22.3.2019

Akademie der Künste trauert um Hans Wüthrich

Am 20. März 2019 ist der Schweizer Komponist und Sprachwissenschaftler Hans Wüthrich, geboren am 3. August 1937 in Aeschi (CH) und seit 2009 Mitglied der Akademie der Künste, in Arlesheim (CH) gestorben.

Hans Wüthrich erfand für jedes seiner Musiktheater-, Orchester- und Kammermusikwerke eine eigene, von niemandem je zuvor gehörte Sprache. Das zeitgenössische experimentelle Musiktheater verdankt ihm wesentliche Impulse und Innovationen. Als einer der ersten Komponisten experimentierte Wüthrich mit Kommunikationsmodellen, welche die hierarchische Funktion eines Dirigenten überflüssig machten und die Verantwortung für das musikalische Geschehen auf die beteiligten Orchestermusiker aufteilte – in einem „kybernetisch sich selbst regulierenden Orchester“ (z.B. Netzwerke I-III). Hans Wüthrich verstand seine künstlerische Arbeit nie ausschließlich auf Musik bezogen, sondern als gesellschaftliches Modell für eine gerechtere Zukunft. Aus diesem Ansatz heraus resultieren nicht nur seine bekannten Musiktheaterwerke Das Glashaus (1976) oder Happy Hour (1994-1997), sondern auch Kompositionen wie Wörter Bilder Dinge (1991) für Altstimme und Streichquartett. Seit 2012 befindet sich das Hans-Wüthrich-Archiv in der Akademie der Künste.

Daniel Ott, Mitglied der Sektion Musik, würdigt Hans Wüthrich:
„Wir verlieren nicht nur einen großartigen, viel zu bescheidenen Komponisten, sondern auch einen großen Denker und Philosophen, dem wir wünschen, dass seine musikalischen und musiktheatralischen Anmerkungen zur Gegenwart auch in Zukunft gehört und verbreitet werden: Es würde der Welt gut tun!“

Die Akademie der Künste trauert um ihr Mitglied.

Jeanine Meerapfel
Präsidentin der Akademie der Künste

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