OPEN CALL

Mensch-Maschine // Human-Machine

Die JUNGE AKADEMIE der Akademie der Künste vergibt in Partnerschaft mit VISIT, dem Artist-in-Residence-Programm der innogy Stiftung für Energie und Gesellschaft, ein neues internationales Stipendium zur Förderung von Projekten an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft zum Thema Mensch-Maschine. Künstler*innen aus allen Disziplinen können sich erstmalig ab dem 1. März 2020 online mit einem Projekt bewerben und sind eingeladen, dem Themenkomplex durch künstlerisch-forschende Ansätze zu begegnen.

Bewerbungsschluss ist der 30. April 2020.

Thema

Das komplexe Verhältnis von Mensch und Maschine ist seit der Industrialisierung Sujet der Kunst und der künstlerischen Praxis. Mit der Digitalisierung, dem Aufkommen und der Weiterentwicklung digitaler Technologien bekommt das Thema neue Bedeutung. Das verborgene digitale Ökosystem der künstlichen Intelligenzen läutet in Abgrenzung zum Maschinenverständnis der Industrialisierung das zweite Maschinenzeitalter ein. Auf unsere geistigen Kräfte hat es eine ähnliche Wirkung wie die Dampfmaschine auf die Körperkraft. Ob die menschliche Intelligenz übertroffen oder sogar abgelöst wird, bleibt spekulativ. Dennoch schreiben sich selbst entwickelnde algorithmische Systeme bereits heute in unsere Wahrnehmung ein und stimulieren, regulieren sowie kontrollieren unser Verhalten, treffen Entscheidungen und bringen neue Formen des Autoritären und der Überwachung hervor. Vor diesem Hintergrund werden grundlegende philosophische, ökonomische, ökologische und ethische Konzepte sowie Vorstellungen unserer Lebenswelt durch die neuen Mensch-Maschine-Schnittstellen in Technosphäre und dem Zeitalter des Anthropozän infrage gestellt. Sie verschieben sich durch neue Arten der Vernetzung, Interaktion und Kollaboration von Mensch und Maschine oder werden gänzlich transformiert. Demgegenüber steht die Proklamation alternativer Seinsweisen des Menschen und Körper im Verhältnis zu Natur und Technik.

Fiktionen und Utopien um allwissende und fühlende Maschinen, die sich gegen den Menschen wenden, Begehren entwickeln und Freiheit suchen genauso wie Unsterblichkeitsfantasien des Menschen, dominieren die westliche kulturelle Imagination. Literatur, Film und bildende Kunst verfügen dabei über ein spezifisch ästhetisches Wissen, verhandeln Konzepte, spielen Szenarien durch und spekulieren auf noch kommende Zukünfte.

Was unterscheidet den Menschen von den Maschinen, wenn sie seine Fähigkeiten und ein Selbstbewusstsein entwickeln? In welches Verhältnis treten Mensch, Maschine, Natur und Körper? Wie verändert sich das Verständnis von „humaner“ Autonomie? Was passiert mit dem Geist und dem kollektiven Gedächtnis, wenn wir es in die Cloud, in neue Gedächtnismaschinen auslagern und Maschinen an Erinnerungen und Narrativen teilhaben? Verlieren wir den Kontakt zur Demokratie, wenn Maschinen die Welt interpretieren?

Ausschreibungsrahmen

Bewerben können sich Künstler*innen aller Disziplinen.

Das thematische Stipendium wird bis Ende 2022 dreimal ausgeschrieben. Es ist mit jeweils 20.000 Euro dotiert und kann sowohl für Honorare als auch für Reise- und Produktionskosten sowie Dokumentation genutzt werden. Das Projekt sollte im Rahmen einer Ausstellung/Präsentation gezeigt werden können. Stipendiat*innen erhalten zudem die Möglichkeit eines Gastaufenthalts in den Ateliers der Akademie der Künste im Hansaviertel.

