Mail Art

Mail Art, zu Deutsch „Postkunst“, ist eine historische Kunst- und Kommunikationsform, die eng mit Fluxus und Konzeptkunst verwoben ist und wie diese den tradierten Kunstbegriff sowie das Kunstsystem in Frage stellt. Als Vater der Mail Art gilt der New Yorker Künstler Ray Johnson, der in den 1960er Jahren dazu aufforderte, seine postalische Zusendung zu ergänzen und weiterzuschicken. Im Gegensatz zu üblichen Künstlerpostkarten und -briefen adressieren Mail Artisten ihre Sendungen nicht nur an einzelne Korrespondenzpartner, sondern an ein über Adresslisten stetig wachsendes Netzwerk.
„No jury – no fee – no return“, lauten die Grundregeln für die Projekte, die auf Initiative eines Mail Artisten entstehen, der potentiell Interessierte per Post zur Teilnahme einlädt. Vorgegeben wird ein Thema, eventuell auch das Format (zumeist das einer Postkarte) sowie eine Frist. Das Zugesandte geht in den Besitz des Initiators über (no return), der im besten Fall für eine Ausstellung der Mail Art in Gänze (no jury) sorgt (no fee). Üblich ist, dass das Ergebnis eines Aufrufs dokumentiert und somit eine weitere Regel befolgt wird: „documentation to all participants“.
Besondere Bedeutung erlangte die Mail Art in der zweiten Hälfte der 1970er sowie in den 1980er Jahren in den politisch repressiven Systemen der DDR und osteuropäischer Staaten sowie in den diktatorischen Regimen Südamerikas als ein – trotz staatlicher Überwachung, Schikane und Verfolgung – erstaunlich probates Vehikel grenzüberschreitender, freier Kunst- und Meinungsäußerung.

Einsendungen zum Mail Art-Projekt
Foto Manfred Mayer

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