Ausstellung

John Heartfields (1891–1968) politische Fotomontagen waren die Initialzündung für ein bis heute wirkungsmächtiges bildrhetorisches Verfahren. Mit aufklärerischen Strategien versuchte er ein breites Publikum gegen Faschismus und Krieg zu mobilisieren. Wie es der Freund und Kunstkritiker Adolf Behne 1931 treffend formulierte, wirkten sie als „Photographie plus Dynamit“.

John Heartfield: Benütze Foto als Waffe (Selbstporträt mit Polizeipräsident Zörgiebel), 1929 Fotomontage

John Heartfield: Deutschland, Deutschland über alles, Bilderbuch von Kurt Tucholsky mit vielen Fotografien. Montiert von John Heartfield, Neuer Deutscher Verlag, Berlin 1929

John Heartfield: Berliner Theater
Fotomontage für Deutschland, Deutschland über alles, 1929

John Heartfield: Krieg! (Niemals wieder!),
1932/1941 Silbergelatineabzug mit Pinselretusche

Heute sind rechtes Gedankengut und Agieren erneut eine reale Bedrohung und Heartfields Arbeiten von beunruhigender Aktualität. Die Ausstellung zeigt die vielen Facetten von Heartfields Kunst, von der Buchgestaltung und Werbung über die politische Pressearbeit und Bühnenausstattung bis hin zu Fotografie und Trickfilm. Sie veranschaulicht Heartfields Methode, schlagkräftige Bildmotive in ganz unterschiedlichen Kontexten einzusetzen, und macht Produktionsprozesse sichtbar – vom Vorlagenmaterial, über die geklebten und retuschierten Originalmontagen, fotografische Zwischenschritte und die Montierung von Text ins Bild bis hin zum vielfach gedruckten Endprodukt.

Bisher weitgehend unbekannte Arbeiten und Dokumente machen sein komplexes Bezugsfeld sichtbar. Heartfield hatte während seines von Verfolgung und Exil geprägten Lebens enge Verbindungen zu bedeutenden Zeitgenossen wie Bertolt Brecht, George Grosz, Wieland Herzfelde und Erwin Piscator. Die Grundlage für die Ausstellung bildet die Neubearbeitung und Digitalisierung seines Nachlasses und die Auswertung von Materialien aus unterschiedlichen Archivabteilungen der Akademie der Künste, die auch in einer Online-Präsentation zu sehen sind.

Zum Teil erstmals gezeigte Arbeiten, wie Designentwürfe, Reiseskizzen, Fotos und Film-Dokumente sowie bisher unbekannte Inspirationsquellen aus seiner Grafik- und Ostasiatika-Sammlung erweitern die Werkschau.

Weitere Ausstellungsstationen sind das Museum de Fundatie in Zwolle (26.9.20 – 3.1.21) und die Royal Academy of Arts in London (27.6. – 26.9.21).