Johanna Diehl, <i>Das imaginäre Studio XIV</i> (Hermann Scherchens rotierender Nullstrahler, Studio für Elektroakustische Musik, Akademie der Künste, Berlin), gelatin silver print, 2017, 61 × 49 cm

Luigi Nono

Luigi Nono nahm ab 1941 Kompositionsunterricht bei Gian Francesco Malipiero, ab 1946 bei Bruno Maderna. Ins Jahr 1948 fiel die Bekanntschaft mit dem Dirigent Hermann Scherchen, welche ihm die Auseinandersetzung mit der deutschen Musiktradition ermöglichte. 1950 reiste Nono erstmals zu den Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik, wo er ab 1954 auch unterrichtete. Im Jahr 1962 wurden erstmals Diskussionskonzerte mit Aufführungen von Werken Nonos in italienischen Fabriken organisiert. Zunehmend empfand er jedoch die Verbindung von politischem Agitprop und avantgardistischer Tonsprache als künstlerische Sackgasse. Die Auslotung des Einzelklangs rückte nun derart in den Mittelpunkt seines Schaffens, dass die Kompositionen sich oftmals an der Grenze zum Verstummen bewegen. Durch das Spätwerk zieht sich das Motiv des Wanderns: Das Wandern des Klangs durch den Raum eröffnet dem Hörer eine immer wieder neue Perspektive auf das Gehörte. Eng verknüpft mit dem Aspekt des Wanderns ist die Suche nach immer neuen Klängen und Wahrnehmungsperspektiven. Das Suchen wird zum eigentlichen Ziel des Komponierens, das dem ästhetischen Prinzip eines ständigen Wandels folgt. Nono war von 1966 bis 1990 korrespondierendes Mitglied der Akademie der Künste (Ost) und von 1982 bis 1990 Mitglied der Akademie der Künste (West).