstellung, Lectures,
Musik- und Filmprogramm - fokussiert Strömungen zeitgenössischer
Kunst, Musik und des Films, die sich in Begriffen von Concept beschreiben
lassen. Das Festivalprogramm präsentiert einen kleinen Ausschnitt
aktueller Techniken, die traditionelle Grenzen von Gattungen in
Frage stellen. Es zeigt punktuelle Kontexte zeitgenössischer
Verfahren und nimmt Referenzen künstlerischer Produktion auf.
Auffällig regelmäßig werden dabei Ursprünge
der Concept Art mit den Namen Marcel Duchamp, John Cage, La Monte
Young und Nam June Paik personifiziert. Ausgehend von den frühen
1950er Jahren und der avancierten musikalischen Praxis in New York
wird das künstlerische Umfeld des Pre-Fluxus (Vostell) und
Fluxus in Verbindung mit den Happenings als Erweiterung von Performances
gelesen, deren Fortschreibungen meist den institutionellen Rahmen
zum Material erheben. Die Austellung präsentiert mit Peter
Ablinger, Sam Auinger, Angela Bulloch, Arnold Dreyblatt, Ulrich
Eller, Bill Fontana, Renée Green, Robert Jacobsen, Rolf Julius,
MK Kähne, On Kawara, Johannes S. Sistermanns, Ana Maria Tavares,
Tim White-Sobieski/Brian Eno und Heimo Zobernig insgesamt 15 internationale
Positionen, die für jene aktuelle Auseinandersetzung konzeptueller
Verfahren in den Bereichen Installation mit Video und Audio, Arbeiten
mit Schrift sowie plastische Arbeiten für den Innen- und Außenraum
stehen.
Das Musik- und Performanceprogramm bietet im Rahmen von 11
Veranstaltungen mit 8 Uraufführungen einen Querschnitt verschiedener
Bereiche. Von den Performances für Stimme solo (Sven-Åke
Johannson, Jaap Blonk) über die Mikrophonie No. VIII von Thomas
Schulz, Veronika Kellndofer und Emmett Williams - zu der Video/Performance
von Werner Durand und Amelia Cuni - und der monumentalen Paper music
I von Josef Anton Riedl wird der Bogen bis zur Art-Rock-Peformance
des derzeit führenden Stimmvirtuosen Jaap Blonk gespannt.
Mit dem Pellegrini Quartett ist eines der feinsten Streichquartette
mit ungewöhnlichem Programm zu erleben, das Werke von Christian
Wolff, John Cage, Terry Riley mit neuesten Kompositionen von Arnold
Dreyblatt und Sam Auinger verbindet.
Während sich die Performance von Johannes S. Sistermanns den
Ritualen des Teetrinkens widmet, lotet das Ensemble Zwischentöne
unter Leitung von Peter Ablinger die Übersetzbarkeit graphischer
Partituren (Rolf Julius) in Verbindung mit Werken von James Tenney
und reMI aus.
Weiterer Höhepunkt ist die Performance der Harley-Soundings-Group,
die drei Auftragswerke von Johannson, Schnebel und Stockhausen zur
Uraufführung bringt und damit den 100jährigen Geburtstag
der "schnellsten Musikinstrumente" begeht.
Mit dem Auftragswerk an Dieter Schnebel Flipper, Kammermusik
für Spielautomaten, Darsteller, Instrumente und Tonband des Bundesverbandes Automatenunternehmer e.V. feiert der Interessenverband
der Unterhaltungsautomaten-Aufstellunternehmer und Spielhallenbetreiber
sein 50jähriges Jubiläum in einer Aufführung durch
das Kammerensemble Neue Musik Berlin.
Das Filmprogramm bringt an 12 Abenden im Kino Arsenal Filme
von Morgan Fisher, Joyce Wieland, Ken Jacobs, George Landow, Standish
Lawder, Jenny Okun, Paul Sharits, J.J. Murphy, Ernie Gehr, Werner
Nekes, Anthony Moore, Sharon Lockhart, Sharon Lockhart u.a.
Der Kurator Dr. Christoph Metzger ist durch Projekte wie Minimalisms - Rezeptionsformen der 90er Jahre (Akademie 1998) und dem Klangkunstforum Potsdamer Platz im Auftrag der HVB (1999-2001) bekannt. Ausgezeichnet wurde das letzte Projekt mit dem AICA Award des Internationalen Kunstkritiker Verbandes und dem CEREC Award der Finanical Times.
Ein Katalog-Buch mit 270 Seiten erscheint beim Pfau-Verlag Saarbrücken (Preis: in der Ausstellung 30,- Euro, im Buchhandel 36,- Euro).
Das Festival wird gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds.
Informationen unter www.conceptualisms.de und Tel. 0172/ 943 76 43
Zum 9. Mal lädt die Abteilung Baukunst
der Akademie der Künste im Rahmen des Programms JUNGE AKADEMIE
angehende Architekten und Stadtplaner aus Universitäten und
Hochschulen Deutschlands ein, um in einer Stadt oder Gemeinde im
Land Brandenburg einen zehntägigen Architektur-Workshop durchzuführen.
Vor-Ort-Seminare sind keine akademischen Übungen im Studierzimmer,
sondern finden vor Ort — also gemeinsam mit dem Bürgermeister,
der Stadtverwaltung, dem Sanierungsträger und mit den Bürgern
— statt.
In diesem Jahr hat sich die Abteilung Baukunst für die Stadt
Schwedt/Oder entschieden. Geleitet wird das Seminar von den Mitgliedern
der Akademie der Künste, Michael Bräuer und Detlef Karg.
Teilnehmen werden u.a. Studierende der BTU Cottbus (mit Gästen
aus den USA), der FH Wismar und der Universität Darmstadt.
Gleichzeitig wird sich das Seminar thematisch mit den aktuellen
Fragen und Problemen des Stadtumbaus beschäftigen. Nach Seminaren
in Wittenberge 2001 und der Stadt Brandenburg 2002 (die Ergebnisse
sind veröffentlicht und über die Buchhandlung in der Akademie
zu beziehen) - liegen in Schwedt schon konkrete Ergebnisse des Rückbaus
von Teilen der Großplattensiedlungen der siebziger und achtziger
Jahre vor. Nun konzentrieren sich Fragen der Stadtgestaltung auf
die Schwedter Innenstadt. In vier ausgesuchten Bereichen sollen
die Studierenden Vorschläge erarbeiten, wie Stadt trotz zurückgehender
städtischer Funktionen (Verwaltung, Bildung, Handel, etc.)
als lebendiger Organismus erhalten bleiben kann. Die Ergebnisse
werden von den Studierenden am Sonntag, dem 5.10., um 10.30 Uhr
im neuen Tagungs- und Veranstaltungshaus (Berliner Straße)
öffentlich und in Anwesenheit des Bürgermeisters und der
Stadtverwaltung präsentiert.
Weitere Informationen können Sie
ab 4. August über die Abteilung Baukunst, erhalten:
Carolin Schönemann, Telefon 030-39076-134, e-mail baukunst@adk.de
Eröffnung der Ausstellung anlässlich
des 50. Todestags von Erich Mendelsohn
Sonntag, 14. September 2003, 16.30 Uhr
Ort: Hutfabrik Friedrich Steinberg,
Herrmann & Co.
Industriestraße 2, 14943 Luckenwalde
Öffnungszeiten:
montags bis freitags 14 - 18 Uhr
samstag und sonntags 10 - 20 Uhr
15.9.2003 - 15.5.2004
Die Hutfabrik Luckenwalde ist nicht denkbar ohne das der Entwurfsidee zu Grunde liegende Konzept von "Funktion und Dynamik", das Erich Mendelsohn während seiner Reisen durch Europa in Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Tendenzen der Architektur in verschiedenen Ländern entwickelte. Seine einzigartige Formensprache erarbeitete sich Mendelsohn in Auseinandersetzung mit den Exponenten des Expressionismus in Amsterdam und des Funktionalismus in Frankreich, sowie anderer Länder. Nur durch die Synthese der unterschiedlichen Strömungen und Tendenzen der europäischen Architektur seiner Zeit wurde dieses aufregende Einzelwerk in Luckenwalde möglich.
Schwerpunkte der Ausstellung:
— Dokumentation der Ideengeschichte,
die zur Hutfabrik führte
— Biografie des Architekten
— Interpretation des Bestandes, Fragen der Nutzung und des
heutigen Umgangs mit dem Denkmal
Mittelpunkt der Präsentation wird
ein Modell der Fabrikanlage im Maßstab 1:100 sein. Fotos und
Pläne zeigen den historischen Zustand des Bauwerks.
Weitere Informationen:
Akademie der Künste, Abteilung Baukunst, Hanseatenweg 10, 10557
Berlin
Carolin Schönemann, Telefon 030-39076-134, E-Mail baukunst@adk.de
Einladung zur Mittwoch-Soiree
Sehen und Denken 19: Pit Kroke
Freiheit in Form - scultura + Skulptur
Gesprächsrunde in der Ausstellung am Mittwoch, dem 2. Juli, um 19 Uhr
mit Gunter Gebauer, Gert Mattenklott und Christoph Wulf vom Interdisziplinären Zentrum für Historische Anthropologie der Freien Universität Berlin und dem Künstler
Akademie der Künste, Hanseatenweg
10, 10557 Berlin-Tiergarten
Ausstellung im Eingangsfoyer bis 14. September 2003
Öffnungszeiten: täglich 11-20 Uhr und zu den Abendveranstaltungen.
Eintritt frei.
Pit Kroke, 1940 geboren in Fürstenwalde/Spree. Studium der Bildhauerei an der Hochschule der Bildenden Künste in Berlin. Meisterschüler von Hans Uhlmann. Beschäftigung mit experimenteller Fotographie, abstraktem Film, architektonischen Studien. Nach Abschluss des Studiums 1964 Übersiedlung nach Sardinien, zunächst vorwiegend als Architekt tätig. Ab 1981 wieder verstärkt freie künstlerische Tätigkeit, der er sich heute ausschließlich widmet. Seit 1993 lebt und arbeitet Pit Kroke in Berlin und auf Sardinien.
1989-91 waren in mehreren Städten - Bologna, Duisburg/Rheinhausen, Stony Brook, Long Island und New York - die Großskulpturen der sogenannten "Stadtzeichen" verteilt im urbanen oder landschaftlich geprägten Raum zu sehen. Einzelausstellungen hatte der Künstler darüber hinaus in Rom, Cagliari/ Sardinien, Duisburg, Essen, Hannover, Frankfurt am Main, Berlin, Dresden, Ulm, Dortmund, und Toronto.
"Die Ausstellung zeigt zwölf
Skulpturen, die in Sardinien entstanden sind, vier der bereits 1993
im Alten Museum in Berlin vorgestellten STADTZEICHEN sowie die neuesten
Arbeiten der Werkgruppe L.I.E. (ludus in extensio), die erstmals
öffentlich zu sehen sind. Im Hinblick auf das Thema dieser
Reihe, die Interdependenz von "Sehen und Denken", gilt,
"die Öffnung des Künstlers, den homo ludens in die Gedanklichkeit
des hermetischen Kunstwerks" einzubeziehen (Dieter Ronte).
Die Spannung zwischen Freiheit und Form in ihrer sich ständig
verändernden Qualität und Dimension veranlasst mich immer
wieder, mit einem neuen Entwurf den jeweiligen Standort zu definieren.
Gemeint ist natürlich die innere Freiheit, die unmittelbar
und darum losgelöst von der elementaren Wirklichkeit aus uns
heraus wirkt. Dem Freisetzen dieses Potentials nachspürend
antworte ich solchen Impulsen mit künstlerischem Formversuch,
um ihnen Körper zu geben, die ihnen dennoch ihre ursprüngliche
Unbeschwertheit, Klarheit und Unmittelbarkeit belässt, so dass
die entstehende Form zum erlebbaren Haus dieser Freiheit wird.
Meine in 20 Jahren auf Sardinien entstandenen großformatigen
Skulpturen basieren auf prägenden Erfahrungen mit der Architektur
und der einfachen wie traditionsbewussten mediterranen Lebensweise
sowie dem Kontakt mit bedeutenden Frühkulturen des Mittelmeerraumes.
Claudio Cerritelli schreibt 1992: "In der unendlichen Weite
entwickelt Krokes Skulptur ihre ganz eigene Erscheinung, mal bedrohlich,
dann wieder zart und still wie ein Körper". Gegenüber
diesem lichten archaischen Landschaftsbezug reflektieren die jüngsten
Arbeiten meiner Werkgruppe L.I.E. wieder eher Einflüsse des
modernen Großstadtlebens. So treten auch einige der Gestaltungselemente
der frühen 60er Jahre, meiner Studienzeit in Berlin, aus Malerei
und Skulptur deutlicher hervor und scheinen mit ihrem Vokabular
an die ersten stadtbezogenen Arbeiten wieder anzuknüpfen."
| Pit Kroke |
Nächstes Gespräch in der
Ausstellung: Montag, 8. September 2003, 19.00 Uhr
Bis zum 6. Juli treffen sich 11 Künstlerinnen
und Künstler aus 7 Ländern auf Einladung der Akademie
der Künste zur 6. Internationale Sommerakademie in Rüdersdorf.
Sommerakademien der Akademie im Land Brandenburg haben bereits eine
erfolgreiche Tradition. Das dokumentieren die künstlerischen
Ergebnisse und Veranstaltungen im Spannungsfeld der neuen Künste
ebenso wie die persönlichen Resonanzen der beteiligten Künstler,
Projektbesucher und Bewohner der gastgebenden Stätten.
Die diesjährige Sommerakademie wird in Zusammenarbeit mit dem
Museumspark Rüders-dorf durchgeführt. Sie ist ein gemeinsames
Projekt der Abteilungen Bildende Kunst, Musik, Film- und Medienkunst
sowie dem Studio für Elektroakustische Musik der Akademie.
Die Geschichte Rüdersdorfs ist seit über 750 Jahren mit
dem Kalkabbau verbunden. Die Baustoffe für das Brandenburger
Tor, das Schloss Sanssouci und andere bedeutende Bauwerke im Berliner
Raum wurden hier produziert. In der historischen Landschaft des
Museumsparks ist ein einzigartiges Ensemble von Produktions- und
Verwaltungsbauten erhalten geblieben. Seit 1992 werden diese fortschreitend
restauriert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Der Museumspark Rüdersdorf zählt zu den bedeutendsten
Industriedenkmalen Deutschlands und ist auch für Künstler
ein nahezu idealer Ort für kreative Prozesse.
Für den Zeitraum der Sommerakademie stellt die Geschäftsleitung
des Museumsparks das restaurierte Steigerhaus als Studio und Werkstattkomplex
kostenlos zur Verfügung. Hier arbeiten die Künstler, führen
Workshops mit Schülern des Rüdersdorfer Gymnasiums durch
und stellen die Ergebnisse ihrer Arbeiten zur Diskussion.
Die Abschlussveranstaltung am 4. Juli findet zeitgleich mit dem
alljährlichen Bergfest des Museumsparks statt.
Dem Konzept der Internationalen Sommerakademie entsprechend, wurden
junge Künstlerinnen und Künstler, die sich bereits als
Komponisten, Musiker, Dokumentarfilmer, Video- und Medienkünstler,
Schauspieler, Regisseure, Maler und Fotografen profiliert haben,
von Akademiemitgliedern ausgewählt und eingeladen.
Die internationale und interdisziplinäre Sommerakademie ist
eine in ihrer Struktur und ihren kreativen Möglichkeiten selten
gebotene Chance zum künstlerischen Austausch über die
traditionellen Kunstsparten hinweg. In einer abgeschlossenen und
anregenden Arbeitssituation mit professionellen Partnern und Mentoren
können Erfahrungen aus verschiedenen Gebieten zu neuen künstlerischen
Ansätzen werden.
Am Freitag, dem 4. Juli, ab 15.00 Uhr, werden die Künstler ihre Arbeiten im Museumspark präsentieren. Gleichzeitig findet die feierliche Eröffnung des rekonstruierten Steigerhauses statt. An dieser Abschlussveranstaltung der 6. Internationalen Sommerakademie nehmen teil:
Johanna Wanka, Ministerin für
Wissenschaft, Forschung und Kultur, Brandenburg,
Adolf Muschg, Präsident der Akademie der Künste,
Eva Köhler, Leiterin des Museumsparks,
die Künstler der Sommerakademie und Mitglieder der Akademie
der Künste.
Es spielt Friedrich Schenker (Posaune).
Die 6. Internationale Sommerakademie
der Akademie der Künste ist ein assoziiertes Projekt
im Rahmen von Kulturland Brandenburg "Europa ist hier".
Teilnehmer und Teilnehmerinnen der
6. Internationalen Sommerakademie,
21. Juni bis 6. Juli 2003 in Rüdersdorf:
Rolf Giegold (Deutschland), Konzeptkünstler
(Abt. Bildende Kunst)
Marek Helsner (Tschechische Republik), Schauspieler, Regisseur,
Autor
(Abt. Film- und Medienkunst)
Lie Jin, (China) Maler, Fotograf (Abt. Film- und Medienkunst)
Kirsi Marie Liimatainen (Finnland), Schauspielerin, Autorin,
Regisseurin
(Abt. Film- und Medienkunst)
Veit- Lup (Deutschland), Videokünstler (Abt. Bildende
Kunst)
Judith Ring (Irland), Komponistin (Abt. Musik)
Ralf Schreiber (Deutschland), Medien und Installationskünstler
(Abt. Bildende Kunst)
Hannes Galette Seidl (Deutschland), Komponist/ Pianist (Abt.
