Archiv Bildende Kunst

Das Archiv Bildende Kunst sammelt, bewahrt und erschließt die schriftlichen Nachlässe von Malern, Grafikern, Bildhauern, Kunsthistorikern und Publizisten sowie die Bestände von Künstlervereinigungen und –verbänden vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Es betreut derzeit über 130 Einzelbestände mit nahezu 900 laufenden Metern Schriftgut sowie ca. 40.000 Fotos und 30.000 Dias.

Die vorwiegend schriftlichen Materialien geben u. a. Hinweise auf die Werke und biografischen Stationen von mehr als 17.000 Künstlerinnen und Künstlern. Das Archiv, in dem die Bestände der Akademiemitglieder einen Schwerpunkt bilden, ist eine der umfangreichsten Quellensammlungen zur deutschen Kunstgeschichte seit 1900. Zu den Mitgliederarchiven aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zählen die Nachlässe der Maler und Grafiker Lovis Corinth und Philipp Franck, des Dresdener Malers Robert Sterl, u. a. mit Briefen von Akademiemitgliedern wie Max Klinger, Max Liebermann und Max Slevogt sowie die Archive von George Grosz und John Heartfield, den beiden prägenden Repräsentanten des Berliner Dadaismus und der politischen Satire in der Weimarer Republik. In Tagebüchern und Briefen halten die Nachlässe von Käthe Kollwitz und HAP Grieshaber künstlerische Positionen und wichtige Momente des Zeitgeschehens fest.

Von großem kunsthistorischem Interesse sind Bilderbriefe, wie sie z. B. zwischen Grieshaber und seinem engen Freund, dem Fotografen und Grafiker Walter Renz, ausgetauscht wurden. Weitere Mitgliederarchive stammen von den Bildhauern Theo Balden, Fritz Cremer, Heinrich Drake und Wieland Förster, den Malern und Grafikern Heinrich Ehmsen und Max Lingner, dem Maler und Kulturfunktionär Otto Nagel sowie dem Bildhauer und Zeichner Gustav Seitz. Akademiemitglieder, die in den 1950er und 60er Jahren zu den Meisterschülern der DDR-Akademie zählten, wie der Maler und Grafiker Dieter Goltzsche, der Zeichner Joachim John und der Bildhauer Werner Stötzer, haben dem Archiv ihre umfangreichen Briefkonvolute, Typoskripte und gezeichneten Neujahrsgrüße von Künstlerkollegen aus Ost und West als Archive zu Lebzeiten anvertraut. Seit 2008 übergibt der in Duisburg geborene Bildhauer Michael Schoenholtz seine Werkfotos, Korrespondenzen und Aufzeichnungen.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt in der Erwerbung, Erschließung und Auswertung von Dokumenten wichtiger Institutionen der deutschen und Berliner Kunstszene. Ob Künstlergruppen der Avantgarde oder staatlich organisierte Kunstinstitutionen, die Akten von Künstlervereinen und ihrer Mitglieder geben Einblicke in die historische Entwicklung künstlerischen Selbstverständnisses und die wiederkehrenden Versuche, das Verhältnis zwischen Staat und bildender Kunst zu bestimmen. Das Spektrum reicht vom 1841 gegründeten Verein Berliner Künstler über den 1903 u.a. von Lovis Corinth und Max Liebermann in Weimar gegründeten Deutschen Künstlerbund, den 1952 in Ost-Berlin offiziell gegründeten Verband Bildender Künstler Deutschlands – mit einzigartigem Quellenmaterial zur Kunstgeschichte der DDR – bis zum historischen Archiv des Berufsverbandes Bildender Künstler (Berlin), dessen Überlieferung für den Westteil der Stadt 1950 einsetzt.

Im Zentrum des Sammlungsinteresses stehen auch die Archive der vom Nationalsozialismus verfolgten bildenden Künstler, deren Fluchtweg nach 1933 über die Tschechoslowakei nach Großbritannien führte und die in das Nachkriegsberlin zurückkehrten. Bestandsbildner sind neben dem Fotomonteur John Heartfield u.a. der Bildhauer und Grafiker René Graetz und dessen spätere Ehefrau, die Grafikerin Elizabeth Shaw. Als langjähriger Sekretär des Freien Deutschen Kulturbundes in Großbritannien fungierte der Bildhauer Heinz Worner, dessen Archiv die Arbeit der Gruppe und das Londoner Kunstleben der vierziger Jahre widerspiegelt. Materialien über die Emigration bildender Künstler nach Palästina und in die Sowjetunion finden sich in den Beständen der Fotografin Ellen Auerbach, der Grafikerin Lea Grundig, der Bildhauerin Ellen Bernkopf und des Worpsweder Jugendstilmalers Heinrich Vogeler. Während die Korrespondenz zwischen der Berliner Malerin Gerda Rotermund und der nach Palästina emigrierten Ellen Bernkopf die verschiedenen Schicksale deutlich macht, geben die tagebuchähnlichen Aufzeichnungen Heinrich Vogelers Auskunft über dessen Wandel vom träumerischen Ästheten zum politisch geprägten Maler, dessen Lebensweg unter tragischen Umständen in der kasachischen Steppe endete.

Ergänzt werden diese Archive durch Nachlässe von Kunsthistorikern und Publizisten wie Karl Scheffler, dem Redakteur der Zeitschrift »Kunst und Künstler«, der in langen Jahren das Wechselspiel zwischen Staat, Akademie und Sezession verfolgt hat, wie dem nach Mexiko emigrierten Gründer und Herausgeber der einflussreichen Zeitschrift »Das Kunstblatt« Paul Westheim und dem in die USA geflüchteten eigenwilligen Kunsttheoretiker Max Raphael. Die Nachkriegszeit ist u.a. mit dem Archiv des Dresdener Lektors und Publizisten Erhard Frommhold, dem zu Avantgardekunst und Literatur des 20. Jahrhunderts publizierenden Wolfgang Max Faust und mit dem Archiv von Klaus Hoffmann, dem Herausgeber und Redakteur von »pe…« (Zeitschrift für Kunst und Literatur) vertreten. Schließlich bewahrt das Archiv Bildende Kunst eine Sammlung des Kunsthistorikers und Akademiemitgliedes Werner Haftmann.

(Stand 18.02.2016)