16.10.2018, 13 Uhr

Unterwegs mit Daniel Nikolaus Chodowiecki – Eine Künstlerreise von Berlin nach Gdańsk

Daniel Nikolaus Chodowiecki: Der Künstler im Unwetter zwischen Körlin und Köslin am 7. Juni 1773, Federzeichnung

Daniel Nikolaus Chodowiecki (1726–1801) begab sich im Jahre 1773 auf eine Reise in seine Heimatstadt Danzig. Seine über hundert auf der Reise angefertigten Zeichnungen, die der Kunstsammlung der Akademie 1864 von Chodowieckis Schwiegertochter geschenkt wurden, lassen seine Route erlebbar werden: Freundschaftliche Begegnungen, Auseinandersetzungen mit einem nicht immer kooperativen Pferd und Besuche bei Mäzenen in Danzig schildert der Künstler in den kleinformatigen Federzeichnungen lebendig, detailliert und charmant. Zusammen mit seinen Tagebucheinträgen fügen sie sich zu einem stimmungsvollen Bild und einem außergewöhnlichen Dokument einer Künstlerreise im 18. Jahrhundert.

Eine Gruppe bestehend aus fünf jungen polnischen Künstlerinnen und Künstlern hat sich im August 2018 im Minibus auf Chodowieckis Spuren begeben. Der Wunsch nach einer intensiven Auseinandersetzung mit Chodowieckis Werk und Lebenswelt in Berlin führte die Künstlergruppe zunächst in die Akademie zum Gespräch und Rundgang mit der stellvertretenden Präsidentin Kathrin Röggla und Anke Hervol, Sekretär der Sektion Bildende Kunst.

Sie verdeutlichten, wie Chodowiecki als Vizedirektor der Akademie eine Reform auf den Weg brachte, deren Geist die Künstlersozietät nachhaltig prägte. Die Originalzeichnungen wurden im Studiensaal der Kunstsammlung genau unter die Lupe genommen. Besuche im Kupferstichkabinett und im Knoblauchhaus, eines der wenigen Berliner Bürgerhäuser aus dem frühen 19. Jahrhundert, ließen auch Chodowieckis künstlerisches Umfeld aufleben und ermöglichten eine intensive Auseinandersetzung mit dem Zeichner und Radierer, der seinen anhaltenden Ruhm insbesondere unzähligen Illustrationen zu Kalendern, Almanachen und literarischen Texten verdankt.

Auf der Reise zeigte sich, dass die Reiseroute als einzige unwandelbare Konstante politische wie historische Umwälzungen überdauert hatte. Einige Sehenswürdigkeiten, darunter Kirchen und Schlösser stehen noch, Reste von Schrift in deutscher Sprache sind unter abblätterndem Putz erkennbar. Mitunter „liegt Chodowiecki in der Luft", scheint greifbar nah. Die Kriegshandlungen gingen damals über Pommern, Ostpreußen und die Kaschubei jedoch so oft und heftig hinweg, dass Chodowieckis Reiseeindrücke heute nur noch schemenhaft nachvollziehbar sind.

Die Ergebnisse dieser imaginären Spurenlese der Künstlerinnen und Künstler werden ab nächstem Jahr im Chodowiecki-Grass-Haus in Gdánsk in Kooperation mit der Akademie der Künste präsentiert.

Ansprechpartnerin: Anna Schultz

Die Künstlergruppe in der Akademie der Künste, August 2018

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