Musik)
Kristina Solomoukha (Frankreich), Medienkünstlerin (Abt.
Bildende Kunst)
Michael Wertmüller (Schweiz), Komponist, Musiker (Abt.
Musik)
Als Gast: Thom Kubli (Deutschland), Konzept- und Klangkünstler (Abt. Bildende Kunst)
Projektleitung: Inge Zimmermann, Abteilung
Bildende Kunst der Akademie der Künste
Elektroakustisches Studio der Akademie der Künste: Gerd Rische,
Georg Morawietz
Internationale Sommerakademien der Akademie der Künste
1995 Trebnitz, Schloß Trebnitz
1997 Drewen, Internationales Kunstforum Drewen
1998 Luckenwalde, Kunsthalle Vierseithof
2000 Templin, Joachimsthalsches Gymnasium
2002 Schwedt, Uckermärkische Bühnen, Kunstraum Europäischer Hugenottenpark
Pressekontakt:
Petra Hornung, Tel. 0173 8987721, Fax 033683 77466, E-Mail: kontakt@museumspark.de
Der Senat der Akademie der Künste hat auf seiner jüngsten Sitzung am 20. Juni für das Jahr 2004 die Stipendiaten für die Villa Serpentara bestätigt:
Michaela Drenhaus, Karin Rosenberg,
Ina Geisler (alle Bildende Kunst)
und
Sergej Newski (Musik)
Villa-Serpentara-Stipendium der Akademie der Künste
Die Akademie vergibt ein dreimonatiges Aufenthaltsstipendium an Berliner Künstler für die Villa Serpentara in Olevano Romano/Italien.
Der Bildhauer Heinrich Gerhardt vermachte
1914 die Villa Serpentara in Olevano Romano testamentarisch der
Akademie der Künste. Gerhardt, in Kassel geboren, war 1844
im Alter von 21 Jahren seinem Lehrer J.W. Henschel nach Rom gefolgt.
Dort lebte er bis kurz vor seinem Tod im Jahre 1915.
Der Eichenwald Serpentara (der Schlangenhain) hatte deutschen Künstlern
seit Ende des 18. Jahrhunderts als beliebter Aufenthaltsort gedient
und war immer wieder Thema künstlerischer Auseinandersetzung.
1873 wurde er von Edmund Kanoldt durch Ankauf vor dem Abholzen gerettet
und dem deutschen Kaiser als Geschenk vermacht. An diese Zeit erinnern
zwei Kunstwerke von 1895 und 1897 - ein überlebensgroßes
Reliefbildnis Kaiser Wilhelms II. von Gerhardt und eine Bronzetafel
von Adolf Heer mit dem Bildnis und einigen Versen Viktor von Scheffels.
Durch die Einweihung des Gerhardt-Häuschens wurde 1906 eine
Arbeitsmöglichkeit im Ort geschaffen. Da nach dem ersten Weltkrieg
der deutsche Besitz in Italien für einige Zeit konfisziert
worden war, wurde es erst Ende der zwanziger Jahre möglich,
Stipendiaten der Akademie nach Olevano zu schicken.
Seit September 1961 vergibt die Akademie der Künste wieder das Arbeitsstipendium in Olevano. In den Jahren 1999 und 2000 wurde das gesamte Haus vollständig renoviert
Gezahlt wird ein monatliches Stipendium von 700 Euro, und ein Reisekostenzuschuss. Bewerbungen für das jeweils folgende Jahr sind vom 1. Januar bis 15. März an die zuständige Kunstabteilung der Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, 10557 Berlin. zu richten

| Freitag, den 27. Juni 2003, um
20 Uhr, im Studio der Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, Berlin-Tiergarten |
stattfindet. Moderiert von Adolf Muschg diskutieren Jürgen Habermas, Zdislaw Krasnodebski, Jutta Limbach, Wolfgang Schäuble und Gianni Vattimo.
Jürgen Habermas, 1964-1971
Professur für Philosophie und Soziologie an der Universität
Frankfurt/Main (Lehrstuhl-Nachfolger von Horkheimer), anschl. Direktor
des Max-Planck-Instituts zur Erforschung der Lebensbedingungen der
wissenschaftlich-technischen Welt, Starnberg; 1983 bis zur Emeritierung
1994 Lehrstuhl für Philosophie (Sozial- und Geschichtsphilosophie)
in Frankfurt/Main
Zdislaw Krasnodebski: Philosoph und Kulturwissenschaftler,
seit 1996 Professur für Polonistik an der Universität
Bremen, Autor: u.a. "Max Weber", "Postmodernistische
Dilemmata der Kultur" (1996), "Der Niedergang der Fortschrittsidee
(1991), "Verstehen menschlichen Verhaltens. Überlegungen
zu philosophischen Grundlagen der Geistes- und Sozialwissenschaften"
(1986)
Jutta Limbach: Juristin, 1994-2002 Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts,
seit 2002 Präsidentin des Goethe-Instituts
Wolfgang Schäuble: Jurist und Politiker, Mitglied des
Deutschen Bundestages, Stellvertretender Vors. der CDU/CSU Bundestagsfraktion
Gianni Vattimo: Philosoph und Literaturwissenschaftler, 1964-1982
Professur für Ästhetik an der Universität Turin,
Gastprofessuren u.a. an der State University New York und Yale;
seit 1982 Prof. für Theoretische Philosophie in Turin. Veröffentlichte
u.a. Bücher zum Werk von Nietzsche und 1985 (dt. 1989) "Das
Ende der Moderne"
Karten zum Preis von 5,- €/ erm. 4,- € können telefonisch
über (030) 39076-155
bestellt werden.
Bestellung von Pressekarten über Tel. (030) 39076-173 oder Fax (030)39076-175.
Am Sonntag, dem 15. Juni, um 20 Uhr erhält Wolfgang Schivelbusch den Heinrich-Mann-Preis der Akademie der Künste. Der 1941 in Berlin geborene Literaturwis-senschaftler, Philosoph, Soziologe und Historiker lehrt in New York, lebt aber einen Teil des Jahres in Berlin. Er promovierte mit einer Arbeit über Heiner Müller und Bertolt Brecht bei Hans Mayer und schrieb seither viel beachtete Bücher: "Geschichte der Eisenbahnreise" (1977), "Das Paradies, der Geschmack und die Vernunft" (1980) "Vor dem Vorhang. Das geistige Berlin 1945 - 1948" (1995) und "Die Kultur der Niederlage" (1991).
Den Preis verleiht Adolf Muschg, der Präsident der Akademie der Künste, die Laudatio hält Henning Ritter. Wolfgang Schivelbusch hält einen Vortrag unter dem Titel "Pseudonym: Hans Schmidt. Das kurze und schwierige Leben eines deutschen Patrioten unter Adolf Hitler und Franklin D. Roosevelt". Anschließend liest Dieter Mann aus dem Roman "Die Jugend des Königs Henri Quatre" von Heinrich Mann.
Der Heinrich-Mann-Preis ist mit 8.000 € dotiert. Die letzten Preisträger waren Hans Mayer, Julius Posener, Michael Rutschky, Karl Markus Michel, Katharina Rutschky, Dubravka Ugrešic‘ , Walter Boehlich und Götz Aly.
Die Preisverleihung findet im Foyer der Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, in Berlin-Tiergarten statt. Der Eintritt ist frei.
Dienstag, 17. Juni 2003
19.00 Uhr, Foyer
Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, 10557 Berlin
Reihe Mediengespräche
Die Entstehung der Nachrichten vor Ort, der Zugang zu den Quellen, die Sprache der Bilder, die Auswahl der Information und ihre Bearbeitung sind entscheidend für die journalistische Qualität von Nachrichten und für das, was sich als Narrativ im Subtext mitteilt. In dem Gespräch "Kriegsberichterstattung - Konstruktion und Kontrolle von Realität" zwischen Medienpraktikern und Medienbeobachtern soll die Irak-Berichterstattung in westlichen und arabischen Medien miteinander verglichen werden. Unter welchen Bedingungen sind die zum Teil widersprüchlichen Bilder und Nachrichten aus dem Krisengebiet entstanden, welche Informationsquellen konnten die Journalisten vor Ort nutzen, was soll die mediale Aufbereitung dem jeweiligen Publikum vermitteln und was vermittelt sich jenseits der Absichten? Auch werden in diesem Zusammenhang Fragen der Fiktionalisierung von Nachrichten und der Mythenbildung aus der jeweils eigenen und der Fremdsicht thematisiert.
Podiumsgespräch mit
Christine Adelhardt (ARD, Tagesthemen-Redaktion)
Karim Al Gawhary (Kairo, Nahost-Korrespondent der taz)
Claus Christian Malzahn ("Embedded journalist",
DER SPIEGEL)
Akhtam Suliman (Al-Dschasira, Berlin)
Ulrich Tilgner (ZDF-Korrespondent in Bagdad)
Moderation: Caroline Fetscher (Tagesspiegel).
Die Veranstaltung ist eine Kooperation
von Akademie der Künste, Goethe-Forum und
Bundeszentrale für Politische Bildung.
Eintritt frei
HINTER DER MASKE DES KOMIKERS
Theo Lingen zum 100. Geburtstag
Presse-Vorbesichtigung der Ausstellung
am Freitag, dem 30.5., 14.00 - 15.00 Uhr
Archiv-Ausstellung in der Akademie
der Künste, Berlin, Hanseatenweg 10
vom 31. Mai bis 15. Juli 2003
, tägl. 11.00 - 20.00 Uhr und zu den Abendveranstaltungen
Theo Lingen, der am 10. Juni 100 Jahre
alt geworden wäre, galt als Komiker schlechthin. Oft war er
lediglich in Nebenrollen zu sehen, doch das Publikum ging wegen
ihm ins Kino, und auf den Plakaten wurde mit seinem charakteristischen
Konterfei geworben. Er spielte in weit über 200 Filmen, darunter
zahlreichen unterhaltsamen Komödien wie "Der Mann von
dem man spricht" (1937) mit Heinz Rühmann, "7 Jahre
Pech" (1940) mit Hans Moser oder "Johann" (1943)
mit Lingen in einer Doppelrolle, aber auch vielen billigen Klamaukfilmen.
Doch er war mehr als nur ein Filmklamottendarsteller. Theo Lingen
war ein begnadeter Charakterkomiker und grandioser Bühnendarsteller.
Er agierte erfolgreich in mehreren Brecht-Inszenierungen und arbeitete
u.a. mit Erich Engel, Gustaf Gründgens und Rudolf Noelte zusammen.
Theo Lingen war nicht komisch. Er studierte komische Rollen ein
oder er probierte Rollen, bis sie komisch waren. Er verfügte
über einen komischen Stil, den er perfektionierte. Theo Lingen
spielte immer nur eine Rolle, auch wenn die Kamera aus oder der
Vorhang unten war. Hinter einer imaginären Maske verbarg er,
wer er wirklich war, schützte sein Privatleben und das seiner
Familie. Die Ausstellung geht der Frage nach, ob es möglich
ist, einen Blick hinter diese Maske zu werfen, und würdigt
zugleich einen der populärsten deutschen Filmstars.
Veranstaltung zum 100. Geburtstag:
Dienstag, 10. Juni, 19.00 Uhr, Hanseatenweg 10, Studio
Ursula Lingen liest Texte von ihrem Vater Theo Lingen. Gezeigt werden stumme Kurzfilme des begeisterten Schmalfilmers Theo Lingen aus dem Jahr 1929, darunter der preisgekrönte Film "Das Paket", Privatfilme mit Theo Lingen, Hanne Hiob, Ursula Lingen und Marianne Zoff sowie zwei Filme der vierteiligen Eulenspiegel-Kurzfilmserie, die Lingen 1936 inszenierte.
Begrüßung: Wolfgang Trautwein,
Direktor der Stiftung Archiv der Akademie der Künste
Vortrag: Torsten Musial, Abteilung Film- und Medienkunst
der Archivstiftung
Publikation:
ARCHIV-BLÄTTER 8 - THEO LINGEN
Dokumente, Briefe, Fotos, Filmografie und ein Beitrag von Wolf Kampmann
"Theo Lingen - Ein Leben hinter der Maske"; 112 Seiten,
Preis 5,- €
Die Ausstellung wird am Freitag,
dem 30. Mai, aufgebaut und kann ab 31. Mai besucht werden. Eine
Ausstellungseröffnung findet nicht statt - wir bitten Sie deshalb,
auf die Veranstaltung am 10. Juni zum 100. Geburtstag Theo Lingens
hinzuweisen.
Zur Pressevorbesichtigung am 30.5., 14.00-15.00 Uhr, ist Torsten
Musial, der Leiter der Abteilung Film- und Medienkunst der Stiftung
Archiv, anwesend.
Montag, 2. Juni 2003, 20.00 Uhr
Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (am Gendarmenmarkt),
Leibniz-Saal
Eingang Markgrafenstraße 38, 10117 Berlin-Mitte
Dieter Simon im Gespräch
mit
Erhard Busek, Michael Daxner, Predrag Matvejevic´, Vida
Ognjenovic´
Einführung György Konrád und Adolf Muschg
Noch vor wenigen Jahren war Südosteuropa Schauplatz furchtbarer Kriege, ethnischer und religiöser Konflikte. Zur Überwindung dieser Krisensituation in einer ganzen europäischen Region sind neben finanzieller Unterstützung intelligente und phantasievolle Lösungen sowie die Solidarität anderer europäischer Organisationen und Institutionen nötig, ohne dabei in arrogante und gut meinende Klischees zu verfallen. "Wollen wir den Balkan ‚retten’, nur weil wir Ruhe im europäischen Gehöft haben wollen, oder weil es etwas auf dem Balkan gibt, das zu retten wert ist?" (Andrei Plesu). Was können seine Nachbarn von dem jahrhundertealten, nie spannungsfreien Zusammenleben verschiedener Gruppen lernen? Lassen sich gegenwärtige Entwicklungen hin zu ethnischer Entmischung und homogenen Nationalstaaten aufhalten? Haben die balkanischen Städte und Regionen trotz dieser Entwicklungen gegenüber ihren westlichen Nachbarn einen Vorsprung in der Gestaltung multikultureller Gesellschaften? Sind ihre zivilisatorischen Leistungen für das Zusammenfinden verschiedener Gruppen, im Bildungswesen und in der Kultur- und Wissenschaftspolitik, bei der Förderung des Ideenaustauschs mitunter nicht schon beispielgebend für den Westen? Was bewirkt die finanzielle Unterstützung der Europäischen Union im Rahmen des Stabilitätspaktes? Gerät der südöstliche "Rand" Europas angesichts neuerer Konflikte in der Welt in Vergessenheit?
Eine Veranstaltung der Akademie der Künste
und der Alfred Herrhausen
Gesellschaft für internationalen Dialog in Zusammenarbeit mit
der Berlin-
Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften
Eintritt € 5,- / € 4,- (ermäßigt)
Kartenvorbestellungen
Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, 10557 Berlin
T 030 39 076-0 /-155
e-mail: kasse@adk.de
Die Teilnehmer:
ERHARD BUSEK
1941 in Wien geboren. Aufgewachsen in Wien. Studium der Rechtswissenschaften
in Wien, 1963 Promotion zum Dr. jur. 1968 - 1976 Tätigkeit
in der Bundesleitung des Österreichischen Wirtschaftsbundes.
1975 - 1976 Generalsekretär der Österreichischen Volkspartei.
1976 - 1989 Landesparteiobmann der Wiener Volkspartei. 1978 - 1987
Vize-Bürgermeister von Wien. 1989 - 1995 Bundesminister für
Wissenschaft und Forschung sowie für Unterricht und kulturelle
Angelegenheiten. 1991 - 1995 Vizekanzler der Republik Österreich
und Bundesparteiobmann der ÖVP. Seit 1995 Herausgeber des "Wiener
Journals" und Vorsitzender des Instituts für den Donauraum
und Mitteleuropa, Wien. Seit 1996 Koordinator der Southeast European
Cooperative Initiative (SECI). 2000 - 2001 Sonderbeauftragter der
österreichischen Bundesregierung für die EU-Erweiterung.
Seit 2000 Präsident des Europäischen Forum Alpbach. Seit
2002 Sonderkoordinator des Stabilitätspakts für Südosteuropa,
Brüssel.
MICHAEL DAXNER
1947 in Wien geboren. 1966 - 1972 Studium der Anglistik, Philosophie,
Geistes- und Sozialwissenschaften in Wien und Freiburg i. Brsg.
1972 Promotion zum Dr. phil. an der Universität Wien mit einer
Dissertation über Ernst Bloch. 1970 - 1974 Tätigkeit beim
Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung, Wien: Hochschulreform
und europäische Beziehungen. 1974 Professor für Hochschuldidaktik
an der Universität Osnabrück. 1986 - 1998 Präsident
der Carl von Ossietzky Universität, Oldenburg. 1998 - 1999
Professor für Soziologie und Jüdische Studien an der Universität
Oldenburg. 2000 - 2002 Principal International Officer, Ministry
of Education, Science and Technology, provisorische Selbstverwaltung,
Kosovo: Februar bis April 2002 Internationaler Leiter der Universität
Pristina, seit Mai 2002 Special Counsellor des United Nations Interim
Mission Office, Belgrad. 2002 - 2003 Berater der österreichischen
Bundesregierung: Politik in Südosteuropa.
