In den letzten Kriegstagen des Jahres 1945 wurde der 1907 bezogene Sitz der Akademie der Künste im ehemaligen Arnimschen Palais am Pariser Platz 4 zerstört und das Vorderhaus in den fünfziger Jahren abgetragen.
Bereits kurz nach Kriegsende wurde in Berlin über eine Neugründung der Akademie von nationaler Bedeutung beraten. Doch Währungsreform und Blockade spalteten Berlin und setzten der Idee einer von Sektorengrenzen unabhängigen Akademie ein Ende. Der kalte Krieg, die ideologische Vereinnahmung der Künste und die Teilung Berlins erlaubten es nicht, für Ost und West eine gemeinsame Institution zu schaffen. So wurden im Ostteil Berlins im Jahr 1950 die Deutsche Akademie der Künste, deren erster Präsident Arnold Zweig war, im Westteil 1954 die Akademie der Künste mit dem ersten Präsidenten Hans Scharoun neu gegründet. Beide Einrichtungen sahen sich in der Tradition der 1696 gestifteten Kurfürstlichen, später Königlichen, dann Preußischen Akademie der Künste.

Die Internationale Bauausstellung Berlin (Interbau) 1957 nutzte den Neuaufbau des Hansaviertels, um den wiedergewonnenen Anschluß Westberlins an die Entwicklungen der modernen Architektur zu demonstrieren und zugleich um sich von den Ostberliner Bauleistungen an der Stalinallee abzugrenzen. Vom 6. Juli bis 29. September 1957 konnte die Interbau als eine Schau zeitgenössischer Architektur und Bautechnik besichtigt werden. Zur Eröffnung waren von den 45 geplanten Bauten rund ein Drittel fertiggestellt, ein Drittel im Bau und die restlichen projektiert. Zu diesem Zeitpunkt war die Akademie der Künste noch nicht vorgesehen. Das Gelände am Rand des Hansaviertels sollte ursprünglich mit zweigeschossigen Wohnhäusern nach Entwürfen von Hans Scharoun u.a. bebaut werden.

Doch dann wurde der amerikanische Industrielle Henry H. Reichhold, ein
gebürtiger Berliner, von Werner Düttmann für die Idee eines
Akademie-Neubaus gewonnen. Das Land Berlin stellte das Grundstück zur
Verfügung, Henry H. Reichhold stiftete eine Million Dollar; Werner
Düttmann und Sabine Schumann übernahmen die Planung des Gebäudes, und
Walter Rossow entwarf die Gartenanlagen. So erhielt die Westberliner
Akademie mit Eröffnung des Gebäudes am 18. Juni 1960 am Hanseatenweg im
Bezirk Tiergarten wieder ihr eigenes Domizil.

Das Raumprogramm wurde von der Akademie der Künste aufgestellt; es sollte mit dem Arbeitsprogramm und den neuen Zielen der Akademie korrespondieren. Dies veranlaßte den Architekten Werner Düttmann, das Haus nicht als geschlossenen Baukörper zu gestalten, sondern es in drei Bauteile zu gliedern, deren unterschiedliche Formen dem spezifischen Charakter ihrer Inhalte Ausdruck verleihen:
1. der hochgelegte weiße, der Straße und damit dem Publikum zugewandte Ausstellungskubus mit Eingangshalle und Gartenhof im Erdgeschoß und den über die große Treppe erschlossenen drei Ausstellungshallen im Obergeschoß, die um einen Skulpturenhof (Gräsergarten) gruppiert sind,
2. das kupfergedeckte "Zelt" des Studios mit seinen schrägen, bis zum Erdboden reichenden Dächern,
3. das dem Publikum entzogene, am Parkrand liegende, fünfgeschossige
Gebäude für die interne Arbeit der Akademie mit Club-, Konferenz- und
Arbeitsräumen, Bibliothek, Ateliers.
Die drei Bereiche sind durch Foyers und Glasgänge untereinander
verbunden. Das Haus erscheint besonders im Innern durch wechselnde
Raumformen, Farben und Materialien wie handgestrichene Ziegel,
Waschbeton, Schiefer und Holz abwechslungsreich und durch Ausblicke in
die Gartenhöfe und die Parklandschaft des Tiergartens offen und frei.

Die Gebäude und Außenanlagen sind Eigentum des Landes Berlin. Das Gesamtensemble steht heute unter Denkmalschutz.
Seit dem 1. Oktober 1993 sind Ost- und West-Akademie hier vereinigt. Im März 2005 bezog die Akademie der Künste auch wieder die alte Adresse am Pariser Platz 4, den Neubau der Architekten Günter Behnisch und Partner. Das Haus am Hanseatenweg dient weiterhin seiner Aufgabe, bedeutender Ort für Ausstellungen, Veranstaltungen und Gesprächsrunden zu sein. Die Appartements und Ateliers stehen Künstlern als Arbeitsräume zur Verfügung.