1.9.2009

Archiv der Bauingenieure Schlaich und Bergermann an die Akademie der Künste

Der Akademie der Künste erhält das Werkarchiv der Ingenieure Jörg Schlaich und Rudolf Bergermann als Schenkung. Schlaich und Bergermann führen seit 1980 eines der international renommiertesten Ingenieurbüros in Stuttgart. Ihr Anspruch ist es, Entwurf und Konstruktion anspruchsvoller Ingenieurbauten nach Prinzipien der Effizienz, Schönheit und Ökologie zu entwickeln. Die innovative Ingenieurgemeinschaft, die Büros in Stuttgart, Berlin und New York führt, forscht und erprobt insbesondere das ökologische Bauen mit Leichtmaterialien und Bauten zur Energiegewinnung. Aktuell ist sie an vier anlässlich der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika neu errichteten Stadien beteiligt. 

Beide, Jörg Schlaich und Rudolf Bergermann, studierten das Bauingenieurwesen in Stuttgart. Dort arbeiteten sie bereits gemeinsam bei den Ingenieuren Leonhardt und Andrä, wobei Jörg Schlaich mit Günter Behnisch unter anderem verantwortlich für die Dach-Konstruktion des Olympiastadions in München zeichnete. Von 1967 bis 2000 lehrte Schlaich, auch als Direktor des Instituts für Massivbau, an der Stuttgarter Universität. Dem Büro wurden zahlreiche Preise für herausragende Leistungen im Bauwesen verliehen, unter anderem der Fritz-Schumacher-Preis, der Deutsche Stahlbaupreis und der Balthasar-Neumann-Preis.

Jörg Schlaich, seit 1999 Mitglied der Sektion Baukunst der Akademie der Künste, und sein Partner Rudolf Bergermann schenken der Akademie ihr mit ausgezeichneten Dokumenten bestücktes Archiv. Es handelt sich um mehr als 100 Rollen und Mappen mit Handzeichnungen und Plänen. Unter den Modellen ist das des Olympiastadions in München. Die kompletten Vorlesungs- und Vortragsmanuskripte von Jörg Schlaich sind für die Geschichte der Bauingenieurkunst des 20. Jahrhunderts und für die Forschung von besonderem Interesse. Auch der Bestand an Fotografien sowie die Rohfassung eines Dokumentarfilms zur Büroentwicklung sichern das Wissen über die vielfältige Arbeit der Ingenieure, deren Berliner Konstruktionen – insbesondere die Dächer am Hauptbahnhof, am Spandauer Bahnhof und des Olympiastadions – auch touristische Anziehungspunkte wurden.

Die Notwendigkeit, sich um die Nutzung erneuerbarer Energien, umwelt- und sozialverträglicher Ingenieurbauten und vor allem deren Effizienz und Schönheit zu bemühen, vermittelt Jörg Schlaich bis heute in Vorträgen und Symposien einem interessiertem Publikum und politisch Verantwortlichen.  Die Akademie der Künste widmet im kommenden Jahr beiden Ingenieuren, von den Dokumenten ihres Archivs ausgehend, eine Ausstellung unter dem Titel „High Energy. Ingenieur-Bau-Kunst. Die Ingenieure Schlaich und Bergermann“
(7. Mai bis 4. Juli 2010) in ihren Ausstellungshallen am Pariser Platz.

Bereits morgen Abend, am Mittwoch, dem 2. September 2009, nimmt Jörg Schlaich in der Reihe der
Akademie-Gespräche an einem Podium zum Thema „Klima: Der globale Countdown“ teil. Welche politischen und wissenschaftlich-technischen Wege führen aus der Klimafalle, inwieweit ist die Kunst in der Lage, diese Fragestellung zu erweitern? Das Akademie-Gespräch findet in der Akademie der Künste am Pariser Platz 4 statt, Beginn 19 Uhr.

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