24.9.2019, 09 Uhr

Akademie der Künste trauert um Günter Kunert

Am 21. September 2019 starb in Kaisborstel bei Itzehoe mit 90 Jahren der Schriftsteller Günter Kunert, geboren am 6. März 1929 in Berlin.

Sein erstes Gedicht veröffentlichte er Mitte der 1940er Jahre. Er wurde zunächst von Johannes R. Becher protegiert, dann von Bertolt Brecht, den er noch persönlich kennenlernte. Zu seinem vielfältigen Werk, das vor allem die beiden deutschen Staaten in der Zeit der Teilung und später das wiedervereinigte Deutschland behandelt, zählen Romane, Gedichte, Erzählungen, Essays, Märchen, Hörspiele, Drehbücher und Kinderbücher. Zuletzt erschien Anfang dieses Jahres sein Roman Die zweite Frau, dessen ersten Entwurf er vor 45 Jahren verfasst hatte. Zu seinen zahlreichen Auszeichnungen zählen der Heinrich-Mann-Preis (1962), der Friedrich-Hölderlin-Preis (1991) und das Große Verdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik Deutschland (2012).

Friedrich Christian Delius, Mitglied der Sektion Literatur, würdigt Günter Kunert:

„An Günter Kunert, mein Weggefährte seit über fünfzig Jahren, habe ich neben seinen Gedichten und Prosatexten am meisten seine Lakonie, seine politische Wachheit und seine unerschütterliche Heiterkeit geschätzt. (53 Jahre Lachen mit Kunert!) Bis 1979 im ständigen Konflikt mit den Zensurbehörden der DDR, konnte er danach erst seine Vielseitigkeit entfalten. Schon in den siebziger Jahren beschäftigten ihn ökologische Fragen – und dass sein fröhlicher Pessimismus ihm am Ende den Titel „Kassandra von Kaisborstel“ einbrachte, wusste er in aller Selbstironie zu genießen.“

Die Akademie der Künste trauert um ihr Mitglied.

Jeanine Meerapfel
Präsidentin der Akademie der Künste

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