GYÖRGY KONRÁD
1933 in Debrecen/Ungarn geboren. Aufgewachsen in Debrecen und Budapest,
ein großer Teil seiner Familie wurde umgebracht.
Studium der Literatur, Soziologie und Psychologie in Budapest. Soziologe
im Budapester Institut für Städtebau. 1969 Romandebüt
"Der Besucher". Nach der Herausgabe des Essays "Die
Intelligenz auf dem Weg zur Klassenmacht" folgten Arbeitsplatzverlust
und eine Verhaftung, die weltweite Proteste auslöste. In den
folgenden Jahren wegen heftiger politischer Angriffe und langjähriger
Publikationsverbote in Ungarn zeitweilige Aufenthalte im Ausland
(u. a. DAAD-Stipendiat in Berlin und Fellow des Wissenschaftskollegs
Berlin). 1990 - 1993 Präsident, seit 1993 Vizepräsident
des Internationalen P.E.N. 1997 - 2003 Präsident der Akademie
der Künste.
PREDRAG MATVEJEVIC´
1932 in Mostar (Bosnien-Herzegowina) als Sohn einer Kroatin und
eines Russen geboren. Promotion in vergleichender Ästhetik
(Sorbonne). Habilitation in Komparatistik an der Université
de Paris (Sorbonne Nouvelle). Lehrstuhl für Französische
Literatur an der Universität Zagreb. Seit 1991 im Exil, zunächst
in Paris (er protestierte gegen den "Bruderkrieg" und gegen die
ethnischen Säuberungen), dann in Rom, wo er als ordentlicher
Professor am Fachbereich Slawische Sprachen und Literaturen der
Universität La Sapienza lehrt. Vize-Präsident des Internationalen
P.E.N.
ADOLF MUSCHG
1934 in Zollikon/Schweiz geboren. Studium der Germanistik, Anglistik
und Philosophie in Zürich und Cambridge. Promotion zum Dr.
phil. bei Emil Staiger. Lehrer an einem Gymnasium in Zürich.
Dozent an deutschen, schweizerischen, japanischen und amerikanischen
Universitäten. 1977 - 1999 Professor für deutsche Sprache
und Literatur an der Eidgenössischen TH Zürich. 1974 -
1977 Mitglied der Kommission für die Revision der Schweizer
Bundesverfassung. Mitherausgeber der Zeitschrift "Allmende".
1979/80 Poetik-Vorlesungen in Frankfurt/Main. 1987/88 Fellow am
Wissenschaftskolleg in Berlin. 1997 Mitwirkung bei der Konzeption
der Schweizer Stiftung für Solidarität.
1997 erster Leiter des Collegium Helveticum an der ETH Zürich.
Seit 2003 Präsident der Akademie der Künste.
VIDA OGNJENOVIC´ In Dubocke, Jugoslawien, geboren. 1959 - 1963 Studium der Literaturwissenschaft an der Universität in Belgrad. 1963 - 1965 Studium im Fach Theater-Regie an der Universität der Künste in Belgrad. 1970 - 1972 Studium in Minnesota, Minneapolis. 1974 - 2001 Professorin für Theaterwissenschaft an der Universität der Künste in Belgrad und der Akademie der Künste und Wissenschaften in Novi Sad. Gastprofessuren in Santa Barbara, Stanford, Berkeley und New York. 1977 - 1993 Künstlerische Leiterin und Generalmanagerin am Nationaltheater Belgrad. 1993 - 1997 Intendantin des Nationaltheaters Belgrad. Mitglied des Internationalen P.E.N.
DIETER SIMON
Prof. Dr. Dr. h.c. mult.
Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften
1935 in Ludwigshafen geboren. Studium der Jurisprudenz, Geschichte
und Philosophie an den Universitäten Heidelberg und München,
1962 Promotion zum Dr. jur. 1967 Habilitation mit einer Arbeit zum
spätantiken Prozessrecht. 1968 - 1991 Lehrstuhl für Zivilrecht
und Römisches Recht an der Goethe-Universität in Frankfurt/Main.
Seit 1980 Direktor am Max-Planck-Institut für Europäische
Rechtsgeschichte. 1989 - 1992 Vorsitzender des Wissenschaftsrats
der Bundesrepublik Deutschland. Seit 1995 Präsident der Berlin-Brandenburgischen
Akademie der Wissenschaften.
Information und Programm zur Veranstaltung
junge Filmtalente stellen sich vor
diesmal mit neuen Kurzfilmen aus Finnland
Freitag, 30. Mai 2003, ab 18.00 Uhr
Nachtprogramm ab 24.00 Uhr
im Studio der Akademie der Künste,
Hanseatenweg 10, 10557 Berlin,
zu erreichen: S-Bahnhof Bellevue, U-Bahnhof Hansaplatz, Bus 123,
341
Neue Filme aus den Talentschmieden
HFF und dffb
Am 30. Mai ist es wieder so weit: wie in jedem Jahr lässt die
Akademie der Künste die jungen Filmtalente der beiden Berlin-Brandenburger
Filmhochschulen zum "Probelauf" antreten - diesmal bereits
zum 9. Mal. Vorgestellt werden die herausragenden Kurzfilmproduktionen
des letzten Jahres; ob Animation, Dokumentation, oder Fiktion -
sämtliche Genres sind vertreten. By the way: der beim letzten
Probelauf gezeigte Film "The Shadow" von Robin v. Hardenberg
(dffb) wurde 2002 als bester ausländischer Kurzfilm für
den Oscar nominiert.
Mit dabei: Filme, die auch in Cannes
laufen
Zu den Höhepunkten gehören sicherlich drei Filme, die
auch beim diesjährigen Filmfestival in Cannes laufen werden
- in der Nachwuchsrubrik "Next Generation": "The
Day Winston Ngakambe came to Kiel" von Jasper Ahrens (HFF),
"Gack Gack" von Olaf Encke (HFF) und "Guerra alle
Pietre (Krieg den Steinen)" von Andreas Teuchert (dffb).
Dazu: Neues aus dem Lande Kaurismäkis
Wie jedes Jahr ist auch eine ausländische Filmhochschule zu
Gast: nach Peking, Havanna, Kopenhagen, Budapest und Lodz ist diesmal
die Filmabteilung der Kunsthochschule Helsinki (TAIK) an der Reihe.
Man darf sich einstellen auf allerhand tragisch-komisches aus der
Heimat Aki Kaurismäkis. Darunter "Ferry-Go-Round"
von Aleksi Salmenperä (TAIK) - ein Film, der bereits auf Festivals
in Finnland, Irland, Portugal und Frankreich prämiert wurde.
In den Pausen spielt die finnische
Rockband "Kuusimäki"
Zur Unterhaltung wird die "wirklich lustige Band" (Berliner
Zeitung) um die Sängerin Katri Kuusimäki aufspielen und
neben kommunistischen Liebesliedern auch Hits von David Bowie bis
Nirvana darbieten - natürlich auf Finnisch!
Folgende Filmhochschulen sind am "Probelauf
9" beteiligt:
— Deutsche Film- und Fernsehakademie dffb, Berlin
— Hochschule für Film- und Fernsehen "Konrad Wolf"
HFF, Potsdam-Babelsberg
— Filmabteilung der Hochschule für Kunst und Design Taideteollinen
Korkeakoulu TAIK, Helsinki
Eintritt: €5,00 / ermäßigt €3,00
Wir bitten Sie, diese Vorinformation
zu veröffentlichen.
Es würde uns freuen, Sie am 30.5.2003 als unseren Gast begrüßen
zu können.
Informationen zu den Regisseuren und
Filmfotos können angefragt werden bei:
Akademie der Künste, Abteilung Film- und Medienkunst, Renate
Schubert
Hanseatenweg 10, 10557 Berlin; Tel. 39076-162 Fax 39076-175; schubert@adk.de
Die Akademie der Künste lädt
ein zu einer Veranstaltung in ihrer Reihe
"Mitglieder der Abteilung Darstellende Kunst stellen sich vor":
Sonnabend, 24. Mai, ab 16.00 Uhr
Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, Berlin-Tiergarten, Studio
Schauspieler: Walter Schmidinger
Wenn ich ins Theater gehe, hoffe ich
immer, dass ich etwas sehe,
was ich noch nie gesehen habe. (Walter Schmidinger)
16.00 Uhr
Die Veranstaltung beginnt am Nachmittag mit einem Film von Ingmar
Bergman mit
Walter Schmidinger "Aus dem Leben der Marionetten";
1980, 108 min.
18.30 Uhr
Buchpremiere in der Akademie der Künste:
"Angst vor dem Glück" von Walter Schmidinger,
soeben im Alexander Verlag Berlin erschienen, wird erstmals öffentlich
präsentiert!
Martin Wuttke, Mitglied der Abteilung Darstellende Kunst, liest
aus dem Buch, das, ausgehend vom Biografischen, den Blick auf elementare
Fragen des Theaters wie Sprache, Spiel, Ensemble, Regie lenkt.
Anschließend im Gespräch: Walter Schmidinger und
Martin Wuttke, moderiert vom Herausgeber des Buches, Stephan Suschke.
Walter Schmidinger beschließt den Abend und liest Monologe, Dialoge, Szenen von Karl Valentin.
Eintritt ab 19.00 Uhr 8,- Euro/ erm. 6,- Euro
Wir laden Sie herzlich ein und bitten
Sie um Reservierung von Pressekarten unter
Tel.: (030) 39076-173, Fax: (030) 39076-175
| Erste Werkschau von Louise Bourgeois in Berlin 2003 | |
4. Juni bis 27. Juli 2003 in der Akademie der Künste
Die von Beatrice E. Stammer in Zusammenarbeit mit Kathrin Becker kuratierte Werkschau "Louise Bourgeois - Intime Abstraktionen", die vom 4. Juni bis 27. Juli 2003 in der Akademie der Künste zu sehen sein wird, ist die erste umfassende Einzelpräsentation der Künstlerin in Berlin. Die Ausstellung bietet mit 93 Zeichnungen und 22 Skulpturen sowie einer Sound-Installation einen repräsentativen Überblick über verschiedene Werkphasen der US-amerikanischen Künstlerin.
Louise Bourgeois, 1911 in Paris geboren, lebt seit 1938 in den USA. Sie studierte ursprünglich Mathematik, brach das Studium aber nach kurzer Zeit ab und wandte sich der Bildenden Kunst zu. Die Auseinandersetzung mit der euklidischen Geometrie, die die Formen der Realität in idealer Weise ordnet, sowie mit der nicht-euklidischen Geometrie, die keine festen Körper oder konstanten Formen kennt, haben entscheidend zur Entwicklung ihrer eigenwilligen Formensprache beigetragen.
In den Zeichnungen und skulpturalen Arbeiten der 60er und 70er Jahre experimentiert Louise Bourgeois mit einem neuen Formenvokabular aus assoziativen organischen Formen und Körperfragmenten. Die Künstlerin entdeckt neue Materialien, wie zum Beispiel Latex, und kombiniert in einem provokativen Mix Stoff, Marmor, Plastik, Bronze, Alabaster oder Gips. Die teils polierten und schimmernden, teils spröden und rauen Oberflächen werden für den Betrachter zu einem sinnlichen Erlebnis, das reizvoll und abstoßend zugleich sein kann. Die Formen bewegen sich in dieser Zeit zwischen figurativen Andeutungen und organischen Gebilden voller Erotik, Aggression oder Humor.
Teil der Ausstellung wird auch die ab 1985 entstandene Werkgruppe der Cells (Zellen) sein. Die Innenräume dieser komplexen, räumlichen Installationen können als Erinnerungs- und Zufluchtsorte zugleich gelesen werden.
Zu den Hauptwerken der Ausstellung gehört auch die imposante, ca. 3 x 7 x 7 m messende Bronzeskulptur Spider von 1996. Die Erfahrbarkeit ist wesentliches Merkmal in Louise Bourgeois’ aktuellsten Projekten: In den letzten Jahren widmet sich die Künstlerin auch Installationen, die Sound und von ihr aufgenommene Musikelemente enthalten. Eine Sound-Installation wird im Atrium der Akademie der Künste unter freiem Himmel präsentiert.
Zur Ausstellung erscheint ein textorientierter Katalog "Louise Bourgeois - Intime Abstraktionen" mit 224 Seiten, in deutsch und englisch mit Beiträgen von Mieke Bal, Harald Fricke, Angela Lammert, Hanne Loreck, Valeria Schulte-Fischedick und Gabriele Werner sowie einem erstmals veröffentlichten Gespräch zwischen Louise Bourgeois und Christiane Mennicke.
Vorträge und Filmvorführungen am 5., 23. und 30. Juni begleiten die Ausstellung.
Louise Bourgeois, eine der bedeutendsten und faszinierendsten Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts, war auf der documenta IX und der Documenta 11 sowie auf verschiedenen internationalen Biennalen vertreten, u.a. in Venedig, São Paulo, Florenz, Istanbul, Melbourne und Sydney. Sie genießt weltweit hohes Ansehen, und ihre Arbeiten befinden sich in renommierten Museen und Sammlungen, u.a. im Museum of Modern Art (New York), Centre Georges Pompidou (Paris), Tate Gallery (London), im Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofia (Madrid) und im Museum Ludwig (Köln). Für ihr Werk erhielt sie zahlreiche Preise, unter anderem wurde sie 1999 als Teilnehmerin der Biennale di Venezia mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet.
Die Ausstellung wird gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds
und entstand in Zusammenarbeit mit der
Akademie der Künste sowie in Kooperation mit dem Kunsthaus
Bregenz und dem Louise Bourgeois Studio, New York.
Informationen und Bildmaterial:
www.adk.de/bourgeois
berlin@goldmannpr.de,
Goldmann PR & Kulturmanagement
Zimmerstr. 11, D-10969 Berlin
Montag, 26.5.2003, 11.30 Uhr
Hanseatenweg 10, 10557 Berlin-Tiergarten, Foyer
Volksaufstand oder Konterrevolution?
Der 17. Juni 1953 und die Künstler
Ausstellung mit Reproduktionen aus den Beständen der Stiftung Archiv der Akademie der Künste
Gerade in Umbruch- und Konfliktsituationen
bemüht sich die künstlerische Elite, mit ihren Möglichkeiten
Einfluß auf gesellschaftliche Prozesse und politische Entscheidungen
zu nehmen. Die Ausstellung zeigt in Reproduktionen, wie sich die
Deutsche Akademie der Künste in Ostberlin und ihre Mitglieder
zum politischen Geschehen nach der II. Parteikonferenz der SED im
Juli 1952, zu den Ereignissen des 17. Juni 1953 und danach verhielten.
Neben den Institutionsakten geben hierüber auch die persönlichen
Archive der Akademiemitglieder Johannes R. Becher, Bertolt Brecht,
Ernst Busch, Hanns Eisler, Walter Felsenstein, KuBa, Anna Seghers,
Friedrich Wolf u. a. Auskunft. Darüber hinaus werden andere
Künstler einbezogen, die in ihren Tagebüchern und Werken
auf den 17. Juni eingehen, u. a. Ingeborg Drewitz, Günter Grass,
Walter Kempowski, Heiner Müler
Ausstellungseröffnung und Lesung
mit anschließender Podiumsdiskussion
am Montag, dem 26. Mai 2003, 19.00 Uhr
Die Tragödie jeder Revolution - daß sie immer nur Aufschrei bleibt.
Barbara Schnitzler und Christian
Grashof
lesen aus vertraulichen Dienstanweisungen, Diskussionsprotokollen
und Stellungnahmen der Ostberliner Akademie sowie persönlichen
Notizen und Tagebüchern, die als Dokumente in der Stiftung
Archiv der Akademie der Künste aufbewahrt werden.
Anschließend Podiumsdiskussion zu persönlichen Erfahrungen, der Rolle der Künstler und
Intellektuellen in Ost und West und den Auswirkungen des 17. Juni
auf die deutsche Nachkriegsgeschichte mit
Erich Loest, Kurt Maetzig, Fritz Schenk und Rolf Schneider;
Moderation: Hellmuth Karasek
Veranstaltung in Kooperation mit der Friedrich-Naumann-Stiftung
und der Gedenkstätte
Berlin-Hohenschönhausen, mit freundlicher Unterstützung
des TAGESSPIEGEL
Eintritt €4.-/ermäßigt €3.-
Die Ausstellung ist nur am Tag der Eröffnung
am Hanseatenweg 10 zu sehen! Vom 28. Mai bis 31. August 2003 wird
sie im Archivgebäude, Robert Koch-Platz 10 (3. Stock), 10115
Berlin-Mitte, montags bis freitags 9.00-17.00 Uhr, gezeigt. Eintritt
frei
Verkehrsverbindungen: (Nähe Charité, Ecke Hannoversche
Straße): U-Bahnhof Zinnowitzer Straße, S-Bahnhof Friedrichstraße,
Lehrter Stadtbahnhof, Nordbahnhof, Bus 147, 245, 340
George Tabori, Akademie-Mitglied und
einer der bekanntesten Regisseure und meistge-spielten Autoren des
deutschsprachigen Theaters, hat sein umfangreiches künstlerisches
und persönliches Archiv vor einigen Jahren der Stiftung Archiv
der Akademie der Künste übergeben, ohne dass dieses bisher
der Presse mitgeteilt wurde. Nach einer dreijährigen detaillierten
Archivierung, die die Volkswagen-Stiftung ermöglichte, stellt
die Akademie das Archiv jetzt der Öffentlichkeit vor. Es wird
von Tabori laufend erweitert, umfasst nunmehr 30 laufende Meter
und enthält insbesondere die (in der Regel englischsprachigen)
Manuskripte seiner Romane, Erzählungen, Theaterstücke,
Hörspiele und Filme.
