Sprech- und Musiktheater, Bühnenbild, Tanz, Theaterkritik und Kabarett: die Bestände zur Darstellenden Kunst bilden ein breites Spektrum und sind mit über 300 Personenbeständen und 21 thematischen Sammlungen das führende Schriftgut-Archiv zum Theater seit Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland.
Wie ein roter Faden zieht sich das Exil während des Nationalsozialismus durch die Bestände. Mit dem legendären Schauspielhaus Zürich waren Leopold Lindtberg, Wolfgang Heinz und Leonard Steckel verbunden. Schmerzliche Erfahrungen mit der Sowjetunion machten Alexander Granach, Gustav von Wangenheim, Maxim Vallentin und Erwin Piscator, der wie Granach oder Fritz Kortner in die USA ging. Die zentralen Positionen, die viele Emigranten im Theater der 1920er Jahre innehatten, konnten die Rückkehrenden oft nur mit Mühe wieder einnehmen. Das Fritz-Wisten-Archiv und die Sammlung zum Jüdischen Kulturbund dokumentieren das Schicksal jüdischer Künstler, die z. T. bis 1941 in Deutschland künstlerisch tätig blieben.
Umfangreiche Personenbestände gruppieren sich um das Deutsche Theater Berlin, u.a. zu den Regisseuren und Intendanten Otto Brahm, Heinz Hilpert, den ab 1933 exilierten Schauspielern Elisabeth Bergner, Tilla Durieux und Ernst Deutsch. Nach dem Krieg waren dort Wolfgang Langhoff und Wolfgang Heinz als Intendanten und Regisseure und Heinrich Kilger als langjähriger Chefbühnenbildner tätig, Friedo Solter oder Alexander Lang als Regisseure, als Schauspieler Horst Hiemer und Kurt Böwe. Auch Adolf Dresen begann seine Laufbahn an diesem Haus. Mit dem von Brecht begründeten Berliner Ensemble waren Benno Besson, der spätere Intendant Manfred Wekwerth, sein Mitstreiter Joachim Tenschert, der Bühnenbildner Karl von Appen, Ernst Busch und Ekkehard Schall eng verbunden. Einar Schleef – Autor, Bühnenbildner, Regisseur, Schauspieler, Maler, Fotograf – hat im BE starke Akzente gesetzt.
Zwischen dem Preußischen Staatstheater, vertreten durch eine Sammlung Leopold Jessner und Jürgen Fehling, und den anderen Berliner Bühnen wechselten die Schauspieler, so auch Elsa Wagner und Agnes Straub, häufig. Das Berliner Schiller-Theater der 1930er und 40er Jahre ist eng mit dem Namen des Schauspielers und Intendanten Heinrich George verbunden. Für die Nachkriegszeit stehen die Nachlässe der Intendanten und Regisseure Boleslaw Barlog und Hans Lietzau, des Regisseurs und Bühnenbildners Willi Schmidt oder des Schauspielers und Regisseurs Ernst Schröder. Das Schiller-Theater war auch das Haus der Schauspieler Berta Drews, Johanna Hofer, Joana Maria Gorvin, Maria Wimmer und Bernhard Minetti, die aber auch andernorts große Erfolge feierten. Hier begann auch George Taboris europäische Karriere als Autor und Regisseur. Auch die Regisseure Hans Bauer Harry Buckwitz, Rudolf Noelte, Heinrich Koch waren vielerorts tätig. Der Intendant Kurt Hübner hatte in Ulm und Bremen ein modernes Regietheater auf den Weg gebracht und wurde Piscators Nachfolger an der Berliner Freien Volksbühne. Prägend für Hübners Theater war der Bühnenbildner und spätere Regisseur Wilfried Mincks.
Die Oper und das Musiktheater vertreten Alfred Reucker, Intendant in Zürich und Dresden, Walter Felsenstein, ab 1947 Intendant der Komischen Oper Berlin, Ruth Berghaus sowie Peter Konwitschny. Als Intendanten an der Deutschen Oper Berlin wirkten Carl Ebert, 1934 im Exil Mitbegründer des Glyndebourne Opernfestivals, Heinz Tietjen, auch „Chef“ der Wagnerfestspiele in Bayreuth der 1930er und 1940er Jahre, und seit den 1980er Jahren Götz Friedrich. Achim Freyer, Axel Manthey, Jean-Pierre Ponnelle und Herbert Wernicke begannen ihre Laufbahn als Bühnenbildner und setzten besonders als Opernregisseure Maßstäbe. Die Bühnenbildner Rudolf Heinrich, Reinhart Zimmermann und Hans Dieter Schaal. wirkten u. a. an wichtigen Inszenierungen von Felsenstein, Friedrich und Berghaus mit.
Die Theaterdokumentation leitet sich aus der Arbeit von Brecht und Felsenstein her. Sie hält Arbeitsprozesse und -ergebnisse aktueller Inszenierungen fest und beobachtet die Arbeit führender Regisseure des Sprech- und Musiktheaters über längere Zeiträume. Es liegen derzeit rund 1450 Inszenierungs-Dokumentationen vor, u.a. zu Benno Besson, Heiner Müller, Christoph Schroth, Andrea Breth, Frank Castorf, Thomas Langhoff, Christoph Marthaler und Peter Zadek, im Musiktheater zu Ruth Berghaus, Achim Freyer, Peter Konwitschny, Harry Kupfer und Christine Mielitz.
Julius Bab, in der Volksbühnenbewegung und dem Jüdischen Kulturbund engagierter Kritiker, Alfred Kerr, Schriftsteller und Journalist am Berliner Tagblatt mit unverwechselbarem Stil, sein Kollege und Gegenspieler am Berliner Börsen-Courier Herbert Ihering, Friedrich Luft, seit 1946 die „Stimme der Kritik“ beim RIAS und der Theaterwissenschaftler und Kritiker der „Berliner Zeitung Ernst Schumacher“- diese und andere Bestände vertreten den Bereich der Theaterkritik und –wissenschaft.
Im Bereich des Tanzes bewahren vor allem die Nachlässe von Mary Wigman, Gret Palucca und Valeska Gert die Tradition des Ausdruckstanzes. Das moderne Tanztheater Westdeutschlands wird durch die Bestände von Gerhard Bohner, Johann Kresnik und Reinhild Hoffmann repräsentiert. An der Komischen Oper wirkte Tom Schilling; die Tänzerin und Choreographin Arila Siegert wechselte ins Regiefach. Der klassische Tanz war das Metier der Choreografin Tatjana Gsovsky und des Tänzers Gert Reinholm sowie der Prima Ballerina des Bolschoi-Theaters, Maya Plissetskaya.
Das Berliner Kabarett der 1920er Jahre brach 1933 jäh ab, zu seinen legendären Protagonisten zählen die Komponisten Friedrich Hollaender, Mischa Spoliansky, Rudolf Nelson, die Autoren Herbert Nelson, Robert Gilbert und Marcellus Schiffer sowie die Interpreten Margo Lion, Blandine Ebinger, Annemarie Hase und Kate Kühl. Das politische Nachkriegskabarett der BRD prägten maßgeblich Wolfgang Neuss, der Autor Eckart Hachfeld und Matthias Beltz.
(Stand 23.09.2011)