22.10.2019, 19 Uhr

Akademie der Künste trauert um Emil Cimiotti

Am 13. Oktober 2019 ist der Bildhauer Emil Cimiotti im Alter von 92 Jahren in Wolfenbüttel gestorben. Er wurde 1994 in die Sektion Bildende Kunst der Akademie der Künste gewählt. Emil Cimiotti ist vor allem durch seine nach dem Wachsausschmelzverfahren erstellten Bronze-Plastiken in den Nachkriegsjahrzehnten bekannt geworden. In der Hochzeit des deutschen Informel wurde er dem weiteren Umfeld dieser expressiven und abstrakten Stilrichtung zugerechnet. Mit der Verleihung des Kunstpreises junger westen 57 für Bildhauerei in der Sparte Bronze gelang ihm der Durchbruch; er nahm mehrfach an der Kasseler documenta und der Biennale in Venedig teil. Eines seiner bekanntesten Werke im öffentlichen Raum ist der sogenannte Blätterbrunnen, der 1976 im Zentrum von Hannover eingeweiht wurde.

„Es gibt keine Themen, wovon ich ausgehe, es gibt nur scheinbare Themen, die bei der Arbeit entstehen: das sind Berge, die sich aus keinem Erdboden erheben, Bäume, die nie gewachsen sind, Wolken, die nie über uns hinweg ziehen werden, es sind Gebilde, die Berge, Bäume, Busen, Wolken sind. Die alles dieses zugleich sind, vieldeutig, auswechselbar, eins als das andere bedeuten.“ (Emil Cimiotti, 1950er Jahre)

Seit dem Ende seiner langjährigen Lehrtätigkeit an der Braunschweiger Kunsthochschule, wo er 1963 Gründungsmitglied war, arbeitete Cimiotti in Hedwigsburg bei Wolfenbüttel kontinuierlich und voller Energie bis zu seinem Tode an einem erstaunlichen Spätwerk, das sich abseits jedweder Grenzen entwickeln konnte. Zu seinem umfangreichen Œuvre gehört eine Vielzahl von Zeichnungen u. a. mit Tusche, Graphit, Gouache, die sich im Spätwerk das Papier als plastisches Medium eroberten.

Die Akademie der Künste trauert um ihr Mitglied.

Jeanine Meerapfel
Präsidentin der Akademie der Künste

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