Hinzu kommen umfangreiche Inszenierungsunterlagen seiner eigenen
Stücke u. a. in Bochum (Jubiläum 1983), München
(My Mother's Courage 1979, Warten auf Godot 1984),
Wien (Mein Kampf 1987, Othello 1990, Hamlet 1991) und Berlin (Kannibalen 1969, Die Zauberflöte 1998, Die Brecht-Akte 2000), die in Zusammenarbeit mit so
exzellenten Schauspielern wie Gert Voss, Ignaz Kirchner, Michael
Degen, Ursula Höpfner, Hanna Schygulla, Angelica Domröse
und Hilmar Thate entstanden. Regienotate, Probendokumente, Produktionsunterlagen
für Filmarbeiten, Proben-, Szenen- und Werkfotos, Video- und
Tonmitschnitte, Plakate, Programmhefte und Pressematerialien belegen
auch seine Filme und Klassiker-Adaptionen, Beckett- und Kafka-Interpretationen
und die Inszenierungen von Gegenwartsautoren wie Enzensberger, Achternbusch,
Mueller und Jelinek. Persönliche Dokumente, Privatfotos sowie
eine ausgedehnte Privat- und Arbeitskorrespondenz (u. a. auch zu
seinem eigenem Theater Der Kreis in Wien) vervollständigen
diesen ungewöhnlich reichhaltigen Bestand.
In Taboris Anwesenheit und im Vorfeld seines 89. Geburtstags eröffnet die Akademie der Künste das Archiv am 18. Mai in einer Matinee, zu der auch eine Auswahl von Dokumenten präsentiert wird. Zugleich stellt Anat Feinberg die gerade erschienene erste Tabori-Biographie vor, die wesentlich auf der Grundlage des Archivs entstanden ist. Im Anschluss lesen Ursula Höpfner und Detlef Jacobsen ausgewählte Texte von George Tabori.
Für George Tabori
Lesung, Biographie- und Archivvorstellung
Sonntag, 18. Mai 2003, 11.00 Uhr,
Halle 1
Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, Berlin-Tiergarten
Eintritt € 8,- / ermäßigt € 6,-
mit Anat Feinberg, Ursula Höpfner
und Detlef Jacobsen
Ehrengast: George Tabori
Eintritt € 8,- / ermäßigt € 6,-
Bestellung von Pressekarten: Tel: (030) 39076 -173, Fax: -175
Adolf Muschg neuer Präsident der Akademie der Künste, Berlin
Zum neuen Präsidenten für eine
Amtszeit von drei Jahren wählte die Akademie der Künste
am Samstag (10.5.2003) auf ihrer Frühjahrs-Mitgliederversammlung
in Berlin den Schweizer Schriftsteller Adolf Muschg. Zum
Vizepräsidenten wurde der Berliner Kunstwissenschaftler Matthias
Flügge wiedergewählt.
Die Wahlen von Direktoren und Vizedirektoren in den Abteilungen
hatten die folgenden Ergebnisse:
| Abteilung Bildende Kunst: | Robert Kudielka,
Direktor (vorher: Michael Schoenholtz) Klaus Staeck, Vizedirektor |
| Abteilung Baukunst: | Günter Nagel,
Direktor Vladimír Šlapeta, Vizedirektor |
| Abteilung Musik: | Udo Zimmermann,
Direktor (vorher: Frank Michael Beyer) Erhard Grosskopf, Vizedirektor (vorher: Georg Katzer) |
| Abteilung Literatur: | Peter Härtling,
Direktor Rolf Haufs, Vizedirektor |
| Abteilung Darstellende Kunst: | Klaus Völker,
Direktor (vorher: Thomas Langhoff) Nele Hertling, Vizedirektorin |
| Abteilung Film- und Medienkunst: | Hans Helmut Prinzler,
Direktor Jutta Brückner, Vizedirektorin (vorher: Volker Koepp) |
Die Mitglieder der Akademie dankten György
Konrád für seine sechsjährige erfolgreiche Tätigkeit
an der Spitze der Künstlersozietät. Ehrenpräsident
Walter Jens sagte; "Sie haben uns in keinem Augenblick im Unklaren
gelassen, dass für Sie nur der Weg der Vernunft zählt.
Wir verabschieden als Präsidenten einen vernünftigen Weltbürger."
Konrád sei für die Meisterschaft zu danken, mit der
er dieses Amt ausgeführt habe. Vor wenigen Wochen hatte György
Konrád anlässlich seines 70. Geburtstages bei einem
Festakt in der Akademie Glückwünsche und Würdigungen
von Bundes- und Landespolitikern, Künstlern und Vertretern
der Wirtschaft erhalten, die sein überragendes Engagement als
erster ausländischer Präsident in der dreihundertjährigen
Geschichte der Akademie für ihre internationale Öffnung
betonten und seinen großen Anteil an dem in der Amtszeit von
Walter Jens begonnenen Verinigungsprozesses der Ost- und Westberliner
Akademien hervorhoben.
Adolf Muschg, geboren am 13. Mai 1934 in Zürich. Studium der Germanistik, Anglistik und Psychologie in Zürich und Cambridge/England, 1959 bei Emil Staiger in Zürich promoviert zum Dr. phil. 1962-69 Lehrtätigkeit an Universitäten in Tokyo (ICU), Göttingen, Ithaca N.Y. (Cornell University) und Genf. Nach 1970 Professor für deutsche Sprache und Literatur an der ETH Zürich. 1997 Gründungsleiter des Collegium Helveticum (interdisziplinäres Graduiertenkolleg) in der Semper-Sternwarte Zürich. 1999 emeritiert. Seit 2003 Präsident der Akademie der Künste Berlin. Politische Tätigkeit in Eidgenössischen Kommissionen, 1975 Kandidat der Zürcher SP für den Ständerat, Tätigkeit an Rundfunk und Fernsehen (Baden-Badener Disput SWF 1999-93), Poetik-Dozenturen, Writer in Residence L.A. 1985. Mitgliedschaft in den Akademien von Berlin, Darmstadt, Mainz und Hamburg. Literarische und essayistische Publikationen (Auswahl): 1965: "Im Sommer des Hasen" (Roman) 1972 "Liebesgeschichten" (Erzählungen), 1974 "Albissers Grund" (Roman), 1977: Gottfried Keller (Monographie), 1981: "Literatur als Therapie", Frankf. Poetik-Vorlesung,1993: "Der Rote Ritter: Eine Geschichte von Parzival"(Roman), 2002 "Sutters Glück", Roman. Preise (u.a.): Hermann Hesse-Preis 1974, Zürcher Literatur-Preis 1984, Ricarda Huch-Preis 1993, Georg Büchner-Preis 1994, Int. Vilenica-Literaturpreis 1995, Premio Antico Fattore 1995, Grimmelshausen-Preis 2001.
Ein
Interview mit dem neuen Akademiepräsidenten finden sie bei
Spiegel - Online.
Dokumentation zum Mahnmal "Bibliothek" von
Micha Ullman
erscheint als Publikation der Akademie der Künste
"Grund zu erinnern"
Protest für den Erhalt des Mahnmals zur Bücherverbrennung
von Micha Ullman
Anmerkungen zur Zeit 37, herausgegeben von der Akademie der Künste
Mit Beiträgen von György Konrád,
Micha Ullman, Adolf Muschg, Peter Zlonicky, Jochen Gerz, Zvi Hecker,
Marc Scheps, Henryk M. Broder, Gert Mattenklott, Stefanie Endlich
und Christian Schneegass und dem Wiederabdruck von Beiträgen
in der Presse nebst einiger Dokumente (Einladungen zu Podiumsdiskussionen,
Plakat zur Unterschriften-Aktion, Flugblätter)
92 Seiten, 20 Schwarzweißabbildungen (Fotos von Micha Ullman,
Barbara Klemm, Manfred Mayer, Christian Schneegass)
Preis € 6,- / Best.-Nr. 1096 / Tel. (030) 39 10 42 22 / bookshop@adk.de,
Als kritische "Anmerkungen zur
Zeit" der Akademie der Künste, Berlin, dokumentiert die
vorliegende Publikation, über den tagespolitisch aktuellen
Standpunkt hinaus in Solidarität mit einem bedrängten
Akademiemitglied und Kollegen sowie zahlreichen couragierten Bürgern
den Protest für den Erhalt der "Bibliothek". So lautet
der Titel zum Denkmal "Die Bücherverbrennung vom 10. Mai
1933" auf dem Berliner Bebelplatz. Das Engagement für
dieses Mahnmal forderte uneingeschränkten Bestandsschutz, ganz
im Sinne der Konzeption des Künstlers Micha Ullman, der es
vor neun Jahren am einstigen Tatort mit Bezug zum städtischen
Umraum im Zentrum Berlins mit großer Sensibilität realisiert
hat. Also mitten im historischen Stadtkern, umgeben von bedeutsamen
Bauten aus dem 18. Jahrhundert, in seinem geschlossenen Ensemble
nahezu einmalig in der Hauptstadt.
Das Erscheinungsdatum diktiert der 70. Jahrestag der Bücherverbrennung.
Neben aktuellen Statements und Beiträgen enthält die Schrift
zudem in einer Auswahl Zeitungsartikel, Einladungen zu öffentlichen
Diskussionsrunden, Aufrufe, das Plakat der Unterschriften-Aktion
und Fotografien, die, von wenigen Ausnahmen abgesehen, zeigen, wie
der Künstler selbst die Rezeption seiner Arbeit seit Bestehen
wahrnimmt.
1994/95 schuf Micha Ullman, auf Einladung der Stadt Berlin und mit
Unterstützung des Architekten Andreas Zerr, an jener Stelle
des ehemaligen Scheiterhaufens in Flammen aufgehender Werke eine
weiße, immateriell aus sich heraus leuchtende "Bibliothek"
ohne Bücher. Ullman, ein bedeutender und international geschätzter
Künstler aus Israel, lehrt bereits über ein Jahrzehnt
in Stuttgart. Mit seinem Mahnmal entstand ein Symbol für die
Vernichtung des Wissens und poetischen Gedankengutes sowie kultureller
Überlieferung schlechthin, aber auch des bald darauf folgenden
Genozids durch den konkreten Bezug auf das Heinrich-Heine-Zitat
von 1820: "Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher
verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen." Es gelang
Ullman, dieses barbarische Kapitel unserer Geschichte in beeindruckend
elementarer Weise als vielschichtig folgenschweren Verlust begreiflich
werden zu lassen und mit zeitloser Formsprache auch für die
Zukunft mahnend in Erinnerung zu halten.
Veranstaltungen im Rahmen der Frühjahrs-Mitgliederversammlung der Akademie der Künste
Freitag, 9. Mai, 20 Uhr
BUCHPREMIERE
GYÖRGY KONRÁD
"GLÜCK"
Einführung Claudio Magris
"Am 19. März 1944, als die Deutschen Ungarn besetzten,
war ich elf Jahre alt. Wovor wir bisher nur Angst gehabt hatten,
war nun eingetreten." In seinem neuen Roman beschreibt György
Konrád eine Zeit des Schreckens, aber auch des Glücks.
Denn es war Glück, in Budapest Zuflucht zu finden, Glück,
die Stadt nach Kriegsende wieder verlassen zu können, um in
sein Heimatdorf zurückzukehren. Auch die Eltern kamen zurück
und mit ihnen Geborgenheit und Zuversicht. Der Sohn ging wieder
in die Schule und begriff, dass er dort der einzige seiner Herkunft
war, der überlebt hatte.
Sonnabend, 10. Mai, ab 19 Uhr
LANGE NACHT
Literatur, Musik, Film, Architektur, Kabarett
mit Frank Michael Beyer, Peter Bichsel, Kolja Blacher, Wolfgang
Boettcher, Per Olov Enquist, Thomas Heise, Wolfgang Hilbig, Dieter
Hildebrandt, Inge und Walter Jens, Ingomar von Kieseritzky, György
Konrád, Peter Kulka, Thomas Langhoff, Dieter Mann, Volker
Schlöndorff, Peter Wapnewski, dem Damenorchester Salome u.a.
Nach der Vorstellung des neuen Präsidenten beginnt das Programm, an dem sich Mitglieder aller Abteilungen der Akademie beteiligen. Der Architekt Peter Kulka wird über sein Berliner Bauprojekt berichten: den Umbau und die damit verbundene Neugestaltung des Probensaals und Foyers im Konzerthaus am Gendarmenmarkt. Zum 80. Geburtstag von Walter Jens - Philologe, Rhetor, homme de lettres und vereinigungsgeprüfter Präsident der Akademie - gratulieren die Freunde und Kollegen Ingomar von Kieseritzky, Thomas Langhoff und Peter Wapnewski. Danach lesen Inge und Walter Jens aus der Biographie "Frau Thomas Mann. Das Leben der Katharina Pringsheim". Bernardo Bertolucci, Claire Denis, Mike Figgis, Jean-Luc Godard, Jirí Menzel, Michael Radford, Volker Schlöndorff und István Szabó reflektieren in dem Film "Ten Minutes Older - The Cello" ihren Begriff von Zeit: eine Uraufführung! Im Literaturprogramm liest Peter Bichsel Kolumnen aus "Dr. Schleyers isabellenfarbige Winterschule", Wolfgang Hilbig eine neue Erzählung aus "Der Schlaf der Gerechten" und Per Olov Enquist aus seinem Roman "Lewis Reise". Zum 100. Geburtstag von Boris Blacher erinnert Frank Michael Beyer an den Komponisten und ehemaligen Akademie-Präsidenten und führt in zwei seiner Stücke ein. In Dieter Hildebrandts satirischem Hörspiel "Der Anbieter" streiten ein freier Journalist und der Chef eines Medienkonzerns, gesprochen von Dieter Hildebrandt und Dieter Mann, über private und öffentlich-rechtliche Sender. Zum Mitternachtstanz spielt das Damenorchester Salome.
Sonntag, 11. Mai, 11.00 Uhr
Siebzig Jahre danach. Die Bücherverbrennung vom 10. Mai
1933
Begrüßung: Micha Ullman, Akademie der Künste
Vortrag: Reinhard Rürup, Stiftung Topographie des Terrors
Lesung von Dokumenten und Kommentaren mit Christian Brückner und Peter Fitz
Kartenvorbestellungen:
Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, 10557 Berlin
Tel.: 030 39076-0 / -155, e-mail: kasse@adk.de
Bestellung von Pressekarten:
Tel.: 03039076-173, Fax: 030 39076-175, e-Mail: herbach@adk.de
Die Tänzerin, Choreografin und Regisseurin Arila Siegert, seit 1997 Mitglied der Akademie der Künste, hat der Stiftung Archiv der Akademie der Künste ihre Arbeitsmaterialien für die Einrichtung eines Archivs zu Lebzeiten übergeben. Gemeinsam mit den Inszenierungsdokumentationen, die die Archivstiftung in den letzten Jahren hergestellt hat, gibt der Bestand Auskunft über ihr bisheriges Schaffen: Im Anschluß an ihre Tänzerinnenkarriere an der Komischen Oper Berlin und der Staatsoper Dresden gestaltete sie 1985 ihren ersten eigenen Soloabend und gründete 1987 das Tanztheater am Dresdner Staatsschauspiel. Die Zusammenarbeit mit Ruth Berghaus 1986 bei Hans Werner Henzes "Orpheus"-Ballett, mit Peter Konwitschny 1987 bei Weills "Die sieben Todsünden" und mit Wolfgang Engel bei "Sonette" (nach Shakespeare) und "Faust" 1990 war Basis für die ersten großen eigenen Arbeiten: 1988 choreografierte sie (auf ein eigenes Libretto) "Othello und Desdemona" und 1993 "Circe und Odysseus" mit der Musik von Gerald Humel und "Undine" von Hans Werner Henze an der Komischen Oper Berlin, Stockhausens "Setzt die Segel zur Sonne" 1989 an der Staatsoper Wien und 1992 "Medea Landschaften" für das Ballett der Oper Leipzig. Von 1992 bis 1996 wirkte sie als Direktorin des Tanztheaters am Anhaltischen Theater Dessau und 1997/98 am Bauhaus Dessau, wo die drei Abende "UrArt", "NachtTage" und "Stadträume" entstanden. Die Kostüme entwarf jeweils Marie-Luise Strandt, für "Stadträume" lieferte der Architekt, Bühnenbildner und Ausstellungsgestalter Hans Dieter Schaal Bühnenbild und Vorlage. Mit diesem Team inszenierte sie auch ihre ersten Opern: 1998 in Ulm Verdis "Macbeth" und Mozart "Titus". 1999 setzte sie Poulenc "La voix humaine" in Rheinsberg beim Festival für junge Sänger als Musik-Tanztheater in Szene und mit Johannes Conen als Ausstatter erarbeitete sie für Schwetzingen/Mannheim ein Projekt "Elektra/Didos Tod" mit der Musik der Frühklassiker Cannabich und Holzbauer. Dabei ging es ihr um eine neue Synthese von Oper und Tanz. Die Interaktion der Künste setzte sie mit der Live-Malerei von Helge Leiberg in der Inszenierung "Der Meister und Margarita" von Sergej M. Slonimski am Volkstheater Rostock fort, mit dem sie 2002 auch die szenische Erstaufführung "L’armonia drammatica" von Vinko Globokar in Bielefeld realisierte. Neben ihren Arbeiten für den Tanz brachte sie zuletzt drei große Opern-Premieren heraus: "Aida" 2002 in Rostock, die deutsche Erstaufführung "Pénélope" von Fauré 2002 und "Der Freischütz" 2003 in Chemnitz. Arila Siegert lebt in Berlin.