Alle Informationen für eine Bewerbung finden Sie im Bewerbungsportal www.visit-junge-adk.de

Über die Kooperation

Die Idee der künstlerischen Forschung und der multidisziplinäre Ansatz verbinden die JUNGE AKADEMIE und VISIT. Durch die Programmkooperation können beide Partner ihre Netzwerke, Know-how oder auch Atelierorte im Sinne der geförderten Künstler*innen erweitern. Die Perspektive der Kunst, der Wissenschaft und der Wirtschaft sollen im Programmkontext miteinander in Beziehung gesetzt werden und ganzheitliche Antworten auf aktuelle gesellschaftliche Fragen ermöglichen. Ein gemeinsames Ausstellungsprogramm und begleitende Diskursformate werden diesen Prozess unterstützen und öffentlich machen.

Die Stipendiat*innen werden über eine gemeinsame Jury ausgewählt. Sie besteht aus:

  • Inke Arns, Direktorin des Hartware MedienKunstVerein Dortmund
  • Anna Fricke, Kuratorin für Zeitgenössische Kunst am Museum Folkwang, Essen
  • Johannes Odenthal, Programmdirektor der Akademie der Künste Berlin
  • Harald Welzer, Soziologe und Sozialpsychologe, Honorarprofessor für Transformationsdesign an der Europa-Universität Flensburg und Direktor der Stiftung „Zukunftsfähigkeit. FuturZwei“ in Berlin
  • Adrian Piper, Künstlerin und Philosophin, Mitglied der Sektion Bildende Kunst der Akademie der Künste Berlin

Über die Junge Akademie

Die Förderung junge internationaler Kunst aller Sparten ist eine der zentralen Aufgaben der Akademie der Künste, die sie durch das Artist-in-Residence-Programm der Jungen Akademie, durch die Vergabe von Arbeits- und Aufenthaltsstipendien, erfüllt. Diese ist seit 2007 in der Satzung der über 300 Jahre alten Kulturinstitution verankert. Das Programm gibt die Möglichkeit, sich über die Akademie mit Mitgliedern und Partnern zu vernetzen, kreativ im interdisziplinären Kontext auszutauschen und künstlerische Projekte zu entwickeln sowie zu präsentieren – in Ausstellungen, Lesungen, Performances, Workshops oder Open Ateliers. Es gehört dabei zum Selbstverständnis der Akademie, diesen Frei- und Schutzraum des künstlerischen Ausdrucks und des Austauschs, der künstlerischen Forschung, des Experiments und der Begegnung über politische und kulturelle Grenzen hinweg zu bewahren.

Über das Programm Visit

VISIT ist das Artist-in-Residence-Programm der innogy Stiftung für Energie und Gesellschaft und lädt Künstler*innen ein, Projekte umzusetzen, die einen Bezug zum Themenfeld Energie und seiner gesellschaftlichen Relevanz haben. Im Jahr 2010 startete die Stiftung die ersten beiden Projekte – bis heute über 20 Künstler*innen zu Gast gewesen. Ziel des Programms ist es, die wechselseitige Auseinandersetzung zwischen Wirtschaft und Kunst beziehungsweise Künstler*innen anzustoßen. Interdisziplinarität und Perspektivenwechsel fördern das Verständnis für andere Denkansätze und helfen, voneinander zu lernen. Auch hier sind aktuell Bewerbungen möglich, Anmeldeschluss ist der 30. April 2020.

Kontakt Junge Akademie

Clara Herrmann
Leitung JUNGE AKADEMIE
Akademie der Künste
Hanseatenweg 10
10557 Berlin
T +49(0)30 200 57-2163
herrmann@adk.de

 

Kontakt VISIT

Daniela Berglehn
Programmleitung VISIT
innogy Stiftung für Energie und Gesellschaft gGmbH
Opernplatz 1
D-45128 Essen
T +49 (0) 201 12 15 505
Daniela.Berglehn@innogy.com
https://visit.innogy-stiftung.com/