Grafik: Heimann + Schwantes

Underground und Improvisation. Alternative Musik und Kunst nach 1968

Symposium

Das Symposium widmet sich zentralen Fragen alternativer künstlerischer Strategien, die sich aus der Gegenüberstellung und dem Verhältnis zwischen Underground und Improvisation bzw. Ost und West ergeben: Was verstand man im Westen unter „Underground", was im Osten und wer definierte sich wie? In welcher Weise ist Improvisation politisch und welche politischen Aspekte der Improvisation sind heute relevant? Wie wurden die Trennungslinien und Entgrenzungen zwischen den Künsten in Ost und West diskutiert? Was bleibt und was schrieb Geschichte? Wie ist der aktuelle Drift einiger Vertreter der alternativen Kunstszene nach rechts einzuordnen?

 

Programm:

I: Politics of Improvisation
9.30 Uhr
Einführung: Angela Lammert

10 Uhr
Total Music Now: Jazz Experimentalism in Intercultural Perspective
Vortrag mit Diskussion: Harald Kisiedu
Moderation: Johannes Odenthal
In englischer Sprache

 

II: Was war „Underground" in Ost und West?
11.30 Uhr
Jan Ságl, Alena Ságlová-Veit
Moderation: Angela Lammert
Jan Ságl, der den tschechischen Underground mit seiner Fotokamera dokumentierte, war nicht mit dem Beitritt in eine oppositionelle politische Struktur einverstanden, wie sie Ivan Jirous, der künstlerische Leiter der Band „The Plastic People oft he Universe", und Bruder seiner Frau, der Künstlerin Zorka Ságlovà, einforderte. Seine Fotografien, die er 1976 nach den Verhaftungen einiger Bandmitglieder versteckte, galten lange Zeit verschollen und sind erst vor sechs Jahren wiederentdeckt worden.
In deutscher Sprache

12.30 Uhr
Katalin Ladik, David Crowley, Emese Kürti
Moderation: Angela Lammert
Katalin Ladik benutzte ihren nackten Körper als Medium der Rebellion und Subversion. Durch ihre "Andersartigkeit", durch die performative Ausdehnung ihrer Poesie, durch die Auslotung der Grenzen von Sprache und Körpersprache, erreichte sie eine einzigartige Position des proaktiven Widerstandes, der die männliche Dominanz direkt provozierte und sie zum anti-normativen, ästhetisch unklassifizierbaren Regelbrecher machte. Sie ist Mitglied der zeitgenössischen Randkunst. Ihre voco-visuellen Improvisationen, die Sinnlichkeit ihrer Klangschöpfung, ihre vital-erotischen Gesten machen sie zu einer der radikalsten und verletzbarsten Künstlerinnen im ehemaligen Jugoslawien.
In englischer Sprache

15 Uhr
Piotr Rypson, Daniel Muzyczuk, Mara Traumane
In englischer Sprache
Piotr Rypson, heute stellvertretender Direktor des Nationalmuseums in Warschau ist, war im polnischen „Undergrond" und Aktivist zwischen Kunst und Punk. Er begann 1978 mit der damals von Henryk Gajewski geleiteten Remont Galerie zusammenzuarbeiten und war Herausgeber des von der Galerie veröffentlichten Magazins „Post". Der Kurator Daniel Muzyczuk und die Kunsthistorikerin Mara Traumane, diskutieren mit ihm, welche Erfahrungen des „Undergrounds" sich zwischen Vergangenheit und Gegenwart transportieren lassen?

16 Uhr
Experimentalfilm in Ost und West
Birgit Hein, Claus Löser, Helge Leiberg
Moderation: Cornelia Klauß
In Westeuropa setzte die Bewegung des Experimentalfilms unter dem Einfluss des New American Cinema Mitte der 1960er Jahre ein. Schon Anfang der 1970er Jahre gab es Kontakte von Experimentalfilmemachern aus West und Ost, wie zum Lodzer Filmfestival 1973 oder die Einbeziehung von einzelnen Positionen in die documenta 6 (1977) wie die von Jósef Robakowski. Die meistens live vertonten Super-8-Filme der 1980er Jahre hatten jedoch andere Eigenarten als die im Weten entstandenen Filme. Gemeinsam ist ihnen das Protestpotential gegen die vorherrschenden Kinobilder. Propaganda auf der einen Seite, Mainstream-Kino auf der anderen. Schlüsselfiguren dieser Diskussion werden aus heutiger Perspektive zurückschauen und danach fragen, was bleibt.
In deutscher Sprache

 

III: Free Music Production und Frauen
17.30 Uhr
Joëlle Léandre
Moderation: Markus Müller
Joëlle Léandre ist eine der führenden europäische Musikerinnen und gleichermaßen in den Welten der Komposition wie Improvisation zu Hause. Sie hat, wie vor ihr Irène Schweizer und Maggie Nicols, mit denen sie auch ein gemeinsames Trio hat, viele Jahre auch immer wieder mit der FMP zusammen gearbeitet. Neben vielen anderen Dingen hat sie auch Canaille mitbegründet, eine Reihe von Festivals die sich der Improvisierten Musik von Frauen von 1985 bis 1992 widmete. Mit Markus Müller spricht sie über die besondere Geschichte von Selbstbestimmung, Feminismus und Freier Musik.
In englischer Sprache

18.30 Uhr
KONZERT
Joëlle Léandre (Kontrabass)

20 Uhr
KONZERT
HEARTH
Kaja Draksler (Klavier)
Susana Santos Silva (Trompete)
Mette Rasmussen (Altsaxophon)
Ada Rave (Tenorsaxophon)
€ 13/7

22 Uhr
KONZERT
Deconstruction
Deconstruction
Katalin Ladik
Natalia Pschenitschnikova (Gesang)
Claudius von Wrochem (Cello, Gesang)
Kompositionen von Mátyás Wettl, Milan Knížák, Szymon Stanisław Strzelec, Jan Ságl, Georgy Dorokhov
€ 9/6

 

Zum Programm des Symposiums am 19.4. und 21.4.2018

Freitag, 20.4.

9.30 Uhr

Hanseatenweg

Clubraum

Symposium in deutscher und englischer Sprache

Panels und Gespräche: Eintritt frei