Musikalische Lesespeisung zu Becketts 113. Geburtstag

17. April 2019

Jedes Jahr zu Samuel Becketts Geburtstag liest der Übersetzer, Sprachkünstler und Regisseur Leopold von Verschuer dessen frühe Erzählung Erste Liebe vor, der Cellist, Komponist und Happenist Bo Wiget grummelt, grölt und musiziert dazu. In diesem Jahr fand die Lesespeisung am 13. April im Rahmen von „Wo kommen wir hin“ im sogenannten Beckett-Atelier in der Akademie am Hanseatenweg statt.

Die Schriftstellerin Kathrin Röggla, Vizepräsidentin und zusammen mit Manos Tsangaris und Karin Sander Initiatorin des künstlerischen Forschungslabors, eröffnete den Abend:

 

Guten Abend, liebe Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde Samuel Becketts, lieber Leopold von Verschuer, lieber Bo Wiget,

ich darf Sie zu einem besonderen Abend in einem besonderen Raum begrüßen, im Rahmen unserer besonderen Werkstatt „Wo kommen wir hin“. Nicht nur werden sie einen „Elefantem im Raum“ begegnen, quasi als Geisterbeschwörung, auch einer frischgedruckten Publikation und einer Lesung.

Am 100. Geburtstag Becketts beschlossen Leopold von Verschuer und Bo Wiget 100 Jahre lang zu seinem Geburtstag Erste Liebe zu lesen und nicht etwa zu vertonen oder zu vertheatern. Sie finden sich heute zum 14. Mal ein, und zwar zum 113. Geburtstag – an diesem Ort, an dem Samuel Beckett viele Male wohnte – Ende der 60er Anfang der 70er Jahre. Er schrieb von hier aus viele Postkarten, die zum Teil in unserem schönen Archiv lagern. Wir dürfen sie nicht zeigen, weil sonst die Akademie pleite ginge. Beckett Estate versteht wirklich etwas vom Urherbergeschäft, ich werde daraus lernen.

Aber jetzt zu den Geheimnissen:

Samuel Beckett himself badete auch hier, und es kam zu dem berühmten Badewannenzwischenfall, den sie alle aus der Literatur kennen, im Grunde kann man es als ein etwas komplizierteres Überlaufen der Badewanne bezeichnen. Mark Lammert hat in den 90ern hier ebenfalls kurze Zeit gewohnt und erlebte ein ähnliches Phänomen, nennen wir es ein plötzliches Undichtwerden der Badewanne, seither ist bekannt, der Geist Becketts geht hier um, zumindest badewannenmäßig. Also, wenn sie heute Abend etwas tröpfeln sehen. Dann wissen sie, wer hier ist und was hier los ist.

Heute wird auch unsere Elefantenbibliothek eröffnet. Das heißt, hier im Beckett-Atelier sind Sie alle aufgerufen, die Sie die Ausstellung besuchen, ein Elefantenbuch mitzubringen und in dieses Regal zu stellen, während in Halle 1 die Publikationen gleichzeitig nach und nach verschwinden.

Jetzt aber übergebe ich das Wort an Leopold von Verschuer, nicht ohne vorher Danke an Maren Baier zu sagen, die mit uns vom Haus hier alles tapfer durchnavigiert, was es an Gespenstischem zu erleben gibt.

Und nach der Veranstaltung gibt es etwas zu feiern – unser Magazin Elefant im Raum ist eben eingetroffen, druckfrisch aus dem Druckhaus... wir dürfen also eine kleine bookparty in Halle 1 anschließen.

 

Kathrin Röggla Performance Der Elefant im Raum ist im Rahmen von „Wo kommen wir hin“ ab 18. Mai 2019 in der Akademie am Hanseatenweg zu sehen.

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