Weitere Informationen unter: www.arila-siegert.de
Ansprechpartner: Konstanze Meyerhofer,
Stiftung Archiv der Akademie der Künste, Abt. Darstellende
Kunst, Arbeitsbereich Theaterdokumentation (Tel. 30884214), e-mail:meyerhofer@adk.de
WER DARF BLEIBEN?
MIGRATION IN EUROPA
Mittwoch, 23. April 2003, 20.00 Uhr
Akademie der Künste
Hanseatenweg 10, 10557 Berlin-Tiergarten
Gabriele von Arnim im Gespräch mit
Hartmut Häußermann, Paul Scheffer, Dubravka Ugresic´, Günter Wallraff
Begrüßung György Konrád
In den demokratischen Ländern besteht ein Konsens darüber, dass Vertreibungspolitik aus politischen und ethnischen Gründen unter keinen Umständen gerechtfertigt ist und dass das Recht auf Asyl unangetastet bleiben muss. Neben den politisch, religiös und ethnisch Verfolgten prägen die "Wirtschaftsflüchtlinge" die gegenwärtigen Migrationen.
Wie gestalten andere europäische Einwanderungsländer die Integration der verschiedenen Immigranten-Gruppen? In welchem Ausmaß und in welcher Form werden Fremde willkommen geheißen? Welche Modelle gibt es? Welche Parallelen und welche Unterschiede ergeben sich zur Einwanderungspolitik Deutschlands? Inwieweit ist Integration unter Beibehaltung der kulturellen und religiösen Eigenheiten möglich? Respektieren die gastgebenden Nationen die Besonderheiten von Immigranten? Schöpfen die Einwanderungsländer ihre solidarischen Möglichkeiten aus? Welchen Einfluss können sie auf die Fluchtländer nehmen? Was sind die Folgen der Koppelung von wirtschaftlicher Hilfe an politische Forderungen?
WER DARF BLEIBEN ist die dritte Diskussionsveranstaltung
in der Reihe EUROPA IN DER WELT - DIE WELT IN EUROPA, die die Akademie
der Künste gemeinsam mit der Alfred Herrhausen Gesellschaft
für internationalen Dialog durchführt.
| Eintritt | € 5, - / € 4, - (ermäßigt) |
| Kartenvorbestellungen | Akademie der Künste Hanseatenweg
10, 10557 Berlin-Tiergarten Tel: 030 39 076 - 0 / - 155 e-mail: kasse@adk.de |
Mit der Bitte um einen Hinweis
auf die zeitweilige Schließung der Gedenkstätte
Die Anna-Seghers-Gedenkstätte der
Stiftung Archiv der Akademie der Künste wird wegen umfangreicher
Sanierungsarbeiten am Gebäude in der Adlershofer Anna-Seghers-Straße
81 ab 1. Mai für mehrere Monate geschlossen.
Das Gebäude steht unter Denkmalschutz, die Wohnung selbst,
in der Anna Seghers von 1955 mit ihrem Mann László
Radvány bis zu ihrem Tode 1983 wohnte, unter Bestandsschutz.
Sie bleibt also durch die Sanierungsarbeiten unverändert. Alle
Maßnahmen werden in Zusammenarbeit mit der zuständigen
Denkmalschutz-Behörde durchgeführt.
Post an die Adresse der Anna-Seghers-Gedenkstätte
wird für die Zeit der Schließung an die Stiftung Archiv,
Chausseestrasse 125, 10115 Berlin umgeleitet.
Telefonische Nachfragen können an Frau Elke Pfeil, Tel: (030)
283 0570 44,
Fax (030) 283 0570 33, E-Mail: pfeil@adk.de gerichtet werden.
Adresse der Anna-Seghers-Gedenkstätte:
Anna-Seghers-Strasse 81, 12489 Berlin, Tel. (030) 66 74 725
Regisseure: Peter Konwitschny
Die Akademie der Künste lädt
herzlich ein zu einer Veranstaltung in ihrer Reihe
"Mitglieder der Abteilung Darstellende Kunst stellen sich vor".
Sonnabend, 22. März, Studio
Lebendiges Theater entsteht, wenn die jeweils Lebenden den Figuren, dem Stück, das sie aufführen wollen und das vielleicht schon sehr alt ist, ihr Leben ausleihen, ihre Erfahrungen, Hoffnungen, Nöte. Geschieht dies nicht, kommt totes Theater heraus, Theater für Zombies. (Peter Konwitschny)
Am Vorabend seiner Don Giovanni-Premiere an der Komischen Oper Berlin wird Peter Konwitschny, der von der Zeitschrift Opernwelt viermal zum Regisseur des Jahres ernannt wurde, in der Akademie der Künste Prinzipien seiner Theaterarbeit vorstellen und erläutern. An Hand von Filmdokumenten, Video-Beispielen, der praktischen Arbeit mit Sängern sowie Reaktionen auf seine Inszenierungen wird ein Spektrum seines künstlerischen Werks vermittelt.
| 16.00 Uhr | Beispiele aus Inszenierungen: Aida/Verdi, La Bohème/Puccini, Eugen Onegin/ Tschaikowski, Lohengrin und Götterdämmerung/Wagner |
|
| 19.00 Uhr | Peter Konwitschny -
Mein Leben, Film von Anja Klabunde, ZDF/Arte 2002 (Ausschnitte) Beispiele aus Inszenierungen: Die Csárdásfürstin/Kálmán, Don Carlos/Verdi |
|
| 20.30 Uhr | Vom Klischee zu uns
- Peter Konwitschny arbeitet Beispiele aus "Tannhäuser" und "Der Rosenkavalier" mit Brigitte Geller, Michaela Kaune, Liliana Nikiteanu, Dietrich Henschel, Klavier: Sebastian Stoermer |
|
| 21.30 Uhr |
Die Kritik macht Jürgen
Holtz sprachlos anschließend Gespräch mit Peter Konwitschny, Vera Nemirova, Kirill Petrenko, Hans Melderis; Moderation Peter Petersen |
|
| Eintritt ab 19.00 Uhr 8,- Euro/ erm. 6,- Euro |
||
Wir laden Sie herzlich ein und bitten
Sie um Reservierung von Pressekarten unter
Tel: (030) 39076-173, Fax: (030) 39076-175
Einladung mit der Bitte um einen
Programmhinweis:
Podiumsdiskussion
Dienstag, 25. März 2003, 19.00 Uhr
Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, Berlin-Tiergarten, Clubraum
Die sogenannte Folterdebatte ist in Deutschland
in den letzten Wochen mit intensiver öffentlicher Anteilnahme
geführt worden. Gestern noch für selbstverständlich
gehaltene humanitäre Grundsätze scheinen auf einmal in
ihrer unbedingten Geltung in Frage gestellt: Kann Gewaltanwendung
im polizeilichen Verhör zulässig sein, wenn es darum geht
eine Aussage zu erlangen? Grundgesetz und europäische Menschenrechtskonvention
verbieten das ohne wenn und aber. Plötzlich scheinen in extremen
Situationen Ausnahmen denkbar. Und was geschieht mit dem Polizeibeamten,
der sich über das Verbot hinwegsetzt? Ist er entschuldigt?
Gerechtfertigt gar? Findet er Verständnis oder wird er verurteilt?
Für viele bedeutet schon die Diskussion selbst den Sündenfall.
Aber sie wurde geführt und brachte Erstaunliches zu Gehör.
Vollzieht sich der Wandel des Rechtsstaates zum Sicherheitsstaat
auch auf diesem Wege? Es ist an der Zeit, die Debatte zu resümieren
und kritisch zu bewerten.
Begrüßung: György
Konrad, Präsident der Akademie der Künste,
Dr. Christian Pross, Ärztlicher Leiter des Zentrums
für Folteropfer
Percy McLean, ehem. Direktor des Deutschen Instituts für
Menschenrechte
Prof. Dr. Oswald Schlemmer, Prof. für Philosophie an
der Humboldt-Universität
Vertreter/in des Polizeipräsidiums Berlin
Moderation:
Rechtsanwalt Dr. Stefan König, Vorsitzender der Vereinigung
Berliner Strafverteidiger
Informationen über: Dr. Stefan König, Rechtsanwalt, Fax 030 6 11 23 15, koenig@ra-koenig.de
Akademie der Künste
6. April - 11. Mai 2003
Eröffnung: Samstag, 5. April, 18.00 Uhr
"Rituale geben Halt, stabilisieren - sie können wie der universelle Kitt des Lebens erscheinen - sie destabilisieren, sie verhindern Ängste, verursachen Ängste, sie befreien, machen glücklich oder sperren ein, paralysieren, negieren gar, sind fürchterliche Depressionen. Kurz: Sie bereiten Lust, auch die sexuelle Lust, und genausogut Unlust, zuweilen ein und dasselbe Ritual, ein und demselben Subjekt." (Sylvia Bovenschen/Jörg Bong)
Vom Fußballspiel über die Amtseinführung des amerikanischen Präsidenten bis hin zur Todesfeier von Lady Di - unsere spätmoderne Gesellschaft wird in nahezu allen Bereichen von öffentlichen und privaten Ritualen durchzogen. Rituale sind Zeremonien für Körper und Geist. Sie markieren physische und psychische Übergänge, unterstützen Transforma-tionsprozesse und dienen der Sinngebung und Identitätsbildung. Sie können aber ebenso zur Festigung von Ideologien eingesetzt und zu Machtzwecken mißbraucht werden.
In der Ausstellung RITUALE werden Werke von 25 internationalen Künstlerinnen und Künstlern der Gegenwart gezeigt, deren Spannbreite Installation, Skulptur, Fotografie, Video, Malerei, Zeichnung und Performance umfasst. Das Ausstellungskonzept konzentriert sich auf die vier Themenbereiche Transformationsrituale, Ritual und Macht, Real Life / Kommunikation sowie Ritual und Zwang. Im besonderen bindet die Ausstellung Arbeiten ein, die selbst als rituelle Energieträger wirksam werden können und außergewöhnliche Erfahrungsebenen erschließen. Unterschiedliche Positionen werden im Spannungsfeld von Kontemplation und Konfrontation einander gegenübergestellt und gewähren Einblick in die derzeitige künstlerische Auseinandersetzung.
Künstlerinnen und Künstler
• Marina Abramovic • Martin Assig • Miroslaw Balka
• Joseph Beuys • Böninger & Blau • Sophie Calle
•Alicia Framis • Adria Julia • Jürgen Klauke
• Mischa Kuball / Lawrence Weiner • Via Lewandowsky •
Ingeborg Lüscher • Yana Milev • Aernout Mik •
Mariko Mori • Antoni Muntadas • Muntean/ Rosenblum •
Ulrike Ottinger • Julian Rosefeldt • Cornelia Schleime
• Mark Wallinger • Yuan Shun • Zhang Huan
Die Ausstellung wird von einem RITUALE-Forum und dem Ulrike Ottinger Film-Special begleitet.
| Veranstaltungsort: | Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, Berlin-Tiergarten |
| Ausstellungsdauer | 6. April - 11. Mai 2003 |
| Öffnungszeiten | täglich 11.00 - 20.00 Uhr |
| Eintritt | 5 Euro, ermäßigt 3 Euro |
| Katalog: | 7 Euro |
| projekt-office: | Tel. 030-39076-300,
rituale2003@adk.de, www.adk.de/rituale |
Pressegespräch am 3. April 2003
um 11.30 Uhr in der Akademie der Künste
Dienstag, 25. März 2003,
19.00 Uhr, Studio
Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, 10557 Berlin-Tiergarten,
Samir, Kind irakischer Einwanderer in die Schweiz und seit Jahren als Filmemacher und Produzent mit Entfremdung und Identität befasst, befragt fünf prominente arabische Juden irakischer Herkunft mit Wohnsitz in Israel und New York: Ella Shohat, Filmhistorikerin in NYC, Shimon Ballas, Professor für arabische Literatur und Bürgerrechtler, Sami Michael, Bestseller-Autor, Moshe Houri, Bauunternehmer, und Samir Naqash, preisgekrönter Autor unveröffentlichter arabischer Romane. "Forget Baghdad" (Zürcher Filmpreis und Filmkritikerpreis in Locarno 2002) ist ein filmischer Essay aus ironisch pointierten Zeitzeugenberichten und brillant montiertem Archivmaterial. Eine Debatte über die Spannungen zwischen orientalischen Juden und der europäisch geprägten Gründergeneration Israels.
Anschließend im Foyer
Filmgespräch
Jüdische Araber? Arabische Juden?
-
Eine vergessene Geschichte des Nahen Ostens
Es diskutieren:
Samir (Zürich), Filmemacher
Mark Cohen (New York), zur Zeit Fellow am Wissenschaftskolleg
Berlin, Historiker und Kenner der arabisch-jüdischen Beziehungen
seit dem Mittelalter
Julius Schöps (Potsdam), Direktor des Moses-Mendelssohn-Zentrums
Potsdam
Moderation: Caroline Fetscher (Der Tagesspiegel)
Eintritt € 6,-/ermäßigt € 4,-
"Und wo hab ick Murmeln jespielt?"
Vom Heimweh des Schauspielers Paul Graetz
Sonntag, 16. März 2003, 11.30 Uhr,
Akademie der Künste
Hanseatenweg 10, Clubraum
Volker Kühn und Wolfgang M. Schwiedrzik stellen den Berliner Schauspieler und Kabarettisten vor, der - von den Nazis aus Deutschland vertrieben - 1937 im amerikanischen Exil gestorben ist. Katherina Lange, Wolfgang Völz und Robert Gallinowski lesen und singen Texte und Lieder aus dem Repertoire des einst populären Darstellers.
"Wenn du berlinerisch brauchst - nimm
Graetz!", heißt es in einem Tucholsky-Gedicht über
den Mann, der seine Schauspieler-Karriere in den Singspiel-Hallen
der Provinz begonnen hatte. Im Berlin der Zwanziger Jahre war Paul
Graetz bald so populär war, daß selbst seriöse Kritiker
zuweilen von ihm nur als dem "Paule" sprachen. Der Urberliner,
diese personifizierte Schandschnauze mit Herz, war "ein Reißer
mit etwas zuviel Temperament" (Tucholsky), er spielte Klassiker
und Kabarett, kannte sich mit Operettigem und Boulevard-Klamotten
aus. Und der Film, der schon früh auf ihn aufmerksam wurde,
stellte ihn mit Vorliebe in zwielichtigen Rollen heraus - als Schieber,
als Gauner, als gewitzten Ganoven. An seiner Devise "Meckern
ja - verzweifeln: nie!" hielt Paul Graetz noch fest, als es
ihn nach 1933, auf der Flucht vor den Nazis, nach Amerika verschlagen
hatte, wo er sich, inzwischen wieder namenlos, eine zweite Karriere
aufzubauen versuchte. Und doch trug er schwer am Los des heimatlosen
Emigranten, der sich nur schwer in der Neuen Welt zurechtfand. Als
ihn Erich Maria Remarque in Hollywood einmal in gedrückter
Stimmung antraf und meinte, er sei doch wieder im Geschäft,
habe Drehangebote und wenig Grund zur Klage, blickte ihn Graetz
traurig an und fragte: "Und wo hab ick Murmeln jespielt?"
Im Februar 1937 starb er, 46jährig, unmittelbar vor Drehbeginn
des Garbo-Films "Maria Walewska", in dem er mitspielen
sollte. Max Reinhardt hielt ihm die Grabrede. Auf seinem Totenschein
ist Gehirnschlag als Todesursache angegeben - seine Freunde waren
sich aber sicher, Paul Graetz sei an Heimweh gestorben. Volker Kühn
und Wolfgang M. Schwiedrzik erinnern in einer Matinee in der Akademie
der Künstler an den einst populären Schauspieler und Kabarettisten
und stellen ein CD-Projekt vor, das ihm gewidmet ist*. Katherina
Lange, Wolfgang Völz und Robert Gallinowski tragen Lieder und
Texte aus dem Graetz-Repertoire vor, darunter Tucholskys "Wo
kommen die Löcher im Käse her?" und Mehrings "Heimat
Berlin". Am Klavier begleitet Uwe Hilprecht.
