Musikarchiv

In Übereinstimmung mit der Tradition der Akademie der Künste beherbergen die Musikarchive überwiegend Nachlässe und Arbeitsarchive aus dem Bereich der Neuen Musik vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Im Vordergrund stehen Archive von Mitgliedern der Akademie (darunter Joseph Ahrens, Boris Blacher, Max Butting, Paul Heinz Dittrich, Fidelio F. Finke, Friedrich Goldmann, Erhard Grosskopf, Ernst Pepping, Heinz Tiessen, Hans Zender, Bernd Alois Zimmermann), Leitern der Meisterklassen (Hanns Eisler, Paul Dessau und Rudolf Wagner-Régeny) und deren Meisterschülern. Besondere Schwerpunkte bilden die Kompositionsklassen von Arnold Schönberg und Franz Schreker, aus denen Komponisten wie Walter Gronostay, Rudolph Goehr, Walter Goehr und Natalie Prawossudowitsch bzw. Berthold Goldschmidt, Hans Heller, Alfred Keller und Ignace Strasfogel hervorgegangen sind. Die große Zeit der Operette und das Chanson der zwanziger Jahre sind im Musikarchiv ebenfalls prominent vertreten (Eduard Künneke, Ralph Benatzky, Walter W. Goetze und Werner R. Heymann). 

Ein Sammelschwerpunkt der jüngeren Zeit besteht in den Archiven zur Elektronischen und Elektroakustischen Musik (Werner Meyer-Eppler, Hans-Peter Haller/Freiburger Experimentalstudio, Johannes Fritsch/Feedback Studio Köln, Herbert Brün). Nachlässe von ausübenden Musikern dokumentieren die Entwicklung der Interpretation im 20. Jahrhundert, insbesondere auch die Interpretation der Neuen Musik. In diesem Zusammenhang sind die Bestände der Dirigenten Ferenc Fricsay, Ferdinand Leitner, Hermann Scherchen und Peter Ronnefeld zu nennen, der Pianisten Wilhelm Kempff, Artur Schnabel, Eduard Erdmann, Karl Ulrich Schnabel und Tiny Wirtz sowie des Gitarristen Siegfried Behrend. In enger Verbindung mit der Neuen Musik stehen auch die Bestände von prominenten Theoretikern, Publizisten und Organisatoren wie H. H. Stuckenschmidt, Wolfgang Stresemann, Harald Kaufmann, Heinz-Klaus Metzger, Claus-Henning Bachmann, Otto Tomek sowie des Jazz-Publizisten Ernest Borneman.

Die zentralen Archivteile der Personenbestände sind Notenautographe aus sämtlichen Stadien der künstlerischen Arbeit (Entwürfe, Skizzen, Erstfassungen, Reinschriften), die Rückschlüsse auf die Genese der Werke und die Arbeitsweise ihrer Verfasser ermöglichen. Umfangreiche Korrespondenzen geben nicht nur biographische Informationen, sondern spiegeln auch die Umstände, unter denen die Werke entstanden, und insgesamt die Zeit ihrer Entstehung. Zahlreiche Tonaufnahmen, deren Originale (Schellackplatten, Langspielplatten, Tonbänder) auch in digitalen Formaten archiviert und den Nutzern zur Verfügung gestellt werden, vervollständigen die Bestände.

Zu den wertvollen Einzelhandschriften, die in einer allgemeinen Musiksammlung aufbewahrt werden, gehören Notenautographe von Paul Hindemith, Helmut Lachenmann, György Ligeti,  Arnold Schönberg und Josef Tal sowie zahlreiche weitere Schriftstücke und Dokumente aus der Geschichte der Musiksektion der Akademie und des Berliner Musiklebens. Unter dem Aspekt der Dokumentation werden die Bestände durch mehrere thematische und institutionelle Sammlungen abgerundet, von denen das Arbeiterliedarchiv und das Archiv des Verbandes der Komponisten und Musikwissenschaftler der DDR das größte Interesse für sich beanspruchen.

Das Musikarchiv stellt seine Bestände nicht nur in Veranstaltungen, sondern auch in Publikationen vor: Dazu gehört neben den Ausstellungskatalogen über Hermann Scherchen, Bernd Alois Zimmermann, Boris Blacher, Paul Dessau und Artur Schnabel die seit 1997 erscheinende Publikationsreihe Archive zur Musik des 20. und 21. Jahrhunderts, die in Quellentexten, Abbildungen und werkbezogenen Essays Auskunft über die wichtigsten Bestände gibt. Am Ende eines jeden Bandes bietet ein Inventar sämtlicher Musikautographe einen Überblick über das jeweilige Personenarchiv.


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