AUSSTELLUNG

HANS HAACKE wirklich
Werke 1959-2006

Eröffnung 17.11.2006
Ausstellung 18.11.-14.1.2007
Pariser Platz

In dieser Ausstellung in zwei Städten ist erstmals in Deutschland ein repräsentativer Überblick über das Werk von Hans Haacke zu sehen. Der Künstler, der seit 1965 in New York lebt, hat in den vergangenen Jahren in Europa und den USA eine Reihe von aufsehenerregenden Arbeiten für künstlerische Projekte im öffentlichen Raum und an Orten der Kunst geschaffen. Kein künstlerisches Werk hat hierzulande eine so breite Diskussion über Kunst und Politik in den Medien und selbst im Parlament ausgelöst wie die Installation DER BEVÖLKERUNG im Berliner Reichstag im Jahr 2000. Deren Dokumentation und die Aufzeichnung der Bundestagsdebatte sind nun Teil der großen Retrospektive Hans Haackes, die die Akademie der Künste, Berlin, und die Deichtorhallen Hamburg zeitgleich und gemeinsam ausrichten.
Haackes Einfluß auf die Kunst der Gegenwart und der jüngsten Vergangenheit ist unübersehbar. Er war es, der vor anderen die heute mehr denn je aktuellen Themen der Verhältnisse zwischen Ökonomie und Ökologie, sozialer und kultureller Macht, wirtschaftlichen Interessen und Kunstmarkt, Politik und Geschichtsbild, kollektivem historischem Bewußtsein und individuellem Schicksal in die zeitgenössische Kunst eingeführt hat. Und er hat es verstanden, für diese komplexen gesellschaftlichen Fragen ebenso subtile wie eindringliche Formen zu entwickeln, die alle visuellen Medien souverän umfassen.
1993 erhielt er für seine Einrichtung des Deutschen Pavillons auf der Biennale Venedig gemeinsam mit Nam June Paik den Goldenen Löwen. In Berlin ist in diesen Tagen sein Denkzeichen Rosa Luxemburg fertiggestellt worden.
Gegenüber Institutionen und den wirtschaftlichen Zwängen, denen sie mehr und mehr unterworfen sind, hat sich Hans Haacke als Künstler stets seine Unabhängigkeit bewahrt. Das Sponsoring und die sogenannte private-public-partnership, oft empfohlene Auswege aus der Verelendung der öffentlichen Kulturfinanzierung, hat er nicht nur für sich abgelehnt, sondern er hat auch die mehr oder weniger verborgenen privaten Interessen, die dahinterstehen, mit künstlerischen Mitteln recherchiert und dargestellt. Haackes Erfahrung in den USA hat ihn als Künstler zu Deutschlands wichtigstem Verteidiger der Kultur als öffentlicher Aufgabe werden lassen. Die heute junge Künstlergeneration, soweit sie sich nicht den sogenannten "Gesetzen des Marktes" und seiner unablässigen Eventproduktion unterwirft, sieht in Hans Haacke den spiritus rector einer kritisch-analytischen und zugleich sinnlich erfahrbaren Kunst, die ein "visuelles Begreifen" der geistigen und politischen Auseinandersetzungen der Gegenwart ermöglicht.
In seinem frühen Werk hat Hans Haacke modellhafte Skulpturen geschaffen, die der Entwicklung selbstregulierender Systeme, der Grundlage von Kybernetik und Computer- wie Internettechnologie, eine künstlerische Analogie zur Seite stellen. Von diesen zentralen Werken der Systemkunst der sechziger Jahre spannt die Ausstellung einen Bogen über die politische Concept Art der siebziger Jahre, die postkonzeptuellen Installationen der folgenden Zeit bis hin zu seinen jüngsten Arbeiten in New York und Berlin.
Die Akademie der Künste hatte Hans Haacke schon 1999 eingeladen, für den geschichtsträchtigen Ort ihres Neubaus am Pariser Platz ein Projekt zu entwickeln. So entstand - auf Haackes Initiative - nun die umfassende Retrospektive als Kooperation zweier voneinander unabhängiger Institutionen.
Die gemeinsam erarbeitete Ausstellung umfaßt an beiden Orten Installationen, Skulpturen, Fotografien, Gemälde und Textwerke aus den Jahren 1959 bis 2006. In Hamburg liegt der Schwerpunkt auf den frühen Arbeiten sowie auf den Werken, die um Wirtschaft, Unternehmen und Sponsoring kreisen. An dem politisch und historisch aufgeladenen Pariser Platz in Berlin, an dem die Akademie der Künste die Ausstellung zeigt, werden Werke zu Geschichte und Politik die Hauptrolle spielen. Sowohl für Hamburg als auch für Berlin konzipierte Hans Haacke neue Arbeiten.

Die Ausstellung wurde durch die Kulturstiftung des Bundes ermöglicht, von der Kunststiftung NRW gefördert und von der Bundeszentrale für politische Bildung unterstützt.

http://www.deichtorhallen.de


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