Chronologie

1922
„Woche der modernen Kunst“: Forderungen einer jungen kritischen Künstlergeneration (Maler, Bildhauer, Schriftsteller, Architekten und Musiker) nach einer eigenständigen brasilianischen Kultur, die nicht länger eine Kopie europäischer Stereotypen sein sollte

1928
Oswald de Andrade Manifesto antropofago („Einverleibung“ als kulturelle Strategie)

1929/1935
Le Corbusier besucht Brasilien

1930
Lucio Costa wird Leiter der Escola Nacional de Belas Artes, Rio de Janeiro

1933
Gründung der SPAM (Sociedade Pró-Arte Moderna, São Paulo) und des CAM (Clube dos Artistas Modernos, São Paulo, gegründet von Flavio de Carvalho)

1941
Stefan Zweigs Buch Brasilien. Ein Land der Zukunft erscheint

1945
Einweihung des MES (Gebäude des Ministeriums für Bildung und Gesundheit) in Rio de Janeiro (Leitung Le Corbusier, u. a. mit Lucio Costa und Oscar Niemeyer)

1947
Eröffnung des Museu de Arte in São Paulo (MASP), Leitung Pietro Maria Bardi. Ausstellungen u. a.: Alexander Calder (1949), Max Bill (1951)

1948
Eröffnung des Museu de Arte Moderna in São Paulo (MAM-SP). Ausstellungen u. a.: „Von der Figuration zur Abstraktion“
Eröffnung des Museu de Arte Moderna in Rio de Janeiro (MAM-Rio), Leitung Paulo Bittencourt

1950/51
Gründung des Instituto de Arte Contemporânea in São Paulo (IAC)

1951
1. Bienal de São Paulo, ausgehend vom MAM-SP. Verleihung des Internationalen Preises für Skulptur an Max Bill

1952
Gründung der Grupo Frente in Rio de Janeiro, Leitung Ivan Serpa
Es erscheint die erste Ausgabe der Zeitschrift Noigandres in São Paulo (Augusto de Campos, Décio Pignatari, Haroldo de Campos)
Diskussion am MAM-Rio über abstrakte Kunst im Zusammenhang mit Museumsgründungen in Anwesenheit von Alfred Barr
Veröffentlichung des Manifests der Gruppe Ruptura in São Paulo (Waldemar Cordeiro, Lothar Charoux, Geraldo de Barros, Kazmer Féjer, Leopold Haar, Luiz Sacilotto, Anatol Wladyslaw)

1953
2. Bienal de São Paulo, Nominierung Max Bills als Mitglied der Jury für die bildende Kunst. Er kritisiert die brasilianische Architektur
Gründung der Hochschule für Gestaltung in Ulm, Direktorat Max Bill. Eugen Gomringer wird dort ein Jahr später sein Sekretär. Unter den brasilianischen Studenten sind Maria Vieira, Almir Mavignier, Alexandre Wollner

1954
Eröffnung des Parque do Ibirapuera (Entwurf Roberto Burle Marx) in São Paulo
In der Neuen Zürcher Zeitung veröffentlicht Eugen Gomringer das Manifest vom vers zur konstellation.

1955
3. Bienal de São Paulo
Eugen Gomringer und Décio Pignatari verabreden in Ulm die Bezeichnung „Konkrete Poesie“ für die neue, in Europa und Brasilien weitgehend unabhängig voneinander entwickelte Form von Dichtung

1956–1961
Präsidentschaft von Juscelino Kubitschek unter dem sozioökonomisch und kulturell ausgerichteten Motto „Fünfzig Jahre Fortschritt in fünf Jahren“

1956–1960
Bau der neuen Hauptstadt Brasilia (Leitung Lucio Costa, Oscar Niemeyer)

1956/57
„Erste nationale Ausstellung konkreter Kunst“ (ENAC), São Paulo und Rio de Janeiro

1957
4. Bienal de São Paulo im Pavilhão Ciccillo Matarazzo (Entwurf Oscar Niemeyer), der im Parque do Ibirapuera liegt
„Interbau“ in West-Berlin, Realisierung des bisher einzigen Baus von Oscar Niemeyer in Deutschland
Bruch Ferreira Gullars mit den konkreten Literaten in São Paulo
Neugestaltung der Zeitung Jornal do Brasil, Rio de Janeiro, durch Amilcar de Castro

1959
Veröffentlichung des Manifesto neoconcreto (Amilcar de Castro, Ferreira Gullar, Franz Weissmann, Lygia Clark, Lygia Pape, Reynaldo Jardim, Theon Spanúdis) im Jornal do Brasil, parallel dazu wird eine Ausstellung im MAM-Rio realisiert
5. Bienal de São Paulo

1960
Ausstellung konkreter Künstler im MAM-Rio (Waldemar Cordeiro, Kazmer Féjer, Judith Lauand, Mauricio Nogueira Lima, Luiz Sacilotto)
Einweihung Brasilias. Das Gebäude der Deutschen Botschaft wird von Hans Scharoun entworfen, der Garten von Roberto Burle Marx.
Ausstellung „konkrete kunst. 50 jahre entwicklung“ in Zürich, Kurator Max Bill. Ausstellung „Neue Tendenzen“ in Zagreb, Kurator Almir Mavignier

1961
Max Bense, der neben seiner Tätigkeit an der Technischen Hochschule Stuttgart 1953–1958 auch an der Hochschule für Gestaltung in Ulm lehrte, besucht Brasilien.
Ausstellung neokonkreter Kunst im MAM-SP

1963
Gründung der Escola Superior de Desenho Industrial (ESDI: Hochschule für industrielles Design) u. a. durch Alexandre Wollner

1964
Militärputsch und Beginn einer Periode autoritärer Staatsführung unter dem Diktat des Militärs (bis 1985)

1967
Vilém Flusser beginnt in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung eine Aufsatzreihe unter dem Titel „Wie philosophiert man in Brasilien?“, die zur Grundlage seines erst 1994 posthum erschienenen Buches Brasilien oder die Suche nach dem neuen Menschen wird.



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