* Paul Graetz: "Heimweh nach Berlin" (Chansons und Texte von Paul Graetz, Friedrich Hollaender, Kurt Tucholsky, Walter Mehring u.a. / Feature über Paul Graetz von Volker Kühn). Erschienen bei Mnemosyne, in der CD-Edition "Vertriebene deutsch/jüdische Schauspieler", herausgegeben von Wolfgang M. Schwiedrzik in Zusammenarbeit in Volker Kühn, Peter Stein, Klaus Völker und der Stiftung Archiv der Akademie der Künste
Information und Programm
zur Veranstaltung
PROBELAUF 9 diesmal mit finnischen Filmen
Freitag, 30. Mai 2003, ab 18.00
Uhr Nachtprogramm ab 24.00 Uhr
im Studio der Akademie der Künste,
Hanseatenweg 10, 10557 Berlin,
zu erreichen: S-Bahnhof Bellevue, U-Bahnhof Hansaplatz, Bus 123,
341
"Probelauf 9" - Filme &
Gespräche
Einmal im Jahr stellt die Akademie der Künste Berlin die
neuesten Produktionen der beiden Berlin-Brandenburger Filmhochschulen
vor. Jedes Jahr ist auch eine ausländische Filmhochschule zu
Gast: letztes Jahr Peking, diesmal Helsinki.
Vorgestellt werden herausragende Produktionen aus sämtlichen
Genres: Animation, Dokumentation, Fiktion. Die jungen Filmemacher
laden anschließend zum Gespräch ein und berichten über
die Erfahrungen, die sie an ihrer Filmhochschule gemacht haben.
Folgende Filmhochschulen sind am "Probelauf 9" beteiligt:
• Deutsche Film- und Fernsehakademie
dffb, Berlin
• Hochschule für Film- und Fernsehen "Konrad Wolf'"
HFF, Potsdam-Babelsberg
• Filmhochschule Helsinki, Finnland
Das komplette Filmprogramm für
den "Probelauf 9" folgt in kürze.
Wir bitten Sie, diese Vorinformation zu veröffentlichen.
Es würde uns freuen, Sie am 30.5.2003 als unseren Gast begrüßen
zu können.
Informationen zu den Regisseuren
und Filmfotos können angefragt werden bei:
Akademie der Künste, Abteilung Film- und Medienkunst, Renate
Schubert, Noel Rademacher
Hanseatenweg 10, 10557 Berlin
Tel. 39076-163 Fax 39076-175
schubert@adk.de
baer@adk.de
"Der Probelauf bietet sehr sehenswerte
und viel versprechende Filme." Der Tagesspiegel
Kunst im Dialog -
Frank Michael Beyer zum 75. Geburtstag
Sonnabend, 8. März 2003
20.00 Uhr, Studio
Mit dieser Veranstaltung ehrt die Akademie der Künste den langjährigen Direktor der Abteilung Musik Frank Michael Beyer. Das "Mitgestalten an der Zeit" ist für den 1928 in Berlin geborenen Komponisten eine Forderung, die sein künstlerisches Engagement seit Jahrzehnten bestimmt. Im Berliner Musikleben hat er - über seine Lehrtätigkeit an der ehemaligen Hochschule der Künste hinaus - bis heute initiativ beratend, fördernd, begleitend gewirkt. Seinem kompositorischen Schaffen ist der Bezug zur antik-christlichen Vorstellungswelt immanent, deren aktuellem Anspruch er sich verpflichtet weiß. Die ihm gewidmete Veranstaltung umfasst drei Werke aus verschiedenen Arbeitsphasen, verbunden mit einer essayistischen Betrachtung des Kunstwissenschaftlers Robert Kudielka, die den Brückenschlag zwischen den Künsten im Spannungsfeld von Idee und Erscheinung zum Inhalt hat.
| György Konrád | Begrüßung |
| Robert Kudielka | Über
Komposition Essayistische Betrachtung |
| Frank Michael Beyer | "De
lumine" für Kammerensemble (1978) |
| "Windklang" Trio für Violine, Viola und Violoncello (2000) |
|
| "Liturgia" für Streichorchester (1996) Kyrie - Sanctus - Agnus Dei |
|
| Kammerakademie Potsdam Leitung: Jürgen Bruns |
|
| Mitglieder des Scharoun
Ensemble Stanley Dodds, Violine Ulrich Knörzer, Viola Richard Duven, Violoncello |
In Zusammenarbeit mit BOOSEY & HAWKES
? BOTE & BOCK und dem Sender Freies Berlin
Anschließend bitten wir zu einem Umtrunk.
Eintritt frei
Alex-Wedding-Preis 2003
der Akademie der Künste an
Friedrich Karl Waechter
Friedrich Karl Waechter erhält den diesjährigen Alex-Wedding-Preis, den Preis für Kinder- und Jugendliteratur der Akademie der Künste. Waechter, so die Juroren Hans-Joachim Gelberg, Peter Härtling und Benno Pludra, habe auf einzigartige Weise in Bildern, Texten und Theaterspielen seit dem Ende der sechziger Jahre drei Generationen attackiert, eines Besseren belehrt und entzückt. Den 1970 erschienenen "Anti-Struwwelpeter" haben Erwachsene gelesen, um sich mit ihren Kindern zu verständigen. Keines seiner Bücher sei zynisch, aber fast alle parodieren eine Welt, die sich für erwachsen hält und den Kindern zu wenig Raum lässt.
F. K. Waechter, 1937 in Danzig geboren, arbeitete zunächst als Grafiker für verschiedene satirische und andere Zeitungen und Zeitschriften. Seit 1966 publiziert er Zeichnungen und Cartoons für Kinder und Erwachsene, darunter "Wir können noch viel zusammen machen" (1973), "Wahrscheinlich guckt wieder kein Schwein" (1978), "Da bin ich" (1997), "Der rote Wolf" (1998), "Der Frosch und das Mädchen" (2000), und "Die Schöpfung" (2002).
Der Alex-Wedding-Preis wurde 1967 von Grete Weiskopf, die sich als Schriftstellerin Alex Wedding nannte, gestiftet. Von 1968 bis 1992 wurde er von der Akademie der Künste der DDR vergeben. Zuletzt erhielten ihn Klaus Kordon (1998) und Benno Pludra (2000).
Der Preis, der mit 5.000 € dotiert ist, wird am 25. Mai um 11.30 Uhr in der Akademie der Künste verliehen. Die Laudatio hält Gabriele Killert.
KUNSTPREIS BERLIN 2003
In Erinnerung an die Märzrevolution von 1848 gründete der Berliner Senat den "Kunstpreis Berlin - Jubiläumsstiftung 1848/1948". Der mit 15.000 Euro dotierte Kunstpreis wird in diesem Jahr als "Fontane-Preis" von der Abteilung Literatur an den in Heidelberg lebenden Schriftsteller Wilhelm Genazino verliehen. Die sechs Abteilungen - Bildende Kunst, Bau-kunst, Musik, Literatur, Darstellende Kunst, Film- und Medienkunst - vergeben Förderungs- preise, die mit jeweils 5.000 Euro dotiert sind. Der Will-Grohmann-Preis 2002 wird an Meschac Gaba verliehen. Preis und Förderungspreise werden - wie üblich - am 18. März dem historischen Termin der Märzereignisse von 1848 in einer Feierstunde in der Akademie der Künste zusammen mit dem Will-Grohmann-Preis 2002 verliehen.
Kunstpreis Berlin 2003 (- FONTANE-PREIS
-)
Verleihung an Wilhelm Genazino
Aus der Laudatio von Helmut Böttiger:
"Diese Prosastücke schienen aus dem langen Schweigen heraus gekommen zu sein, und die Sprache des Autors hatte sich während dieses Schweigens langsam verwandelt."
Wilhelm Genazino
Geboren am 22. Januar 1943 in Mannheim, lebt in Heidelberg
1949 - 1959 Grundschule und Gymnasium in Mannheim; 1959 - 1962 Lehre als Speditionskaufmann in Mannheim; 1962 - 1964 Volontär bei der Rhein-Neckar-Zeitung in Heidelberg und Mannheim bis 1965 Redakteur; 1965 Erscheindung des ersten Romans "Laslinstraße", Köln; Versuche als freier Schriftsteller in Mannheim und im Schwarzwald 1969 - 1971 Redakteur bei der satirischen Zeitschrift "Pardon" in Frankfurt am Main; ab 1971 freier Schriftsteller in Frankfurt am Main; 1981 Externen-Abitur in Marburg; 1982-1990 Studium der Germanistik, der Soziologie und der Philosophie an der Universität Frankfurt am Main, Magister; 1980-1986 Redakteur der Literaturzeitschrift "Lesezeichen"; seit 1991 Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung; seit 1998 freier Schriftsteller
Preise: 1986 Westermanns Literaturpreis; 1990 Bremer Literaturpreis; 1995 Solothurner Literaturpreis / Preis der Literatur-Nord; 1996 Berliner Literaturpreis; 1996-1997 Stadtschreiber-Preis Bergen-Enkheim; 1998 Großer Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste; 2001 Kranichsteiner Literaturpreis
Veröffentlichungen: "Laslinstraße", Roman, Köln 1965; "Abschaffel", Roman, Reinbek 1977; "Die Vernichtung der Sorgen", Roman, Reinbek 1978; "Falsche Jahre", Roman, Reinbek 1979; "Die Ausschweigung", Roman, Reinbek 1981; "Beruf: Künstler", Interviews, Frankfurt am Main 1983; "Fremde Kämpfe", Roman, Reinbek 1984; "Abschaffel", eine Trilogie, Neuausgabe, Reinbek 1985; "Der Fleck, die Jacke, die Zimmer, der Schmerz", Roman, Reinbek 1989; "Vom Ufer aus", Aphorismen (mit Bildern von Barbara Kisse), Göttingen 1990; "Die Liebe zur Einfalt", Roman, Reinbek 1990; "Leise singende Frauen", Roman, Reinbek 1992; "Aus der Ferne", Texte und Postkarten, Reinbek 1993; "Die Obdachlosigkeit der Fische", Texte, Reinbek 1994 "Das Bild des Autors ist der Roman des Lesers", Essay, Münster 1994; "Das Licht brennt ein Loch in den Tag", Texte, Reinbek 1996; "Achtung Baustelle", Essays, Frankfurt am Main 1998; "Die Kassiererinnen", Roman, Reinbek 1998; "Auf der Kippe", ein Album, Reinbek 2000; "Karnickel und Fliederbüsche, violett", Essay, Kiel 2001; "Ein Regenschirm für diesen Tag", Roman, München 2001; "Abschaffel", eine Trilogie, Neuausgabe, München 2002; "Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman", Roman, München 2003
Kunstpreis Berlin 2003
Förderungspreise 2003
(Zitate aus den Begründungen der Juries)
Bildende Kunst: Volker Wevers,
Maler, Berlin
In der gegenwärtigen Situation einer Neuorientierung der Malerei
bestechen die Bilder von Volker Wevers durch die Unverbrauchtheit
ihres Vokabulars und eine sehr zeitgenössische, der sentimenta-len
Vereinnahmung widerstrebende Schönheit.
Baukunst: Henri Bava, Landschaftsarchitekt, Karlsruhe Henri Bava erhält den Förderungspreis Baukunst 2003 für sein herausragendes landschaftsarchi-tektonisches Werk, in dem naturlandschaftliche Elemente und Kraftwirkungen zu kulturlandschaftlich und städtebaulich signifikanten Räumen entwickelt werden, deren soziale wie ökologische Wirkungen durch phantasievolle Gestaltqualität verbunden werden.
Musik: Franck C. Yeznikian, Komponist, Lyon, Frankreich Unter den Komponisten seiner Generation ist Yeznikian einer der ganz wenigen, bei denen ein inno-vatives Intervallbewußtsein, auf das sich das kreative Ohr im Harmonischen wie im Linearen verlas- sen kann, zentrale Bedeutung hat.
Literatur: Christian Lehnert, Lyriker, Müglitztal bei Dresden Der Dresdener Christian Lehnert ist ein junger Dichter, der das Problem der Metaphysik, das Risiko religiöser Poesie wieder aufgenommen hat. (...) Lehnerts Gedichte sind nicht unbedingt gut gemeint, auf jeden Fall aber gut gedichtet. Christian Lehnert verfügt über die traditionellen Formen der Lyrik, operiert aber auch mit freien, experimentellen Techniken, die der Kühnheit seiner Einfälle und Ge-dankenexpeditionen entsprechen.
Darstellende Kunst: Peter Jordan, Schauspieler, Hamburg, Peter Jordan ist ein enorm wandlungsfähiger, mit hellem Witz begabter junger Schauspieler. (Jürgen Flimm, 30.Januar 2003) "... vor allem Peter Jordan, der dem Zahlkellner Leopold die Aura eines Verletzlichen gibt, ihn vor Gram erstarren, ihn sich vor Lachen ausschütten und dann wieder vor Schmerz zusammenbrechen lässt" (10. Februar 2003, Süddeutsche Zeitung)
Film- und Medienkunst: Dominik und Benjamin Reding, Filmemacher, Berlin Was die Redings erzählen, ist notwendig zu erzählen, um es auszuhalten. Das verstört manchen. Dagegen ist nichts zu sagen. Dafür viel zu tun. Den Förderungspreis Film- und Medienkunst des Kunstpreises Berlin 2003 erhalten Dominik und Benjamin Reding. Für ihr konsequentes Beharren auf einem künstlerischen Anspruch, der sich nicht in Gefälligkeit vereinnahmen läßt. Zu weit geht. Auch und gerade dahin geht, von wo nur selten zu hören und zu sehen ist und wo es weh tut.
Will-Grohmann-Preis 2002:
Meschac Gaba, Bildender Künstler, stammt aus Benin,
lebt in Amsterdam Meschac Gaba überzeugt mit einer künstlerischen
Arbeit, die sich seit 15 Jahren kontinuierlich ent-wickelt. Der
größere Anteil dieses Zeitraums liegt in Benin, dem Land
seiner Herkunft. Seit 1996 ist Gaba von Amsterdam aus überwiegend
in Europa tätig. (...) Dabei gelingt es ihm, künstlerische
Aus-sagen zu machen zu Fragen der Identität, der Globalisierung
unserer Kultur und der Lage der zeit- genössischen Kunst, von
der er einen Teil ausmacht. Gabas Aussagen sind manchmal eher komisch,
manchmal spielerisch, manchmal utopisch und ernst.
Die Stiftung Archiv der Akademie der
Künste bereitet eine Ausstellung über den 17. Juni vor.
Diese konzentriert sich auf die Vorgänge und Reaktionen in
der "Deutschen Akademie der Künste" (in Ost-Berlin)
und auf Künstlerarchive, die ebenfalls von der Akademie betreut
werden, u. a. von Bertolt Brecht, Heiner Müler, Anna Seghers,
Günter Grass und Walter Kempowski. Es handelt sich um eine
Wanderausstellung auf Reproduktionsbasis. Sie wird erstmals am 26.
Mai am Hanseatenweg vorgestellt, im Anschluß daran im Archivgebäude
am Robert-Koch-Platz 10, Berlin-Mitte, gezeigt. In Verbindung mit
der Ausstellung findet am 26. Mai in der Akademie der Künste
eine gemeinsam mit der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen
und der Friedrich-Naumann-Stiftung vorbereitete Lesung und Diskussionsveranstaltung
zum Thema "Die Intellektuellen und der 17. Juni 1953"
statt.
Am Sonntag starb in Novi Sad der Schriftsteller Aleksandar Tišma. Die Akademie der Künste hatte ihn erst im Frühjahr 2002 zu ihrem Mitglied gewählt. Der Präsident der Akademie der Künste György Konrád übermittelte uns heute zum Tod von Aleksandar Tišma einen Nachruf.
Auch Herr Tišma ist von uns gegangen Im vergangenen Jahr verbrachte Aleksandar Tis’ma drei Monate in Berlin und zeigte sich ebenso flink, beharrlich und interessiert wie daheim in Novi Sad (Újvidék, Neusatz). Zu Fuß durchstreifte er die Stadt, in der selben Schirmmütze und Segeltuchjacke mit den vielen Taschen wie auch an der Donau. Wenn man ihn einlud, kam er, besuchte zahlreiche Ausstellungen und Sehenswürdigkeiten, doch am liebsten mochte er die Stunden der Einsamkeit. Eine Bank in der Umarmung eines mächtigen Baumes zeichnete er mit seiner Freundschaft aus, lauschte den Gesprächen der im Kreis Sitzenden und beobachtete die Vorbeigehenden. Allmählich nahm auch die literarische deutsche Öffentlichkeit zur Kenntnis, daß am Ufer der Spree ein großer europäischer Romancier spazierengeht. Literaten, die ihn interviewten, genossen seine reflektierende Ironie und sein hervorragendes Deutsch, ebenso wie ich an seiner ungarischen Rede meine Freude hatte. Ein interessierter, höflicher und zurückhaltender Mensch. Im Gespräch wirkte er beherrscht. Waren viele in einem Raum zusammengekommen, zog er sich alsbald zurück. Einseitiges Eintreten für etwas war nicht typisch für ihn, gern weilte er im Ausland, wenn die Verrückten daheim noch verrückter geworden waren. Argwöhnisch betrachtete er die miteinander Hadernden, er kannte sie, wußte, daß es sich um mittelmäßige Autoren handelte. Schwächer als mittelmäßig. Seine Freunde fand er als empathischer Außenstehender unter seinesgleichen. Ein scharfer Blick hinderte ihn daran, sentimentale Enttäuschungen die Oberhand gewinnen zu lassen, seine persönlichen Meinungen posaunte er nicht hinaus, hielt aber damit auch nicht hinter dem Berg, weshalb man ihn für eine Art Sonderling, einen geselligen Einsamen hielt. Mit seiner erzählenden Prosa, einer Literatur des versunkenen Jugoslawien, ist Aleksandar Tišma neben Danilo Kiš in die Gesellschaft der europäischen Klassiker des zwanzigsten Jahrhunderts eingereiht worden.
| (Aus dem Ungarischen von Hans-Henning Paetzke) |
Zwischen der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Berlin und der Stiftung Archiv der Akademie der Künste einerseits und der Kurt Tucholsky Gedenkstätte im Schloss Rheinsberg andererseits wurde ein Vertrag über die musealen Objekte des schwedischen Teilnachlasses von Kurt Tucholsky abgeschlossen. Damit gelangen ca. 40 Exponate aus Tucholskys letzter Wohnung in Hindas in Schweden, darunter sein Schreibtisch, einige Möbel und persönliche Gegenstände, als Dauerleihgabe nach Rheinsberg in Brandenburg. Der häufig genutzte schriftliche Teilnachlass, der ebenfalls 1979 vom Land Berlin erworben wurde, wird weiterhin von der Stiftung Archiv der Akademie der Künste betreut.
