23.5.2017, 14 Uhr

Ingenieurskunst zwischen Technik und Ästhetik: Das Archiv von Ulrich Müther wird erschlossen

Ulrich Müther, Rettungsstation, Binz/Rügen, 1981

Ob der „Teepott“ in Warnemünde, die „Seerose“ in Potsdam oder die Rettungsstation in Binz auf Rügen: die futuristischen Bauten des Bauingenieurs Ulrich Müther fallen durch ihre besondere Ästhetik und Formensprache auf und hinterlassen einen bleibenden Eindruck bei den Betrachter/innen. Der Name des innovativen  Entwerfers ist dagegen meist nur einem Fachpublikum bekannt. Müther gilt als einer der markantesten Bauingenieure und Protagonisten auf dem Gebiet der Betonschalenbauten. Seine ungewöhnlichen „Hyparschalenbauten“ stehen mit ihrer Eleganz und Leichtigkeit in Kontrast zur vielfach durch Einheitlichkeit geprägten DDR-Architektur. Sie sind somit Sinnbilder einer bis heute oft ignorierten individuellen und experimentierfreudigen Baukunst in Ostdeutschland. Kurz nach der Wende wurde Müthers Werk allerdings vernachlässigt: Viele Bauten waren dem Verfall ausgesetzt und wurden sogar abgerissen. Ein neues Forschungs- und Erschließungsprojekt sorgt nun dafür, dass das Werk stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit tritt.

Im Rahmen des dreijährigen Projekts: „Das Müther-Archiv Wismar: Sonderbauten der DDR-Moderne“ wird der seit 2006 in der Hochschule Wismar befindliche Nachlass in Zusammenarbeit mit dem Archiv der Akademie der Künste zugänglich gemacht. Einbezogen sind auch die in der Akademie befindlichen Archive der Bauingenieure Jörg Schlaich und Rudolf Bergermann. Die Stuttgarter Bauingenieure setzten neue Maßstäbe im Bereich der Stahlbeton- und Leichtbauweise und wurden vor allem durch ihre national und international gebauten Brücken und Türme bekannt. Schlaichs und Bergermanns Werke zeichnen sich besonders durch ihren innovativen Ansatz aus. Zu ihren Projekten in Deutschland gehören beispielsweise das in Zusammenarbeit mit Frei Otto und anderen Architekt/innen sowie Ingenieuren realisierte Dach des Olympiastadions in München, der Aussichtsturm auf dem Killesberg in Stuttgart und zahlreiche Fußgängerbrücken in Stuttgart, Bochum und Duisburg.

Gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung in der Projektreihe: „Vernetzen-Erschließen-Forschen. Allianz für universitäre Sammlungen“

Informationen zu den Archiven von Ulrich Müther, Jörg Schlaich und Rudolf Bergermann erhalten Sie im Baukunstarchiv der Akademie der Künste:
Dr. Maria-Eva Barkhofen, T +49(0)30-200 57-16 25

 Weitere Informationen zum Projekt Erschließung des Ulrich-Müther-Archivs

Ulrich Müther, Gaststätte „Teepott“, Warnemünde, 1967–1968

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