Johannes Heesters
Auf den Spuren eines Phänomens

25. August bis 22. Oktober 2006
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Über die Ausstellung
Johannes Heesters ist ein Phänomen. Mit Charme und Eleganz bezaubert er seit 86 Jahren als Sänger und Schauspieler ganze Publikumsgenerationen und gehört hierzulande immer noch zu den populärsten Akteuren. Sein Lebenslauf spiegelt die Entwicklung der europäischen Unterhaltungskultur des 20. Jahr­hunderts wider, denn Johannes Heesters ist immer präsent gewesen, ob in der Operette, im Musical oder auf der Sprechbühne, im Radio, auf der Leinwand oder im Fernsehen. Der 1903 im niederländischen Amersfoort geborene Heesters stieg nach seinem Debüt 1921 schnell zum beliebten Operettentenor in Holland und Belgien auf. Seine außergewöhnliche Karriere führte ihn danach über Wien 1935 ins nationalsozialistische Deutschland, wo er – u. a. als von Hitler besonders geschätzter Danilo in der Lehár-Operette Die lustige Witwe – Triumphe feierte und auch zum Filmstar avancierte. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere brillierte er an der Seite von Martha Eggert, Brigitte Horney und Marika Rökk in Filmen wie Hofkonzert (1936), Hallo Janine (1939), Immer nur Du (1941) und Illusion (1941).  Filmschlager wie Man müßte Klavier spielen können, Ich keine Millionen oder Ich werde jede Nacht von Ihnen träumen wurden Evergreens. Nach 1945 war er auf der Operetten- und Schauspielbühne und im Film  allgegenwärtig. Ende der fünfziger Jahre kam zum Kino das neue Medium Fernsehen hinzu, in dem er als einer der ersten Showmaster überzeugte. Heesters steht als Symbol für längst vergangene Zeiten, vermochte aber auch, sich zu wandeln und in seiner künstlerischen Laufbahn gegenüber Neuem aufgeschlossen zu bleiben. Beispielhaft dafür sind seine großen Altersrollen in Flatows Ein gesegnetes Alter (1996-2001) oder Tschechows Kirschgarten (2002). Die erste Ausstellung über Heesters überhaupt begibt sich auf die Spuren dieses Phänomens. Mit einzigartigen Dokumenten, Fotos, Rollenbüchern, persönlichen Notizen, Briefen sowie zahlreichen Film- und Tonbeispielen werden sein Lebensweg und seine Karriere vor dem Hintergrund von fast 100 Jahren politischer und Unterhaltungsge­schichte nachgezeichnet. Neben der biographischen Darstellung werden in Exkursform Themen wie „Operette“, „Musical“ und „Künstler und Nationalsozialismus“ dargestellt. Sein Markenzeichen, der elegante Frack, ist ebenso zu bewundern wie das Kostüm des Danilo, seiner Paraderolle, die er weit über 1.500 Mal gespielt hat. Die gezeigten Exponate entstammen größtenteils dem Archiv Johannes Heesters, das er 2004 der Akademie der Künste übergeben hat.


1903 – 1933 Die Karriere in Holland
 Im Mittelpunkt des ersten Ausstellungsteils stehen die Herkunft von Johannes Heesters, seine Anfangsjahre am Theater und sein Wechsel ins Operettenfach sowie sein Aufstieg zum gefeierten Star in den Niederlanden und die gemeinsamen Tourneen mit seiner Frau, der in Belgien und den Niederlanden sehr bekannten Louise Ghijs. Kursorisch wird auf die niederländische Theatergeschichte am Beispiel von Willem Royaards und Louis Bouwmeesters geblickt.
Seltene Familiendokumente und frühe Bühnenfotos werden in einer an den damaligen Zeitgeist und die niederländische Theaterkultur anknüpfenden Inszenierung präsentiert. Angedeutete Kulissen und die Projektion von Ausschnitten aus Heesters’ Filmdebüt „Cirque Hollandais“ (1924) ermöglichen unmittelbare Eindrücke.

1934 – 1945 Wien und Deutschland
 Der zweite Ausstellungsteil widmet sich zunächst überblicksartig der Geschichte der Operette und der damaligen Situation in Wien und in Berlin. Eng damit verbunden ist die Beschreibung der Lage nach der Vertreibung jüdischer Künstler aus Deutschland und dem Verbot der Aufführung ihrer Werke nach 1933.
Den größten Raum nimmt der Aufstieg Heesters’ zum gefeierten Filmstar ein. Eine Revuewand und Kostüme erinnern an die glamourösen und aufwendigen Revuefilme der Ufa. Monitore zeigen Filmausschnitte der erfolgreichsten Filme Heesters’ und vermitteln Eindrücke von seinem Charme und seinem Talent als Sänger und Schauspieler. Aus zeitgenössischen Radiogeräten erklingen seine Filmschlager und Rundfunksendungen.
Ein gesonderter Komplex beschäftigt sich mit dem Verhältnis Johannes Heesters’ zu den Nationalsozialisten.

1945 – 1961 Die Nachkriegskarriere
Am Anfang steht die Darstellung des privaten und künstlerischen Neuanfangs von Johannes Heesters nach Kriegsende in Österreich und später in Deutschland. Ein Frack und Kino-Schaukästen mit Leuchtreklamen im Stil der fünfziger Jahre verdeut¬lichen die Fortsetzung seiner Filmkarriere. Titelblätter, Plakate, Fanalben und Fanpost weisen auf Heesters ungebrochenen Rang als Star und Publikums¬magnet.
Heesters Rollenspektrum bietet zugleich die Möglichkeit, die Genres Operette, Musical und Musikfilm und ihre Wechselwirkungen genauer zu beleuchten. Ebenso wird der auch nach Kriegsende anhaltende Verlust thematisiert, den die deutsche Kunst durch die Vertreibung zahlreicher Künstler nach 1933 erfahren hat.

1961 – heute Fernsehen und Alterskarriere
Zunächst wird der nahtlose Wechsel Heesters’ vom Leinwandstar zum Fernseh¬liebling demonstriert. TV-Ausschnitte und angedeutete Showkulissen vermitteln einen Eindruck der Zeit der großen Fernsehshows.
 Das Kostüm des Danilo aus der Operette „Die lustige Witwe“ steht symbolisch für die Rolle, die Heesters über tausendmal gespielt hat und die in der öffentlichen Wahrnehmung eng mit der Person Heesters verbunden war.
In Ausschnitten aus TV-Porträts und -Interviews kommt schließlich Johannes Heesters selbst zu Wort und Kollegen schildern persönliche Eindrücke.
Danach wird kursorisch das bis in die jüngste Vergangenheit gebrochene Verhältnis der Niederlande zu Johannes Heesters betrachtet.
Am Ende der Ausstellung ist Johannes Heesters in seinen Altersrollen und -auftritten zu sehen, die er auch als über Hundertjähriger absolviert.