In Rheinsberg existiert seit 10 Jahren ein Literaturmuseum, das die Erinnerung an den 1935 im Exil gestorbenen Dichter, Publizisten und kämpferischen Pazifisten bewahrt. Es finden Veranstaltungen und Ausstellungen statt, die jährlich von über 50.000 Menschen besucht werden. Nachdem sich in Berlin über Jahre keine Möglichkeit einer dauerhaften musealen Präsentation ergeben hat, entschloss sich die Archivstiftung zur Weitergabe nach Rheinsberg, wo noch in diesem Jahr eine neue Dauerausstellung eingerichtet und damit ein dauerhafter öffentlicher Zugang zu den Tucholsky-Objekten ermöglicht wird.
| Dr. Trautwein Stiftung Archiv der Akademie der Künste |
Dr. Böthig Kurt Tucholsky Gedenkstätte |
Den Käthe-Kollwitz-Preis der Akademie
der Künste erhält der in Köln lebende Plastiker,
Maler und Videokünstler Horst Münch (geb. 1951 in Nürnberg).
Der Künstler studierte in der Zeit von 1975 - 1980 an der Staatlichen
Kunstakademie Düsseldorf bei Alfonso Hüppi.
Münch arbeitet vorwiegend in den traditionellen Medien; Zeichnung,
Malerei, Skulptur, zeitweilig Fotografie und Film. Worte, Geschriebenes,
Texte spielen für die künstlerische Arbeit von Horst Münch
eine wichtige Rolle.
Viele seiner Werke befinden sich in öffentlichen und privaten
Sammlungen, u. a. im Wilhelm Lehmbruck Museum Duisburg, im Kunstmuseum
Bonn und im Museum Ludwig, Köln. Sein Werk wurde auf zahlreichen
nationalen und internationalen Ausstellungen gezeigt, u.a. in Köln,
Essen, München, Regensburg, Basel, Paris, Lugano, St. Petersburg.
1983 erhielt er den Preis der Jürgen Ponto-Stiftung.
Mit dem Käthe- Kollwitz-Preis soll das bisherige Gesamtwerk des Künstlers ausgezeichnet werden. Der Preis ist mit 10.000.-€ dotiert und wird, wie auch die Ausstellung und der Katalog, mitfinanziert von der Kreissparkasse Köln, Trägerin des Käthe Kollwitz Museum Köln.
"Die Arbeiten von Horst Münch
scheinen dem Betrachter zu empfehlen, seine ästhetischen Absichten
abzulegen ... Die Schlichtheit ihrer Mittel und ihrer Sprechweise
steuert auf eine übergangene Alltagssphäre zu, sie berührt
sie, weckt, verfremdet sie und tritt dann in eine intensive Distanz,
in der das Bild veranlasst wird, die Bedingungen seines Arbeitsgrundes
mitzuzeigen. Belebt und bewohnt wird dieses Einsichtgeben von einer
Stimme, die ihre überraschende Empfindlichkeit wie durch einen
Tropfen Blut in den Heutezustand zeichnet.
| (Aus einem Text von Wolfgang Martin, Kunsttheoretiker, Köln) |
Preisverleihung und Ausstellungseröffnung: Sonntag, 30. März, 11,30 Uhr,
Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, 10557 Berlin-Tiergarten,
Halle 1
Eröffnung: Sonnabend, 15. Februar,
19 Uhr
Begrüßung: Michael Schoenholtz, Direktor der Abteilung
Bildende Kunst
Einführung: Eugen Gomringer, Mitglied der Abteilung Literatur
Karl Gerstner ist anwesend
Akademie der Künste, Hanseatenweg
10, 10557 Berlin-Tiergarten
Ausstellung im Eingangsfoyer bis 1. Juni 2003
Öffnungszeiten: täglich 11-20 Uhr und zu den Abendveranstaltungen.
Eintritt frei.
Karl Gerstner, 1930 geboren in Basel. 1944 Ausbildung an der Schule für Gestaltung in Basel, anschließend Lehre als Grafiker; als Künstler Autodidakt. 1949 tätig am Chemiekonzern Geigy in Basel. Gleichzeitig Entwicklung erster Bildideen, die zu den "Aperspektiven" führen, Bilder zum verändern. 1952 selbständig als Grafiker und freier Künstler. 1953 erste Kontakte zum Kreis der "Züricher Konkreten" um Max Bill.1955 Grundlegung einer Partizipationskunst in der Zeitschrift spirale 5. 1957 erscheint sein Buch "Kalte Kunst?", eine Apologie der Konkreten Kunst. Kontakte zu Joseph Albers, Hans Arp und Georges Vantongerloo. 1959 Teilnahme und später Mitherausgeber an Daniel Spoerris Edition MAT, der ersten Multiple Edition. 1961 Kontakte zur Pariser Gruppe Nouvelle Tendence. 1964 Teilnahme an der dokumenta 3 als Grafik-Designer. 1965 Bekanntschaft mit Marcel Duchamp. 1968 Teilnahme an der dokumenta 4 als Künstler. 1970 Gerstner entwickelt das Farben-Formen-Modell mit Computer am MIT, Bosten (Massachusetts). 1973 zeigt das MOMA, N.Y. eine didaktische Ausstellung. 1978 erste Retrospektive im Kunstmuseum Solothurn. 1981 erscheint "Der Geist der Farbe - Die Kunst von Karl Gerstner" (Hg. Henri Stierlin); 1986 Gerstners Buch "Die Formen der Farben". Im gleichen Jahr Bekanntschaft mit Vilém Flusser. Gerstner lebt und arbeitet in Hippolskirch/Elsaß und in Basel. 1992 Einzelausstellung im Museum für Gegenwartskunst, Basel und in der Galerie Beyeler, Basel, sowie Retrospektiven in der Kunsthalle Tübingen, in Weimar und im Von-der-Heydt-Museum, Wuppertal.
"Ich denke meine Bilder, bevor
ich sie sehe. Das heißt, was ich denke, ist gar kein richtiger
Gedanke, sondern nur eine Spur, von der ich denke, sie könnte
zu etwas führen... Diese neuen alten Bilder heißen konsequent
zu ende gedacht: Synchromien. Farben, die zusammenklingen."
| (Karl Gerstner, 2003) |
Zu jeder Ausstellung erscheint ein vom Künstler selbst gestaltetes Leporello (€ 2,60). Zudem bietet ein jeweils unmittelbar sich auf die Ausstellung beziehendes Videoporträt anregende Hinweise in persönlichen Statements des Künstlers (in Koproduktion mit dem Studio für Elektroakustische Musik der Akademie der Künste).
Mittwoch-Soiréen, Gesprächrunden in und zu dieser Ausstellung finden statt: am 17. Februar (ausnahmsweise an einem Montag) und am 07. Mai 2003 jeweils um 19 Uhr mit dem Interdisziplinären Zentrum für Historische Anthropologie der Freien Universität Berlin sowie der Deutschen Gesellschaft für Ästhetik und Gästen und mit dem Künstler.
Vorschau "Sehen und Denken 19" Pit Kroke
Die Akademie der Künste und die
Gesellschaft der Freunde der Akademie der Künste bereiten gemeinsam
mit dem Orchester der Kammerakademie Potsdam und der Hochschule
für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" ein außergewöhnliches
Musikereignis vor, das durch die Verbindung verschiedener Künste,
die Realisierung sehr unterschiedlicher kompositorischer Ideen und
das eigens für den Nikolaisaal Potsdam entwickelte Konzept
eine spannende Herausforderung für alle Beteiligten darstellt.
Am Freitag, dem 28. Februar findet um 21.00 Uhr im NACHTSTUDIO
multimedial eine ungewöhnliche "Ortsbegehung"
aus Bildern und Klängen statt. Nach der künstlerischen
Idee und Konzeption von Georg Katzer, dem stellvertretenden Direktor
der Abteilung Musik der Akademie, erarbeiteten Berliner Komponisten
und Studenten der Hochschule für Film und Fernsehen ein multimediales
Projekt, das die Geschichte und die Gegenwart der Stadt Potsdam
und des Landes Brandenburg auf vielfältige und überraschende
Weise reflektiert: In elf verschiedenen kurzen Beiträgen zeigen
sie ihre Sicht auf Land und Leute und setzen sich mit der Stadt
als Zentrum gesellschaftlichen und politischen Lebens auseinander.
Zu dem Programm gehört am Sonntag, dem 2. März,
die Konzert-Matinee "Ein Musikalisches Opfer",
die um 11.30 Uhr beginnt. Die Kammerakademie Potsdam spielt unter
der Leitung von Marcus Creed Johann Sebastian Bachs "Musicalisches
Opfer" in zwei Bearbeitungen - von Anton Webern und Frank Michael
Beyer, dem Direktor der Abteilung Musik der Akademie. Frank Michael
Beyer wird das Konzert mit weiteren Kompositionen von Luciano Berio,
Aribert Reimann und György Kurtág moderieren.
| Freitag, 28. Februar 21.00 Uhr, Nikolaisaal Potsdam, Wilhelm-Staab-Str. 10/11, 14467 Potsdam NACHTSTUDIO multimedial |
|
| Uraufführungen von Kurzfilmen
von Regiestudenten der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" mit Musik von Michael Beil, Lutz Glandien, Felix Leiberg, Sergej Newski, Armin Pommeranz, Michael Pregler, Rainer Rubbert, Sebastian Stier, Michael Wertmüler, Stephan Winkler, Helmut Zapf Regie Markus F. Adrian, Neelesha Barthel, Ciril Braem-Tscheligi, Alexander Georghiu, Martin Kunze, Fabian Möhrke, Bernhard Sallmann, Irma Stelmach, Radek Wegrzyn, Monika Wojtyllo Videoinstallation Ludovika Mann Zwischenspielprojektionen Sun-Hee Chae Solisten der Kammerakademie Potsdam Studio für Elektroakustische Musik der Akademie der Künste Konzeption: Georg Katzer |
|
| Sonntag, 2. März 2003 11.30 Uhr, Nikolaisaal Potsdam, Wilhelm-Staab-Str. 10/11, 14467 Potsdam Ein Musikalisches Opfer |
|
| Johann Sebastian Bach: Die kontrapunktischen
Sätze aus "Musicalisches Opfer" BWV 1079 für kleines Orchester gesetzt von Frank Michael Beyer und Anton von Webern Luciano Berio: Corale su Sequenza VIII für Violine, 2 Hörner und Streichorchester Aribert Reimann: Canzoni e Ricercari György Kurtág: Hommage à J. S. Bach Kammerakademie Potsdam Elisabeth Kufferath, Violine Marcus Creed, Leitung Moderation: Frank Michael Beyer |
|
| Karten Ticket-Galerie Nikolaisaal Potsdam | |
| Wilhelm-Staab-Str. 10/11 14467 Potsdam Tel. 0331-28 888 28 - Fax 0331-28 888 22 ticket-galerie@nikolaisaal.de |
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| XIV | Freitag, 21. Februar 2003 Gestaltung und Moderation: Mathias Spahlinger |
| Programm | Philipp Blume, Wider
Willen für Flöte, Klarinette, Klavier, Violine und
Violoncello Alan Hilario, kibô für Violine oder Viola solo Yu-Ching Chiang, Drei Stücke für Streichtrio Alexander Grebtschenko, Stück für Geige, Cello und Klavier Johannes Schöllhorn/Stefan Wolpe, About the Seventh für Kammerensemble Cornelius Schwehr, "aber die Schönheit des Gitters" für Kammerensemble Mathias Spahlinger, vier stücke für stimme, klarinette, violine, violoncello und klavier 128 erfülte augenblicke für stimme, klarinette und violoncello Ensemble des Instituts für Neue Musik der Staatlichen Hochschule für Musik Freiburg |
| XV | Sonnabend, 22. Februar 2003 Gestaltung und Moderation: Toshio Hosokawa |
| Programm | Japanische traditionelle
Musik für Shô Isang Yun, Piri für Klarinette Anton Webern, Sechs Bagatellen für Streichquartett op. 9 Toshio Hosokawa, Landscape I für Streichquartett Wie ein Atmen im Lichte für Shô solo Herbst-Lied für Klarinette und Streichquartett Landscape V für Shô und Streichquartett Mayumi Miyata, Shô Eduard Brunner, Klarinette Lotus String Quartet |
Mit Berlin war Reinhard Lettau auf besondere Weise verbunden. Nach Jahren des Studiums und der Lehrtätigkeit in den USA hatte er sich 1965 im Westteil der Stadt als freier Schriftsteller niedergelassen. Legendär wurde sein politisches Auftreten bei Aktionen der Studentenbewegung. Die ihm daraus erwachsenen Unannehmlich-keiten ließen ihn bereits 1967 in die USA zurückkehren, wo er bis 1991 in San Diego als Professor für Vergleichende Literaturwissenschaft unterrichtete und sich weiterhin politisch einmischte. Nach seiner Emeritierung zog es Reinhard Lettau wieder in das vereinigte Deutschland, nach Berlin zurück. In seinem letzten Prosaband "Flucht vor Gästen" finden sich Reflexionen dieser problematischen Rückkehr.
Die Materialien des Reinhard-Lettau-Archivs sind bereits archivarisch geordnet und ab sofort der Öffentlichkeit zugänglich im Archivgebäude der Akademie am Robert-Koch-Platz 10.
STIFTUNG ARCHIV DER AKADEMIE DER KÜNSTE
Archivabteilung Literatur / Reinhard-Lettau-Archiv
Robert-Koch-Platz 10, D-10115 Berlin
Tel. 030-30884-
Fax: 030 30884-235
eMail archiv@adk.de
Ort: Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, D-10557 Berlin-Tiergarten
Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags 11-20 Uhr
Eintritt: Euro 5,-/ermäßigt Euro 3,-
VALIE EXPORT Mediale Anagramme ist die erste umfassende
Präsentation der österreichischen Künstlerin in Deutschland.
Mit ihren medienkritischen Arbeiten untersucht sie Wirkungen und
Effekte, die technische und elektronische Medien auf die Wahrnehmung
der Menschen, auf ihre Kommunikation und soziale Verhaltensformen,
ja auf ihre gesamte Lebensweise ausüben.
Der Frage wie, womit und auf welche Weise kulturelle Prozesse über
Medien konstituiert und konstruiert werden, thematisiert die Künstlerin
in ihrem mehr als drei Jahrzehnte umfassenden Werk. Im Mittelpunkt
ihres intellektuellen und künstlerischen Interesses steht die
Wirkungsmacht der Medien. Sie sind sowohl Objekte als auch Mittel
ihrer Analyse. EXPORTs medienreflexiver Ansatz beschränkte
sich daher niemals nur auf die Ausweitung künstlerischer Möglichkeiten,
sondern zielte stets auf Intervention in den gesellschaftlichen
Raum.
Der Titel der Ausstellung stammt von der Künstlerin. "Mediale Anagramme" überschrieb VALIE EXPORT 1990 einen Text, der die Paradigmen ihrer Arbeit dargelegt: einen dezidierten Medienbezug und ein anagrammatisches Verfahren als künstlerische Strategie.
VALIE EXPORT (geboren 1940 in Linz, Österreich) gehört zu den ersten und weltweit bekanntesten und einflussreichsten Medienkünstlerinnen. Heute orientieren sich gerade jüngere Kunstschaffende an ihren kritischen Konzepten, ihrer künstlerischen Herausforderung und ihrer Radikalität. Die Bezeichnung "Medienkünstlerin" prägte VALIE EXPORT programmatisch bereits in den 70er Jahren für sich. In ihren Arbeiten materialisieren sich ihre theoretischen und künstlerischen Recherchen zu den Kontexten, in denen Bilder, Symbole, Sprachen erst ihre semantischen Bedeutungen erlangen. Indem sie diese Bezugssysteme dekonstruiert und/oder immer wieder neu konfiguriert, demonstriert die Künstlerin die Bedingtheit unserer Wahrnehmungs-, Denk- und Wertemuster.
Die Sichtung von EXPORTs vielfältigem und komplexen Werk
verweigert sich gängigen Ausstellungskonzepten, die die gegenwärtige
Produktion des "Künstlers" ins Zentrum stellen, einer
chronologischen Struktur folgen oder in der die Exponate nach Werkgruppen
geordnet sind.
