(Post)Koloniales Unrecht und juristische Interventionen

Kuratorisches Statement

Von Nana Adusei-Poku

„Jede wirkliche Veränderung bedeutet den Zerfall der Welt, wie wir sie bis dahin kannten, den Verlust all dessen, was uns Identität gab, das Ende der Sicherheit.“

James Baldwin, Faulkner and Desegregation, 1961

Racial Profiling, Polizeigewalt gegen Schwarze Menschen, insbesondere afrikanische Flüchtlinge, die vor der Mittelmeerküste zum Sterben zurückgelassen werden, sowie der Aufstieg von Populismus, Fremdenfeindlichkeit und essentialistischen Werten zeigen, dass die Schrecken der Vergangenheit weit und systemisch in die Gegenwart hineinreichen. Schwarzsein scheint eine für die Ewigkeit bestimmte „Fantasie im Frachtraum von Sklavenschiffen" zu bleiben - die ultimative, verkörperte Aporie, deren Freiheit ständig neu erkämpft werden muss. Ob in Diskussionen über ein Leben angesichts Schwarzer Toter, über mentale Gesundheit, über die Schaffung von „Sichtbarkeit durch das Unsichtbare" oder von Hoffnung als Disziplin: Schwarzes Kulturschaffen entwirft neue, zeitgenössische, ästhetische Strategien des Widerstands, wobei Widerstand hier auch Existenz bedeutet.

Die aus Patriarchat und Rassismus bestehende koloniale Matrix der Macht ist ein zerbrechlicher, jedoch weit verbreiteter Herrschaftsapparat, der nur durch eine intersektionale Herangehensweise abgebaut werden kann; damit stehen Fragen von Gender, ethnischer Zugehörigkeit, sexueller Identität und Einschränkung/Fähigkeit im Mittelpunkt dieser diskursiven Plattform.

Dekolonialität ist zu einem Modewort geworden, einer oft entleerten und instrumentalisierten Metapher. Die intime Arbeit an der Idee des „Ich/Selbst/Eigenen", die geleistet werden muss, um wirkliche Veränderungen zu bewirken, wird dabei häufig ausgeblendet. Wirklicher Wandel ist verbunden mit dem Auseinanderbrechen der Welt, wie wir sie kennen, einem Ende der Art und Weise, wie wir denken, interagieren, erleben, verstehen und der Praxis über das Binäre hinauszudenken.

„Performances of No-thingness" stellt Schwarze Perspektiven in den Mittelpunkt, die die hegemoniale normative Ordnung hinterfragen. Performativität wird als eine affektive Untersuchung der Art und Weise eingesetzt, wie Schwarzes Kulturschaffen in der Diaspora den kolonialen Zustand und die Absurdität hegemonialer westlicher Vorstellungen des Seins konfrontiert, ignoriert und der Lächerlichkeit preisgibt. Dieses Forum hält uns dazu an, Édouard Glissants Raum der „Imagination" achtsam zu betreten, Fred Motens, „poetischer Soziologie" sensibel zuzuhören, Christina Sharpes „Verteidigung der Toten" inneren Raum zu geben und Che Gossets Anregung zum „Schwarzsein als Nonperformance" als ein Ende der Sicherheit anzunehmen.

„Performances of No-thingness" erforscht kulturelle Produktionen, die durch Tanz- und Sound-Performances, Vorträge, Remastered Workshops, Stadttouren und intime Dialoge unser Sein in der Welt grundlegend hinterfragen.