13.2.2018

Käthe-Kollwitz-Preis 2018 der Akademie der Künste geht an die Amerikanerin Adrian Piper

Adrian Piper erhält den Käthe-Kollwitz-Preis 2018. Mit dieser Auszeichnung ehrt die Akademie der Künste eine international arbeitende Künstlerin und analytische Philosophin, die seit Mitte der 1960er Jahre die amerikanische Konzeptkunst maßgeblich mit geprägt hat. Mit Themen wie Geschlecht und Rasse erweiterte Piper das Spektrum der Konzeptkunst und des Minimalismus der ersten Generation. Damit hinterfragte sie die politischen Bedingungen für die Produktionsprozesse von Kunst sowie deren Rezeption und Bedeutung. Ihre einstige Aussage „the power of art is unlimited for social change" hat heute weder an Kraft noch an Aktualität verloren. Ihre Formensprache und die darin enthaltene Poesie berühren auch ein der Konzeptkunst weniger zugeneigtes Publikum.

Die Juroren und Akademie-Mitglieder Marcel Odenbach, Wolfgang Petrick und Wolfgang Tillmans heben bei ihrer Wahl besonders hervor, „dass Adrian Piper in den vergangenen Jahrzehnten konsequent eine ungewöhnlich transformative Arbeit geleistet hat, die sich stets auf ungewohntem künstlerischem Terrain bewegte. Pipers einfühlsame Art zu denken und zu handeln macht ihre Recherchen und Projekte zum gesellschaftlichen, ökonomischen, psychologischen und spirituellen Potenzial der Bildenden Künste so kraftvoll und einzigartig. Ihr Einfluss auf Künstlerinnen, Künstler und ein internationales Publikum bleibt unkalkulierbar, aber nicht ohne Konsequenzen für unser alltägliches Leben und Handeln. Sie hat den Blick auf die afro-amerikanische Kunstszene nachhaltig geprägt und der weiß-männlichen Sichtweise auf Kultur im Allgemeinen den Spiegel vorgehalten."

Adrian Piper (*1948 in New York) lebt und arbeitet seit 2005 in Berlin, wo sie die Adrian Piper Research Archive Foundation Berlin betreibt. Ihr künstlerisches Œuvre, darunter Papierarbeiten, Videos, Multimediainstallationen, Gemälde, Soundarbeiten, fotografisch- und textbasierte Grafiken, befindet sich u.a. im Museum of Modern Art und im Metropolitan Museum of Art in New York, im Museum of Contemporary Art in Los Angeles, im Centre Pompidou in Paris und in der Generali Foundation in Wien. Sie war am Getty Research Institute in Los Angeles, am Wissenschaftskolleg zu Berlin und erhielt die Skowheagan Medal for Sculptural Installation und den New York Dance & Performance Award. 2015 wurde sie für „The Probable Trust Registry: The Rules of the Game #1–3" mit dem Goldenen Löwen auf der Biennale in Venedig ausgezeichnet. 2017 wurde diese Installation und Performance im Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart - Berlin erneut realisiert.

In ihrer wissenschaftlichen Laufbahn als Philosophin wurde Adrian Piper Anfang der 1980er Jahre an der Harvard University mit einer Arbeit über Rationalität bei Doktorvater John Rawls promoviert. Studien zu Immanuel Kant führten sie nach Deutschland, an die Universität Heidelberg. Piper lehrte an mehreren US-amerikanischen Universitäten, in ihren zahlreichen philosophischen Veröffentlichungen beschäftigte sie sich vor allem mit Metaethik, Kant und Ethikgeschichte.

Das Museum of Modern Art in New York widmet Adrian Piper ab dem 31. März 2018 eine umfassende Retrospektive mit über 290 Werken. Soeben ist auch ihr autobiografisches Buch Escape to Berlin: A Travel Memoir auf Englisch und Deutsch erschienen.

Die mit 12.000 Euro dotierte Auszeichnung wird im Herbst 2018 in Berlin verliehen. Anlässlich der Preisvergabe zeigt die Akademie der Künste auch eine Ausstellung am Pariser Platz. Der Käthe-Kollwitz-Preis wird jährlich an eine bildende Künstlerin, einen bildenden Künstler vergeben. Preisträger waren u.a. Katharina Sieverding (2017), Edmund Kuppel (2016), Bernard Frize (2015), Corinne Wasmuht (2014), Eran Schaerf (2013), Douglas Gordon (2012), Janet Cardiff & George Bures Miller (2011), Mona Hatoum (2010) und Ulrike Grossarth (2009). Der Preis, die Ausstellung und der Katalog werden seit 25 Jahren mitfinanziert von der Kreissparkasse Köln, Trägerin des Käthe Kollwitz Museum Köln.

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