Um EXPORTs anagrammatischen Verfahren wechselweiser Konstruktion
und Dekonstruktion von Bild- und Sprachkontexten zu entsprechen,
konzipierte das RealismusStudio für die Ausstellung einen Diskursparcours,
der Werke aus allen Schaffensperioden in sechs thematischen Arenen
verdichtet - ein Prinzip, das Querbezüge zu den unterschiedlichen
Phasen der künstlerischen Arbeit herstellt.
Leitmotive für die Arenen sind: die Dekonstruktion der Wahrnehmung,
Realität und Repräsentation, die feministische Analyse
von Weiblichkeitsbildern und Geschlechterdifferenz, der öffentliche
Raum, Kommunikationsstrukturen, Technologie und Wirklichkeitsproduktion.
Zwischen den Arenen verweisen kongeniale Schlüsselwerke, wie "Adjungierte Dislokationen" (1973), "abstract film no. 1" (1967/68), "Body Sign Action" (1970), "Tapp- und Tastkino" (1968), "Der Schrei" (1994), und "Die un -endliche -ähnliche Melodie der Stränge" (1998), von den Akzenten der jeweils vorangegangenen Arena auf die thematischen Schwerpunkte der folgenden. Die wichtigsten Arbeiten aus allen großen Werkkomplexen, wie ihre frühen Expanded Cinema -Projekte, Aktionsfotografie und Aktionsvideo, Körperkonfigurationen, Konzeptuelle Fotografie, Digitale Fotografie, experimenteller Film, Videoarbeiten und Installationen sowie die großen Installationen der 90er Jahre, sind in der Ausstellung zahlreich vertreten, wie auch Konzeptblätter zu realisierten wie unrealisierten Projekten.
Der NGBK und dem RealismusStudio der NGBK ist es gelungen, diese umfassende Präsentation und Würdigung von VALIE EXPORT in Berlin zu realisieren und durch die Zusammenarbeit mit der Akademie der Künste und mit der Unterstützung des Hauptstadtkulturfonds und des Bundeskanzleramts Österreich ihr Werk in seiner ganzen Aktualität vorzustellen. In der Akademie der Künste wird die Ausstellung in allen drei Hallen, auf ca. 2000 Quadratmetern, präsentiert.
Die Ausstellung wird von einer Vortrags- und Gesprächsreihe in der Akademie und einem Filmprogramm im Arsenal/Freunde
der Deutschen Kinemathek e.V. am Potsdamer Platz ergänzt.
Zur Ausstellung erscheint ein 224-seitiger Katalog (Hardcover,
zahlreiche Farb- und Schwarzweiss-Abbildungen) zum Preis von Euro
24,- in der Ausstellung und Euro 28,- im Buchhandel.
Weitere Informationen unter www.ngbk.de.
Die Künstlerin ist zur Pressevorbesichtigung und zur Ausstellungseröffnung anwesend und steht darüber hinaus in der Zeit vom 13. bis 19. Januar 2003 in Berlin für Gespräche zur Verfügung.
Projektleitung
Dr. Hildtrud Ebert, Frank Wagner
| Geschäftsstelle der NGBK | Tel. (030) 615 30 31 | |
| Fax (030) 615 22 90 E-mail presse@ngbk.de |
AKADEMIE DER KÜNSTE und
Stiftung Topographie des Terrors
| Vor
siebzig Jahren: Die nationalsozialistische "Machtergreifung" |
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| 18.00 Uhr | Terror und "Volksgemeinschaft" Die Eroberung der Macht 1933 Ein Vortrag von Professor Dr. Reinhard Rürup, Stiftung Topographie des Terrors |
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| 20.00 Uhr | Aufbruch in den Untergang Stimmen der Zeitgenossen 1933 Eine Lesung mit Dieter Mann und Gerd Wameling Leitung: Dr. Ekhard Haack |
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| Zeit: Ort: |
Sonntag, 26. Januar 2003 Akademie der Künste, Studio Hanseatenweg 10, 10557 Berlin-Tiergarten |
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Informationen erhalten Sie über:
Stiftung Topographie des Terrors, Internationales Dokumentations-
und Begegnungszentrum
Budapester Straße 40, 10787 Berlin, Tel: (030) 254509-0, Fax:
(030) 2613002
| Freitag, den 24. Januar, um 11.30 Uhr | |
| in die Dresdner Bank, Pariser Platz 6, | |
| zur Pressevorbesichtigung der Ausstellung | |
| "Die Kortner-Hofer-Künstler-GmbH" |
Es handelt sich um die fünfte Ausstellung der Reihe
| "Akademie-Fenster am Pariser Platz", |
Zur Pressekonferenz sind ein Vertreter der Dresdner Bank und der
Direktor der Stiftung Archiv der Akademie der Künste, Dr. Wolfgang
Trautwein, anwesend. Die Kuratoren der Ausstellung, Stephan Dörschel,
Elgin Helmstaedt und Ina Prescher werden die Dokumente, Zeichnungen,
Fotos und Filmausschnitte der Ausstellung erläutern.
Ganz besonders freuen wir uns darüber, dass Frau Marianne Brün,
Tochter von Fritz Kortner, Ihnen auf dieser Pressekonferenz für
Interviews zur Verfügung steht.
Das Kino Arsenal zeigt parallel zur Ausstellung in einer Retrospektive sechs Filme mit Fritz Kortner und Johanna Hofer.
Sie sind herzlich willkommen.
| 25. Januar bis 16. Februar 2003 |
| Ausstellung der Stiftung Archiv der Akademie der Künste |
| in der Dresdner Bank am Pariser Platz, Berlin-Mitte |
| (Landsittel: Kortner anekdotisch. München 1967, S. 95) |
Fritz Kortner (12.5.1892 geboren in Wien - 22.6.1970 gestorben
in München) zählt zweifellos zu den prägenden deutschen
Theaterregisseuren der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
In der eigens Kortner gewidmeten Vorlesungsreihe Lernen von Kortner an der Hochschule der Künste in Berlin (Frühjahr 1997)
wies Peter Stein auf sein großes Vorbild Fritz Kortner als
den wichtigsten Regisseur für die ihm nachfolgende Regie-Generation
hin.
Johanna Hofer(30.7.1896 geboren in Berlin - 30.6.1988 gestorben
in München) war eine der großen, zarten Frauengestalten
auf den deutschen Bühnen und später Bildschirmen.
1928 gründete das Ehepaar Johanna Hofer und Fritz Kortner
eine GmbH, die "die Auswertung der schauspielerischen Tätigkeit"
zum Gegenstand haben sollte. Fritz Kortner war damals einer der
maßstabsetzenden Charakterdarsteller des Berliner Theaters
und arbeitete mit den bedeutenden Regisseuren seiner Zeit zusammen.
Gerühmt wurde seine kraftvolle und oft polarisierende Darstellung
besonders negativer oder ambivalenter Helden in aufsehenerregenden
und umstrittenen Inszenierungen. Schon sehr früh begann Fritz
Kortner auch für den Film zu arbeiten.
Weniger stürmisch verlief die Karriere von Johanna Hofer, die
wie Kortner 1919 nach Berlin engagiert wurde. Mit ihrer 'somnambulen'
Spielweise errang sie die Zuneigung des Berliner Publikums. 1924
heirateten Fritz Kortner und Johanna Hofer.
Zum Zielpunkt antisemitischer Haßtiraden geworden, mußte
Kortner sofort nach der Machtergreifung Hitlers mit seiner Familie
Deutschland verlassen. In London versuchte er, zunächst als
Darsteller Fuß zu fassen, wandte sich aber später dem
Drehbuchschreiben zu. Nachdem die Nationalsozialisten 1937 begannen,
Filme, an denen Kortner mitwirkte, zu boykottieren, ging er in die
USA. Einige Monate später folgte Johanna Hofer mit den beiden
Kindern. Trotz gelegentlicher Filmrollen des Paares blieb Kortners
Drehbucharbeit die hauptsächliche Einnahmequelle für die
Familie in der Emigration. Als einflußreicher Berater der
bekannten Publizistin Dorothy Thompson wirkte er 1940 an der kriegsentscheidenden
Wiederwahl des amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt
mit.
Im Zusammenhang mit dem Film Der Ruf, in dem beide Hauptrollen
übernahmen und zu dem Kortner das Drehbuch geschrieben hatte,
kehrten Johanna Hofer und Fritz Kortner 1947/1948 nach Deutschland
zurück. 1949 stand Kortner in seiner eigenen Inszenierung von
Strindbergs Der Vater zum ersten Mal wieder in Deutschland auf einer
Bühne. Kortner gehörte zu denen, die kämpferisch
aus dem erzwungenen Exil zurückkehrten, die dem deutschsprachigen
Theater wiederbrachten, was es in den zwölf Jahren Nazi-Barbarei
so nicht geben konnte, nicht geben durfte: authentisches Theater
gegen das "Überrumpelungstheater" der großen
vorgespielten Gefühle, wie er es nannte. Seine Regiearbeiten
waren geprägt von ausgedehnten Probenzeiten, legendären
Theaterkrächen und umkämpften Premieren. Bisher gab es
keine monographische Ausstellung zu Fritz Kortner - und es soll
zumindest jetzt eine geben, auch als ein Zeichen gegen die Verharmlosung
der Nazi-Zeit, als Erinnerung an die Emigration und daran, was wir
den Remigranten nach 1945 verdanken, Erinnerung aber auch an große
Theater-Abende - nicht nur in Berlin. Diese Ausstellung soll nicht
zuletzt auch ein Dank für das Lebenswerk eines Mannes sein,
der mit seiner Rückkehr eine der wenigen Verbindungen schuf
von dem Welt-Theater Berlins vor 1933 zu dem Theater der Nachkriegszeit,
für seinen Glauben an das Theater und seine Wirksamkeit. 1970
starb Fritz Kortner in München.
Welche Rolle Johanna Hofer im Leben Kortners spielte, macht er in seinen Erinnerungen in zwei Sätzen unmißverständlich deutlich: "Nichts Entscheidendes in meinem mehr als dreißigjährigen Leben mit ihr ist ohne ihren Rat geschehen. Was gegen ihren Rat und Willen geschah, war nie entscheidend." (Aller Tage Abend. München 1959, S. 6). Daß dies nicht nur eine Dankbarkeitsgeste vor der verborgenen Lebensleistung seiner Frau war, sondern wie sich das im Alltag des Exils praktisch auswirkte, ist in dem äußerst bewegenden Briefwechsel der beiden aus der Emigrationszeit ab- und nachzulesen, aus dem Auszüge in der zur Ausstellung erscheinenden Publikation veröffentlicht sind. Johanna Hofer spielte nach dem Krieg nicht nur in zahlreichen Inszenierungen ihres Mannes, sondern arbeitete mit Regisseuren wie Hans Schweikart, Peter Beauvais, Rainer Werner Fassbinder, Peter Stein. Nach dem Tode Kortners war sie bis in ihre letzten Lebensjahre auf Bühne und Leinwand präsent. 1981 schrieb die 85jährige an das Archiv: "... seit Jahren, scheint es, bin ich zu nichts mehr imstande als ein bischen Theater zu spielen." Ihr letzter Auftritt verband nochmals Film und Theater, es war die Aufzeichnung von Peter Steins Tschechow- Inszenierung der Drei Schwestern an der Berliner Schaubühne im Jahr 1988. Johanna Hofer starb 1988 in München.
Das Fritz-Kortner-Archiv wurde 1973 in der Ausstellung Theater im Exil erstmals öffentlich vorgestellt. Das Exil bildete den ersten zentralen Sammelschwerpunkt der beiden Akademie- Archive in Ost und West, die 1993 in der Stiftung Archiv der Akademie der Künste, Berlin, zusammenkamen. Hier liegen heute die mit Abstand umfangreichsten Archivbestände zur Künstler-Emigration während des Nationalsozialismus überhaupt. Eine nachhaltige Auswertung des Kortner-Archivs erfolgte mit Klaus Völkers Monographie Fritz Kortner - Schauspieler und Regisseur (1987). Auch quantitativ zählt das Fritz-Kortner-Archiv mit 60 Archivkästen und insgesamt ca. 40.000 Blatt zu den bedeutenden Beständen der Stiftung Archiv der Akademie der Künste, die alle Kunstsparten umfaßt. Die Archivabteilung Darstellende Kunst im besonderen mit ihren 220 Einzelarchiven - u.a. von Boleslaw Barlog, Rudolf Bernauer, Ernst Deutsch, Käthe Dorsch, Tilla Durieux, Jürgen Fehling, Alexander Granach, Heinz Hilpert, Alfred Kerr, Hans Lietzau, Bernhard Minetti und Erwin Piscator - ist mit Abstand das bedeutendste Schriftgut-Archiv zum deutschsprachigen Theater seit 1900. Der Nachlaß Johanna Hofers gelangte im Jahr 2000 aus den Händen ihrer Tochter Marianne Brün-Kortner hierher. Da Johanna Hofer bereits bei der Übergabe des Fritz-Kortner-Archivs viele eigene Materialien der Akademie anvertraut hat, so z.B. Kortners Briefe an sie, ist der Umfang dieses Archivs mit 17 Kästen und ca. 10.000 Blatt geringer, aber nicht weniger bedeutsam. Fritz Kortner ist in seiner Biographie und seinem künstlerischen Weg nicht ohne seine Frau zu verstehen; das Johanna-Hofer-Archiv steht dafür ein, daß ihr durchaus eigenes künstlerisches Werk nicht im Schatten Kortners verschwindet. Einen wichtigen Zugewinn für das Archiv bedeuteten 2001 die etwa 100 Briefe der Kortners an die Redakteurin Ria Hans aus den Jahren 1953 bis 1980.
Die Ausstellung Die Kortner-Hofer-Künstler-GmbH ist
nicht nur die Erstpräsentation des Johanna-Hofer-Kortner-Archivs,
sondern auch die erste monographische Kortner- Ausstellung überhaupt.
Ermöglicht wurde sie durch die Kooperation mit der Dresdner
Bank, die ihrem künftigen Nachbarn, der Akademie der Künste,
mit großzügiger Gastfreundschaft und Unterstützung
nunmehr bereits zum fünften Mal das Akademie-Fenster am Pariser
Platz öffnet. Ohne Marianne Brün-Kortner hätte es
die Ausstellung und das Buch nicht gegeben. Sie hat zusätzliche
Materialien zur Verfügung gestellt und die Vorbereitung beratend
und wohlwollend begleitet. Neben den Archiven von Fritz Kortner
und Johanna Hofer konnte man für die Ausstellung auf die Uwe-Hensel-Sammlung
und die umfangreichen thematischen Sammlungen zu Theater und Film
sowie einige andere Nachlässe der Stiftung Archiv zurückgreifen,
insbesondere von Elisabeth Bergner, Bertolt Brecht, Paul Dessau,
Harald Isenstein, Käthe Kollwitz, Carl Ebert, Herbert Ihering,
Maria Wimmer, Ernst Schröder und Sabine Sinjen.
Die Ausstellung legt den Hauptakzent auf Original-Materialien und
stellt mithin einen Versuch dar, durch Schrift- und Fotodokumente
Fritz Kortner und Johanna Hofer selbst "sprechen" zu lassen
oder zumindest eine Nähe herzustellen, die sich dem Publikum
durch die Originalität der Dokumente erschließen möge.
Ergänzt wird die Darstellung noch durch Ausschnitte aus Filmen
und Tondokumenten, die einzeln abgerufen werden können. In
thematischen Komplexen - wie z.B. Herkunft, Karrieren in Berlin,
Familiengründung und gemeinsames Leben, die Exilzeit, die Filmarbeit,
der Wiederbeginn in Deutschland, die Regiearbeit Fritz Kortners
und die späten Erfolge von Johanna Hofer - arbeitet die Ausstellung
die entscheidenden Lebensstationen des Künstlerpaares heraus.
| Ausstellung in der Dresdner Bank am Pariser Platz 25. Januar bis 16. Februar 2003 Pariser Platz 6 10117 Berlin-Mitte |
| Mo-Fr 10.00-17.00 Uhr Sa/So 11.00-18.00 Uhr Eintritt frei |
| Verkehrsverbindungen S-Bahn Unter den Linden Bus 100, 257, 348 |
Zur Ausstellung erscheint in der Reihe Akademie-Fenster die
Publikation Die Kortner-Hofer- Künstler-GmbH. Fritz Kortner (1892-1970) und Johanna Hofer(1896-1988), herausgegeben
von der Stiftung Archiv der Akademie der Künste. Sie enthält
zahlreiche Privat- und Rollenfotos, Zeichnungen von Harald Isenstein
sowie Texte von Johanna Hofer und Fritz Kortner, von Bertolt Brecht,
Leopold Jessner, Käthe Kollwitz, Ernst Schröder, Maria
Wimmer, Carl Zuckmayer und Originalbeiträge von Klaus Völker
und Peter Stein.
144 Seiten, 83 s/w-Abb., € 9,10
ISBN 3-88331-066-2
Informationen zur Ausstellung
| Stiftung Archiv der Akademie der Künste Robert-Koch-Platz 10 10115 Berlin-Mitte Tel. (030) 30884-0 Stephan Dörschel -254 |
| Ina Prescher -273 Elgin Haelmstedt -241 |