

Mia Grau lebt in Berlin und arbeitet als Regisseurin und Autorin.
Auszeichnungen, Preise und Stipendien
2011 Stipendium, Akademie der Künste, Berlin
2010-2012 Meisterschülerin an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad
Wolf“ in Potsdam-Babelsberg
2009 Nominierung für den deutschen Kurzfilmpreis für „Wüste/Außen/Tag“
2007 Special mention Tirana International Film Festival für „hydrophil"
"Wüste/Außen/Tag", Filmstill, 2009
"Heilig Blut" (Debutfilm), Filmstill 2011
"Sibylle" Filmstill, 2007
Werkliste, Filmographie (Auswahl)
2009 Wüste/Außen/Tag (Spielfilm, 30 Min., 35mm, HFF-Potsdam, rbb)
2007 Sibylle (Kurzspielfilm, 22 Min., 35mm, HFF-Potsdam)
2006 hydrophil (Experimentalfilm, 12 Min., 16mm, HFF-Potsdam)
Heilig Blut
„Bayern im Winter Mitte der achtziger Jahre: Drei ältere Herren fahren mit dem jungen Gösch, dem Sohn ihres kranken Kameraden, in ihre Jagdhütte nach Heilig Blut, um ihn das Leben zu lehren. Alleine in den verschneiten Wäldern liefern sich die drei Kriegsveteranen einen unausgesprochenen Kampf um ihr Bild von wahrer Männlichkeit, dem der junge Gösch schutzlos ausgeliefert ist. Eine Geschichte über Despoten und Mitläufer - mit tödlichem Ausgang.“
Das Drehbuch für meinen Debutfilm ist eine Adaption des gleichnamigen Romans von Gisela Elsner. „Heilig Blut“ beschreibt deutsche Familienverhältnisse. Es geht um die eigentliche Sprachlosigkeit zwischen den Kriegs-Eltern und ihren Nachkriegs-Kindern, die auf einem krassen Wechsel der Werte, der Sprachmuster und der Ideologien nach Kriegsende beruht.
„Heilig Blut“ wird ein Film über diejenigen der 68er-Generation sein, die eben nicht aktiv an den Bewegungen teilhatten. Der junge Gösch ist ein Kind der Nachkriegsgeneration, ist aber kein Hippie oder RAF-Mitglied, ist kein politischer, kultureller oder sonst wie unangepasster Mensch. Er ist im Gegenteil ein Spießbürger, ein kleiner Mann mit unaufgeregtem Leben. Einer, über den die Geschichtsschreibung hinweggegangen ist, der aber millionenfach in deutschen Haushalten lebt(e). Der junge Gösch mag die Ideale seines Vaters nicht, hat seit seiner Kindheit Angst vor den drei Kameraden, mit denen er nun den Winterurlaub verbringen muss. Dennoch ist es ihm nie gelungen, seinen Vater zur Rede zu stellen, sich zu verteidigen, sich aufzulehnen oder gar: sich zu positionieren. Eigentlich ist er ein solcher Feigling und Mitläufer, wie seine Vatergeneration es im Faschismus gewesen ist. Diese Tradition des Mitläufertums ist auch aktuell brisant. Denn: Was bedeutet das für uns – heute? Was bedeutet das für die Kinder der Kinder? Für mich? Meiner Generation wird häufig vorgeworfen, meinungs- und ziellos zu sein, sich nur für privates Vergnügen, nicht aber für Politik und Gesellschaft zu interessieren. Meine Generation hat sich gegen ihre Eltern nicht auflehnen müssen, die als cool galt und schon alles erreicht hatte, die aber auch nicht als wirkliches Beispiel oder Vorbild diente, da z.B. die Hippiebewegungen seltsame Mutationen durchwanderten, im Sande verliefen, faschistoide Züge annahmen, oder schlicht im Konsumrausch aufgingen und die RAF sich selbst und ihre Ziele durch ihre Methoden ins Bestialische verwandelte. Meine Generation läuft auch nur irgendwie in der Geschichte mit, ohne sich wirklich zu beteiligen.
So wie Haneke in Das weiße Band mögliche Gründe für die Entwicklungen des Dritten Reiches in der Kindheit der späteren Faschisten sucht, kann man diese Frage auch fortführen und überlegen, was in anderen, späteren Generationen die Erziehungsmethoden der Eltern für ihre Kinder bedeuten: nämlich für die zweite und dritte Generation und deren vermeintlicher „Gnade der späten Geburt“. Zurzeit wird die deutsche Geschichte stark und aus unterschiedlichsten Perspektiven reflektiert. Faschismus, DDR, Mauerfall und der deutsche Herbst werden besprochen und seziert, doch selten wird dabei überlegt, ob die Geister von damals nicht auch heute noch in den späteren Generationen lebendig sein könnten. Und wenn ja, in welcher Form?