Zur Rauminstallation

Von Thomas Heise

Man kann sich die Geschichte länglich denken. Sie ist aber ein Haufen.
Der Raum zeigt miteinander korrespondierende Bilder und Töne. Er zitiert unveröffentlichtes Material und Ausschnitte aus Filmarbeiten der achtziger Jahre, die erst 2001 eine Öffentlichkeit fanden.
Es handelt sich um
- die Bewerbung zweier Kinder bei der deutschen Volkspolizei am 30. April 1985
- eine Lesung von Heiner Müller aus seinem Text „Herakles 2 oder die Hydra“ für den Schauspieler Ulrich Mühe im November 1987
- Aufnahmen, die während der Unruhen in der Strafvollzugseinrichtung Brandenburg in der Nacht vom 7. zum 8. Dezember 1989 entstanden, als Personal und Gefangene aufgefordert waren, einzeln vor eine VHS-Kamera zu treten und zu sagen, was sie zu sagen hatten
- die Aufzeichnung der ersten am 1. September 1984 stattfindenden Hochzeit im Rat des Stadtbezirks Berlin-Mitte
- den Ausschnitt einer Präsidiumssitzung der Akademie der Künste zu Berlin, zu Fragen der Vereinigung beider Akademien und zu ihrem Selbstverständnis.

Korrespondierend mit den Filmbildern zeigt eine Wand eine Sequenz aus zehn Fotografien von Ulrich Burchert aus dem Frühjahr 1989, die den Abtransport der unvollendeten Plastik „50 Jahre Oktoberrevolution“ von Fritz Cremer aus dem Akademie-Gebäude am Pariser Platz dokumentieren.

Der Raum wird geschlossen durch eine Sequenz, welche die Räumung der besetzten Häuser und die Wiederherstellung alter Besitzverhältnisse in der Mainzer Straße von Berlin-Friedrichshain am 14. und 15. November 1990 zeigt.
Die parallel, jedoch asynchron laufenden Loops unterschiedlicher Längen bieten dem Betrachter immer wieder neue Kombinationen aufeinander bezogener, wiederkehrender Wendungen. Nicht ein Nacheinander einzelner Sequenzen, sondern einander überlagernde Schichten aus Bild und Ton, Spuren verschiedenster Wahrnehmung.

In Saal 3 sind über Kopfhörer zu hören:
- Monologe junger Eheleute / Willi, der im Hackepeter sein Leben erzählt
- die Atmosphäre neben einem sowjetischen Flugplatz

Auf der Ebene -1 zeigt Nele Wohlatz, Studentin der Hochschule für Gestaltung (HfG), Karlsruhe, ihre Arbeit „Lieselottes Jahr“ – das Tagebuch ihrer Großmutter aus dem Jahr 1989.

Mitarbeit: Martin Buntz, René Frölke, Florian Haag, Robin Hinsch, Iuri Maia Jost, Constantin Nestor, Eduard Stürmer, Nele Wohlatz


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